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6. August 2008, 17:04 Uhr
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Keine Tore für die Stimmungs-Armee

Mäßiger Auftakt für die deutsche Frauen-Nationalmannschaft in das olympische Fußball-Turnier: Gegen die Samba-Kickerinnen aus Brasilien reichte es nur zu einem mageren Remis. Das lag zum einen an der Hitze, zum anderen an mangelnder spielerischer Klasse. Die chinesischen Zuschauer konnten nichts dafür - denn die gaben alles, mit teils merkwürdigen Methoden. Von Jens Fischer, Shenyang

Harter Kampf: Brasilien Superstar Marta im Laufduell gegen Kerstin Stegemann© Roberto Candia/AP

Die olympischen Sommerspiele 2008 in Peking haben begonnen. Leider mit einem nur mäßigen Auftakt für das deutsche Olympia-Team und speziell für die deutschen Fußball-Damen. Vor der enttäuschenden Kulisse von 20.703 Zuschauern im hübschen Olympia-Stadion von Shenyang - einem Industrie-Moloch 700 Kilometer von Peking entfernt - langte es für das Team von Trainerin Silvia Neid gegen schlagbare Brasilianerinnen rund um deren Superstar Marta nur zu einem enttäuschenden 0:0-Unentschieden.

Warum nicht mehr möglich war? Mit Sicherheit lag es nicht an dem organisatorischen Aufwand, den die Chinesen im Vorfeld der Partie und speziell auch direkt vor dem Stadion betrieben. Mehr oder weniger ein ganzes Stadtviertel wurde von Armee und Polizei frei geräumt, alles war hermetisch abgeriegelt, über eine Länge von etwa zwei Kilometern standen Sicherheitsbeamte Spalier - Mann an Mann, im Abstand von zwei Metern. Hier und heute durfte nichts schiefgehen. Das erste sportliche Event dieser Olympiade duldete von Seiten des Gastgebers einfach keine unangenehmen Zwischenfälle.

Stimmung auf Kommando

Die chinesischen Zuschauer - das Stadion wirkte künstlich aufgefüllt - präsentieren sich als freundliche und begeisterungsfähige Gastgeber. So manche Emotion wirkte natürlich wieder einmal einstudiert, ganze Blöcke mit weiß gekleideten Stimmungs-Machern waren zu entdecken. Bei jedem noch so harmlosen Angriff der beiden Mannschaften brandete frenetischer und teilweise völlig unerklärlicher Jubel auf, so als hätte man geübt. Sogar die La-Ola-Welle funktionierte vorschriftsgemäß und auf Zuruf. Ein besonderes Highlight war sicher das Erscheinen von Superstar Ronaldinho, der Mitte der zweiten Halbzeit mehrmals über die große Leinwand eingeblendet wurde - vielleicht ein kleiner Motivationsschub für seine Landsfrauen.

Dass der Mannschaft von Trainerin Silvia Neid in diesem so schwierigen Auftaktmatch keine Flügel wuchsen, hatte viele Gründe. Von Beginn an wirkten die Samba-Girls kompakt und hoch konzentriert, wieder hatten sie sich in der Kabine mit aufputschenden Gesängen und heißen Rhythmen in Stimmung gebracht. Die 0:2-Finalniederlage bei der vergangenen Weltmeisterschaft sollte unbedingt getilgt werden. Die Deutschen starteten dagegen schwach in die Partie, schüchtern und mit Respekt vor den schnellen und technisch starken Brasilianerinnen. Besonders deren Star-Stürmerin Marta riss ein ums andere Mal Löcher in deutsche Defensive.

Die Deutschen steigerten sich

Allerdings steigerten sich die Deutschen mit zunehmender Spielzeit und bekamen das Spiel immer besser in den Griff. Sandra Smisek mit einem Kopfball an die Oberkante der Latte und Birgit Prinz knapp rechts vorbei vergaben dicke Möglichkeiten. So ging es mit einem glücklichen Remis für die Brasilianerinnen in die Kabine. Die Deutschen hatten sie im Griff. "Wir waren in der ersten Halbzeit die bessere Mannschaft und hätten in Führung gehen müssen", erklärte auch Trainerin Neid nach Spielschluss. In der Halbzeit überzeugten die chinesischen Organisatoren mit exotischen Einfällen. Lustige deutsche Fußball-Liedchen ("Oh wie schön ist Frauenfußball, lalalala…") und brasilianische Rhythmen dröhnten über die Lautsprecher und auf dem Platz machten sich die Helfer in ihren blauen Hemdchen breit und trampelten systematisch jeden Grashalm nieder. So funktioniert asiatische Platzpflege.

