Erstmals sinkende Pegel in Magdeburg

9. Juni 2013, 23:57 Uhr

23.000 Magdeburger mussten wegen des Hochwassers ihre Häuser verlassen. Doch es gibt Anzeichen, dass die Pegel dort ihren Höhepunkt erreicht haben könnten. Die Lage im stern.de-Newsticker.

+++ 20.24: Krisenstab empfiehlt: Wer nicht bleiben muss soll gehen +++

Angesichts des Rekordhochwassers an der Elbe hat der Ludwigsluster Landrat Rolf Christiansen (SPD) die Menschen in der betroffenen Region Dömitz und Boizenburg zu größter Vorsicht aufgerufen. "Wer nicht in der Region bleiben muss, sollte sich langsam auf den Weg machen", sagte der Chef des Katastrophenabwehrstabes am Sonntagabend in Dömitz. Christiansen war gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) mit einem Bundeswehr-Boot auf die Elbe gefahren und hatte die Deiche sowie die Verstärkungsarbeiten inspiziert. Am Montag soll das Pflegeheim in Dömitz mit rund 50 Bewohnern evakuiert werden.

+++ 19.52: Lebloser Körper in Elbe bei Pirna gefunden +++

In der Hochwasser führenden Elbe bei Pirna ist eine Leiche gefunden worden. Es handle sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen 74 Jahre alten Bewohner eines nahen Seniorenheimes, teilte das sächsische Innenministerium am Sonntag mit. Demnach war die Leiche bereits am Samstagmittag in der Nähe eines Fähranlegers entdeckt worden. Ob die Person im Wasser ertrunken sei, werde noch ermittelt. "Derzeit gibt es keine Hinweise auf Gewalteinwirkung", sagte der sächsische Innenminister Markus Ulbig (CDU). Der 74-Jährige soll an Demenz erkrankt gewesen sein und zuvor angedeutet haben, im Hochwasser helfen zu wollen.

+++ 17.21: Erstmals leicht sinkende Pegel in Magdeburg +++

Der Höhepunkt der Elbeflut hat Magdeburg möglicherweise passiert. Am späten Sonntagnachmittag sank der Pegel um rund zwei Zentimeter, wie das Landesamt für Hochwasserschutz mitteilte. Für Prognosen sei es aber noch zu früh. Der Leiter des Katastrophenstabes der Stadt, Holger Platz, sagte: "Ich denke, es spricht auch einiges dafür, dass wir jetzt den Scheitel erreicht haben." Dies sei aber noch kein Befreiungsschlag. Deiche könnten auch bei sinkenden Pegelständen noch brechen. "Man kann keine Entwarnung geben, noch nicht."

+++ 14.44: Magdeburg lässt östliche Stadtteile räumen +++

Magdeburg lässt Stadtteile mit rund 23.000 Bewohnern östlich der Elbe wegen der Hochwassergefahr räumen. Die Bewohner des Gebiets vom südlichen Stadtrand bis zur Berliner Chaussee seien aufgefordert, ihre Wohnungen zu verlassen, entschied der Katastrophenstab der Stadt am Sonntag. Hintergrund sei, dass der Hochwasserscheitel eine Länge von rund 40 Kilometern habe und mehrere Tage lang gegen die Deiche drücken werde, wie der Krisenstab der Landesregierung weiter mitteilte.

+++ 14.29: Gauck erschüttert über Folgen der Flut +++

Bundespräsident Joachim Gauck ist die tiefe Betroffenheit anzusehen. Wer weit weg wohne, könne sich das alles gar nicht vorstellen, sagt er am Sonntag bei seinem Besuch in Halle. "Unglaublich." Er schüttelt zum Dank freiwilligen Helfern, Feuerwehrleuten und den weiteren stillen Helden der Flut fest die Hand. "Man kann sich nicht vorstellen, was da zu bewältigen ist." Er sei aber auch zuversichtlich und vertraue auf den weiteren Zusammenhalt der Menschen in der Not, sagte der Bundespräsident.

