Breivik wird auf Zurechnungsfähigkeit untersucht

25. Juli 2011, 17:20 Uhr

Anders Behring Breivik kommt in Einzelhaft und wird auf seine Zurechnungsfähigkeit untersucht. Der Attentäter erklärt sich selbst für "nicht schuldig". stern.de dokumentiert den Tag in Oslo.

+++ 17.40 Uhr: Breiviks Zurechnungsfähigkeit wird untersucht +++

Anders Behring Breivik wird rechtspsychiatrisch auf seine Zurechnungsfähigkeit untersucht. Das kündigt der Polizeiankläger Christian Hatlo an.

+++ 17.38 Uhr: Osloer Innenstadt soll normal genutzt werden +++

Die Polizei fordert die Bevölkerung auf, die nach dem Bombenanschlag zeitweise gesperrte Osloer Innenstadt wieder normal zu nutzen. Man werde aber noch lange brauchen, um die stark beschädigten Gebäude des Regierungsviertels genau zu untersuchen. Es gebe "keine Garantien für hundertprozentige Sicherheit", aber man müsse auch Vertrauen in die Zukunft zeigen.

+++ 17.21 Uhr: Oslo bereitet sich auf Fackelzug vor +++

Beim Fackelzug durch Oslos Innenstadt am Abend werden 100.000 Teilnehmer erwartet. Ministerpräsident Stoltenberg hat seine Teilnahme zugesagt, er prophezeit der Bevölkerung jedoch bereits weitere schwere Prüfungen im Gefolge des grausamen Verbrechens. Die Äußerungen Breiviks gehören dazu, wenn ihn das Gericht nach der Tötung von Kindern und Teenagern mit dem Satz zitiert: "Er wünschte der Arbeiterpartei größtmögliche Verluste zuzufügen, um Rekrutierungen für die Zukunft zu unterbinden."

+++ 17.10 Uhr: Zahl der Opfer sinkt auf 76 +++

Nach Polizeiangaben sind bei den Anschlägen in Norwegen insgesamt 76 Menschen ums Leben gekommen - 8 bei dem Bombenanschlag in Oslo und 68 auf der Insel. Das teilte ein Polizeisprecher in Oslo mit. Die Zahl war bisher mit 93 angegeben.

+++ 16.59 Uhr: Hatte Breivik doch Komplizen? +++

Anders Behring Breivik hat nach eigener Aussage mit anderen Rechtsextremen zusammengearbeitet. Er habe erklärt, es gebe "zwei weitere Zellen in unserer Organisation", sagte Untersuchungsrichter Kim Heger nach der knapp einstündigen Anhörung.

+++ 16.44 Uhr: Breivik schrieb beim UNA-Bomber ab +++

Beim Verfassen seines mehr als 1500 Seiten langen Manifests hat Breivik sich unter anderem vom "Unabomber" Ted Kaczynski aus den USA inspirieren lassen. Der ehemalige Mathematikprofessor hatte in den 1990er Jahren mit einer Serie von Briefbombenanschlägen in seiner Heimat gegen den technologischen Fortschritt protestieren wollen. Die Ausführungen Kaczynskis kommen in leicht abgewandelter Form bei Breivik vor. Einige Textpassagen wurden sogar fast wortwörtlich übernommen.

Während sich der Technikfeind Kaczynski in seinem "Unabomber Manifesto" über Linke (wörtlich: "lefties") ereiferte, wetterte Breivik in seinem im Netz veröffentlichten Mammut-Schriftstück gegen "kulturelle Marxisten". Diese seien "eines der verbreitesten Erscheinungsbilder der Verrücktheit unserer Welt". Das hatte Kaczynski in seiner Version über Linke behauptet.

