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19. August 2008, 11:31 Uhr
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Goldmedaillen als Staatsdoktrin

China muss die Nummer eins bei den Goldmedaillen werden. So lautet der Auftrag, den Chinas Regierung an die Athleten ausgeben hat. Der Plan wird erfolgreich umgesetzt. "Es geht dabei um die Demonstration ihrer Überlegenheit", sagt Eike Emrich, Vizepräsident des Deutschen Leichtathletikverbands. Von Jens Fischer und Adrian Geiges, Peking

So wie hier in der Shichahai-Sportschule wird Chinas Nachwuchs konsequent von Kindesbeinen auf Leistung gedrillt© Studio X/Polaris

Es macht keinen Sinn in diesem Text zu schreiben, wie viele Goldmedaillen China derzeit gewonnen hat. In einigen Minuten ist die Zahl sowieso überholt. Wohl niemand kann den ersten Platz der Volksrepublik im Medaillenspiegel gefährden. Was über Jahre vorbereitet wurde, ist aufgegangen.

Während des Kalten Krieges waren es vor allem die USA, die Sowjetunion und die DDR, die sich um die Dominanz bei Olympia stritten. Die Sport-Supermächte von heute sind China und die USA. Allerdings: "China forciert den internationalen Wettbewerb auf dem Boden des Sports", sagt Sportwissenschaftler Eike Emrich, der Vizepräsident des Deutschen Leichtathletikverbands. Emrich kennt sich aus, schließlich ist er Autor der Publikation "Sozioökonomische Bedingungen kollektiven sportlichen Erfolgs " im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung.

Wie einst die DDR

In der Bedeutung, die der Sport für das Land hat, ist China am ehesten mit der DDR zu vergleichen. Die war der politisch weniger anerkannte und wirtschaftlich schwächere deutsche Staat, wollte deshalb ihre Überlegenheit im Sport beweisen. China kehrt nach Jahrhunderten der Erniedrigung durch die Kolonialmächte, nach Armut und Isolation unter Mao auf die Weltbühne zurück und möchte das auch sportlich zeigen.

Vor acht Jahren beschloss die Führung den "119 Plan", benannt nach der Zahl der Goldmedaillen, die in den medaillenstarken Sportarten wie Leichtathletik und Rudern vergeben werden. Um in diesen Sportarten aufzuholen, wurden keine Kosten und Mühen gescheut. Dabei vereinte China die Vorzüge des sozialistischen Sportsystems, etwa die Sportschulen, die körperlich besonders geeignete und talentierte Kinder und Jugendliche rekrutieren, mit denen der Scheckbuch-Politik: Aus dem Ausland wurden 20 renommierte Trainer engagiert. Die Sportler sollen angeblich umgerechnet 100.000 Euro pro Goldmedaille bekommen.

Es gilt das Gesetz: Gold oder gar nichts

Warum gilt in China: Gold oder gar nichts? Das hat nichts zu tun mit geheimnisvollen chinesischen Mythen, wie manchmal gemunkelt wird, sondern ist das Resultat einer einfachen Rechnung: In Athen 2004 gewannen die USA insgesamt 102 Medaillen, Russland 92. China kam auf 63 - das aufzuholen. schien aussichtslos. Bei den Goldmedaillen hatte China mit 32 aber nur vier weniger als die USA. Die Sport-Supermacht hier zu überholen war ein realistisches Ziel, wie sich in diesen Tagen in Peking zeigt.

"Der chinesischen Regierung geht es bei ihrer Sportförderung in erster Linie um die internationale Reputation", sagt Emrich. China-Kenner wissen allerdings, dass der chinesischen Führung die Wirkung im eigenen Land mindestens genauso wichtig ist. Man darf nicht vergessen, dass sie nicht von den Bürgern gewählt worden ist und ihre Legitimation ständig in Frage steht, etwa angesichts der verbreiteten Korruption. Sie muss deshalb an den nationalen Stolz appellieren, und der Spitzensport ist ein wichtiges Mittel dafür.

Die internationale Reaktion auf Chinas olympische Erfolge fällt dagegen gemischt aus, wie auch Emrich einräumt: "Da ist zum einen die Bewunderung, die mit Furcht vor der Größe und Stärke Chinas einhergeht. Dann gibt es die zweifelnde Bewunderung: Wie sind die Erfolge zustande gekommen, ist Doping im Spiel? Und dann - und das ist die wichtigste für die chinesische Regierung - gibt es die Bewunderung ohne negativen Beigeschmack. Die wollen sie erreichen."