+++ 13.34: Gewitter können Flüsse wieder ansteigen lassen +++

Einigen Hochwasser-Regionen drohen erneut starke und auch unwetterartige Regenfälle. In einem Gebiet von Thüringen über Sachsen bis zur Lausitz sowie in Bayern könnten bis Montagmorgen innerhalb weniger Stunden örtlich bis zu 50 Liter Regen je Quadratmeter fallen, sagte Meteorologe Christian Herold vom Deutschen Wetterdienst (DWD) am Sonntag in Offenbach. Die Oberläufe kleinerer Flüsse und Bäche könnten wieder anschwellen. In Bayern drohe am Montag dann auch großflächig starker Regen. Am heftigsten wird es nach bisherigen Vorhersagen das Allgäu treffen. Weiter im Norden sollen starke Regenfälle dagegen ausbleiben.

Zwar seien die neuen Niederschläge nicht mit den Mengen der vergangenen Woche zu vergleichen, sagte DWD-Experte Herold. Da sie aber in kurzer Zeit fielen und die Böden mit Wasser gesättigt seien, könnte der starke Regen für erhebliche Probleme sorgen. Am Dienstag werde sich dann auch im Süden ein Hochdruckgebiet durchsetzen.

+++ 11.13: Anschläge auf Deiche angedroht +++

Unbekannte haben Anschläge auf Deiche angedroht. Der Krisenstab der Landesregierung in Sachsen-Anhalt bestätigte am Sonntag in Magdeburg die Existenz entsprechender Schreiben. Darin werde angekündigt, Dämme und Deiche auch in Sachsen-Anhalt mit dem Ziel beschädigen zu wollen, bundesweit Menschen zu schaden.

Der Leiter des Krisenstab erklärte, das Schreiben werde "ernst genommen". Die Luftraumüberwachung an den genannten Deichen wurde bereits verstärkt. Ohnehin seien an jedem Damm und Deich in Sachsen-Anhalt rund um die Uhr Deichwachen unterwegs. Sie wurden aufgefordert, "jegliche Erkenntnisse" über Auffälligkeiten unverzüglich an die Krisenstäbe und die Polizei weiterzuleiten.

+++ 11.03: 10.000 Bitterfelder können in ihre Häuser zurück +++

Erleichterung in der Bitterfeld: 10.000 Menschen aus dem östlichen Teil der Stadt und dem Ort Friedersdorf können in ihre Häuser zurück. Helfern und Soldaten der Bundeswehr ist es gelungen, ein Leck an einem Deich an dem See Goitzsche zu schließen. Es drohe nun keine akute Gefahr mehr, dass Wassermassen aus dem See nach Bitterfeld strömen, teilte der Landkreis Anhalt-Bitterfeld mit.

+++ 10.30: Bahn sperrt Elbebrücke bei Magdeburg +++

Wegen des Hochwassers hat die Bahn am Sonntag eine Elbebrücke bei Magdeburg gesperrt. Davon ist der Fernverkehr zwischen Hannover und Leipzig betroffen, wie die Bahn in Berlin mitteilte. Die Intercity-Züge von und nach Hannover enden und beginnen im Magdeburger Hauptbahnhof. Zwischen dem Hauptbahnhof und Halle wurde ein Busnotverkehr eingerichtet. Ab Halle müssen Reisende dann Nahverkehrszüge nach Leipzig nutzen. Auch der Regionalverkehr aus Leipzig und Berlin nach Magdeburg ist betroffen.

An der Saale in Sachsen-Anhalt brach am Morgen ein Damm bei Klein Rosenburg. Der Krisenstab der Landesregierung forderte die rund 150 verbliebenen Einwohner von Klein Rosenburg und weiterer Ortschaften dringend auf, sich sofort in Sicherheit zu bringen und höher gelegene Gebiete aufzusuchen.

+++ 06.00: Lage an Elbe weiter angespannt +++

Die Lage in den Hochwassergebieten im Osten Deutschlands hat sich in der Nacht zum Sonntag weiter zugespitzt. Vor allem in Magdeburg und Wittenberge sehen viele Menschen den kommenden Stunden mit Anspannung entgegen - eine ungewisse Zeit zwischen Hoffen und Bangen.