Anhand einer "Psychologie der Linken" wollte Kaczynski die Probleme der modernen Gesellschaft erörtern. Breivik spricht hingegen von einer "Psychologie des Multikulturalismus", anhand derer er die Probleme Westeuropas aufrollen wolle. Kaczynski spricht in seinem Manifest von den "masochistischen Tendenzen" der Linken, Breivik sieht die gleichen Tendenzen bei Multi-Kulti-Befürwortern. Und in den Texten beider Autoren wird behauptet, Linke beziehungsweise "Multikulturalisten" würden Probleme erfinden, auch wenn es gar keine gäbe, um ihnen eine Bühne zu geben.

+++ 16.29 Uhr: Körting warnt vor überhasteter Reaktion +++

Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hat nach dem Massaker in Norwegen vor überhasteten staatlichen Reaktionen gewarnt. "Ich halte nichts davon, aus der schrecklichen Tat in Norwegen jetzt Schnellschüsse herzuleiten", sagte Körting der Nachrichtenagentur dpa. Wie immer kämen nach schrecklichen Ereignissen die Leute mit Patentrezepten, sagt der Innensenator.

Er reagierte auf eine Forderung seines bayerischen Amtskollegen Joachim Hermann (CSU). Dieser hatte im Deutschlandfunk gefordert, als Lehre aus dem Massaker in Norwegen das Internet stärker zu beobachten.

Sicherlich müsse nach jeder solcher Tat das staatliche Instrumentarium nüchtern überprüft werden, sagte Körting. "Den jetzigen Schnellschussreaktionen von verschiedener Seite haftet allerdings ein Beigeschmack an, den ich ablehne." Viele derjenigen, die sich jetzt zu Wort gemeldet haben, profilieren sich auf Kosten der Opfer. "Ich halte Mitgefühl für richtiger."

Hermann hatte gesagt: "Man muss nicht jeden wirren Eintrag gleich für ein Attentat halten. Aber wir müssen manche Leute, die wirklich böse Drohungen ausstoßen, auch vielleicht noch ernster nehmen, als wir das bisher getan haben." Die Behörden müssten Interneteinträge "noch aufmerksamer verfolgen, wir müssen solche Leute dann auch stärker unter Beobachtung nehmen".

+++ 15.52 Uhr: Keine Zeitungen, Briefe oder Besuch +++

Der geständige Attentäter von Oslo muss für acht Wochen in Untersuchungshaft. Das entschied jetzt das Osloer Gericht. Es ordnete zudem Einzelhaft an. Der 32-jährige Beschuldigte dürfe weder Zeitungen noch Briefe erhalten und auch keine Besucher empfangen, erklärte der Richter des Osloer Gerichtes.

Der Mann habe den Bombenanschlag und die Schüsse auf Jugendliche zugegeben. Für schuldig habe er sich jedoch nicht erklärt. Es sei hinreichend erwiesen, dass der Beschuldigte mit Terror-Vorsatz gehandelt habe. Der Mann habe ausgesagt, er habe Westeuropa vor einer Übernahme durch Moslems schützen wollen. Ziel des Angriffes sei es gewesen, ein starkes Signal an das Volk zu senden.

Den regierenden Sozialdemokraten habe er vorgeworfen, das Land verraten zu haben. Sie hätten einen "Massenimport von Moslems" betrieben. Außerdem habe der Beschuldigte angegeben, mit zwei weiteren Zellen zusammengearbeitet zu haben.

+++ 15.44 Uhr: Isolationshaft für Anders Behring Breivik +++

Das Gericht in Oslo hat für Breivik acht Wochen Isolationshaft angeordnet, während dieser Zeit darf der Attentäter lediglich Kontakt zu seinem Anwalt haben.

+++ 15.33 Uhr: Breivik fühlt sich unschuldig +++

Bei der ersten Haftanhörung vor dem Osloer Gericht zeigte sich Anders Breivik Behring in allen Anklagepunkten geständig, schuldig fühle er sich jedoch nicht. Er wollte vielmehr ein "ein kräftiges Signal an das Volk" aussenden und der sozialdemokratischen Arbeiterpartei größtmöglichen Schaden zufügen. Sie sei für den Massenimport von Muslimen verantwortlich und habe dafür bezahlen müssen.

