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15. August 2008, 10:34 Uhr

Grüner als man denkt

Die grünen Spiele sind graue geworden, so scheint es hier an den meisten Tagen. Doch ausgerechnet Greenpeace sagt nun: Es war gut für die Umwelt, Olympia 2008 an China zu vergeben. Von Adrian Geiges, Peking

Das Olympia-Stadion im blauen Abendhimmel. Die Spiele von Peking haben laut Umweltexperten zu ökologischen Veränderungen in der chinesischen Hauptstadt geführt© ChinaFotoPress/Laif

Ein Büro mit mehr als 40 jungen Leuten. Sie wuseln durch die Gänge, stimmen sich per Zuruf ab, Chinesen, Koreaner, auch Schweizer und Kanadier sind dabei. Die internationale Gemeinschaft von Greenpeace. Dass man sich in deren Pekinger Büro befindet, davon zeugt vor allem die Sicht aus dem Fenster, genauer gesagt die fast nicht vorhandene Sicht: Eine graue Soße.

Ist es Nebel oder Luftverschmutzung? "Mit bloßen Augen lässt sich das nicht für jeden Tag genau festlegen", schmunzelt Lo Sze Ping, der Kampagnen-Direktor von Greenpeace China. "Aber meistens ist es hier eine Mischung aus beidem."

Trotzdem gibt Lo, der selbst aus Hongkong kommt, der Pekinger Führung überraschend gute Noten. In der versprochenen "grünen Olympiade" sieht er nicht nur eine Propaganda-Losung: "Erstmals hat ein Entwicklungsland die Olympischen Spiele zum Anlass genommen für ökologische Veränderungen." Und die habe es gegeben.

Er stützt sich dabei nicht auf die umstrittene offizielle Statistik, die von mehr Sonnentagen und geringeren Schmutzwerten spricht. Die wurde angegriffen, da Messgeräte in einzelnen Fällen von Verkehrsknotenpunkten in Parks verlegt worden sein sollen. "Das muss nicht unbedingt eine Manipulation sein, in einer sich dynamisch verändernden Stadt wie Peking ist es wissenschaftlich korrekt, die Messstandorte permanent zu verändern", betont der Greenpeace-Mann. "Was wir jedoch brauchen ist mehr Transparenz darüber, warum die Verlegungen stattfinden."

Die Maßnahmen zahlen sich aus

Der Grund für seine positive Bilanz sind aber die getroffenen Maßnahmen, ohne die die Verschmutzung Pekings weiter gestiegen wäre. Es wurde begonnen, die Haushalte von Kohleheizung auf Gas umzustellen. Industriebetriebe wurden aus der Stadt verlegt.

Die dadurch erreichte Luftverbesserung wurde zwar durch die größere Zahl von Autos wieder abgemindert - die wäre aber noch viel größer, hätte Peking nicht gleichzeitig die öffentlichen Verkehrsmittel gewaltig ausgebaut: Als die Metropole den Zuschlag für Olympia bekam, gab es dort nur zwei U-Bahn-Linien. Jetzt sind es acht. "Weite Teile Pekings kann man nun ohne Auto erreichen", sagt Lo. "Von Los Angeles lässt sich das nicht behaupten."

Überhaupt sieht der Greenpeace-Mann viel Heuchelei des Westens, wenn über Chinas Umwelt geredet wird. Es sei schwer Chinesen zu überzeugen, auf das Auto zu verzichten, wenn in den USA oder Deutschland jeder eines fährt. "Deutschland rühmt sich ein ökologisch ausgerichtetes Land zu sein - aber es sind vor allem Wagen von deutschen Autoherstellern, die die Straßen Pekings verstopfen." Und obwohl China arm ist, gilt für neu zugelassene Autos hier jetzt der Abgasstandard Euro IV. Die USA etwa sind davon weit entfernt. Eine weitere Pionierleistung Pekings: Wegen Olympia fahren in der Stadt jetzt 3759 Busse, die mit Naturgas betrieben werden.

Proteste und Gespräche

Greenpeace ist bekannt für Aktionen, bei denen Verschmutzer angegriffen werden. Solche organisieren die Umweltschützer auch in China. Neben Lo sitzt seine Kollegin Jamie Choi. Sie protestierte vor der Pekinger Zentrale von HP gegen toxische Stoffe in deren Computern. Aber sie sucht auch das Gespräch mit Unternehmen, etwa den Sponsoren von Olympia, nahm die Spiele zum Anlass, Druck auf diese auszuüben. Mit Erfolg. So sind alle Kühlanlagen, die Coca Cola für die Olympischen Spiele nutzt, HFC-frei.

Eine ähnliche Strategie fuhr Greenpeace gegenüber dem Pekinger Organisationskomitee für die Olympischen Spiele (BOCOG). Es gehörte zu dessen Beratern. Ein Ergebnis: 20 Prozent der Elektrizität für die Sportstätten wird mit Windenergie erzeugt. Lo Sze Ping sagt: "Für die Umwelt hat es sich ausgezahlt, dass Peking die Olympischen Spiele bekommen hat."

Von Adrian Geiges, Peking
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
Nana_Xiaojie (15.08.2008, 14:01 Uhr)
Heut schonmal aus dem Fenster gekuckt?
Heute war strahlendblauer Himmel, nix grau und kein Smog. Es wird halt bald Herbst, und der fiese Regen gestern wird auch geholfen haben.
LaoLu (15.08.2008, 13:54 Uhr)
Ich pack's nicht!
Das ist in nicht ganz 24 Stunden der zweite Artikel von Adrian Geiges, an dem ich nichts zu meckern habe.
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Greenpeace wird wohl nicht einmal von Maria der Zugehörigkeit zur chinesischen Propagandabehörde bezichtigt.
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Allein schon die Tatsache, das Greenpeace in Peking ein Büro mit 40 Mitarbeiter unterhält, sollte zu denken geben, oder?
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