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16. August 2008, 18:13 Uhr

Gold-Bolt fliegt in eine neue Galaxie

Das Pekinger "Vogelnest" geht in die Geschichte ein. Usain Bolt ist nicht nur Olympiasieger über die 100 Meter geworden, er ist an diesem Abend auch in neue Dimensionen vorgestoßen. 9,69 Sekunden, Weltrekord! Und der 21-jährige Jamaikaner hätte durchaus eine Zehntel schneller laufen können. Zurück blieben 91.000 fassungslose Menschen. Von Jens Fischer, Peking

Außerirdisch gut: Usain Bolt "fliegt" über die Ziellinie, während die Konkurrenz noch einen weiten Weg vor sich hat© Oliver Multhaup/AP

Am Ende blieb nur ungläubiges Staunen. Rund 30 Meter vor der Ziellinie hörte er auf voll durchzuziehen, schaute kurz nach links und rechts, und als er weit und breit keinen seiner Rivalen sah, breitete er die Arme aus und lief mit überzeugtem Klopfen auf die Brust über die Ziellinie. Usain Bolt ist der Olympiasieger über die 100 Meter. Aber Bolt ist noch viel mehr. Der Jamaikaner ist in eine neue Dimension des Männersprints vorgestoßen. Weltrekord mit 9,69 Sekunden, eine famose Zeit, aber das Wahnsinnige an der Bolt-Show ist: Dieser drahtige Typ mit seinen langen Beinen hätte an diesem lauen Sommerabend auch 9,5-irgendwas laufen können. Er hatte es schlichtweg einfach nicht nötig.

Selten waren Zuschauer so beeindruckt nach einem Leichtathletik-Wettkampf wie nach diesem 100-Meter-Feuerwerk des Usain Bolt. Die Leute sprangen auf, schauten sich an, es dauerte, bis überhaupt der erste Jubel ausbrach. Zu außerirdisch war das, was auf der roten Bahn im "Vogelnest" gerade passiert war. "Wow, he could run 9,50", schrien sich die überdrehten Cola-Trinker aus Amerika an. Ja, das hätte er. 9,50 Sekunden, eine Zeit, von der man nie gedacht hätte, dass ein Mensch sie anatomisch in der Lage ist zu laufen. Bolt kann es - wenn er will. Das hat er hier bewiesen.

Aufschrei aus 91.000 Kehlen

Rückblick: Exakt um 22.21 Uhr Ortszeit betreten die dunkelhäutigen Muskel-Maschinen das Stadion und ein Aufschrei aus 91.000 Kehlen begleitet ihren Auftritt. Endlich beginnt es, das größte Rennen aller Zeiten, das Highlight aller sportlichen Duelle dieser Olympischen Sommerspiele 2008. In den Minuten zuvor kürten sowohl die Kugelstoßerinnen als auch die Siebenkämpferinnen ihre Olympiasiegerin - beide Wettkämpfe wurden absorbiert, niemand wusste genau, wer denn jetzt gewonnen hat. Das gigantische "Vogelnest" ist elektrisiert, allen im Stadion ist ins Gesicht geschrieben: Heute passiert Historisches.

Von den Endlaufteilnehmern waren bereits im Halbfinale sechs Sprinter unter den magischen zehn Sekunden geblieben. Auf den Bahnen drei und sechs machen sich die beiden großen Favoriten auf den Olympia-Sieg bereit. Usain Bolt gegen Asafa Powell - das Karibik-Duell, das Duell der beiden Freunde aus Jamaika soll das Ereignis werden, das mehr als eine Milliarde Menschen vor den Bildschirmen auf der ganzen Welt in seinen Bann zieht. Dass Powell später enttäuschender Fünfter wird, damit rechnet zu diesem Zeitpunkt niemand.

"Es gibt kein perfekteres Rennen für einen Sieg", meinte Bolt im Vorfeld der Spiele. Er hatte von seinen letzten zehn Rennen fast jedes gewonnen, dementsprechend selbstbewusst steht er an seinem Startblock. Winkt kurz in die Menge, macht seine üblichen Späße, mit konzentrierter Miene, widmet sich kurz seinen massigen Oberschenkeln, klopft sie ab, damit während des Rennens seines Lebens keine Verletzung den großen Traum zerstört. Powell steht drei Bahnen neben ihm und bleibt ganz cool. Kaum eine Regung, als er auf der großen Leinwand eingeblendet wird, er hat bereits abgeschaltet, nur noch die üblichen Abläufe im Kopf: Springen, zum Startblock, in die Hocke und die optimale Position finden. Die anderen Läufer sind in diesem Moment nur nettes Beiwerk. Dass am Ende Richard Thompson aus Trinidad und Tobago in 9,89 Sekunden die Silber- und der US-Boy Walter Dix (9,91) die Bronzemedaille gewinnen werden, bekommt nach Bolts Wunder-Lauf fast niemand mit.

"Der Rekord von Usain - Wahnsinn!"

Mit seinen sagenhaften 9,69 Sekunden verbesserte Gold-Bolt seinen eigenen Weltrekord vom 1. Juni diesen Jahres in New York um drei Hundertstel Sekunden. Auch Silbermedaillengewinner Thompson kann nur Staunen: "Der Rekord von Usain - Wahnsinn! Das ist ein fantastischer Athlet." Als eben dieser fantastische Athlet nach seinem Einlauf jubelnd austrudelt, muss er selber konsterniert gewesen sein. Zumindest blickt er mehrmals auf die Anzeigentafel, um seine Fabelzeit zu begreifen. Und als er oben in Nahaufnahme gezeigt wird, sieht man ihm förmlich an, dass er noch lange nicht sein Bestes gegeben hat. "Ich wusste, dass es so passieren würde. Das sind schon gute Jungs, die mithalten - da muss man schon einiges bieten", sagt der noch atemlose Olympiasieger.