+++ 15.23 Uhr: Lebenslang für Breivik möglich +++

Obwohl das norwegische Rechtssystem nur noch eine Höchststrafe von 21 Jahren Gefängnis beinhaltet, kann Anders Behring Breivik bei einer Verurteilung dennoch für immer hinter Gittern bleiben. Schon beim Urteilsspruch kann ein Gericht die sogenannte Verwahrung ("forvaring") verhängen. Nach 21 Jahren "forvaring" kann diese Strafe dann zunächst um bis zu fünf Jahre verlängert werden. Da die Anzahl dieser Verlängerungen um jeweils fünf Jahre nicht begrenzt ist, ist es nach Ansicht norwegischer Strafrechtsexperten möglich, dass ein so verurteilter Täter bis zu seinem Tod hinter Gittern sitzt.

+++ 15.07 Uhr: Waffenkauf in Prag? +++

Breivik soll angeblich erfolglos versucht haben, in Prag Waffen zu beschaffen. Das berichten tschechische Medien unter Berufung auf die Hassschrift des geständigen Attentäters. Darin beschreibt der 32-Jährige einen Prag-Aufenthalt Ende August vorigen Jahres, den er nach mehreren Tagen aber vorzeitig abgebrochen habe. Die tschechische Polizei konnte zu der angeblichen Pragreise bislang keine Angaben machen.

+++ 14.45 Uhr: Fackelzug in Oslo geplant +++

Für den Abend ist in Oslo ein Fackelzug geplant, auch Ministerpräsident Jens Stoltenberg hat sein Kommen zugesagt.

+++ 14.28 Uhr: Tritte und Pöbeleien +++

Beim Eintreffen vor dem Osloer Stadtgericht haben Jugendliche das Auto mit dem Attentäter Anders Behring Breivik attackiert. Sie traten gegen den schwarzen Jeep und riefen Beschimpfungen. Zu dem Hafttermin hatte der zuständige Richter Kim Heger die Öffentlichkeit von der Verhandlung ausgeschlossen. Es gilt als sicher, dass der Richter entsprechend dem Wunsch der Polizei eine achtwöchige Untersuchungshaft verhängt. Heger will nach der Verhandlung eine Erklärung vor der Presse abgeben.

+++ 14.20 Uhr: Polnische Polizei befragt Chemikalienhändler +++

Die polnische Polizei prüft eine mögliche Verbindung Breiviks nach Polen. Ein Mann sei vernommen worden, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Wroclaw. Es gebe aber keine Festnahme oder Anklage. Die Polizei habe zudem eine Lagerhalle des Mannes in Wroclaw im Südwesten des Landes durchsucht. Hintergrund sei ein Ersuchen um Amtshilfe seitens der norwegischen Polizei. Aus ermittlungstechnischen Gründen könnten aber keine Details genannt werden.

Das staatliche Fernsehen berichtete, die Polizei befrage den Besitzer eines Internet-Versandhauses für Chemikalien. Der polnische Geheimdienst erklärte, derzeit gebe es nur Hinweise darauf, dass der norwegische Attentäter geschäftliche Kontakte zu dem polnischen Unternehmer gehabt habe.

+++ 13.53 Uhr: Breiviks Vater wird abgeschirmt +++

Der Vater des norwegischen Attentäters Anders Behring Breivik steht im südfranzösischen Cournanel vorsorglich unter Polizeischutz. Das Anwesen des Mannes werde von der Gendarmerie bewacht, sagte Staatsanwalt Antoine Leroy am Montag. Ziel sei es, für Ruhe und Ordnung zu sorgen. "Es gab keinerlei Hausdurchsuchung", betonte Leroy. Entsprechende Gerüchte seien falsch.

