Wie und warum der Satz so beliebt bei den Nationalsozialisten war, ist bis heute nicht ganz geklärt. Bekannt wurde er durch den erzkonservativen und deutschnationalen Autoren Lorenz Diefenbach, der 1873 einen Roman unter dem Titel "Arbeit macht frei" veröffentlichte. Als erster KZ-Kommandant habe Theodor Eicke die Parole vor den Eingang in Dachau anbringen lassen, so der Historiker Harold Marcuse. Andere wiederum schreiben den Satz Rudolf Höß zu, dem "willigsten aller Vollstrecker", der im Auftrag Heinrich Himmlers die "Endlösung der Judenfrage" umsetzen sollte. Höß wurde 1940 Lagerkommandant von Auschwitz und war verantwortlich für den Einsatz das Todesgases Zyklon B und der industriellen Ermordung von mindestens 1,2 Millionen Menschen. In der Zeitschrift "Psychologie heute" heißt es über Höß, dass er eine Haftstrafe in den 20er Jahren durch Selbstdisziplin und Arbeit gemeistert habe. "Die Wurzeln des Satzes "Arbeit macht frei", dürfte auch in diesem Erlebnis zu suchen sein", schreibt Autor und Arzt Till Bastian.
In Auschwitz, dem Symbol des Rassenwahns, steht das "B" im Wort "Arbeit" auf dem Kopf. Der Häftling und Schlosser Jan Liwacz hatte 1940 den Schriftzug zusammen mit anderen Gefangenen angefertigt. Das "B" soll dabei aus Protest absichtlich falsch herum angebracht worden sein. Ehemalige Insassen berichten, der Anblick des falschen Buchstabens habe ihnen immer wieder Mut gemacht.
Bis heute kommt immer wieder der eine oder andere Politiker über die Verwendung des Satzes aus dem Faschisten-Fundus ins Straucheln: 2005 fiel dem damaligen SPD-Fraktionsvize Ludwig Stiegler zum Unions-Wahlslogan "Sozial ist, was Arbeit schafft" nur "Arbeit macht frei" ein. Und zwei Jahre später verteidigte der damalige FDP-Fraktionschef aus Nordrhein-Westfalen, Ingo Wolf, vor dem Düsseldorfer Parlament die Arbeitsmarktliberalisierung mit den Worten "weil nur die Arbeit die Menschen wirklich frei macht". Der Liberale bedauerte wenig und ist mittlerweile Innenminister des Bundeslandes.
Die Politik in Polen gibt sich ob des spektakulären Diebstahls nachdenklich. Diese Tat zeige, dass manchen Polen nichts mehr heilig ist, heißt es in der Regierung. In dem im Zweiten Weltkrieg schwer geprüften Land galten Orte wie Auschwitz selbst für Kriminelle bisher als absolut tabu. Und nun beschäftigt das nächste Problem das Land. Zwar wurde kurz nach dem Diebstahl die Nazi-Parole durch eine Kopie ersetzt. Das Original rostet schnell, weswegen es immer wieder restauriert und ersetzt wird. Doch zum Jahrestag der Befreiung des Lagers soll wieder die echte Inschrift vor dem Tor hängen. Allerdings müssen die drei Stücke bis dahin wieder zusammenmontiert werden - für die Konservatoren beginnt nun ein Rennen mit der Zeit.