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27. Oktober 2009, 21:04 Uhr

"Bei uns gibt es keine Bombenbauer"

Vater wird abgeschoben

Im Sommer 2007 teilt die AG Wohlfahrt der Familie mit, dass ihre Abschiebung unmittelbar bevorstehe. Hassan könne noch im Sommer 2008 sein Abitur machen und so lange in Deutschland bleiben, aber nur unter der Bedingung, dass der Rest der Familie freiwillig ausreise. Ein Angebot, in das die Khateebs notgedrungen einwilligen. Wenigstens einer soll es schaffen. Doch unter dem Druck bricht der Vater zusammen und wird in ein Krankenhaus eingeliefert, der jüngste Sohn erkrankt ebenfalls. Ende November 2007 spricht Carolin Simon- Winter bei der AG Wohlfahrt vor. Die evangelische Seelsorgerin an Hassans Schule setzt sich vehement für die Familie ein. "Ich habe den Leuten bei der AG Wohlfahrt klar gemacht, dass die Khateebs ausreisen, wenn es Vater und Sohn besser geht. Sie beruhigten mich und sagten: 'Frau Winter, sind wir Rambo?'"

Wenige Tage nach diesem Gespräch werden die Khateebs dennoch in ein Flugzeug am Frankfurter Flughafen verfrachtet. Ziel: Amman, Jordanien. Die Ausländerbehörde will Fakten schaffen. Verzweifelt schildern Vater und Sohn Haitham dem Piloten ihre Situation. Der lässt die Familie wieder aussteigen. Vater Majed wird allerdings zwei Wochen später endgültig abgeschoben. Warum, das habe ihm der Leiter der AG Wohlfahrt so erklärt, berichtet Sohn Hassan: "Eine arabische Frau ist schwach, sie kann nicht alleine leben. Wenn man den Vater abschiebt, kommt eine Woche später die Mutter, legt die Pässe auf den Tisch und reist freiwillig aus." Pfarrerin Winter: "Ich habe gedacht: Wir sind nicht in Deutschland, das ist ein anderes Land. Hier wird eine Bevölkerungsgruppe ohne Not einem Generalverdacht ausgesetzt. Damit hat unser Land aber keine guten Erfahrungen."

Die Behörden weisen in ihren Pressemitteilungen Kritik zurück. Mit Rassismus hätten die Ermittlungen nichts zu tun. Abschiebung sei "keine Frage von Gut oder Böse, sondern von Recht und Unrecht". Man ermittle "auch und gerade im Interesse der Asylbewerber, die im Respekt vor der deutschen Rechtsordnung unter uns leben". Ein Satz, der wie Hohn klingen muss in den Ohren des Jurastudenten Hassan Khateeb. Zusammen mit seiner Familie hofft er auf ein Ende des Albtraums. Aus gutem Grund. Dokumente der palästinensischen Generaldelegation und der UN würden belegen, dass die Khateebs Palästinenser seien, sagt ihr Anwalt Reiner Thiele, der sich seit Jahren mit Asyl- und Ausländerrecht beschäftigt. Zudem habe die jordanische Botschaft der Familie nur sogenannte Laissez Passer- Dokumente gegeben. "Wären die Khateebs wirklich Jordanier, hätten sie richtige Pässe bekommen." Experten der Organisation Pro-Asyl teilen diese Ansicht. Die AG Wohlfahrt dagegen nicht. Die Dokumente der palästinensischen Generaldelegation und der UN könnten gefälscht sein, und einen Laissez-Passer-Pass bekämen nur Staatsangehörige des jeweiligen Landes. Für die Beamten ist der Fall klar: Die Khateebs haben dem deutschen Sozialstaat die längste Zeit auf den Taschen gelegen. In ihrer Not hat die Familie nun nach einem letzten Strohhalm gegriffen und eine Petition an den hessischen Landtag gestellt, in der sie um ein dauerhaftes Bleiberecht bitten. In dem Bittschreiben heißt es: "Der Lebensmittelpunkt der Familie Khateeb ist alleine Deutschland." Auf dieses Argument setzen die Familie und ihr Anwalt. "Es geht letztlich gar nicht mehr darum, ob sie Jordanier oder Palästinenser sind. Die Familie, insbesondere die Kinder, sind faktische Inländer." Als faktische Inländer werden nach Angaben von Pro Asyl Menschen bezeichnet, die in Deutschland geboren worden sind, beziehungsweise seit mehreren Jahren hier leben, und sich in die Gesellschaft integriert haben. " Die Familie Khateeb fällt nach unsere Ansicht in diese Kategorie und müsste deshalb ein dauerhaftes Bleiberecht bekommen", sagt Marei Pelzer, rechtspolitische Sprecherin der Organisation.

