. .
News am 21.11.2009
RSS Mobil Wetter stern.de Blogs Hefte
6. August 2008, 17:32 Uhr
Schriftgröße: A A A

China weist Tibet-Aktivisten aus

Zum Start der Wettkämpfe bekommen Sportler die Repressalien Chinas zu spüren. Vier Tibet-Demonstranten, die mit einer spektakulären Aktion Aufsehen erregt hatten, müssen das Land verlassen. Olympiasiegerin Amanda Beard durfte nicht nackt protestieren, Olympiasieger Joey Cheek gar nicht erst einreisen.

Kurz vor Beginn der Spiele reagiert die chinesische Staatsführung immer strenger auf geplante Protest-Kundgebungen© Kerim Okten/DPA

Kurz vor der offiziellen Eröffnung der Olympischen Spiele an diesem Freitag duldet die chinesische Führung keinerlei Proteste mehr. So bekommt der amerikanische Eisschnelllauf-Olympiasieger Joey Cheek kein Visum für die Reise zu den Sommerspielen nach Peking. Die chinesische Botschaft in Washington verweigerte Cheek die Papiere. Cheek wollte in China als Präsident und Mitbegründer des "Teams Darfur" dazu beitragen, dass internationale Organisationen ihre Friedensbemühungen um die sudanesische Krisenprovinz Darfur verstärken.

Die USA kündigten an, gegen die Maßnahme formalen Protest einzulegen. "Wir nehmen die Sache sehr ernst", sagte die Sprecherin von US-Präsident George W. Bush, Dana Perino. "Wir hoffen, dass sie (die Chinesen) ihre Meinung ändern." Auch das Olympia-Komitee der USA will sich dafür einsetzen, dass der Widerruf aufgehoben wird.

Nackter Protest untersagt

Von den chinesischen Behörden verboten wurde auch der Protest von Schwimm-Olympiasiegerin Amanda Beard. Sie wollte in Peking nackt gegen die Herstellung und das Tragen von Pelzen protestieren. Die Aktion der Tierschutzorganisation Peta hätte eigentlich vor wenigen Stunden vor der Schwimmhalle in der Olympia-Stadt stattfinden sollen, doch die Behörden untersagten das Unterfangen aus "Gründen der öffentlichen Sicherheit". China gilt als einer der größten Pelzexporteure der Welt.

Beard durfte lediglich vor dem olympischen Dorf ein Plakat hochhalten, auf dem sie nackt zu sehen ist. Darüber steht der Slogan: "Fühl dich wohl in deiner Haut. Trage keinen Pelz!"

Darüber hinaus schiebt China vier ausländische Aktivisten ab, die am Mittwochvormittag gegen die chinesische Besatzung Tibets protestiert hatten. Die ersten zwei sollen noch in der Nacht das Land verlassen, die beiden anderen am Donnerstag, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Die Demonstranten aus Großbritannien und den USA hatten kurz vor dem Start der ersten Olympischen Wettkämpfe in Peking mit einer spektakulären Aktion für Aufsehen gesorgt. Die vier Protestler kletterten am Olympia-Park in Peking unweit des Nationalstadions auf zwei 40 Meter hohe Strommasten und entrollten große Transparente mit der Forderung nach Freiheit für Tibet.

"Eine Welt, ein Traum, befreit Tibet" stand in Abwandlung des Mottos der Spiele auf einem langen weißen Banner geschrieben, das die Kletterer anbrachten. Ein anderes verkündete: "Tibet wird frei sein." Die Aktion wurde schließlich von der Polizei beendet, die Feuerwehrautos mit langen Leitern herbeigerufen hatte, um die Transparente wieder abzumontieren. Nach Angaben der Gruppe Students for a Free Tibet brauchten die Einsatzkräfte hierfür eine Stunde, nach Angaben der chinesischen Staatsagentur Xinhua lediglich zwölf Minuten.

"Tibet wird frei sein"

Die Demonstranten hatten vor der Aktion den US-Fernsehsender ABC verständigt. Einer der Aktivisten, der sich als Ian aus Edinburgh identifizierte, rief die Reporter mit seinem Handy vom Strommasten aus an. Er hoffe, die Aktion sei geeignet, "um einen echten Unterschied zu machen".

Obwohl die Spiele in den Stadien - darunter das torlos endende Match der deutschen Fußballdamen gegen die starke brasilianische Olympia-Auswahl - wie geplant beginnen konnten, kritisierte das Organisationskomitee in Peking die Protest-Aktion scharf. "Wir hoffen, dass Ausländer die chinesischen Gesetze und Bestimmungen respektieren", sagte Sprecher Sun Weide.

