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17. August 2008, 17:23 Uhr

Die Fan-Rüpel vom Center Court

Tennis bei Olympia: Fast unbemerkt haben sich die Stars des weißen Sports in Peking die Bälle um die Ohren gehauen. Aber etwas war anders: Die Spieler waren unzufrieden, klagten über das lautstarke Publikum, das wenig Rücksicht auf die Akteure nahm. Aufreger waren an der Tagesordnung - und eine chinesische Spielerin redete Klartext. Von Jens Fischer, Peking

Schwer genervt von den chinesischen Zuschauern: Tennis-Superstar Roger Federer, der früh ausschied© Philippe Huguen/AFP

Chinesen fotografieren gerne. Am liebsten alles und jeden. Und für Chinesen ist Sport immer auch Spaß, Jubel und Spektakel - und zwar jede Art von Sport. Wenn sie zu einer Sportveranstaltung gehen, dann wollen sie mitfiebern, mitleiden, die Sportler sind eigentlich nur dazu da, sie zu amüsieren. Das Problem ist: Es gibt auch bei diesen Olympischen Spielen Sportarten, die bedürfen ein Höchstmaß an Konzentration und damit einhergehend eine gewisse Ruhe. Dazu gehört Tennis. Aber die Chinesen interessiert das nicht.

Deswegen gab es beim olympischen Tennis-Turnier auch jede Menge Ärger und einen handfesten Skandal dazu. Im Halbfinale des Weltranglisten-Ersten Rafael Nadal gegen den Serben Novak Djokovic zählte jeder Punkt. Das Spiel stand auf des Messers Schneide und beide bekämpften sich stundenlang auf hohem Niveau. Als Nadal Matchball hatte, unterlief seinem serbischen Gegner bei einem für ihn leichten Schmetterball der entscheidende Fehler. Der Ball landete im Aus, Nadal stand im Finale. Nach der Partie war Djokovic außer sich: "Ich habe nur noch die Leute schreien gehört und konnte mich beim besten Willen nicht mehr konzentrieren. Bei diesen Schmetterbällen darf man nicht gestört werden, sonst gehen sie daneben."

Das ist das Problem des olympischen Turniers. Für die einheimischen Zuschauer ist diese Sportart noch fremd. "Quiet, please!" Immer wieder ermahnen die Schiedsrichter das Publikum, doch bitte ruhig zu sein. Aber die Hinweise verhallen. Permanent laufen die Zuschauer umher, es wird geschrien und fotografiert, die eingespielte Pausenmusik läuft länger als sie müsste. Das ist kein Umfeld, in dem sich nach Meinung der Spielerinnen und Spieler ein Turnier gut spielen lässt, das so eine Dimension besitzt, wie das der Olympischen Spiele.

Federer flippt aus

Bemerkenswert war es daher auch, dass sich ausgerechnet eine Chinesin über das eigene Publikum echauffierte. Das ist durchaus ungewöhnlich für ein Land, in dem der Meinungsfreiheit der Sportler doch gewisse Grenzen gesetzt sind. "Viele der Zuschauer sind mit den Bedingungen, die bei einem Tennis-Turnier herrschen müssen, einfach nicht vertraut", erklärte Zhen Jie, immerhin Halbfinalistin in diesem Jahr in Wimbledon. "Manchmal jubeln sie zu früh, was einen wirklich stört. Ich hoffe doch sehr, dass sie bei meinem nächsten Turnier in China ein wenig besser aufpassen." Klare Worte mit einer Aussage: China ist noch nicht bereit für internationales Profi-Tennis.

Und es gab noch einen Skandal während des Turniers. Im Spiel Roger Federers gegen den Amerikaner James Blake - Federer schied aus - machte ein Zuschauer beim Aufschlag des Schweizers ein Foto. Federer, vom Klicken des Fotoapparates genervt, flippte aus. Er schrie den Zuschauer an, der daraufhin vom restlichen Publikum übel ausgepfiffen wurde und auf Anweisung des Schiedsrichters das Stadion verlassen musste.

Tennis in China - das passt (noch) nicht zusammen. Noch sind die Chinesen anscheinend nicht bereit, die Regeln und internationalen Gepflogenheit dieses Sports zu akzeptieren. Aber auch das werden sie schaffen - irgendwann. Olympiasieger wurde übrigens Nadal. Aber der gewinnt ja derzeit überall.