Der Wohnort des Rentners rund 100 Autokilometer nordwestlich von Perpignan wird seit Sonntag von zahlreichen Journalisten belagert. Ein Kontakt zu Jens Breivik herzustellen, gelang offensichtlich aber nur norwegischen Medien. Der Rentner habe angegeben, seit 1995 nicht mehr mit seinem Sohn gesprochen zu haben, schrieb die Zeitung "VG" am Montag. Sie hätten nie zusammengewohnt; die Eltern hätten sich schon 1980 getrennt. Als Junge sei Breivik verschlossen, aber nicht politisch interessiert gewesen.

Der Fernsehsender NRK zitiert aus einer E-Mail, in der Breiviks Vater schreibt: "Ich fühle große Trauer und Entsetzen über das, was geschehen ist. Ich komme über den Schock der wahnsinnigen Taten von Anders nicht hinweg, mit dem ich seit 1995 keinen Kontakt mehr hatte. Für mich ist unbegreiflich, dass so etwas geschehen konnte."

Unklar war am Montag, ob sich Jens Breivik weiter in seinem Haus in Südfrankreich aufhielt. Seine Lebensgefährtin erklärte Medienvertretern, er sei am Sonntag nach Spanien gereist. Eine Bestätigung dafür gab es zunächst aber nicht.

Nach Angaben der Ortsbewohner war das Paar in der 600-Einwohner-Gemeinde bislang kaum bekannt. "Sie waren mehr als unauffällig, sie waren unsichtbar", zitiert die Nachrichtenagentur AFP den Bürgermeister Alain Costes. "Ich weiß, dass die Norweger ein Haus in der Straße gekauft haben, aber ich kenne sie nicht", sagte eine in der Nachbarschaft wohnende alte Frau. Jens Breivik soll als Diplomat unter anderem in Paris gewesen sein.

+++ 13.28 Uhr: Massenandrang beim "Tinghus" +++

Das "Tinghus", das Stadtgericht in der Osloer Innenstadt, wird von einem massiven Presseaufgebot und auch von vielen Schaulustigen belagert. Es gillt als sicher, dass Richter Kim Heger die von der Polizei gewünschten acht Wochen Untersuchungshaft verhängen will. Nach norwegischem Recht kann der Attentäter bei einem späteren Mordprozess zu maximal 21 Jahren Haft verurteilt werden. Danach wäre nach erneuten Gerichtsverhandlungen eine Verlängerung möglich. Sollte er wegen psychischer Störungen für unzurechnungsfähig erklärt werden, würde er auf Dauer in eine geschlossene psychiatrische Einrichtung eingewiesen werden.

+++ 12.25 Uhr: Hafttermin unter Auschluss der Öffentlichkeit +++

Der erste Hafttermin für Anders Behring Breivik findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das entschied der zuständige Richter nach Angaben des TV-Senders NRK kurz vor dem Eintreffen des mutmaßlichen Attentäters Anders Behring Breivik im Osloer Stadtgericht. Eine Gerichtssprecherin begründete den Ausschluss der zahlreich erschienenen Medienverterter mit Sicherheitsproblemen und Rücksicht auf die laufenden Ermittlungen.

Der 32-Jährige hatte die Anschläge gestanden und bei Polizeiverhören ausdrücklich Öffentlichkeit für den Hafttermin gewünscht, um die Motive für beide Anschläge zu erklären. Die Polizei will acht Wochen Untersuchungshaft beantragen.

+++ 12.08 Uhr: Polizeigewerkschaft lehnt Datei für auffällige Personen ab +++

Als "totale Überreaktion" hat die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) den Vorschlag ihrer Konkurrenzorganisation Gewerkschaft der Polizei abgelehnt, nach den Attentaten in Norwegen eine neue Datei für auffällige Personen einzurichten. "Das ist doch hanebüchener Unsinn", erklärte der DPolG-Vorsitzende Rainer Wendt.

