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24. Juni 2008, 14:38 Uhr

Anleitung zur Zivilcourage

  • Schauen Sie bei Straftaten nicht einfach weg.
  • Fordern Sie von anderen Hilfe ein, indem Sie diese direkt ansprechen und konkret auffordern, etwas zu tun. Beispiel: "Sie, in der roten Jacke, rufen Sie die Polizei!"
  • Provozieren und duzen Sie die Täter nicht. Die sprachliche Distanz und deutlich sachliche Worte machen auch andere Zeugen und Helfer auf die Situation aufmerksam.
  • Beim Halt der Bahn im nächsten Bahnhof Notbremse ziehen und so die Weiterfahrt verhindern. Jetzt haben Sie die Möglichkeit, professionelle Hilfe zu organisieren und andere Helfer auf die Gefahrensituation aufmerksam zu machen.
  • Auf vielen Bahnsteigen gibt es Notrufsäulen, über die jeder professionelle Hilfe anfordern kann.
  • Signalisieren Sie Opfer und Täter, dass professionelle Hilfe unterwegs ist.
  • Kümmern Sie sich um das Opfer und leisten Sie gegebenenfalls Erste Hilfe.
  • Beobachten, merken, melden. Schauen Sie hin, merken Sie sich Besonderheiten und stellen Sie sich als Zeuge zur Verfügung.

Auch das Institut für Friedenspädagogik in Tübingen hat sich eingehend mit dem Thema Gewalt und Zivilcourage beschäftigt. Tatsache ist, dass alle Statistiken und Forschungen der jüngsten Zeit ergaben: Die Zahl der Gewalttaten in den vergangenen Jahren hat nicht zugenommen haben, sondern abgenommen. Aber zugenommen hat die Aufmerksamkeit und Meldefreudigkeit der Öffentlichkeit. Der Geschäftsführer des Instituts, Günther Gugel: "Die Bevölkerung spürt eine gefühlte Zunahme an Gewaltdelikten, insbesondere von Taten, die im öffentlichen Raum passiert sind." Dazu trägt sicherlich auch die Berichterstattung in den Medien bei. "Früher", sagt Gugel, "gab es genauso viel Delikte, doch durch die Medienberichterstattung wird das Bild ein wenig verfälscht. Es entsteht der Eindruck, dass die Gewalt ausufert und gerade die angesprochenen Straftaten bei gewaltbereiten Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu finden sind. Die Statistiken geben aber ein anderes Bild wieder."

Auch Mädchen werden aggressiver

Auch für Reinhard Kautz ist die Berichterstattung in den Medien "eine Gratwanderung": "Weil oft nur über negative Folgen geschrieben und gesendet wird - das suggeriert den Menschen: Helfen ist gefährlich." Was er aber alarmierender findet: "Die Gewaltaktivitäten von Mädchen, die sich immer häufiger am Macho-Verhalten von Männern orientieren, nehmen erschreckend zu." Deren zunehmende Aggressivität könne noch zu einem richtigen Problem werden.

Vor allem aber rät Kautz zur Gelassenheit. "Wenn Sie merken, dass da welche sind, die in der U-Bahn rauchen und nur darauf warten, von Ihnen angesprochen zu werden - lassen Sie's sein." Steigen Sie aus und melden den Vorfall dem Personal - damit Sie nicht selbst am nächsten Tag in der Zeitung stehen.

Von Almut F. Kaspar
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