In den zweiten 45 Minuten kamen die Südamerikanerinnen mit der glühenden, drückenden Hitze um die 34° Celsius naturgemäß deutlich besser zurecht. Auch bei den Zuschauern im Stadion gab es so gut wie niemanden, der sich nicht mit der allgegenwärtigen braunen Ami-Brause versorgt hatte (zum Preis von umgerechnet 50 Cent der halbe Liter) oder sich wahlweise mit einem der ausgegebenen Fächer versuchte, Frischluft zu verschaffen. Harte klimatische Bedingungen also für das deutsche Team auf der Jagd nach dem so lang ersehnten olympischen Gold.

Hartes Klima in Shenyang

Das bestätigte auch Birgit Prinz: "Die Luft steht hier im Stadion, irgendwann bekommt man einfach keine Luft mehr. Da waren die Brasilianerinnen deutlich im Vorteil". Und im Hinblick auf die nächsten Spiele haderte sie mit dem Schicksal: "Wir haben einfach ein Riesen-Pech mit der Auslosung. Sowohl gegen Nordkorea als auch gegen Nigeria spielen wir wieder um 17 Uhr, eine so frühe Anstoßzeit ist für uns eine Katastrophe."

Am Ende musste die deutsche Nationalmannschaft mit der Punkteteilung leben. Schließlich vergaben die Brasilianerinnen Renata Costa bei einem Pfostentreffer und zweimal Marta nach tollen Soli hundertprozentige Chancen. Insgesamt machten die Brasilianerinnen den stabileren Eindruck und waren gegen Ende dem Siegtreffer näher.

Nun müssen für Birgit Prinz & Co. Siege her. Entweder schon am Samstag gegen die wuchtigen "Kriegerinnen" aus Nigeria oder drei Tage später gegen die gefährlichen Nordkoreanerinnen. Sicher kein Kinderspiel. Noch einmal Prinz: "In den nächsten beiden Spielen geht es jetzt um alles. Wir brauchen Siege, sonst war der Punkt heute viel zu wenig. Jeder muss seinen Teil dazu beitragen, dann schaffen wir das auch". Ansonsten wäre der olympische Traum von der Goldmedaille bereits nach drei Spielen ausgeträumt. Und Deutschland um eine Goldhoffnung ärmer.

Von Jens Fischer, Shenyang
KOMMENTARE (10 von 12)
 