In Magdeburg (Sachsen-Anhalt) steht die Elbe mittlerweile bei 7,43 Meter, wie eine Sprecherin des Krisenstabs am frühen Sonntagmorgen sagte. Bei dem verheerenden Hochwasser 2002 lag der höchste Pegelstand bei 6,72 Meter. Wie hoch das Wasser in der nächsten Tagen noch steigen werde, könne derzeit niemand abschätzen.

Ein Altenpflegeheim wurde geräumt. Auch ein Umspannwerk und der Stadtteil Rothensee, in dem ein großer Binnenhafen und viel Industrie angesiedelt ist, sind gefährdet. Die Elbebrücke bei Magdeburg wurde für den Fern- und Regionalbahnverkehr gesperrt. In Rothensee wurden die Bewohner aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Die Stadt stellte Notunterkünfte bereit.

Bei Wittenberge (Brandenburg) hatte das Hochwasser der Elbe bereits am Samstagabend einen historischen Höchststand von 7,50 Meter erreicht. Rund 1500 Bewohner der Altstadt wurden daraufhin aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. "Bisher wurde das Angebot.

Zahlreiche Helfer und Bundeswehrsoldaten hatten noch am Samstag 35 000 Sandsäcke an die Deiche bei Mühlberg (Brandenburg) geschleppt. "Bis zum frühen Sonntagmorgen haben die Helfer unermüdlich an den Brennpunkten gearbeitet", sagte ein Sprecher des Katastrophenstabs. Erst in drei bis vier Tagen gebe es wohl eine spürbare Entspannung. Bis dahin müssten die Dämme halten. Und noch länger - denn auch das abfließende Wasser drücke noch mit einer gewaltigen Wucht gegen die Deiche.

Die Pegelstände in Sachsen sind in der Nacht zum Sonntag weiter gesunken. Die Lage an der Elbe bleibt aber angespannt - mindestens bis Montag. Denn noch immer macht das nur langsam abfließende Wasser den Deichen zu schaffen. In vielen Orten gehen die Aufräumarbeiten weiter. Ob der angekündigte Regen zu neuen Problemen führen wird, sei derzeit noch völlig ungewiss, hieß es. aber nur sehr verhalten angenommen", sagte ein Sprecher des Krisenstabs am Sonntagmorgen. Einige Bewohner wurden mit Bussen in eine Notunterkunft gebracht.

+++ 21.05: Altstadt von Wittenberge wird evakuiert +++

Neben Teilen Magdeburgs wird auch die Altstadt von Wittenberge (Brandenburg) seit Samstagabend aus Sorge vor dem Hochwasser der Elbe evakuiert. Etwa 1500 Einwohner sollen ihre Wohnungen verlassen, sagte der Landrat des Kreises Prignitz, Hans Lange. Lautsprecherwagen der Polizei fordern die Anwohner dazu auf. Für Teile der Stadt besteht ein hohes Überflutungs-Risiko. Gegen 19.15 Uhr erreichte die Elbe bei Wittenberge einen historischen Höchststand von 7,45 Meter. Das war ein Zentimeter mehr als beim bisherigen Rekord im Jahr 1880. Am Abend stieg der Fluss immer noch weiter - um fünf bis zehn Zentimeter pro Stunde. "Mit so einer Entwicklung konnte nicht gerechnet werden", sagte Lange.

+++ 21.00: Gauck besucht Hochwasserregionen an Saale und Elbe +++

Bundespräsident Joachim Gauck besucht am Sonntag Hochwasserregionen in Sachsen und Sachsen-Anhalt. In Halle wird er an einem Gottesdienst in der Marktkirche St. Marien für Betroffene und Helfer des Saalehochwassers teilnehmen. Danach wird er Gespräche mit Mitarbeitern von Einsatz- und Rettungsdiensten führen und eine vom Hochwasser beschädigte Kindertagesstätte besichtigen. Anschließend fährt der Bundespräsident ins sächsische Meißen weiter, um mit Betroffenen des Elbehochwassers zu sprechen. Auch von Mitarbeitern der Technischen Einsatzleitung möchte sich der Bundespräsident vor Ort informieren lassen.

