Aber es gibt noch weitere Parallelen. Sowohl Georg R. als auch Tim K. haben vor ihren jeweiligen Taten Warnsignale ausgesendet. Tim K. war ein Jahr vor seinem Amoklauf in psychologischer Behandlung gewesen und sprach dort über seine Gewaltphantasien. Seiner Therapeutin sagte Tim K., er habe "Gedanken, Menschen umzubringen". Auch Georg R. soll sich seit einiger Zeit in einer Psychotherapie befunden haben. Nähere Informationen über Art und Umfang der Behandlung gibt es jedoch noch nicht.
Ob diese Gemeinsamkeiten zu irgendwelchen konkreten Schlüssen oder Lehren führen können, ist noch völlig offen. Gisela Mayer jedenfalls ist überzeugt, dass Amokläufe verhindert werden können. "Es ist falsch, dass man die Täter nicht im Vorfeld erkennen kann", sagt die Sprecherin des Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden stern.de. "Diese Amokläufer fallen nicht vom Himmel."
Mayer, selber Lehrerin, verlor ihre Tochter beim Amoklauf in Winnenden. Nachdrücklich fordert sie Maßnahmen zu ergreifen, um solche Taten zu verhindern. Zuerst müssten an den Schulen die Voraussetzungen dazu geschaffen werden. "Auf der einen Seite müssen endlich die Lehrer an allen Schulen zur Früherkennung befähigt werden. Sie müssen so geschult werden, damit sie die psychischen Probleme der Kinder sofort erkennen und reagieren können." Darüber hinaus fordert Mayer die Verbesserung der Sicherheitssysteme an den Schulen. Diese beiden Schritte könnten kurzfristig geschehen. Langfristig gehe es darum, Schüler zu einem respektvollen Umgang miteinander zu erziehen. "Problem- und Konfliktlösung muss an den Schulen geübt werden. Wir brauchen ein Fach Sozialkompetenz. Der Amoklauf von Ansbach sollten wir als Hinweis nehmen, dass das Problem nicht beseitigt ist und wie unsere Anstrengungen nochmal intensivieren müssen."
Mittlerweile ist bekannt, dass Georg R. ein Testament hinterlegt hat, datiert auf den Jahrestag des Terroranschlags auf das World Trade Center in New York. Das handschriftliche Testament sei in der Wohnung des 18-Jährigen gefunden worden und trage das Datum 9/11, sagte Staatsanwältin Gudrun Lehnberger am Freitag in Ansbach. Auf einem Kalenderblatt vom Donnerstag, 17. September, stehe "Apocalypse today". Aus dem Testament ergebe sich kein Hinweis auf den Amoklauf. Die Tat war geplant, auch wenn das Motiv noch unklar ist. "Was ihn zum Ausrasten bewogen hat, weiß niemand", sagte Generalstaatsanwalt Klaus Hubmann.
Doch im Unterschied zu Tim K., der sich am Ende seines Amoklaufes selber das Leben nahm, überlebte Georg R. seine Tat. Er kann also dazu vernommen werden und erklären, was ihn bewogen hat, mit Brandsätzen und einer Axt Angst und Schrecken an seiner Schule zu verbreiten.