Eine Sprecherin des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) erklärte unterdessen, die Organisatoren müssten damit rechnen, dass Menschen die Plattform der Olympischen Spiele dazu nutzten, um auf ihre Anliegen aufmerksam zu machen. Das IOC sei zuversichtlich, dass Peking darauf vernünftig und mit Verständnis reagiere.

Nach Auffassung der Pekinger Regierung ist Tibet seit Jahrhunderten ein Teil Chinas. Viele Tibeter dagegen argumentieren, dass das Gebiet vor 1950 eine unabhängige Nation gewesen sei. Der Protest gegen die chinesische Herrschaft in der Bergregion schlug im März in Gewalt um. Seitdem gehen die Behörden massiv gegen Demonstranten vor.

Fackellauf unter strengen Sicherheitsvorkehrungen

Der Olympische Fackellauf trat unterdessen seine letzte Etappe vor dem offiziellen Beginn der Sommerspiele an. Das Feuer wurde im Pekinger Kaiserpalast von Astronaut Yang Liwei in Empfang genommen. Er trug die Flamme an einem riesigen Porträt von Mao Tse-tung vorbei durch das historische Tiananmen-Tor. Die Flamme soll innerhalb von drei Tagen von 841 Fackelträgern durch Peking getragen werden und am Freitag das Olympische Feuer entzünden.

Kurz vor Beginn der Spiele hatte US-Präsident George W. Bush erneut mehr Meinungs- und Religionsfreiheit in China angemahnt. Zugleich verteidigte er seine Teilnahme an der Eröffnungsfeier in Peking an diesem Freitag. Hierfür gebe es zwei Gründe: "Erstens, den Chinesen meinen Respekt zu erweisen und zweitens, die US-Mannschaft anzufeuern", sagte Bush. Zwar handele es sich um eine Sportveranstaltung, doch biete sie zugleich die Gelegenheit, den Chinesen zu sagen, dass die Amerikaner ihre Traditionen und ihre Geschichte respektierten. Nichtsdestotrotz sollten die Chinesen "religiöse Menschen in ihrer Gesellschaft nicht fürchten" und Menschen begrüßen, die ihre Meinung frei äußern.

DPA/AP/Reuters/AFP
KOMMENTARE (10 von 27)
 