Doping-Verdacht entwertet die Erfolge

Deshalb erhöhte China vor Olympia die Doping-Kontrollen. Emrich sagt: "Wenn permanent der Doping-Verdacht eine Rolle spielt, ist die internationale Reputation der Chinesen nicht hoch." Deshalb, so glaubt der deutsche Leichathletik-Funktionär, werde China in Zukunft die Athleten nicht mehr nur alle vier Jahre bei Olympia präsentieren, sondern bei allen internationalen Wettbewerben eines Jahres. "Damit erreichen sie, dass die Skepsis im Ausland verschwindet und ihre Leistungen noch mehr anerkannt werden."

Unter einem allgemeinen Doping-Verdacht stehen alle Sportler, das ist kein speziell chinesisches Problem. Den Hauptfaktor für den Erfolg der Sportler aus dem Reich der Mitte sieht Emrich sowieso in der schieren Größe des Landes: "In einem Land mit 1,3 Milliarden Einwohnern ist es leichter, Talente zu entdecken und zu fördern."

Von Jens Fischer und Adrian Geiges, Peking
KOMMENTARE (10 von 13)
 
beijinger1818 (22.08.2008, 01:39 Uhr)
einfach nur Unsinn
Supermacht China ? Was mich wundert, vor einiger Zeit wurden in der Provinz Liaoning Olympiasportner positiv getestet. Nun aber, bei den Spielen soll es bei den Chinesen keinen einzigen Fall geben, wo doch jeder weiss, das Chinesen eine ganz andere Auffassung von "Ehrlichkeit haben" ?
Wann wachen wir Auslaender endlich auf und hoeren auf den Chinesen in den ***sch zu kriechen?! Es geht doch immer nur um Geld, aber merken wir nicht, dass die Chinesen nur kopieren, stehlen und uns ausnutzen. Warum sind wir Auslaender so verblendet ? Ich lebe seit Jahren hier und China ist in meinen Augen immernoch Entwicklungsland, angefangen beim Strassenverkehr bis zur Denkweise der Chinesen. Jeder ist sich selbst der Naechste geniesst hier noch einen hohen Stellenwert. Aber wartet nur ab, Ihr Chinesen, Hochmut kommt immer vor dem Fall!! westliche Unternehmen fangen an , ihre Standorte zu fliessen und abzuwandern. Wo waere China ohne die Milliardenkredite des Westens ? Genau !!
Man eine kleine Hilfestellung an Geschaeftsleute, die in China Fuss fassen wollen :
Den Chinesen offen zeigen, dass Sie aus Deutschland kommnen, stolz darauf sind, gepaart mit schoener Arroganz und Sie kommen zum Ziel.
Vertraege sind in China meist voellig egal, die Gerichte stehen den auslaendischen Unternehmen selten bei.
Olympia 2008 ? groesste Pleite der Geschichte, ein perfektes Schauspiel - aber hinten den Kulissen eben Fake, wie fast alles in China.
Meiner Meinung nach sind die meisten Sportler in China gedopt, aber wir Auslaender wollen es uns ja nicht mit China verscherzen und deshalb wird weggeschaut.
Wieder einmal ein Kniefall - und nicht der Erste
LaoLu (20.08.2008, 13:40 Uhr)
jaja, Zensur...
wußte gar nicht, worüber Du klagst, albundy.
Bis es mich auch erwischt hat.
Jaja, Zensur....
Merkong (19.08.2008, 15:01 Uhr)
Gehirnwäsche in BRD
Ich habe den Eindruck, nicht die Chinesen, sondern viele Deutsche sind wirklich von Propaganda beeinflusst, ihr Gehirn wird systematisch gewaschen, und sehen nur die selektive Berichte und verlieren jegliche selbstreflexive und selbstkritische Denken. Schrecklich, wie alles hier läuft.
mister-mister (19.08.2008, 14:17 Uhr)
Ist eigentlich bekannt
Über die Vorgehensweise, Denke und auch Rücksichtslosigkeit des Systems wurde und wird ja hier und in anderen Foren ausführlich diskutiert.
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Mit Ausnahme einiger weniger Schönschreiber (bezahlt oder nicht bezahlt - sei dahingestellt) gibt es doch den großen Konsens, dass diese extreme Menschenverachtung zu verurteilen ist. Das fängt bei dieser staatlich sanktionierten Kinderschändung an und hört bei denen auf, welche unter Androhung von üblen Sanktionen enteignet worden sind, um Olympias Sportstätten und Bürohäuser zu bauen.
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Der einzelne Mensch zählt in China nichts (ist auch meine berufliche Erfahrung) - es sei denn, er ist Leistungsträger (Propaganda und Opium fürs Volk)im Sinne des Regimes.
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Nicht die Athleten, nicht das Publikum - nein, das chinesische System is es, was weltweite abgrundtiefe Verachtung verdient.
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Da ändern auch die hektische Schönschreiberei Von LaoLu und einigen anderen nichts daran, die offenbar von ihren Herrchen keinen Knochen bekommen, wenn sie nicht umgehend uf kritische Beiträge eingehen.
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Das Problem der Ethik, der Menschenwürde, den Menschenrechten (auch dem Recht von Kindern auf eine Kindheit) und der Selbstdarstellung wird China aber weit über die Spiele hinaus verfolgen und ich bin gespannt, wie dieses Land damit umgeht. Da ist einiges an Schadensbegrenzung zu betreiben - über gefälschte Bilder einer Eröffnungsfeier etc. kann man da eher schmunzeln (was anderes erwartet..?).
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Bewunderung wegen Macht und Einfluss? Wegen schierer Größe...??
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Im Leben nicht.
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Respekt und Bewunderung muss man sich hart erarbeiten und verdienen. Auf dem Rücken der Schwächsten geht das nicht.
Merkong (19.08.2008, 13:48 Uhr)
Wann hören die deutschen Medien auf, Feinbilder und Dämonen zu produzieren?
DEU hat leider zurzeit weltweit Verruf wegen der propagandistische Berichterstattung der deutschen Medien, in der nicht nur Chinesen, sonder Russen, Muslims und alle andere nicht westliche Nationen ewig als Feinde und „Barabre“ dargestellt werden. Meine Frage ist, wann werden die deutschen Medien aufhören, dem deutsche Publikum verzerrtes Bild von anderen Nationen darzustellen? Wann hört die typische deutsche Zensur auf (alle sachlichen und neutralen Berichte über China, Russland, arabische Nationen, Afrika, Lateinamerika werden systematisch ausgefiltert und ausgeblendet)?
Merkong (19.08.2008, 13:36 Uhr)
Medienbetrug
Durch die absichtlich gewählten Bilder wird psychologisch an den Lesern gedeutet, dass die chinesischen Kinder hart und unmenschlich trainiert werden und die Chinesen unzivilisierte barbarische Nation ist. Leider beim Turnen sind allen Nationen gleich, egal in China, USA und BRD, die Jungen werden leicht trainiert als die Erwachsenen, auch Fabian Hambüchen war vor vier Jahren in Athen wie ein Kind. Aber diese Bilder werden nie sachlich gezeigt, während antichinesische Propaganda als erste Priorität gepflegt wird. Das Ziel liegt darin, die Chinesen müssen niemals gut sein, sie müssen ewig als Schweinerei betrachtet.
Merkong (19.08.2008, 13:28 Uhr)
Die deutsche Logik: andere sind scheiße

