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24. August 2008, 09:16 Uhr

Das Gefühl, verarscht zu werden

Weltrekorde im Minutentakt und allen voran Wunderschwimmer Michael Phelps: Niemand weiß, wie die Leistungen der Schwimmer in Peking zu erklären sind. Als Zuschauer fühlte man sich nicht euphorisiert, sondern getäuscht. Von Christian Ewers, Peking

Schwimm-Ungeheuer Michael Phelps: Man mag ihm nicht glauben, dass er nur von Pizza und Pasta lebt© David Gray/Reuters

Meist war es ein Hellblau, das die Strahler auf die Außenhaut des National Aquatics Center malten. Blau wie das Wasser, natürlich, und manchmal war die Arena auch weiß, weiß wie Dampf oder Schnee, auch Aggregatzustände des Wassers. Wenn man in der Halle saß, fragte man sich, was das für ein Wasser ist, da unten im Becken. Ob das wirklich zu Eis und Dampf werden kann, oder ob da unten nicht bloß blaue Bretter verlegt worden sind, und die Schwimmer gleiten auf unsichtbaren Rollen auf und ab. Sie waren ja so schnell, so unfassbar schnell. Jeden Tag Weltrekorde, bis zu vier innerhalb von zwanzig Minuten, bis zu sechs am Tag, und dann war da noch Michael Phelps, der Wunderschwimmer aus Amerika, acht Mal Gold, sechs Weltrekorde.

Niemand weiß, wie so etwas gehen kann. Die neuen Schwimmanzüge, angeblich schnellere Becken, mehr Krafttraining? Jeder Erklärungsversuch wirkte hilflos, bemüht, verzweifelt, angesichts dessen, was Phelps in Peking angestellt hat. Er hat die Wektrekorde nicht einfach nur verbessert. Er hat sie zerschossen, pulverisiert. So etwas hat es in der Schwimmgeschichte noch nicht gegeben. Und wenn man dabei war an einem dieser wundersamen Rekordtage, fühlte man sich nicht als Zeuge eines historischen Ereignisses. Da war nichts Elektrisierendes, kein Kribbeln, da war nur das Gefühl, getäuscht zu werden, ja: verarscht.

Man mochte Phelps nicht glauben, wenn er sagte, er lebe nur von Pizza und Pasta. Man hat einfach zu viele Helden fallen sehen nach ihrem Brot-und-Wasser-Schwur. Ben Johnson, Marion Jones, Jan Ullrich, Johann Mühlegg. Einen großen Dopingskandal hat es im Schwimmen noch nicht gegeben, doch nach dieser gespenstischen Woche im National Aquatics Center würde es einen nicht wundern, wenn einer dieser Supermänner entzaubert werden würde. Es wäre wie eine Erlösung.