Kiezzabel (06.08.2008, 16:34 Uhr)
@botoxia
welcher "sache" tun die Protestierenden keinen gefallen?
Johann58 (06.08.2008, 16:32 Uhr)
Jede Sportveranstaltung
bei der Nationalteam antreten ist auch eine politische Veranstaltung. Fuer die Veranstalter wie auch fuer die Athleten. Deutschland hat sich bei der WM 2006 als Deutschland praesentiert und das positiv. China praesentiert sich eben eher negativ aus der Sicht der westlichen Laender. Man kann doch nicht so naiv sein und glauben, dass man Sport und Politik trennen kann. Ich ziehe meinen Hut vor den Menschen die trotz der Gefahr verhaftet zu werden auf Misstaende in China aufmerksam machen. Die Kirchgaenger in Leipzig, die nach der Kirche auf die Strasse gegangen sind haben die DDR zum Einstruzr gebracht, aber Kirche und Politik haben ja sicher auch nichts miteinander zu tun. @etobicoke Ihr Kommentar erinnert so ein bischen an 'Panem et Circensis' Immer schoen berieseln lassen und das Gehirn ausschalten.
botoxia (06.08.2008, 16:26 Uhr)
"Das Gesicht verlieren"
ist für Chinesen etwas sehr unangenehmes. Und jetzt zu Olympia noch schlimmer, soll doch der Sport von der Politik nicht überrollt werden. Durch die politischen Proteste bei olympischen Veranstaltungen tun die Protestierenden der Sache keinen Gefallen.
albundy69 (06.08.2008, 16:25 Uhr)
No Surprise
Wer China 2001 die O.G. anvertraute (und das tat das IOC) der konnte schon damals wissen dass 2008 keine Wunder zu erwarten sind. China präsentiert sich als ein Land voll Angst und Selbstüberschätzung ob seiner wirtschaftlichen Power. China wird die Spiele "perfekt" organisieren, der "olympic spirit" aber, der ist schon nach London vorausgereist. Rogge wird am Ende in einer vorher vom chinesischen Propagandaministerium geschriebenen Rede, wie Samaranch vor ihm, von den "best games ever" lallen, und dann zu Kaviar, Sex und Geldgeschenken in die Hinterzimmer zurückkehren.
P.S. Dass der Anteil an chinesischen Patienten in Rogges exklusiver Privatklinik in den vergangenen JAhren um rund 350 % gestiegen ist, das ist purer Zufall ! Allez Jacques, on encaisse et on tient le bec ben fermé !
Malt (06.08.2008, 16:21 Uhr)
provocateur...
...hat den wahsten Satz geschrieben.
.
Und zum Thema China: Die haben die Spiele nicht aus irgendwelchen Gründen der "Gerechtigkeit" oder der "Präsentation Ihrer Kultur" bekommen, sondern alleine deshalb, dass 1,3 Milliarden Chinesen die Werbung sehen und Coca Cola kaufen, MC Donalds-Scheiße fressen und Hyundai fahren... die Spiele drehen sich WEDER um Politik NOCH um Sport, sondern alleine um's Geld... wie beinahe alles, heutzutage... also, etobicoke, geniese deine tollen Spiele... auch wenn du vor lauter Scheiklappen eh vermutlich nichts sehen wirst...
Silbador (06.08.2008, 16:07 Uhr)
Es war doch bekannt, wo es hingeht
was also sollen jetzt diese Reaktionen. Schon hier in Deutschland oder auch in Amerika ist Meinungsfreiheit nicht immer so erwünscht - in der Regel kommt man aber ungeschoren davon.
In China sieht es, ebenso wie in Russland, anders aus: hier hält man eben besser seine Klappe! Das weiß man aber vorher!!!
provocateur (06.08.2008, 16:06 Uhr)
Berlin 1936...
Damals wie heute, es ist die gleiche Wichse: Ein Regime feiert sich selbst und die Welt schaut zu.
JimPanse (06.08.2008, 14:39 Uhr)
Politisiert..
...sind die Spiele schon längst etobicoke. Und zu deiner Überraschung nicht nur von den westlichen Medien und Regierungen sondern jahrzehntelang von der chin. Regierung. Ein Beispiel zu deinen ach so freien und tollen Wettkämpfen: Seid Monaten ist es unabhängigen Kontrolleuren nicht gestattet unangekündigte Dopingkontrollen bei chin. Athleten vorzunehmen. Die chin. Offiziellen verweisen auf ihre Gesetze und fehlende Behördengenehmigungen. Wer macht die Gesetze und stellt Genehmigungen aus zum Vorteil ihrer Dopingsportler? Was meinst Du?Athleten? Sportfunktionäre? Die Politik deckt diese Sportler zum Ruhme ihrer Nation. Mittlerweile dürfte jeder Depp kapiert haben das Beides nicht getrennt funktioniert in China.
Ugly (06.08.2008, 13:22 Uhr)
Olympia ist auch Politik
Es mag schwer verständlich sein, aber mir ist Olympia völlig schnurz.
Ich muss nicht zusehen, wenn Sportler um Werbeverträge kämpfen. Der fortgesetzte Versuch Proteste gegen Menschenrechtsverletzung zum Schweigen zu bringen, damit man in Ruhe "Olympia" geniessen kann finde ich peinlich und lächerlich.
ukiduki (06.08.2008, 13:17 Uhr)
@etobicoke
ich meinte nicht @athleten, sondern @etobicoke
MEHR ZUM ARTIKEL
Olympia China verschärft Kontrollen

Die Atmosphäre in Peking ist vor dem Beginn der Olympischen Spiele ohnehin angespannt, da sorgt ein Bericht über ein Arbeitsverbot von Journalisten auf dem Platz des Himmlischen Friedens für zusätzlichen Wirbel. Unterdessen verschärft China seine Kontrollen: 18 "ausländische Terroristen" wurden bereits festgenommen. mehr...

Internet-Zensur So blockiert China das Web

Peking sendet widersprüchliche Signale, wie offen die Olympischen Spiele sein werden. Nachdem die Führung noch vor zwei Tagen die Internetzensur verteidigte, hat sie gesperrte Seiten jetzt freigegeben - zum Teil. So surft es sich aus Peking im Internet. mehr...

Olympia Internet-Zensur spaltet IOC

Die unerwartete Internet-Zensur durch Olympia-Gastgeber China sorgt für mächtig Wirbel im Internationalen Olympischen Komitee. Dessen Chef Jacques Rogge steht arg in der Kritik - vor allem weil er den Bruch der Zusagen durch den Gastgeber offenbar tatenlos hinnimmt. mehr...

 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Günther Jauch
sternTV - Information und Unterhaltung mit Günther Jauch

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...