Die deutsche Logik:
Die Chinesen haben Spitzenleistungen: sie sind gedopt.
Phelp holt allein 8 Gold: Er muss bestimmt gedopt sein.
Brasilianische Mannschaft gegen deutsche mit 4:1: man muss fragen, ob die gedopt sind.
Nur vergisst man ewig, eigene Sportler streng zu fragen:
Könnt es auch möglich sein, dass deutsche Sportler von Doping beeinflusst werden?
Nein nein, diese Frage wird in Deutschland niemals gestellt. Alle andere sind scheiße, wenn andere unglücklicherweise besser als wir, dann sind sie gedopt. Wir, nur wir, sind immer beste und sauberste.
albundy69 (19.08.2008, 13:04 Uhr)
Zensur
Niemand sollte sich über chinesische Zensur beklagen, wenn auf DIESER Seite Stern-kritische Kommentare und china-objektive Texte im Minutentakt verschwinden !
mramorak (19.08.2008, 12:33 Uhr)
Wirklichkeitsnahe
Eigendlich ein sehr guter Artikel und endlich auch einige Leser-Kommentare, die bei der Wahrheit bleiben.
Es geht doch nicht um das chinesische Volk klein zu machen. Es geht darum den chinesischen Kommunisten zu zeigen, dass sie auf frischer Tat erwischt wurden.
Nach meiner Ansicht geht es der KPC um 2 Ziele: 1. Nach innen, das eigene Volk zu beruhigen - wegen der ungeheueren Kosten und 2. Den Sympathisanten in den demokratischen Ländern Schützenhilfe zu leisten. Die weit links liegende Intellektuellen müssen doch was in der Hand haben, den Jungen Menschen in den demokratien etwas erfolgreiches vorzustellen. Und davon werden die noch lange leben müssen.
SirDidimus (19.08.2008, 12:32 Uhr)
würde man china
ärgern wollen, dann könnte man sagen, dass sie schlechter als die deutschen sind. sie haben das 15fache an einwohnern, also sollten sie auch das 15fache an medalien holen. das wäre nach jetzigem stand 150 goldmedalien. das werden sie aber nicht schaffen.
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