Auf der Gegenbahn findet Bolt dann diejenigen, die ihm am wichtigsten sind: Seine jamaikanischen Schwestern und Brüder. Freunde, Verwandte, seine Mannschaft, Trainer und Betreuer - er will sie alle umarmen und mit ihnen glücklich sein. Als Bolt später seine Ehrenrunde läuft, ist eine merkwürdige Stimmung im Stadion. Alle schauen sich immer noch fragend an. In der Hoffnung, einer könne ihnen erklären, was gerade passiert ist. Wie ein Mensch so schnell laufen könne. Es kann in diesem Augenblick niemand.

Von Jens Fischer, Peking
 
 
KOMMENTARE (10 von 19)
 
Malt (18.08.2008, 10:40 Uhr)
Grundsätzlich....
...gehe ich davon aus, dass ALLE Athleten bei Olympia in irgend einer Art und Weise gedopt sind... wer vom Gegenteil ausgeht und auf die "Beweise" wartet, die das Bestätigen, der sollte sich mal bezüglihc Doping schlau machen... es gibt immernoch zwischen 20 - 30 (!!!) Methoden zum dopen die nicht nachweisbar sind... noch Fragen?
malibuli (17.08.2008, 22:07 Uhr)
Wenn Doping 0,2 Sekunden ausmachen würde ...
würde es trotzdem nie ein Deutscher in den Endlauf schaffen, selbst wenn die anderen nicht dopen würden. Wer anderen den Erfolg nicht gönnen kann, ist ein menschlicher Verlierer.
stesocom (17.08.2008, 11:13 Uhr)
Bolts 100 Meter Husaren-Stück eine absolute Farce!!!
Hätte Bolt voll durchgezogen, so wäre die Uhr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit bei 9,50 sec. stehen geblieben. Das ist nicht nur nach sport-med. Sichtweise für einen Menschen eine Zeit, die nicht ohne Hilfsmittel gelaufen werden kann. Carl Lewis, der eine geradezu optimale Figur eines 100 Meter Sprinters aufwies, knackte gerade mal die 9,81 sec. auf 100 Meter. Jetzt schafft das ein 200 Meter Spezialist! Jeder der einmal etwas mit Leichathletik zu tun hatte, wird mir beipflichten. Das ist praktisch wie auch theoretisch unmöglich !!! Dieses Rennen und die Verhaltensweise Bolts war unmöglich und unsportlich; das Ergebnis war eine Farce!
www.soppe-stefan.de
mlautenburg (17.08.2008, 02:19 Uhr)
Déjà-vu
http://romibodoni.blog.de/2008/08/17/der-olympische-gedanke-2008-re-reloaded-4598251
Extrasupergut (17.08.2008, 00:56 Uhr)
Bei allem Verständniss ...
.. für das Misstrauen gegenüber Doping, noch sind wir nicht in Meister Schäubles Lieblings Staat im dem jeder automatisch für alles verdächtig ist.
Und solange nichts nachgewiesen ist gilt die Unschuldsvermutung!
Punkt, nichts anderes erwartet jeder der in irgendeiner Weise mit Justiz oder Staatlichen Institutionen zu tun hat.
Also ist es erst mal eine grandiose Leistung!
Was mich viel mehr stört ist, wenn Doping nachgewiesen wird das keine Konsequenzen folgen.
Da startet ein türkischer "Athlet" der offiziell noch 6 Monate wegen Doping gesperrt ist, keiner regt sich auf, der "nationale Verband hat eine Sonderregelung gefunden".
Ja hallo???
So lange solche Sachen, ich vermute durch "reichlich" Spenden, machbar sind brauch sich doch niemand zu wundern.
Aber meine Meinung ist weiterhin, solange keine Beweise da sind gilt der Sportler als unschuldig!
Und deshalb Glückwunsch.
Es wäre doch mal interesannt zu hören was die Verbände von dem Vorschlag halten einen überführten Doping Sünder nicht nur mit einem "DuDuDu" zu "bestrafen" sondern eine Lebenslange Sperre zu verhängen.
Wollen wir wetten das KEIN nationaler Verband da mitmacht ..... ?
misantro (17.08.2008, 00:17 Uhr)
Sehr schön
Jahrelang galten Sportler wie Bolt zu groß für das Sprinten. Ich lehne mich zurück und amüsiere mich über diese Experten :-D
heiwosch (17.08.2008, 00:08 Uhr)
trotzdem.................
der artikel hat dieser sportereignis gut beschrieben. das rennen endete bei mir auch mit dieser fassungslosigkeit. ich bin mir auch ziemlich sicher, dass diese ganze bande dort mit salben nachgeholfen hat. beim start habe ich darauf gewartet, dass sich alle gleich boxhandschuhe anziehen oder sich mit öl einreiben um dann zu posen, normal ist das nicht....... in anbertracht dessen, dass vermutlich alle die gleiche klinik besuchen, war das vom bolt einfach beeindruckend, ich fands gut..... ;-)
EggHead (16.08.2008, 22:53 Uhr)
TsTs ...
Nacheditieren ... pfui !
EggHead (16.08.2008, 22:51 Uhr)
Null Ahnung ...
Zwei Hundertstel, nicht zwei Zehntel ... NULL Ahnung, aber hauptsache meckern ... LOL !
joaka (16.08.2008, 22:11 Uhr)
Zweifel
Na! An diesem Weltrekord habe ich erhebliche Zweifel! Sieht ganz nach verstecktem Doping aus! Alleine das Material macht es nicht! Hatten wir oft schon erlebt, hinterher steckte doch Doping in solchen Leistungen. Denn die Leistungssteigerung des Menschen hat auch mal ein Ende!
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