Erstens gebe es keine Rechtsgrundlage für eine solche Datei. Zweitens "wird hier suggeriert, dass man mit technischen Mitteln entschlossene Einzeltäter frühzeitig aufspüren und unschädlich machen könnte", kritisierte Wendt. Das sei jedoch nicht möglich. "Wir müssen akzeptieren, dass das Ausrasten einzelner Verrückter nicht zu verhindern ist". Wendt forderte stattdessen wirksame Strafverfolgungsinstrumente wie eine Vorratsdatenspeicherung.

+++ 12.02 Uhr: Stilles Gedenken in Norwegen +++

Überall in dem skandinavischen Land haben die knapp fünf Millionen Bürger die Arbeit ruhen lassen. Alle Eisenbahnzüge wurden zum Halten gebracht, in der Hauptstadt Oslo ruhte auch der Straßenverkehr.

König Harald V. und Ministerpräsident Jens Stoltenberg leiteten das stille Gedenken in der Aula der Osloer Universität ein. Sie trugen sich als Erste in eine Kondolenzbuch für die überwiegend jugendlichen Opfer des Attentäters ein. Todesschütze Anders Behring Breivik wird um 13.00 Uhr in Oslo einem Haftrichter vorgeführt.

+++ 12.00 Uhr: Schweigeminute in ganz Norwegen +++

Norwegen gedenkt mit einer Schweigeminute den Opfern der beiden Terroranschläge am Freitag.

+++ 11.54 Uhr: Keine Verbindung nach Deutschland +++

Der Anschlag in Norwegen lässt nach Angaben der Bundesregierung bisherig keine Verbindungen nach Deutschland erkennen. "Tat und Täter weisen nach derzeitigem Kenntnisstand keine Bezüge nach Deutschland auf", sagte ein Sprecher des Innenministeriums in Berlin. Die Vorgänge in Norwegen böten auch keine "zusätzlichen Argumente" für die innenpolitische Debatte in Deutschland wie die umstrittene Vorratsdatenspeicherung. Das Sicherheitsniveau in Deutschland sei jetzt schon sehr hoch.

Zugleich sagte der Sprecher, die rechte Szene stehe intensiv unter Beobachtung. Eine zusätzlich Datei für besonders auffällige Personen sei nicht notwendig, zumal alle auffälligen Personengruppen im Rahmen der Gesetze ohnehin beobachtet würden. Im übrigen sei angesichts des Datenvolumens im Internet eine lückenlose Überwachung nicht leistbar.

+++ 11.48 Uhr: Oslo-Attentäter erwähnt Merkel in Manifest +++

In seinem Manifest hat Breivik mehrmals auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwähnt. Sie sei aus seiner Sicht "der am wenigsten schlechte Führer der größeren Nationen", schrieb Breivik. Die Kanzlerin sorge aber mit ihrer Unterstützung der "schrecklichen EU-Verfassung" für eine "Eurabisierung" Europas.

Breivik gab Urteile zu den Führungsqualitäten mehrerer europäischer Politiker ab. Darunter sind auch der französische Präsident Nicolas Sarkozy und der spanische Regierungschef José Luis Rodriguez Zapatero. Sarkozy und Merkel planten, Europa dem Islam zu unterwerfen, lautet Breiviks Vorwurf.

Als Parteien, die die "Islamisierung Europas" und den von ihm verhassten Multikulturalismus unterstützen, nennt Breivik in Deutschland SPD, CDU, FDP, die Linken, die Grünen und die CSU. Deren politische Führer gehörten zur schlimmsten Gruppe der Verräter und müssten mit dem Tode bestraft werden, so Breivik in seinen wirren, über 1500 Seiten langen Ausführungen, die er vor der Tat im Internet veröffentlicht hatte.

