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13. August 2008, 19:04 Uhr

"In meinem Land zählt nur Gold"

China führt mit Abstand den Medaillenspiegel an. Kein Wunder, nirgendwo sonst auf der Welt ist die Gier nach Gold so groß wie im Olympia-Gastgeberland. Platz zwei zählt da kaum. Warum das so ist, weiß unsere Kolumnistin, die Studentin Yuanchen Zhang.

Die Chinesin Yuyuan Jiang holte in Peking beim Turnen Gold - und nur das zählt im Reich der Mitte© Abacapress

Peking im Goldrausch. Am fünften Wettkampftag steht China mit siebzehn Goldmedaillen weiterhin auf dem ersten Platz des Medaillenspiegels. Die Spannung setzt sich aber fort, der Wettkampf mit den USA um die "Goldmedaillen-Nation-Nummer-Eins" geht weiter, denn die Leichtathletik, worin die Chinesen traditionsgemäß sehr schwach sind, hat noch nicht gestartet.

Die meisten Chinesen legen einen besonderen Wert auf die Leistung, die von den chinesischen Sportlern bisher gebracht wurden, besonders wenn es um Gold geht. "Die Medaille gehören in China ja nicht bloß einem selbst, sondern der Gemeinschaft, dem Trainer, den Betreuern, der Kreisstadt, dem Dorf - sie alle erwarteten Gold, und da sei mit Silber natürlich niemandem geholfen", schrieb heute die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Ja, ein chinesisches Gold wiegt in diesem Sinne etwas schwerer als ein deutsches. Was sind eigentlich die Gründe dafür, dass wir besonders hungrig sind nach Gold?

"Der kranke Mann aus Ostasien"

Erstens das kollektive Selbstbewusstsein. Dieses Bewusstsein müssen Chinesen allen beweisen, auch bei dem Sportwettkampf. Dazu tragen die jahrelange Erziehung seit der Kindheit und die ständige Mahnung an die bittere Geschichte im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert wesentlich bei. Jedes chinesisches Kind hat im Geschichtsbuch gelernt, dass China in seiner Gegenwartsgeschichte gewaltig gedemütigt und vom Westen als "der kranke Mann aus Ostasien" bezeichnet wurde. So sind heute die Olympischen Spiele für die Chinesen eher ein ideologischer Kampf, zu beweisen, dass der ehemalige kranke Mann nun zur Sportgroßmacht geworden ist.

Diese Ideologie ist auch in der chinesischen olympischen Geschichte zu spüren. Häufig erwähnt wird Changchun Liu, der erste Chinese, der je an Olympischen Spielen teilnahm, 1932 in Los Angeles. Es wird beschrieben, wie er es in Altchina, unter der Unterdrückung der Japaner und ohne jegliche Unterstützung der damaligen Regierung, geschafft hat, als einziger Sportler das Land bei den Spielen zu vertreten. Und als Einzelkämpfer verlor er - er hatte im Sprint keine Chance. Ich glaube, viele Sportler Chinas können ihre Tränen kaum zurückhalten und müssen sich auf die Unterlippe beißen, wenn sie dieses Stück bitterer Geschichte lesen. Und diese Geschichte feuert ihren Kampfgeist an, auch bei dem Kampf um Goldmedaillen. "Dem Mutterland mehr Glanz zu bescheren", als Motto steht das oft groß geschrieben in den Trainingshallen.

Tränen wegen Silber

Auf der privaten Ebene sind es auch die ehrgeizigen Eltern, die die Gier nach Bestleistungen vorantreiben. So schicken manche ihre Kinder schon im zarten Alter von 5, 6 Jahren in die Kampfsportschule. Für sie ist es auch schlecht, wenn das Kind später einfach aus Desinteresse mit dem Kampfsport aufhört. Sie können es auch aushalten, wenn sie das Kind nur ein oder zwei Mal im Jahr sehen dürfen. Die Großfamilie, hierzu ist das Land gemeint, hat mehr Wert als die kleine. So denken viele Chinesen der älteren Generation.

