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Der stehende Mann wird zur Protest-Ikone

Er sagt kein Wort, doch seine Botschaft geht um die Welt: Der "standing man" vom Taksim-Platz ist mit seinem Protest zur Ikone der Demonstranten geworden. Nachahmer gibt es sogar in Deutschland.

Von Daniel Bakir

  • Daniel Bakir

Er wirft keine Steine, er schreit keine Parolen, er steht einfach nur da. Mutterseelenallein, mitten auf dem Taksim-Platz, die Hände in den Hosentaschen, den Blick starr auf ein Bild des Republikgründers Atatürk gerichtet. Stundenlang. Mit dieser Aktion ist der türkische Choreograf Erdem Gündüz am Montagabend zu einer Ikone der Demonstranten geworden.

Nach all den Straßenschlachten der vergangenen Tage drückt die Pose das aus, was wohl viele türkische Protestierende fühlen: Ihr könnt uns noch so viel mit Tränengas beschießen, verjagen könnt ihr uns nicht. Binnen Stunden verbreitete sich das Bild des stehenden Mannes über die sozialen Netzwerke. Hunderte schlossen sich dem stillen Protest auf dem Taksim-Platz an. Die türkische Bezeichnung "#duranadam" war zwischenzeitlich das meistdiskutierte Twitterthema weltweit, wie die von türkischen Aktivisten eingerichtete Seite #link;www.duranadam.com;www.duranadam.com# dokumentiert.

Internetvideos zeigen, wie Polizisten den Rucksack des "stehenden Mannes" durchsuchen, ohne dass dieser sich rührt. Auch die Fragen neugieriger TV-Reporter beantwortet er mit Schweigen. Als sich am Abend Hunderte Demonstranten dem stillen Protest auf dem Taksim-Platz anschlossen, soll die Polizei die Aktion aufgelöst und einige Aktivisten festgenommen haben, schreibt die Hürriyet Daily News .

  Stehende Männer und Frauen in Stuttgart

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Seitdem verbreitet sich das Phänomen des stehenden Mannes und der stehenden Frau immer weiter. Aus dem ganzen Land posten Demonstranten ihre Nachahmer-Fotos. Auch aus Deutschland gibt es stille Solidaritätsbekundungen.

  Der stehende Mann als Ikone des gewaltfreien Protests

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Daniel Bakir

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