+++ 11.38 Uhr: Zahl der Todesopfer könnte sinken +++

Der Attentäter auf der norwegischen Insel Utøya hat möglicherweise weniger Menschen getötet als angenommen. Aufgrund der vorliegenden Informationen gebe es Hinweise darauf, dass die Zahl der Todesopfer nach unten korrigiert werden könne, sagte der Leiter der Osloer Polizei, Öystein Maeland dem Sender NRK am Montag. Eine Sprecherin der Osloer Polizei sagte darauf auf Anfrage, eine mögliche Änderung der Opferbilanz werde gegebenenfalls am Nachmittag bei einer geplanten Pressekonferenz bekannt gegeben.

+++ 11.26 Uhr: Anklage will Haftprüfungstermin ohne Medien +++

Die Staatsanwaltschaft in Oslo will Anders Behring Breivik keine Gelegenheit geben, seine Tat öffentlich zu erklären. Wenige Stunden vor Beginn des ersten Haftprüfungstermins beantragte die Anklage am Montag den Ausschluss der Öffentlichkeit und der Medien von der Sitzung. Wie die Staatsanwaltschaft weiter mitteilte, wird sie bei der Anhörung vor dem Haftrichter die Verhängung von zunächst acht Wochen Untersuchungshaft beantragen. Diese kann bis zu einem Prozessbeginn verlängert werden. Der Haftprüfungstermin soll um 13.00 Uhr stattfinden. Die Entscheidung über einen Ausschluss der Öffentlichkeit liegt allein beim Haftrichter. Breivik hatte bei seinem Geständnis gefordert, seine Motive öffentlich erklären zu können.

+++ 11.06 Uhr: Behrings Vater flieht nach Spanien +++

Der in Frankreich lebende Vater des mutmaßlichen norwegischen Attentäters Anders Behring Breivik ist vor den Medien abgetaucht: Ihr Mann sei am Morgen vor dem Ansturm der Fotografen und Reporter nach Spanien geflohen, sagte die Ehefrau von Jens Breivik - offenbar um die vor dem Haus lauernden Journalisten loszuwerden. "Wir haben eine schreckliche Nacht verbracht." Am Abend postierten sich mehrere Polizisten vor der Villa des früheren Diplomaten im südfranzösischen Cournanel. Die Beamten seien dort, um "jeden Zwischenfall und jede öffentliche Störung" zu vermeiden, erklärte die Staatsanwaltschaft Carcassonne.

Die Stiefmutter des mutmaßlichen Attentäters sagte, sie habe den heute 32-Jährigen noch nie gesehen, wie ein norwegischer Fernsehreporter seinen Kollegen vor dem Haus übersetzte. Jens Breivik hatte sich kurz nach der Geburt seines Sohnes von seiner ersten Frau scheiden lassen; er hat nach eigenen Worten seit mehr als 15 Jahren keinen Kontakt mehr zu seinem Sohn. Er stehe "unter Schock", hatte der Pensionär zuvor der norwegischen Boulevardzeitung "Verdens Gang" gesagt.

+++ 10.40 Uhr: Neue Debatte um Vorratsdaten +++

Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Hans-Peter Uhl, nahm den Bombenanschlag in Oslo und das Massaker unter den Teilnehmern eines Jugendcamps auf der Insel Utøya zum Anlass, seine Forderung nach Einführung der Vorratsdatenspeicherung zu erneuern. "Wir brauchen die Vorratsdatenspeicherung", sagte der CSU-Politiker der "Passauer Neuen Presse" . "Im Vorfeld muss die Überwachung von Internetverkehr und Telefongesprächen möglich sein. Nur wenn die Ermittler die Kommunikation bei der Planung von Anschlägen verfolgen können, können sie solche Taten vereiteln und Menschen schützen."

+++ 09.40 Uhr: Kein Hubschrauber verfügbar +++

Gjengedal sagte zur Entscheidung für Autos statt Hubschrauber als Transportmittel: "Es war einfach das Schnellste." Der als Transportmittel einzig denkbare Hubschrauber des norwegischen Militärs habe außerhalb Oslos gestanden und wäre deshalb alles in allem langsamer gewesen.