Aber im Goldrausch ist auch eine gewisse Nüchternheit zu spüren. Im chinesischen Internetforum Tianya fordern User den staatlichen Fernsehsender CCTV an, mehr Aufmerksamkeit auf die Gewinner der Silber- und Bronzemedaillen zu richten. Die Internetnutzer beschweren sich, dass es zu wenig Berichtstattungen darüber gegeben hat. "Gold ist kein Messkriterium für Helden," schreibt einer. Besonders berührt werden die Teilnehmer von dem Schwimmer Lin Zhang und dem Gewehrschützen Qinan Zhu. Der letzte hat über seine Silbermedaille auf dem Siegertreppchen bitterlich geweint. "In China ist es so, alles gilt als Niederlage außer Gold zu gewinnen," schimpfte einer im Forum. Zum Kontrast nannte man noch das Beispiel der beiden deutschen Synchron-Springerinnen, die sich über ihre Bronzemedaille riesig gefreut haben. "Wie schön haben sie gelacht! Wann können unsere Sportler endlich mal den Spaß der Spiele genießen und dabei auch Freude haben?" fragt man.

Die Autorin

Die Autorin Yuanchen Zhang, 24 Jahre alt, kommt aus der Inneren Mongolei Chinas. Sie hat in Peking studiert, lebt seit fünf Jahren in Deutschland, studiert Medienkultur an der Universität Hamburg und ist derzeit Praktikantin in der Sport-Redaktion des stern.