+++ 19.52: Magdeburg kämpft gegen Flut +++

Die Hochwasserlage in Magdeburg hat sich am Samstag weiter zugespitzt. Rettungskräfte, Bürger und Soldaten arbeiteten mit Hochdruck daran, Deiche zum Schutz gegen die Elbe zu verstärken, die erst am Sonntag ihren höchsten Stand erreichen soll. Im Stadtteil Rothensee wurden die Bürger aufgefordert, ihre Häuser wegen der Gefahr einer Überspülung zu verlassen. Betroffen sind etwa 2800 Personen. Der Strom wurde vorsorglich abgeschaltet. Nicht nur die Elbe drückt mit gewaltigen Wassermassen nach Norden. In den Fluss mündet südlich von Magdeburg auch die Saale, die extrem viel Wasser mit sich führt. In dem Mündungsgebiet wurden mehrere Dörfer zwangsevakuiert. In der Nähe der Ortschaft Groß Rosenburg drohte ein Deich zu brechen.

Die aktuellen Pegelstände In vielen Teilen Deutschlands sind die Flüsse über die Ufer getreten. Hier finden Sie für alle betroffenen Gebiete die aktuellen Pegelstände.

Hier können Sie spenden - Diakonie Katastrophenhilfe: Stichwort "Fluthilfe", Konto 502 502, Evang. Darlehensgenossenschaft, BLZ 2106 0237 oder online: www.diakonie-katastrophenhilfe.de

- Caritas international: Stichwort "Hochwasseropfer 2013", Konto 202, Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, BLZ 660 205 00 oder online: www.caritas-international.de

- Arbeiter-Samariter-Bund: Stichwort "Hochwasser", Konto 1888, Bank für Sozialwirtschaft Köln, BLZ 370 205 00, oder online: www.asb.de

- DLRG: Stichwort "Flutopferhilfe 2013", Konto 730 900 000 0, Volksbank Schaumburg, BLZ 255 914 13

- Deutsches Rotes Kreuz Sachsen: Stichwort "Nachbarn in Not", Konto 414141, Bank für Sozialwirtschaft Köln, BLZ 370 205 00

- Gemeinden am Oderbruch: Stichwort "Hochwasserhilfe", Konto 20025467, Sparkasse Märkisch-Oderland, BLZ 17054040

- Stadt Grimma: Stichwort "Spende Hochwasser 2013", Konto: 104 100 0800, Sparkasse Muldental, BLZ: 86050200

Sandsäcke - Helfer in der Not Bei Hochwasser gehören Sandsäcke zu den wichtigsten Hilfsmitteln. Sie dienen dem Gebäudeschutz und der Sicherung von Deichen. Katastrophen hätten immer wieder gezeigt, wie wichtig es in gefährdeten Gebieten sei, einen Notfall-Vorrat bereitzuhalten, heißt es beim Technischen Hilfswerk. Ein gefüllter Jute- oder Kunststoffsack wiegt 15 bis 20 Kilogramm. Jutesäcke sind an steilen Böschungen rutschfester und passen sich Unebenheiten gut an. Dafür verrotten sie eher. Kunststoffsäcke rutschen leichter, sind aber gegen Nässe und Witterungseinflüsse beständiger.

Katastrophenalarm - was bedeutet das? Katastrophenalarm wird ausgelöst, wenn schwere Schäden etwa durch Naturgewalt oder Unglücke drohen. Dabei kann z. B. die Bundeswehr im Inland aktiv werden. Im Notfall können die Behörden Gebiete sperren und räumen, Anwohner als Helfer verpflichten und fremde Gebäude oder Autos in Anspruch nehmen. In den Bundesländern gibt es bei Hochwassergefahr bis zu vier Alarmstufen. In der höchsten drohen große Gebiete zu überfluten. Evakuierungen werden vorbereitet.

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