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12. August 2008, 11:09 Uhr
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Im Land der Ahnungslosen

"Ni hao" aus Peking, dem Nabel des sportlichen Universums. Ich heiße Jens Fischer und bin Ihr stern.de-Reporter vor Ort bei Olympia. Von mir erfahren Sie regelmäßig, was sich hier in Peking hinter den Kulissen abspielt, wie die Chinesen auf den Ansturm der Welt reagieren und was ich hier sonst noch so erlebe. Schon wenige Stunden nach meiner Ankunft weiß ich: Vertraue nie den kleinen Helferlein. Von Jens Fischer, Peking

Stets bemüht, aber leider ziemlich oft auch ahnungslos: die chinesischen Helfer© Peer Grimm/DPA

Die Chinesen haben alles im Griff, alles ist generalstabsmäßig organisiert, jeder noch so unbedeutende Helfer weiß genau, was er in den kommenden drei Wochen zu tun hat. Unbestritten: Diese Olympiade in Peking ist konflikt- und problembeladen, aber eines läuft wie am Schnürchen, hieß es zumindest im Vorfeld der Spiele. Die Planung dieses Mega-Events. Die Wettkampfstätten sind seit Monaten fertig, Zuschauer, Sportler und nicht zuletzt Journalisten wie ich werden hier in China perfekte Bedingungen vorfinden. Da war sich das allmächtige IOC sicher.

Und ließ nicht locker, dies über alle möglichen Kanäle zu verkünden. Aber die Realität zeigt leider einmal mehr: Jede Theorie muss sich erst beweisen. Jacques Rogge und seine Freunde haben die Rechnung ohne den Wirt, äh Chinesen, gemacht. Denn der normale Chinese an sich ist ein freundlicher Mensch, stets bemüht, aber leider ziemlich oft auch ahnungslos. Das wurde mir in den letzten Stunden meines ersten Tages mehr als klar. Eskort-Wahnsinn mit Null-Information Das Chaos begann bereits direkt nach meiner Ankunft am Flughafen. Schwer erschöpft nach dem langen Flug von Hamburg kam ich hier in Peking an, und wurde sogleich von der ungeheuren Dosis Service frontal erschlagen: Überall diese kleinen Helferlein, mit weißen, roten und roten Uniformen, sportlich, adrett und immer mit einem netten Lächeln im Gesicht. "Ni hao" hier, "Nia hao" da, "Nie hao" dort, überall "Nia hao" – schön und gut, aber was hilft' s, wenn sich dieser Eskort-Wahnsinn als wahrer Meister der Null-Information entpuppt.

Gleich in der Ankunftshalle verkauft die nette junge Frau an ihrem putzigen Ständchen chinesische Handykarten, hat aber keine Ahnung, wie diese frei zu schalten, geschweige denn einzulegen sind. Da weiß der nette uniformierte Herr an der Passkontrolle nicht, dass Akkreditierung gleich Visa ist. Nicht ganz unwichtig bei der Einreise. Wenigstens kam meine Tasche zuverlässig aus dem Schlund gekrochen, na gut, Fließbänder können auch nicht sprechen, Englisch haben sie nicht nötig.

Nähzeug für Journalisten

Nach Verlassen des Pekinger Flughafens das gleiche Spiel: Überall wuselt es um einen rum, Frage hier, Antwort dort, Meinungen überall - klare Antworten gab es nie. Stichhaltige Informationen: Fehlanzeige. Wie sicher war sich doch mein Taxifahrer, den Weg zu meinem Hotel zu kennen, das Resultat am Ende: Ewige Fahrt, falsches Hotel, wieder rein ins Taxi, noch mal durch die halbe Stadt. Klasse.

Jetzt ist es 17 Uhr Pekinger Ortszeit und ich bin endlich angekommen - noch weiß ich nicht viel über diesen Moloch, kenne die Wege zu meinen Arbeitsstätten nicht und gegessen habe ich auch noch nichts. Da fällt mir ein: Waren da nicht an jeder Straßenecke diese bizarren Helferstände? Dort gibt es Hilfe für Journalisten jeder Art: Pflaster, Vitamine, Nähzeug (kein Witz!)… Aber eines gibt es dort ganz sicher nicht: Kompetente Ratschläge, nützliche Hinweise, Aussagen die einen ganz konkret nach vorne bringen. Halt: Gibt es wahrscheinlich schon - aber wer kann schon chinesisch?