Yuanchen Zhang
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
LaoLu (14.08.2008, 15:12 Uhr)
nochmal, gaaaanz sachte:
mein Bitte an Sie, weiterhin hier zu posten, ist den Stern-zensos zum Opfer gefallen.
War wahrscheinlich eine wertende Bemerkung über die Mitkommentatoren drin - ich ziehe mir keine Copies.
-
Also bitte, lieber S-achte, bleiben Sie uns erhalten, jede Stimme zählt.
Und Chinahasser gibt es hier genug!
Nana_Xiaojie (14.08.2008, 10:07 Uhr)
Hallo Frau Zhang!
Schoen, dass Sie jetzt auch im Stern schreiben. Ich arbeite nun seit einer Weile in Beijing (jedoch nicht, wie einige hier es gerne haetten, fuer die Regierung, sondern fuer eine grosse auslaendische Firma) und kann Ihre Beitraege nur begruessen. Sie brauchen aber nicht immer so defensiv zu schreiben. Sie muessen sich ja fuer nichts entschuldigen. Schreiben Sie doch ruhig auch mal darueber, was Sie an Deutschland seltsam finden! Waere bestimmt interessant zu lesen. Weder China noch Deutschland sind perfekt, und auf beiden Seiten gibt es Vorurteile. Kolumnen wie die Ihre koennen da nur eine Bereicherung sein. Und nicht aufregen ueber Meckerer wie hier im Forum, die gibt's wohl ueberall. Gehoert auch dazu. Schoene Gruesse aus Peking!
Nana_Xiaojie (14.08.2008, 07:56 Uhr)
Hallo Frau Zhang!
Schoen, dass Sie jetzt auch im Stern schreiben. Ich arbeite jetzt seit einer Weile in Beijing (jedoch nicht fuer die Regierung, so wie's einige hier gerne haetten, sondern fuer eine grosse europaeische Firma) und kann ihre Beitraege nur begruessen. Sie brauchen aber nicht so defensiv zu schreiben. Erzaehlen Sie doch auch ruhig mal, was Sie an Deutschland seltsam finden. Das waere bestimmt auch interessant. Weder Deutschland noch China sind perfekt, und es gibt auf beiden Seiten Vorurteile, die es gilt abzubauen. Kolumnen wie die Ihre koennen da nur helfen. Und nicht aergern ueber Meckernasen wie hier im Forum, die gibt's ueberall. Gehoert auch dazu.
PS: Falls es Sie interessiert, ich schreibe meine Erlebnisse in Peking auf unter http://beijingbloggin.blogspot.com =)
PangPang (14.08.2008, 04:39 Uhr)
Weiter so!
Zhang YuanChen ni hao!
Ihre Berichte sind super und ich hoffe noch viel von Ihnen lesen zu duerfen in Zukunft.
Ich bin Deutscher und leben nun seit mehr als 3 Jahren in China.
Aus meiner Sicht versuchen Sie mit ihren Artikeln den Menschen in der BRD, China zu erklaeren und verstaendlich zu machen. Sie sollten jedoch nicht so zureuckhaltend sein aus Angst, Ihnen wuerde in Deutschland keiner glauben. China ist besser als Sie es beschreiben aber ich verstehe ich Ihre Gratwanderung. Sie beweisen diplomatisches Geschick und chinesische Zureuckhaltung.
Wuerde mich freuen wenn Sie Ihre Leser mit der klaren Wahrheit konfrontieren. Sie brauchen China nicht schlechter machen um hier Deutsche Vorstellungen zu schonen.
Bei den ganzen Miesmachern in Deutschen Foren usw. kann ich es jedoch verstehen. Sie leisten eine Beitrag zur Voelkerverstaendigung und zeigen die Oeffnung Chinas durch ihre Person. Die ganzen Miesmacher schreien wie schlimm China doch ist, wenn Sie dann einen beitrag zur Voelkerverstaendigung leisten ist auch nicht recht. Auf solche Menschen brauchen Sie wahrhaftig keine Ruecksicht nehmen.
3 Jahre habe ich mitgefiebert und miterlebt wie sich China veraendert hat und was die Menschen China geopfert haben fuer diese Spiele.
Ich als Deutscher kann mich nur verneigen und sagen wie stolz ich bin, in China leben und arbeiten zu duerfen. Partei hin Partei her das ist alles auf einem anderen Baltt geschrieben. Das Chinesische Volk hat mit viel selbstaufopferung der Welt die Tueren geoffnet. Die wahren Sieger der Spiele ist das Chinesische Volk.
An alle Miesepeter: Ihr reded uber die schlechte Vergangenheit Chinas und was China alles falsch gemacht hat. Wasser unter der Bruecke! Deutschland hat auch Probleme und keine mackellose Vergangenheit, das scheinen manche jedoch vergessen zu haben.
China hat die Tueren geoffnet(was im hinblick auf den Opiumkrieg nicht leicht ist), es liegt an uns ob wir durch diese Tueren gehen und die Zukunft gemeinsam gestalten/verbessern oder nicht.
Mit bruederlichem Gruss aus Peking!
S-achte (13.08.2008, 23:32 Uhr)
Na ja, egal,
es interessiert keinen eine differenzierte Sichtung auf China. Wenigstens hier nicht.
Macht weiter so, viel Glück! Es wäre nur schön, wenn es möglich wäre, Yuancheng Chang schreiben zu lassen und nicht so zu frustrieren, daß sie aufhört. Ellen Deng hat schon versucht, uns chinesisches Leben nahezubringen. Warum sie nicht mehr schreibt, kann ich nur vermuten. Aber es spielen bestimmt die Profinörgler eine Rolle, könnte ich mir vorstellen.
BTW: Ich bin nicht Chinese, ich bin nicht bezahlt, ich rede keinem das Wort, aber ich habe mit China und Chinesen zu tun, privat und beruflich. Und ich schreibe hier nichts mehr.
Viel Glück und Erfolg, Yuancheng Chang.
3sco (13.08.2008, 23:32 Uhr)
die verbitterten
ich würde gerne etwas mit euch diskutieren! leider befürchte ich nur,dass gewisse hohlräume mit einigen wörtern nicht zu füllen sind.
lebt weiter mit euren bereits ziemlich ausgeprägten minderwertigkeitskomplexen. die welt wird sich auch nicht durch euch wenigen schwachmaten ändern lol.
chelestex (13.08.2008, 23:07 Uhr)
Also bei solch einem Artikel...
...da läuft's einem kalt den Rücken runter - Tränen wg.Silber, Olympia als ideologischer Kampf, Medaillen fürs Mutterland, Sportschulen für 5-Jährige, Demütigung durch West (durfte natürlich mal wieder nicht fehlen).
Maria1000 (13.08.2008, 21:54 Uhr)
Die Spiele hätten niemals an eine verlogene Diktatur wie China gehen dürfen!
Wer dafür wohl bezahlt wurde?
Maria1000 (13.08.2008, 21:53 Uhr)
Laut TZ München Online lügt China auch beim Alter der
Turnerinnen, die 16 sein MÜSSTEN, aber wohl einige davon nur 13 sind...unglaublich, was soll diese FARCE von einem OLYMPIA? Das ganze ist eine einzige Lüge und Show, man fragt sich allerdings schon, für wie dämlich China die restliche Welt hält!
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