Gauck nimmt Ältere in die Pflicht

4. Mai 2012, 10:45 Uhr

Unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Joachim Gauck findet der 10. Seniorentag in Hamburg statt. Das Staatsoberhaut lobt die ältere Generation - fordert aber auch zur aktiven Teilhabe auf. Von Mirko Zapp

Joachim Gauck, Seniorentag, Rentner, Körber-Stiftung

Bundespräsident Joachim Gauck bei der Eröffnung des 10. Deutschen Seniorentages - hier im Gespräch mit Hamburgs erstem Bürgermeister Olaf Scholz©

Beim Einmarsch in den großen Saal gab es Standing Ovations: Über 2000 Gäste des 10. Deutschen Seniorentags begrüßten Bundespräsident Joachim Gauck bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in der Hansestadt. Henry Maske hätte er mit seinem Auftritt zwar keine Konkurrenz gemacht, doch das Publikum war heute auch deutlich älter und gesetzter. Schnörkellos kommt Joachim Gauck daher, nicht aufrüttelnd, nicht emphatisch – allerdings auch nicht betulich. Er hat keine Angst, von den Alten nicht verstanden zu werden, wie es vielleicht Bundesministerin Kristina Schröder hat.

Gauck traut ihnen etwas zu und das honorieren sie. Er hat Verständnis für Ältere, die von ihrer Rente trotz 40 Berufsjahren nicht leben können oder die ein Leben lang körperlich gearbeitet haben und nun erschreckt auf die Erhöhung des Rentenalters blicken: „Deshalb wünsche ich mir auch: Niemandem sollte Unzumutbares zugemutet werden.“ Er bekommt warmen Applaus. Doch Joachim Gauck wäre nicht Joachim Gauck, wenn dieser Satz so enden würde. Er schließt: "Das Zumutbare aber schon."

"Warum teilen wir all diese Tätigkeiten, ohne die unsere Gesellschaft nicht funktionieren würde, nicht besser zwischen den Generationen und Geschlechtern - die Sorge um Kinder oder ältere Angehörige, die Arbeit im Haushalt, das Engagement in der Nachbarschaft, in der Zivilgesellschaft und in Ehrenämtern?", fragte Gauck. Dafür gebe es schon heute gute Ansätze, etwa Bürgerstiftungen, Leihomas oder -opas, generationenübergreifende Wohn- und Lebensgemeinschaften oder Seniorengenossenschaften, in denen sich Ältere gegenseitig helfen würden.

Gauck ist kein Präsident der Herzen, kein Sammler von Sympathiepunkten. Er hat ein sehr eigenes Weltbild, unpopulär ist es und etwas unbequem, geprägt von den Begriffen Freiheit und Verantwortung. Beides lebt er vor, aber damit nicht genug, er fordert es auch von allen anderen: sich dem Leben verantwortlich zu stellen, mit Veränderungen umzugehen und vor allem sich als tätiges Mitglied der Gesellschaft zu begreifen.

"Demokratie kennt keinen Schaukelstuhl"

Gauck zitiert den 8 Tage älteren Franz Müntefering mit den Worten: "Demokratie kennt keinen Schaukelstuhl". Und er meint es ernst. Zu denken hat er dem älteren Publikum gegeben: Zwar sei die derzeitige ältere Generation die wohlhabendste und gesündeste, meint er und fügt hinzu: "Aber auch die dankbarste?"

Jeder im Saal müsste sich wohl nach Gaucks Wunsch an die eigene Nase fassen und sich fragen, ob und wie er seine gesellschaftliche Verantwortung lebt. Gauck macht dabei keinen Halt vor dem Alter. Gleichberechtigung und Entdiskriminierung heisst auch, sich Forderungen auszusetzen, sich gleich zu machen. Auch an den vielleicht unbequemen Stellen. Oder in Gaucks Worten: "Ja zum Alter heißt also für mich: Ja zum eigenverantwortlich gestalteten Leben und ja zu den Veränderungen, die wir dafür als Einzelne und als Gesellschaft anstoßen und manchmal auch ertragen müssen."

"Alter neu erfinden" Die Körber-Stiftung ist mit ihrem Jahresschwerpunkt zum Thema "Alter neu erfinden" Ko­ope­ra­tions­part­ner des 10. Deutschen Se­nioren­tages, der vom 3.-5. Mai in Hamburg stattfindet. Mehr Informationen.

Zum Thema
Panorama
Spende sucht soziale Helden
Aktion Deutschlands Herzschlag: Hier können Sie sich bewerben! Aktion Deutschlands Herzschlag Hier können Sie sich bewerben!
Noch Fragen?

Neue Fragen aus der Wissenscommunity

  von Amos: Rauchen auch auf dem Balkon bald verboten? Rauchen nur noch im Keller unter Luftabschluß?

 

  von Amos: Ich kapiere es einfach nicht: hätte ich 100.000 Schweizer Franken: wären das jetzt mehr oder...

 

  von StechusKaktus: Was genau kauft die EZB im Rahmen des QE an?

 

  von blog2011: Problem mit dem Downloadhelper auf YouTube im Firefox-Browser

 

  von bh_roth: Gibt es mehr als einen Bundespräsidenten??

 

  von Gast 104252: Umzug eines Hartz iv-Empfängers in das elterliche Haus

 

  von wiesse: Muss ein Inkassobüro den Nachweis erbringen, dass sie den Auftrag vom Auftraggeber erhalten haben

 

  von Reinhard49: wie hoch ist die Kfz-Steuer bei Dieselfahrzeugen

 

  von Gast 104125: Warum weht der Wind VOM Tiefdruckgebiet her ? Zum Luftdruckausgleich müsste ein Tief doch eher...

 

  von Celsete: Muss man sich mit dem System Hartz IV abfinden?

 

  von Amos: Hörte eben: the Secretary General für den Uno-Generalsekretär. Wieso ist das umgekehrt wie im...

 

  von Gast 103454: Wann erbe ich? Betreffend Umzug und Steuer!

 

  von Gast 103439: Geburtstagsparty trotz AU

 

  von MrSweets: IPhone IMatch deaktivieren

 

  von dorfdepp: Soll sich die westliche Welt Kuba gegenüber öffnen?

 

  von dorfdepp: Gibt es noch Vorbehalte gegen Online-Banking?

 

  von JennyJay: Heißt es "mittels Mobilkrane" oder "mittels Mobilkränen"?

 

  von bh_roth: Vorsätzliche Tötung

 

  von Amos: Warum muß ein Blinder bei "Wetten dass" eine geschwärzte Brille tragen?

 

  von Amos: Seit heute steigen die Preise der DB, wenn ich per Kreditkarte oder Internet bezahle.