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8. August 2008, 11:01 Uhr

Dirk Nowitzki rocks the house

Das Deutsche Haus ist seit Donnerstag offiziell eröffnet, mit kühlen Drinks, leckerem Essen und viel Tamtam. Nur: Wo waren die Sportler? Ich war auf jeden Fall dabei, und muss leider sagen: Das richtig große Event war es nicht. Zumindest bis zu einem gewissen Augenblick: "Dirkules" war plötzlich da und bewies wieder einmal jede Menge Strahlkraft. Von Jens Fischer, Peking

Großer Mann am kleinen Ball: Dirk Nowitzki spielt Tischtennis bei der Eröffnung des Deutschen Hauses in Peking© Sascha Baumann/DPA

Am Donnerstagabend, einen Tag vor der offiziellen Eröffnung der verrückten Peking-Spiele, war es endlich soweit: Die deutschen Athleten haben ab sofort ein richtig kuscheliges Heim gefunden. Endlich wurde das Deutsche Haus eröffnet, im mondänen "Kempinski"-Hotel beheimatet und initiiert vom Deutschen Olympischen Sportbund.

Und ich war dabei. Ich war Gast in dieser für die deutsche Olympia-Mannschaft so wichtigen zweiten Heimat, dort wo die Athleten nach nervenaufreibenden Wettkämpfen und ultraharten Trainingseinheiten an den Abenden ein Stück Erholung finden, wo sie sich untereinander austauschen können, darüber, welche Sportart denn nun die coolste sei, und wo sie abseits von Schweiß, Hallen und Duschkabinen zur Ruhe kommen.

Zutritt wie im Sperrgebiet

Eine Oase also für die Sportler. Dachte ich zumindest. Was ich am Eröffnungsabend erlebte, sah leider ein klein wenig anders aus. Schon das Prozedere, überhaupt zu dieser exklusiven Veranstaltung eingeladen zu werden, glich fast schon einer militärischen Top-Secret-Unternehmung. Biometrisches Ausweisverfahren, Fingerabdrücke, SMS-, Handy- und E-Mail-Kommunikation, Kontrolle von Fingerabdrücken (gesponsert von der Deutschen Bundesdruckerei!), ein knallhartes Losverfahren - erst als ich all das überstanden hatte, als ich alle bürokratischen Klippen umschifft hatte, durfte ich rein in die heiligen Hallen des deutschen Olympia-Sports.

Ob es sich gelohnt hat, fragen Sie? Zugegeben: Es war ein sehr netter Abend, mit leckeren, kühlen Getränken und einem köstlichen Buffet. Das leibliche Wohl kam in keinem Fall zu kurz. Aber: An der eigentlichen olympischen Stimmung hat es doch merklich gemangelt. Zu viele Sponsoren, zu viele Offizielle, zu viele wichtige Menschen und - vor allem - zu wenige Sportler. Sicher: Alle haben ihre wichtigen Wettkämpfe noch vor sich, alle werden anderes im Kopf haben, als sich einen lauschigen Abend zu machen, alle müssen fit bleiben. Aber für einen Eröffnungsabend des Deutschen Hauses, immerhin eine feste Olympia-Institution, hätte ich mir schon ein wenig mehr von unseren deutschen Helden gewünscht. Schade, da ist für die weiteren Olympia-Wochen noch viel Luft nach oben.

Der Glanz der weiten Welt

Ein Highlight gab es dennoch: Ich war bereits kurz vor dem Nachhauseweg, da kam er, der deutsche Olympia-Held, der Hoffnungsträger, unser Fahnenträger: Dirk Nowitzki. Und brachte sogleich Leben in die Bude. Dieser Mann, trotz seines großen internationalen Erfolges auf dem Boden geblieben, wirkt einfach sympathisch. Ich war überrascht: Ob mehr oder weniger prominente Journalisten wie "Waldi" Hartmann, abgeklärte Sponsorenvertreter oder Sportler-Kollegen wie die ebenfalls anwesenden Ruderer - sie allen konnten sich dem "Sog" des Langen nicht entziehen. "Dirkules" machte den Abend für mich dann doch noch zu etwas Besonderem, zum Glück war er da.

Auf ein Interview mit mir für stern.de hatte er leider keine Lust mehr: "Ich kann nicht mehr, werde jetzt auch gehen." Ist aber auch klar: Wer permanent dermaßen belagert wird, wer bei gestandenen Männern das Fan-Gen kitzelt, wer für Deutschland der größte sportliche "US-Export" seit langen Zeiten ist - der darf auch meine Interview-Wünsche ablehnen, kein Thema. Für mich unverständlich, wieso so mancher Kollege Nowitzki nicht als Fahnenträger sieht, Sport-Deutschland kann froh sein, ihn zu haben. Für mich ist er der perfekte Anführer der Truppe. Dirk rocks the house!

Der Autor

Der Autor Während der Spiele von Peking klappt Olympia-Reporter Jens Fischer sein Tagebuch auf. Der Sportredakteur reist durch China und fängt zwischen den Wettbewerben die Stimmung im Reich der Mitte ein. In seinen Skizzen aus Peking erfahren Sie, was dem Mann in den Tagen von Olympia so alles widerfährt.

Von Jens Fischer, Peking
 
 
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