"Das sind Menschenrechtsverletzungen"

Am 12. November steht der Fall Khateeb auf der Tagesordnung des Petitionsausschusses. Barbara Cardenas von der Linkspartei ist Vorsitzende des Gremiums. In dieser Funktion will sie sich vor dem 12. November nicht äußern. Aber als Abgeordnete von Dietzenbach sagt sie: "Die Familie Khateeb müsste ein Bleiberecht bekommen, da sie so lange schon in Deutschland lebt. Es ist auch im Interesse des deutschen Staates, schließlich haben wir viel Geld in die Ausbildung der Kinder gesteckt. Nur hier können sie es zurückzahlen." Für die Arbeitsmethoden der AG Wohlfahrt hat sie wenig Verständnis. "Für mich sind das Menschenrechtsverletzungen."

Wie die deutsche Gesellschaft von den Khateebs schon heute profitiert, zeigt übrigens ein Blick auf die Fußballfelder rund um Dietzenbach. Die beiden Brüder Hassan und Mohammed, 14, sind jedes Wochenende als ehrenamtliche Schiedsrichter aktiv. Ihr Betreuer Hans Patt ist froh, die beiden Jungs einsetzen zu können: "Das Engangement und Interesse ist bei ihnen wie bei vielen Migranten enorm und erleichtert mir meine Arbeit." Zwei Tage nach der möglicherweise entscheidenden Sitzung des Petitionsausschuss pfeift Hassan Khateeb ein Mädchenspiel: TSG Neu-Isenburg gegen TSV Heusenstamm. Mohammed ist bei den kleinen Jungs der E-Jugend eingesetzt. Seine Paarung: FV Dreieich-Sprendlingen gegen Germania Klein-Krotzenburg.

Von Malte Arnsperger
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KOMMENTARE (10 von 46)
 
Averroes (29.10.2009, 00:43 Uhr)
Warum dauerte das Abschieben solange?
Warum werden Sozialhilfebetrüger nur so zögernd abgeschoben? Es ist doch bekannt, dass dieser Betrug System hat und viele Asylbewerber sich hier unberechtigt einschleichen und Millionen (wenn nicht Milliarden) zu Unrecht kassieren? Soll das solange dauern, bis der Staat endgültig pleite ist?
Administrator (28.10.2009, 15:38 Uhr)
@ umseme
Vielen Dank für Ihren Beitrag. Ein solches Posting darf natürlich nicht stehen bleiben.

Allerdings lassen wir jeden Kommentar zunächst online gehen und lesen die Debatten dann mit. Wir möchten unseren Lesern eine schnelle Diskussion ermöglichen, daher kontrollieren wir erst später. Dass es dabei leider dazu kommt, dass einige sich nicht an die Regeln halten, müssen wir in Kauf nehmen und löschen entsprechende Postings. Wir möchten ungern, nur weil einige sich nicht an die Regeln halten, alle strafen, indem wir jeden Kommentar vor Veröffentlichung prüfen.

Je nach Beitragsaufkommen kann es allerdings sein, dass es ein bisschen dauert, bis wir alle Diskussionen gelesen haben und entsprechend bleibt ein solches Posting hin und wieder auch schon mal eine Stunde online.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins
Administrator (28.10.2009, 15:33 Uhr)
@Robbespierre
Unsere Stellenausschreibungen haben wohl kaum etwas mit dem Thema des Artikels zu tun. Ihr Beitrag wurde daher gelöscht.

