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23. August 2008, 15:41 Uhr

Dieses Team hat Gold verdient

Die deutschen Hockey-Herren sind auch deshalb Olympiasieger, weil sie sich füreinander aufgeopfert haben. Ganz anders als zum Beispiel die Handballer oder das Basketball-Team um Dirk Nowitzki. Aber auch die Hockey-Jungs haben einen Superstar in ihren Reihen, die Mannschaft funktioniert trotzdem. Von Klaus Bellstedt

Der goldene Schuss: Christopher Zeller (l.) erzielt den Siegtreffer nach einer Strafecke© Lars Baron/Bongarts/Getty Images

Vor den Spielen von Peking wurde der vielleicht beste Hockey-Spieler der Welt, Christopher Zeller, auf der Internetseite des deutschen Hockey-Bundes gefragt, was er denn gerne in zehn Jahren über Olympia 2008 sagen würde. Seine Antwort lautete: "Damals in Peking haben wir alles weggehauen, was kam!"

Zeller sollte Recht behalten. Die deutsche Hockey-Nationalmannschaft hat in Peking olympisches Gold gewonnen - ein grandioser, ein überwältigender Erfolg eines Teams, das sich im Reich der Mitte zerissen hat für diesen Triumph. Ganz anders als zum Beispiel die deutschen Handballer, oder auch die Basketball-Nationalmannschaft um Superstar Dirk Nowitzki. Wieder einmal sind es also die Kugel-Künstler mit dem gebogenen Stock, die die deutsche Fahne bei den Mannschaftsportarten hochhalten.

Das Traurige daran: Als Randsportart erfährt die deutsche Öffentlichkeit immer noch viel zu wenig von den Hockeyhelden um eben jenen Christopher Zeller, die in einem packenden olympischen Finale Spanien denkbar knapp mit 1:0 bezwingen konnten. Was auch an den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten liegt. Ein Spiel der deutschen Fußball-Frauen um Platz drei zum Beispiel wird selbstverständlich in voller Länge, live und mit allem Schnickschnack in der Vorberichterststtung übertragen. Wenn es aber für Deutschland im Hockey um Gold geht, dann zieht es die an diesem Tag übertragende ARD vor, die bedauernswerte Hochspringerin Ariane Friedrich bei ihren drei Fehlversuchen zu zeigen. Dann - endlich - und mit fünfminütiger Verspätung erbahmte man sich live auf das Finale "draufzugehen", eigentlich ein Skandal.

Weise tritt aus Peters Fußstapfen heraus

Dabei hätte das Team um Kapitän Timo Weß in diesem Finale wirklich höchste Aufmerksamkeit schon von der ersten Sekunde an verdient gehabt. Exzellent von Bundestrainer Markus Weise eingestellt, ging der Weltmeister von 2006 in diese Partie gegen den eigentlichen Topfavoriten auf Gold, Spanien. Einer für alle, alle für einen, ausgestattet mit einem Teamspirit der Extraklasse und bis in die Haarspitzen motiviert schnitt man den Iberen von Beginn an den Schneid ab - lautstark unterstützt von 100 euphorisierten deutschen Hockey-Fans im Stadion, die das Finale für die DHB-Auswahl zu einem echten Heimspiel machten.

Viel hat sich geändert in der deutschen Hockey-Nationalmannschaft seitdem Weltmeister-Trainer Bernhard Peters den Stab 2006 an seinen Nachfolger Markus Weise übergab. Peters, mittlerweile im Trainerstab von Ralf Rangnick beim Fußball-Bundesligisten Hoffenheim, war Disziplinfanatiker. Alles bei ihm war limitiert, es gab exakte Vorschriften, seinen Spielern gab er wenig Raum für eigene Ideen. Und der Erfolg gab Peters ja auch Recht. Zweimal hintereinander führte Peters das Team zum WM-Titel, eine fantastische Bilanz. Mit dem Olympiasieg von Peking ist es seinem Nachfolger nun endgültig gelungen, als Trainer aus Peters Fußstapfen heraus zu treten - mit einer gänzlich anderen Philosophie. Weise führt die Mannschaft an der langen Leine. Er gibt ihr mehr Freiheiten. Alles ist lockerer, auch die Trainingsgestaltung. Ein bunter Vogel, wie Florian Keller, der unter Peters nie zu Recht kam, ist vielleicht auch deshalb wieder aufgeblüht.

Zeller wie im Märchen

Garanten für diesen Olympiasieg der deutschen Hockey-Nationalmannschafft gibt es viele. Natürlich der Kapitän, Timo Weß. Er ist der Antreiber, er ist es, der das Team permanent und auch in diesem Finale nach vorne trieb. Oder auch Matthias Witthaus, der Mittelstürmer, der nie einen Zweikampf scheut und dahin geht, wo es weh tut. Nicht zu vergessen Keeper Max Weinhold, vor den Olympischen Spielen noch Torwart Nummer 3 (!!!), der den Deutschen mit drei gehaltenen Siebenmetern im Halbfinale den Einzug ins Endspiel praktisch im Alleingang sicherte. Nevado, Fürste, Weißenborn und wie sie alle heißen, alle sind sie am späten Samstagabend in Peking im Hockey-Olymp angekommen. Und doch ragt immer noch einer aus diesem verschworenen Haufen heraus - nicht zuletzt wegen seines Goldenen Schusses ins Glück: Christopher Zeller. Er erledigte die Spanier nach einer Strafecke mit einem derartigen Brett, das jedem im Stadion Hören und Sehen verging. 1:0, das war der Siegtreffer. Natürlich von Zeller, möchte man sagen. In zehn Jahren kann er jetzt sogar sagen, dass er sie damals in Peking ganz allein zum Olympiassieg geschossen hat.

Von Klaus Bellstedt
 
 
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