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9. August 2008, 18:55 Uhr

Auftakt mit Bravour

Er ist inzwischen 20 Jahre alt, und die Zeiten als Turnfloh sind endgültig vorbei. Als "Leader" der deutschen Turnriege hat Fabian Hambüchen bei den Olympischen Spielen in Peking Führungsstärke bewiesen - und persönlich einen Grundstein für sein erstes Olympia-Gold gelegt.

Gold am Reck im Visier: Turner Fabian Hambüchen© Dylan Martinez/Reuters

Der Auftakt ist blendend geglückt: Fabian Hambüchen hat den ersten Schritt zum ersehnten Gold in Peking mit Bravour gemeistert. Am ersten Tag der Turn-Wettbewerbe zelebrierte er seine schwierige Reck-Übung meisterlich und schob sich mit 16,20 Punkten verdient auf den Spitzenplatz. Auch am Boden gelang dem 20-jährigen aus Wetzlar am Samstag mit Platz Vier (15,800) ebenso wie am Barren mit Platz Acht (16,050) der Einzug in die Gerätefinals. "Ich bin super glücklich, wie das alles gelaufen ist, dabei war es heute eigentlich ein Scheiß-Tag. Ich fühlte mich den ganzen Vormittag total nervös, aber dann hat das Mentaltraining angeschlagen", meinte der deutsche Turn-Star.

Der Kapitän führt sein Team

Zugleich führte der Reck-Weltmeister das diesmal bei weitem nicht fehlerfreie deutsche Team mit Platz Fünf (365,675 Punkte) in das Mannschafts-Finale am Dienstag. Als Zweiter des Vorkampfes (92,45 Punkte) hat er zudem im Mehrkampf-Finale trotz eines verpatzten Seitpferd-Abgangs gute Chancen auf die erste olympische Sechskampf- Medaille eines deutschen Turners seit 72 Jahren.

Am Reck wollte er im Vorkampf noch nicht alles zeigen. "Deshalb habe ich die Übung etwas abgespeckt. Im Finale werde ich nun noch etwas draufpacken", meinte der kleine Ausnahmeturner zu seiner Show, für die ihm die Kampfrichter den Ausgangswert 7,0 anrechneten. Sein inoffizieller Weltrekord steht bei 7,3. "Mir ging der Arsch auf Grundeis, weil ich unbedingt ins Finale wollte. Aber jetzt gehe ich eher locker in den Endkampf rein. Ich habe die Chance, mir meinen Traum zu erfüllen", berichtete Hambüchen erleichtert. Im Endkampf muss er nun allerdings laut Auslosung schon als Erster an das Gerät.

Für Hambüchen bleibt es das "Zitterpferd"

Beim Sprung verpasste Hambüchen nur haarscharf den Endkampf. Schwachstelle seines ansonsten glänzenden Sechskampfes war aber das "Zitterpferd", an dem Hambüchen wiederum den Abgang verbaute und mit der Note 13,10 bestraft wurde. "Das werde ich im Mehrkampf-Finale noch besser machen", setzte er sich neue Ziele.

Bei seinen Mannschaftskameraden lief im Vorkampf bei weitem nicht alles rund. So verpatzte Philipp Boy seine Reck-Übung und büßte damit seine Finalchance ein. "Ich kann das nicht erklären. Damit habe ich eines meiner drei Ziele verpasst. Umso mehr brenne ich nach diesem Tag auf die beiden Finals im Team und im Mehrkampf", meinte der Lausitzer, der als 21. der unbereinigten Liste - nur zwei Athleten pro Nationen dürfen starten - in den Wettkampf der besten 24 Allrounder einzog.

Chinesen demonstrieren ihre Stärke

Insgesamt war das "Königsgerät" nicht wie gewohnt die Stärke der Deutschen. Da Thomas Andergassen und Marcel Nguyen auch am Barren nicht ihre gewohnten Leistungen abrufen konnten, war eine Platzierung wie im Vorjahr mit WM-Bronze nicht im Bereich des Möglichen. Im Team-Finale mit anderem Modus und ohne Streichwert ist aber noch alles drin. "Die Mannschaft hat sich insgesamt gut dargestellt. Im Finale ohne Streichwert gibt es neue Chancen, aber auch neue Risiken", urteilte Cheftrainer Andreas Hirsch.

Im Durchgang zuvor hatten die Chinesen mit einer Demonstration der Stärke ihren unverhohlenen Anspruch auf das Gros der acht zu vergebenen Goldmedaillen untermauert. 18 000 Zuschauer im Nationalen Hallenstadion peitschten ihre Helden voran, die kaum eine Schwäche zeigten. Die Chinesen (374,675) führen mit einem souveränem Vorsprung von fünf Punkten vor Japan (369,55). Der achtfache Weltmeister Yang Wei unterstrich mit dem glänzenden Resultat von 93,875 Punkten, dass der Weg zum Mehrkampf-Gold nur über ihn führen wird. Sensationell verpasste Ex-Weltmeister Hiroyuki Tomita aus Japan den Endkampf, weil sich seine Landsleute Kohei Uchimura und Koki Sakamoto vor ihm platzierten.

DPA
 
 
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