"Wir haben mehrere Jahre lang um einen eigenen Transporthubschrauber gebeten, aber ohne Erfolg", sagte der Polizeichef von Norwegens Hauptstadt. Der einzige Überwachungshubschrauber der Polizei war für einen schnellen Flug nach Utøya nicht einsetzbar, weil das gesamte Personal Ferien machte.

+++ 09.35 Uhr: Norwegens Polizei wehrt sich gegen Kritik +++

Norwegens Polizei verteidigt sich gegen den Vorwurf eines zu späten Eingreifens bei dem Massaker auf der Insel Utøya. Der Osloer Polizeichef Anstein Gjengedal sagte am Montagmorgen im TV-Sender NRK, die Antiterroreinheit "Delta" sei am Freitag sofort nach dem ersten Alarmruf trotz der vorherigen Bombenexplosion im Osloer Regierungsviertel in Gang gesetzt worden: "Wir waren schnell da."

+++ 08.45 Uhr: "Le Figaro": Von Bin Laden zu Anders Behring Breivi +++

Die konservative französische Tageszeitung "Le Figaro" schreibt zum Blutbad in Norwegen:

"Sollte der rechtsextremistische Terrorismus eine neue Gefahr für unsere Gesellschaften geworden sein? Es ist beunruhigend festzustellen, dass ein Mann über zwei Jahre hinweg diese Tat vorbereiten konnte, ohne dabei gestört zu werden. Die Geheimdienste und die Polizei fragen sich: Sind sie nicht so sehr auf den islamistischen Terrorismus fokussiert, dass sie die Beobachtung anderer extremistischer Bewegungen vernachlässigen? (...) Zehn Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und einige Monate nach dem Tod von Osama bin Laden ist es beunruhigend zu beobachten, dass dessen Erbe von einem Fundamentalisten der anderen Seite aufgenommen wird. Das ist eine Gefahr, die die europäischen Gesellschaften ernst nehmen müssen, um sicherzustellen, dass die tödliche Wut des Mörders von Oslo eine einmalige Tragödie bleibt."

+++ 08.30 Uhr: "Der Standard": Neues Klima in Europa+++

Zum Blutbad in Norwegen schreibt die liberale Wiener Zeitung "Der Standard" heute:

"In Europa allgemein hat sich das gesellschaftliche Klima gewandelt. Skandinavien, das bei oberflächlicher Betrachtung einheitlich mustergültig sozial und multikulti zu sein scheint, hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Es hat sich eine - wenn auch kleine - rechtsextreme Szene entwickelt, rechtspopulistische Parteien verzeichnen Zuwächse. In Norwegen hat es die Fortschrittspartei mit 22,9 Prozent auf Platz zwei bei der vergangenen Parlamentswahl gebracht.

Dass der geständige Attentäter in dieser Partei Mitglied war, ist kein Zufall. Die Partei agitiert gegen Muslime und Ausländer. Solche pauschalen Angriffe sind auch bei FPÖ-Veranstaltungen üblich. Durch Hetzreden und kalkulierte Tabubrüche, wie sie auch Thilo Sarrazin mit seinem Buch Deutschland schafft sich ab gesetzt hat, wird ein Klima geschaffen, in dem Extremisten meinen, in diesem ihrem Sinne handeln zu können."

+++ 07.50 Uhr: Stiefbruder von Prinzessin Mette-Marit unter den Mordopfern +++

Zu den Opfern des Massakers auf der Insel Utøya gehört auch ein Stiefbruder der norwegischen Prinzessin Mette-Marit. Wie die Zeitung "Dagbladet" in ihrer Online-Ausgabe berichtet, wurde der 51-jährige Polizist Trond Berntsen erschossen, als er seinen zehnjährigen Sohn schützen wollte. Berntsens Vater war mit der Mutter Mette-Marits, Marit Tjessem, verheiratet.