Von Christian Ewers, Peking
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
sver64 (26.08.2008, 13:11 Uhr)
Echt schade...
ich hatte mich sooo auf die Spiele gefreut. Doch die Berichterstattung, speziell die der deutschen Sender und Medien hat mich sehr geärgert. Man konnte schon Wetten darüber abschliessen, wie lange es dauerte, bis das Wort Doping fiel. Und immer wieder wurde das Unschuldsprinzip hervorgehoben. Aber warum wird es dann jedesmal erwähnt? Wenn der Verdacht hundert mal ausgesprochen wird, ist das doch so gut wie verurteilt. Ich fand es unerträglich, dass ich die letzten Tage der Spiele gar nicht mehr verfolgen wollte. Danke ihr Spielverderber bei ARD, ZDF, Stern, Bild und wo ihr alle noch eure Missgunst sät.
spinnitz (26.08.2008, 07:26 Uhr)
Ja, einige Deutsche Athleten
haben nicht ihr mögliches Potential abgerufen und waren schlecht. Einige haben es auch zugegeben. Aber, in den Endläufen waren auch andere Athleten aus anderen Nationen.
Und kritische Äußerungen als nörgelei abzustempeln..., warum wird den Kommentatoren nicht freigestellt, auch eine kritisch Sichtweise zu haben und diese auch zu äußern.
Es mutet hier fast schon so an wie bei der chinesischen Führung. Seht, wir haben perfekte Spiele organisiert. Also schreibt auch darüber und meckert nicht wegen unserer Tibetpolitik, Umgang mit Menschenrechten und eingeschränkter Presse- und Informationsfreiheit. Achjanee, die haben wir ja gar nicht.
Schon die ganze Zeit hat die Veranstaltung eine parallele zu früheren Zeiten/Spielen/Regimen.
Achja, nicht nut Phelps hat Rekorde aufgstellt. Auch in anderen Disziplinen waren Rekorde zu vermelden. Aber sicher nicht so "phänomenale" wie bei dem amerikanischen "Wunderschwimmer". Wie sagte Michael Groß in einem Interview "Normalerweise wird die Muskelatur zum Ende der Wettkämpfe langsamer in der Regeneration, er ist schlapp und Müde" Insofern darf die Regenerationsfähigkeit aus meiner Sicht angezweifelt werden. Wenn denn aber doch alles mit regulären Methoden erreicht wurde waren die anderen nur mal wieder schlauer oder hatten mehr Geld.
Über den Gewinn des IOC (Gegenüber Salt Lake und Athen um bis zu 30%, Quelle Googel"IOC Umsatz") möchte ich micht im moment gar nicht ärgern. Ist ja uach ein "Wohlfahrtsverein".
chatahootchee (26.08.2008, 03:47 Uhr)
MECKERN, MECKERN, MECKERN
bis zum Umfallen. Noch ein Hassartikel Marke 'stern.de'. Gebt es doch zu, dass Deutschland den Anschluss verpasst hat. Basta.
Da kamen deutsche Weltmeister nach China und sind krachend eingegangen; aber nein, die anderen waren nicht besser, die waren gedooooopt. Jawohl, gedooooopt.
Habt Ihr mal die Haende eines Phelps gesehen. Da kan man ein Abendessen zubereiten, doppelt so gross wie normale Haende. Der Mann muss einfach schneller sein.
Aber nein, 'stern.de' tut, was es am besten kann: Laestern, unterstellen. Das ist schon kriminell, was hier abgeht.
Superdackel (26.08.2008, 03:42 Uhr)
Negativitaet
malibuli hat so recht. Wenn man Artikel oder Kommentare liest, ganz besonders um und zu den olympischen Spielen, wird alles nur negativ gesehen, genoergelt und in Frage gestellt.
Kann in Deutschland ueberhaupt noch jemand etwas im positiven Licht sehen und geniessen?
Ich finde das deprimierend und entaeuschend.
sjm2000 (26.08.2008, 02:41 Uhr)
Doping Kontrollen verzerren das Ergebnis
Die Menschen wollen nun einmal Helden sehen und die Pharma Industrie hilft da eben ein bischen mit. Ganz ohne Trainieren kommt auch so ein Pharma Held nicht aus. Also lasst die Doping Kontrollen sein und lasst jeden das Zeug futtern das ihn zum Helden macht. Der Ruhm wiegt die kuerzere Lebenserwartung auf.
malibuli (26.08.2008, 01:03 Uhr)
Du bist Deutschland
Immer nörgeln, wenn die anderen gewinnen. Zahlreiche Europarekorde und andere Weltrekorde sind auch ohne Phelps aufgestellt worde. Die einen nennen das Doping, ich sage Anschluss verpasst. Es gibt quasi keine Sportler mehr, die noch zu DDR-Zeiten ausgebildet wurden, das merkt man jetzt.
blackblondi (25.08.2008, 17:48 Uhr)
Alte Zeiten
ja man soll nicht alten Zeiten nachtrauern. Aber vielleicht war es gar nicht so schlecht, als noch der Amateurstatus galt, und Sportler, die an de Olym.Spielen teilnahmen, kein Geld mit ihrem Sport verdienen durften. Da lohnte sich das gesundheitliche Risiko nicht zu Dopen, denn es winkten keine Werbeverträge etc. Von Ausnahmen mal ganz abgesehen.
HabikK (25.08.2008, 16:51 Uhr)
Menschliche Mechanismen
Für mich hat der Sport und ganz speziell die Olympiade insgesamt schon seit langem seinen Zauber, seine Faszination verloren. Entweder wird er als politisches Mittel missbraucht um der Welt die scheinbare größe einer Nation zu demonstrieren oder um egozentrische Einzelkämpfer in ihrem Streben nach Weltruhm, Unsterblichkeit etc. zu unterstützen. Dazu ist ihnen jedes Mittel recht und ich vermute, dass dazu alle denkbaren allzu menschlichen Mechanismen in Anspruch genommen werden wie „Vertuschen“, „Fälschen“, „Bestechen“, „Schmieren“, „Kleinreden“ und, und, und es spielen alle mit wie Vereine, Verbände, Firmen, Medien, Regierungen und, und, und.
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