Die Beleidigung gegen Sie sowie die sich daauf beziehenden Antworten haben wir ebenfalls entfernt.
Administrator (28.10.2009, 15:32 Uhr)
@Dieter37
Ihr Beitrag wurde gelöscht. Beleidigungen anderer Leser nehmen wir nicht hin. Bitte diskutieren Sie sachlich und zum Thema.
De_Goude (28.10.2009, 14:33 Uhr)
...
Es ist wirkich erschreckend welche Kommentare hier geschrieben werden!!! gerade die ersten beiden, ich kenne diese Familie persönlich, und eure Lügenunterstellungen lassen mich echt schmunzeln, woher wollt ihr wissen ob sie die Staatsbürgerschaft verschleiert haben??!!
Es gibt tausende Fälle in denen Palästinenser dieses Laissez-Passer ausweise bekommen haben um ausreisen zu können! Man muss sich das so vorstellen, dass Jordanien von Flüchtlingen uafgesucht wurde und die Palästinenser dort nicht gerne gesehen wurden! Den Flüchtlingen die Ausreisen wollten hat man diese Bescheinigung gegeben um sie los zu sein!!!
Diese Familie ist das Muster-Beispiel für eine integrierte Familie!!! Die Familie hat uns zum Fastenbrechen eingeladen mit uns den. Advent gefeiert usw. und so fort!
Die Tochter hat am Tag nach der Nacht in dem der erste Abschiebeversuch dank des Piloten vereitelt wurde, ihr Realschul-Präsentationsprüfung gehabt und mit 2 Bestanden! Hassan hat sein Abitur und studiert die nächsten zwei sind uch dabei ihr Abitur zu machen...und gerade jetzt wo diese Familie dem staat was zurückzahlen könnte durch Steuern usw. soll sie abgeschoben werden?!
Wieso hat man der Familie 17Jahre lang verweigert zu arbeiten, wieso hat man ihr keine Arbeitserlaubnis erteilt? was kann die Familie dafür?!
Es ist einfach lächerlich! Und diese AG Wohlfahrt, hat unter diesem Namen auch schon mal zwischen 1933-1945 existiert mit einer ähnlichen Ideologie!!!
Gisella (28.10.2009, 14:05 Uhr)
keine abschiebung
nicht straffällig geworden-alle gut geraten. Diejenigen abschieben, die es wirklich verdienen. Und-wo war denn die richtige kontrolle unserer behörden -vor 17 jahren?????
Robbespierre (28.10.2009, 12:23 Uhr)
Bürgert die richtigen aus!
Wenn man einige der hier geposteten zynischen, ausländerfeindlichen und menschenverachtenden Kommentare liest, wird schlagartig klar, wo die wirklichen Probleme dieser Republik liegen: In der nach wie vor hohen Idiotenquote. Wahrscheinlich wäre allen mit einer Ausbürgerung dieser rechten Exemplare am besten gedient. Die Familie Khateeb sollte bleiben dürfen, denn sie stellen mit Sicherheit mehr Bereicherung für unser Land dar als jeder der genannten Poster, die feige vom Sessel aus die Abschiebung anderer fordern.
umseme (28.10.2009, 12:05 Uhr)
Entsetzt
nicht der Artikel hat mich sprachlos gemacht, sonder manche Kommentare die hier geschrieben wurden. Ich wünschen allen die solche menschenverachtenden Kommentare schreiben, das sie selber sowas durchmachen müssen.
sportartmakler (28.10.2009, 11:58 Uhr)
wen wunderts
beamte sollen schließlich nicht denken, nur handeln, und das nach vorschrift...auch nach 17jahren.

ob die eltern vor 17j falsche angaben gemacht haben interessiert doch gar nicht mehr. zumal diese eventuelle notlüge aus sicht der familie wahrscheinlich notwenig war. nun sollen die kinder dafür mit abgestrafft werden? menschlicher und ökonomischer schwachsinn.

warum wird für staatenlose bzw. menschen mit ungeklärter zugehörigkeit nicht nach einer frist von 2,3... jahren eine endgültige entscheidung getroffen? asuweisung an das entsprechende land oder arbeitserlaubnis? wir stellen uns mit solchen regelungen in sachen ausländerpolitik selber eni bein.

"AG Wohlfahrt"?? da haben sich die leute ja wirklich gedanken gemacht wie man das ganze verharmlosend kommuniziert. AG Brechstange hätte es natürlich besser getroffen.
artbond (28.10.2009, 11:56 Uhr)
Es sollte doch wohl normal sein...
... das Leute, die in einem Land leben wollen, die Sprache lernen und am sozialen Leben neben teilnehmen. Das sich hier auch noch eine gute Ausbildung abschließen läßt, ist ja ein Benefit des Landes...
Warum diese Selbstverständlichkeiten irgend einen Grund liefern damit irgend ein illegaler bleiben kann, verstehe ich nicht...
So was gibt es nur in Deutschland, andere Länder machen da gar keine Anstalten.
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