Nach Raues Angaben haben die Übergriffe bei vielen Opfern schlimme Auswirkungen auf ihr weiteres Leben gehabt. "Diese Leute, die sich da gemeldet haben, sprechen fast durchgängig von gebrochenen Lebenswegen, von Angst und Depressionen, Problemen im sexuellen Bereich und zerstörten Ehen und Eheproblemen." Die Anwältin machte auch dem Jesuiten-Orden schwere Vorwürfe. Dort seien viele Anschuldigungen bekannt gewesen, ohne dass angemessen reagiert worden sei. Statt sie anzuzeigen, seien Verdächtige versetzt worden.
"Man wusste, da ist einer, der fummelt gerne rum, und der andere hat den Spitznamen "Pavian"", berichtet die Missbrauchsbeauftragte. Sie schildert in klaren Worten, was sich hinter verschlossenen Türen abspielte: "Er" - der jeweilige Täter - "hat gestöhnt, und es hat komisch gerochen."
Pater Dartmann sprach von "Schuld und Versagen" der Jesuiten. Er entschuldigte sich bei allen Opfern. Zugleich bot er an, bei jedem Betroffenen auch persönlich um Entschuldigung zu bitten sowie Gespräche zur Aufarbeitung der Missbrauchsfälle zu vermitteln.
Dartmann äußerte sich allerdings zurückhaltend zu möglichen finanziellen Entschädigungen, die von mehreren Opfern gefordert werden. Der Orden wolle den Beratungen des Runden Tisches der Bundesregierung nicht vorgreifen. Erste Aufgabe der Jesuiten sei es, die Missbrauchsopfer darin zu unterstützen, die für sie nötige Hilfe zu bekommen.