Von Jens Fischer, Peking
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
LaoLu (20.08.2008, 06:15 Uhr)
Ich weiß nicht, in welchen Gegenden Sie sich so rumtreiben -
mich hat in den USA noch nie, ich schröder mal, - nie - jemand als Kraut bezeichnet.
.
Weder auf geschäftlichen, noch auf privaten Besuchen.
Malt (18.08.2008, 16:31 Uhr)
@LaoLu
Warum sollte ich jemanden, der kleiner ist als ich, auch noch beschimpfen? Der Zusammenhang ist mir nicht ganz klar.... und sorry, wenn ich die "englische" Beschimpfung für Asiaten nicht kenne... ist glaub' ich nichts, wofür man sich zu schämen bräuchte, oder? Ich kenne eher das Wort "gooks", was aber eher im US amerikanischen Sprachgebrauch vorkommt.
Ansonsten hau ich auch nicht jedem auf die Fresse, der mich Kraut nennt... was bei meinen häufig vorkommenden Besuchen in den USA desöfteren passiert... das meinen die Leute dort auch eher mit einem Augenzwinckern! Ich glaube, bis auf das böse, böse N....-Wort ist man nur bei uns so pedantisch...
Nana_Xiaojie (18.08.2008, 15:13 Uhr)
Ist doch gut...
... wenn man solche Worte garnicht erst kennt, oder? Kein Grund zur Aufregung. Und das Beispiel der englischen Foren gab ich lediglich deswegen, weil jenes Wort ein englisches ist (was der Malt aber bestimmt auch so weiss).
LaoLu (18.08.2008, 15:06 Uhr)
Ne, das habe ich gar nicht gewußt, sagte Malt,
daß man nicht Polacke sagen sollte, wenn einem ein 1,90m Bergmann aus Krakau gegenübersteht.
Malt (18.08.2008, 14:09 Uhr)
@Nana_Xiaojie
Und sie haben wohl auf dem PC-Kopfkissen geschlafen oder was? Ehrlich gesagt: Bisher war mir der Begriff noch nicht mal, egal ob negativ oder allgemeingebräuchlich, bekannt. Aber langsam frage ich mich schon, ob man hier bei uns überhaupt noch guten Gewissens ein warmes Leberkäsbrötchen bestellen kann, ohne Angst haben zu müssen, wegen der Diskriminierung von Schwulen angegangen zu werden. Meine Güte, kommt mal wieder auf den Teppich! Und wenn Ihnen englischsprachige Foren (Hierbei handelt es sich jedoch um eine Kommentarfunktion, und nicht um ein Forum) so zusagen, dann lesen Sie doch die.
Nana_Xiaojie (18.08.2008, 04:57 Uhr)
Ach...
...zuerst wissen sie nicht, wie man jubelt, und jetzt sind "die Chinesen" (und natuerlich ausschliesslich die, denn sonst war dort bestimmt keine andere Nationalitaet vertreten) auf einmal "Ruepel-Fans". Da kann sich einer wohl nicht entscheiden. Auf jeden Fall wurde mal wieder in bester DAS-Manier auf die Gastgeber herab gesehen.
LaoLu (18.08.2008, 04:31 Uhr)
Qualifizierter Kommentar, Müllhouse,
wirklich qualifizierter Kommentar!
LaoLu (18.08.2008, 01:45 Uhr)
OOch,
hatta doch tatsächlich so ein Fan-Rüpel die heilige Ruhe im Center Court gestört.
Heilix Blechle!
Im Kölner Dom wird schließlich auch nicht geklatscht!
.
PS. ich bin, Ihr werdet es gemerkt haben, kein Tennisfan...
S-achte (17.08.2008, 18:50 Uhr)
Nee, klappt (noch) nicht
sie haben es ja versucht, aber sind sind ein wenig zu weit hinterher und haben deshalb die Lust verloren. In echt: Die sind frustriert im Moment, was Fußball anbelangt. Sie schauen lieber westlichen Fußball. Aber Basketball, das ist ihr Ding! Drum ist auch Dirk Nowitzky dort ein Star!
Motzerator (17.08.2008, 18:29 Uhr)
Zeigt den Chinesen Fußball
Da kommen sie als Fan voll auf ihre Kosten, da wird sich hinterher wenigstens keiner beschweren das keine Stimmung in der Hütte war.
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