Nana_Xiaojie (07.08.2008, 17:49 Uhr)
Welche Ehre,,,
PropagandistIN! (Soviel Zeit muss sein.) Bin den Traenen nahe und bedanke mich bei meinen Sponsoren. Kuckt ihr mir nur schoen weiter in die Glotze und den Stern rein =)
heartlander98 (07.08.2008, 17:46 Uhr)
Einschüchterung
Der Artikel ist ziemlich gemäßigt; hier geht es einigen Propagandisten darum, den Autoren einzuschüchtern.
Es geht ganz sicher nicht gegen "die Chinesen" - so wenig, wie ein kritischer Artikel über Guantanamo gegen "die Amerikaner" geht, sondern gegen die Politik der Bush-Regierung.
Nana_Xiaojie (07.08.2008, 17:42 Uhr)
Es geht nicht gegen die Chinesen?
Da hat aber jemand den obigen Wisch sowie das Restwerk des gleichen Schreiberlings nicht gelesen.
chrisstahl (07.08.2008, 17:32 Uhr)
@schroettel
Natürlich haben Sie recht, das die Situation in den chinesischen Städten unschön ist, das gerade die Kultur und der Charakter der Städte unter der Wirtschaft leiden.
Ich finde es dennoch unnötig, in einem Artikel über ein Fußballspiel im Nebensatz eine Stadt abzuqualifizieren, über die man nichts weiss. Wie würden wir es den finden, wenn die chinesischen Medien Weimar als "Provinznest" oder München als "Säuferkuhle" bezeichnen würden? Kritik gerne, aber bitte an geeigneter Stelle.
heartlander98 (07.08.2008, 17:28 Uhr)
Nicht mitziehen?
Und wer in Peking nicht mitzieht und protestiert, wird eingesperrt. Und das Internet ist zensiert.
Es geht nicht gegen "die Chinesen", aber es ist nur gut und richtig, wenn man sich mit der Unterdrückungspolitik auseinandersetzt.
In Guantanamo wird gegen Menschenrechte und gegen die Genfer Konventionen gehandelt, auch so etwas wird hier in den Foren offen angesprochen. Das ist der Unterschied zu China, dort geht es noch nicht.
Nana_Xiaojie (07.08.2008, 16:09 Uhr)
Und wer nicht mitzieht, ist sofort...
... Propaganda- verbreitendes Helferlein. Eine andere Meinung als die der Masse gilt einfach nicht und kann ja nichts anderes als Manipulation sein. Aber Moment mal- ist das nicht dass, was "den Chinesen" vorgeworfen wird?
schroettel (07.08.2008, 10:38 Uhr)
kulturlos ist die chinesische Führung
Ungeachtet der Qualität dieses Artikels muss man zwei Sachen auseinanderhalten und das scheint wohl nicht nur den Chinesen selbst schwer zu fallen: das chinesische Volk und seine faszinierende Kultur auf der einen Seite und auf der anderen die verbrecherische, menschenverachtende und diktatorische politische Führung, die unzweifelhaft Ziel der Kritik sein sollte.
Sowohl in Shenyang als auch in Peking oder in jeder anderen Stadt haben die Kultur oder die Menschen gegen die wirtschaftlichen Interessen das Nachsehen. Dort werden ohne Rücksicht auf Verluste jahrhunderte alte Stadteile platt gemacht und ihre Einwohner müssen ohne jegliche rechtsstaatliche Handhabe dem in Beton gegossenen Fortschritt weichen.
Wer sich entsprechend informiert, dem stehen die Haare zu Berge. Wie bei den Staudammprojekten zeigt sich hier das rücksichtslose menschenverachtende Gesicht der chinesichen Führung. Diskutiert darüber und nicht über den Autor.
heartlander98 (07.08.2008, 10:27 Uhr)
Manipulation
Kommt das nur mir so vor, als sei dieses Forum längst Zielgebiet für die Kader-Propaganda?
Ein Autor äußert sich gemäßigt kritisch, und das zu recht, und er wird massiv angegangen? Damit er nächstes Mal 'vorsichtiger' berichtet?
chrisstahl (07.08.2008, 10:07 Uhr)
Kulturlos
Übrigens handelt es sich bei dem vom Autor pauschal als "Industriemoloch" bezeichneten Shenyang um eine Stadt mit einer reichen Geschichte und Kultur wie sie wenige deutsche Städte vorweisen können. Shenyang war vor der Qing-Dynastie die Hauptstadt der späteren Qing-Kaiser, dort gibt es eine zweite Verbotene Stadt und das berühmte Beiling-Grab .
Diese flapsige Schreibweise ist typisch für die undifferenzierte und grundsätzlich abwertende Berichterstattung über China, wie sie leider zur Zeit in Mode ist.
Bei solchem Journalismus habe ich als in China lebender Deutscher keine Lust mehr überhaupt noch Nachrichten zu lesen.
heartlander98 (07.08.2008, 09:55 Uhr)
Eklig?
Die chinesischen Propaganda-Helferlein sind ja schon hier in den Foren^^
Es war einfach zu offensichtlich, wie es darauf ankam, um jeden Preis einen positiven Eindruck zu erwecken und den Gedanken an Tibet oder Menschenrechte gar nicht erst aufkommen zu lassen.
Man kann hierzulande einfach unterscheiden zwischen spontaner und einstudierter Begeisterung.
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