Lesen Sie morgen über meinen Ausflug nach Shenyang zum ersten Spiel der deutschen Frauen-Nationalmannschaft gegen Brasilien. Ich freue mich schon, klappt sicher wie am Schnürchen. Záijián.

Von Jens Fischer, Peking
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Nana_Xiaojie (06.08.2008, 17:18 Uhr)
Grossartig?
"Kein Blatt vor den Mund nehmen" heisst nun also, kaum verdeckt den eigenen Rassismus und Hass auf einem (offensichtlich) voellig unbekannte Voelker zum Ausdruck zu bringen in einer Schmiererei, die einem Realschueler um die Ohren geworfen wuerde?
Nana_Xiaojie (06.08.2008, 17:14 Uhr)
Wenn China das Land der Ahnungslosen
... so ist unser Autor hier wohl Koenig von China. Einfach nur peinlich, was sich heutzutage Journalist schimpft. Bitte sofort einstellen!
TheStig (06.08.2008, 16:43 Uhr)
arroganter Autor
Sehr geehrter Herr Fischer,
ich finde ihren Artikel -um ehrlich zu sein- schlicht und ergreifend absurd.
Ihrer Ansicht nach hätten "Fließbänder nicht nötig Englisch sprechen zu können", was eine eindeutige Anspielung auf die Chinesen sein soll. Ich finde ihr Verhalten ziemlich herablassend. Wieso haben Sie sich in Deutschland keinen Reiseführer o.Ä. gekauft? Sie als Journalist, hätten sich vor der Reise besser vorbereiten müssen. Anstatt herumzumeckern sollten Sie alles noch einmal überdenken. Sie setzen voraus, dass jeder x-belibige Chinese dem Englischen mächtig ist. Das ist doch naiv.
pekingente (06.08.2008, 10:12 Uhr)
großartig
Endlich ein Journalist der 'kein Blatt' vor den Mund nimmt. Das übliche medienkonforme und politisch korrekte 'geschreibe' kennen wir zu Genüge. Der Autor schreibt schließlich ein Tagebuch und daher sollte auch seine subjektive Meinung wiedergegeben werden! Ich freue mich auf mehr.....
Flenz (05.08.2008, 17:57 Uhr)
Looser
Wenn einer eine Reise tut ... sollte er sich vorbereiten.
Es ist allgemein bekannt, dass nicht sehr viele Chinesen Englisch reden. Auch sollte man sich die Adresse des Hotels vom Internet besorgen (am besten eine kleine Karte mit chinesischen Schriftzeichen). Erwartet der Autor denn, dass die Taxifahrer sämtliche Straßen Pekings auswendig kennen, bei über 20 Millionen Einwohnern?
Der einzige, der hier Ahnungslos ist, ist der Autor dieses Artikels. Er sollte seine eigenen Versäumnisse nicht auf Andere abschieben.
Schade, dass der Stern keinen objektiveren, und dem Ausland gegenüber offeneren, Autoren gefunden hat.
Übrigens wie man die Telefonkarte freischalte, steht auf der Karte. Für unseren allwissenden Autoren sollten die chinesischen Schriftzeichen kein Problem darstellen!!!!!
WhoAmI (05.08.2008, 17:02 Uhr)
selber ahnungslos
ist der Autor, denn sonst wüsste er, dass man nie von einem Einzelfall auf ein ganzes Land schliessen soll, denn das tut er, wenn er herablassend empfiehlt, NIE den Helferlein zu vertrauen. Vielleicht liegt es ja an ihm, wenn er nicht versteht, wie die Karte freigeschaltet werden muss. Wenn er so negativ und voller Vorurteile schon am ersten Tag berichtet, brauchen wir uns auf die kommenden Beiträge nicht zu freuen.
An die Stern-Redaktion: Gibt es bei euch keine besseren Journalisten?
ChinaSurvivor (05.08.2008, 14:37 Uhr)
"Auf Wiedersehen"...
...Zaijian am Ende des Artikels ist mit den Tonzeichen fuer den 2. Ton (steigend) belegt, richtig ist jedoch der 4. Ton (fallend).
Gluecklicherweise hat das im Artikel geschriebene Zaijian keine Bedeutung, waere ja schlimm, man meint zu schreiben und drueckt etwas anderes aus. Tonveraenderungen sind eine der haeufigsten Quellen fuer Missverstaendnisse, nicht nur in China...
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