Eine Hofsprecherin sagte der Nachrichtenagentur NTB: "Die Gedanken der Prinzessin sind bei den nächsten Angehörigen." Berntsen hielt sich privat im Sommerlager der sozialdemokratischen Jugendorganisation AUF auf. Unklar blieb, ob er dabei als Wachmann für die Veranstalter arbeitete. Ein Fahndungsprecher hatte am Sonntag angegeben, dass ein Polizist außerhalb seines Dienstes diese Funktion ausgeübt habe.

+++ 07.20 Uhr: Breivik wollte auch "Landesmutter" töten +++

Der norwegische Attentäter wollte bei dem Massaker auf der kleinen Insel Utøya auch die frühere Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland ermorden. Die Osloer Zeitung "Aftenposten" berichtet am Montagmorgen in ihrer Online-Ausgabe unter Berufung auf Polizeikreise, dass der 32-jährige Anders Behring Breivik dies bei Verhören angegeben habe.

Brundtland (72) ist die international bekannteste sozialdemokratische Politikerin aus Norwegen. Sie war nach mehreren Amtszeiten als Ministerpräsidentin bis 2003 Generalsekretärin der Weltgesundheitsorganisation WHO. Brundtland trat am frühen Freitagnachmittag beim sozialdemokratischen Jugendlager auf der Insel Utøya auf, bei dem Breivik wenig später mindestens 86 Jugendliche tötete.

Breivik hatte die oft als "Landesmutter" bezeichnete Politikerin in seinem Internet-"Manifest" als "Landesmörderin" bezeichnet. Vor der Polizei gab der Attentäter nach den Angaben von "Aftenposten" an, dass er sich auf der Insel verspätet habe. Auch seine Pläne für die vorherigen Bombenexplosionen seien eigentlich umfassender gewesen.

Zum Thema
Schlagwörter powered by wefind WeFind
Manifest Wroclaw Zurechnungsfähigkeit
Panorama
Extras und Ratgeber
Extra: Erfolgsmenschen - Wie man erfolgreich wird Extra Erfolgsmenschen - Wie man erfolgreich wird
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von harun: Mein Hund hat Angst vor der Fahrt

 

  von Gast: darf ich den feuermelder drücken bei einer schlägerei im zug

 

  von maily: Beschäftigung von Rentner

 

  von dorfdepp: Wird es in 20 Jahren noch LKW-Fahrer, Lokführer und Piloten geben?

 

  von bh_roth: Win 8.1 Energiesparen

 

  von Gast: WARUM FÜHREN MANCHE KAPSELN ZUR VERSTOPFUNG?

 

  von Gast 98746: Chiptuning Mercedes Benz E 200 T CDI Erstzulassung 06/13

 

  von BitteFreundlich: Welcher Körperteil ist am häufigsten von Osteochondrose betroffen?

 

  von Gast 98742: Altmietvertrag aus der ehemaligen DDR

 

  von Gast: Das iPhone meiner Freundin hat ne seltsame Macke. schwarzer Bildschirm. anrufe kommen rein, man...

 

  von Amos: Muß die Frage nochmal stellen: Überweisung per Online-Banking auf ein Unterkonto bei derselben...

 

  von Gast: Stern-Sudoku-Gewinnspiel

 

  von Gast: Kann man Handelsübliches Jodsalz in ein Fußsprudelbad geben wenn die Haut verletzt ist?

 

  von Gast: zerbrochene Fensterscheibe

 

  von Amos: Wenn zum Bau eines Hauses Wasser aus einem städtischen Hydranten entnommen wird: wie wird das...

 

  von Der_Denis: Kunststoff - warum so schlechtes Image

 

  von Gast 98682: Wenn ich ein Konto in der Schweiz eröffne, wie hoch ist die Mindesteinlage?

 

  von Gast 98680: Welche Programme gibt es für Zuschüsse an gemeinnützige vereine

 

  von Gast 98676: Führerschein vergleischen

 

  von Amos: Mineralwasser aus dem Schwarzwald nennt sich Black Forrest: ist das ein Gag, ein MIßgriff oder...