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30. Mai 2008, 13:16 Uhr

Außer Rand und Band?

Isabel Jacqueline, 5, aus Waiblingen: "Erziehung ist, dass man beim Essen die Füße nicht auf den Tisch legt"© Lukas Coch

"Manchmal frage ich mich: Was sind wir eigentlich - Familientherapeuten, Streitschlichter, Psychologen, Psychiater, Ersatzmütter?", rätselt etwa Monika Huber, Lehrerin an einer Grundschule in Karlsruhe. "Tatsache ist, dass uns immer mehr Aufgaben zuwachsen, die eigentlich Sache der Eltern sind. Das fängt schon morgens an: Pausenbrot? Fehlanzeige. Jedes zweite Kind in meiner Klasse kriegt von den Eltern Geld in die Hand gedrückt mit den Worten: 'Kauf dir was!'" Beim Treppensteigen müssten sich manche Erstklässler noch am Geländer festhalten, im Sportunterricht brauchten sie beim Balancieren auf einer Bank eine stützende Hand. "Viele können nicht mehr richtig rennen. Da schlackert immer ein Arm oder ein Bein mit. Sie haben Angst, eine Sprossenwand hochzuklettern. Mit zwei Jahren wurden sie aufs Schaukelpferd gehievt, mit vier an der Kletterwand hochgehoben. Diese Kinder haben nie gelernt, wie man sich durch eigene Kraft etwas erobert."

Besonders Eltern aus der Mittelschicht lebten in ständiger Angst um den Nachwuchs und wollten ihn immerzu behüten. "Die Kleinen dürfen auf dem Spielplatz nicht auf die Kletterspinne, weil die Mütter das zu gefährlich finden. Auch zu Fuß zur Schule zu gehen ist zu gefährlich, deshalb fährt sie Mama. Später sitzen solche Kinder am liebsten vor dem Computer. Das ist Mama lieber, weil es sicherer und bequemer ist." Hubers Fazit: "Manche Eltern haben einfach aufgegeben, zu erziehen. Oder nie damit begonnen."

Eine Brigade von Ekelpaketen

Zunehmend ratloser steht die Gesellschaft vor einer Brigade von Ekelpaketen außer Rand und Band, mal gewandet in Prada und ausgerüstet mit Handys, Fernsehern sowie Computern, mal genährt mit makrobiotischer Kost, gekleidet in ökologisches Textil und hochgerüstet mit Anthroposophen- Puppen und Holzspielzeug.

Die Saddam Husseins im Taschenformat terrorisieren in ihrem Allmachtswahn Heerscharen von Erwachsenen, die ihrer nicht Herr werden können - Eltern und Pädagogen, Erzieher und Lehrer.

Freundeskreise und Ehen zerbrechen an den Tyrannen, die einst geistig genährt wurden mit allerliebsten Janosch-Kinderbüchern, um mit 13 gleichwohl am liebsten "The Texas Chainsaw Massacre" zu gucken und zu ihrer Lehrerin zu sagen: "Verpiss dich, du alte Fotze." Derweil kriechen ihre Eltern auf der Schleimspur um sie herum, kleiden sich wie ihre Sprösslinge, sprechen wie sie - "Hey, Alter!" - und versuchen verzweifelt, ihren Kindern ein Partner zu sein, was regelmäßig mit dem Urteil quittiert wird: "Ihr seid einfach nur total peinlich."

Die Intuition fehlt

Wie konnte das passieren? "Was den meisten Eltern heute fehlt, ist die Intuition", findet der Kinder- und Jugendtherapeut Wolfgang Oelsner aus Köln. Doch gerade die haben Pädagogen aller Schattierungen den Eltern hierzulande in den vergangenen vier Jahrzehnten systematisch ausgetrieben. Nirgendwo in Europa wird seit dem Zweiten Weltkrieg der an und für sich banale Vorgang der Aufzucht des Nachwuchses dermaßen mit Ideologie überfrachtet wie in der Bundesrepublik; wohl kaum ein Land der Welt ist so anfällig für neue pädagogische Konzepte, und seien sie auch noch so wirr.

Hin und her schlägt das Pendel der ultimativen Erfolgsrezepte. Auf die autoritäre folgte die antiautoritäre Erziehung, auf den Frontalunterricht die Gruppe, auf das Lernen das Kuscheln, auf den Zwang die Freiheit, auf Regeln das Laissez-faire, auf die Rechtschreibung die kreative Rechtschreibung, auf die Abschaffung der Erziehung der Schrei nach Zucht und Ordnung, auf die Verdammung der Eliten die Forderung nach Leistung. Völlig auf der Strecke bleibt dabei der gesunde Menschenverstand, der geradezu systematisch unterdrückt wird.

Muss ich wirklich zum Vollidioten mutieren, damit meine Süße glücklich wird? Ist es normal, dass wir jeden Abend heulend auf der Bettkante sitzen, um unseren Sohn in eine Lichtgestalt zu transformieren? Auf diese Fragen antwortet ganz Deutschland mit Ja. Hierzulande Kinder zu haben ist ein Martyrium, das ist man den kleinen Teutonen irgendwie schuldig; auch nach dem 1654. Mal darf man auf die Frage "Warum?" nicht zurückbellen "Weil es einfach so ist!", sondern muss sagen: "Schätzchen, du hast das alles echt toll gemacht, nur wird das Wort ‚und‘ einfach nicht mit einem t am Ende geschrieben, aber ich bin echt stolz auf dich, wirklich."

Ein Alltag ohne Anstrengung

Während junge französische Eltern den Klassiker "J'élève mon enfant" - "Ich erziehe mein Kind" - von Laurence Pernoud lesen, wird deutschen Eltern gern "Auf der Suche nach dem verlorenen Glück" geschenkt, ein Buch der amerikanischen Anthropologin Jean Liedloff, die darin den reichlich schrägen Vergleich zwischen Industrienationen und den Yekuana-Indianern am Amazonas wagt, die ihre Kinder offenbar gar nicht erziehen. Während Pernoud empfiehlt: "Auf Dauer sollten nicht Sie sich an den Rhythmus des Kindes anpassen, sondern das Kind sich an Ihren", fordert Liedloff das genaue Gegenteil: permanente Leibesnähe und einen Alltag ohne Anstrengung.

"Ständig bezichtigen sich die Deutschen gegenseitig der Kinderfeindlichkeit", so die Französin Béatrice Durand, Dozentin für Romanistik an der Universität Halle, die seit 1990 mit ihrem deutschen Mann und drei Kindern in Berlin lebt und in ihrem Buch "Die Legende vom typisch Deutschen" ironisch über ihre Erfahrungen als Mutter in der Bundesrepublik geschrieben hat. "Ich finde sie nicht kinder-, sondern elternfeindlich. Alles muss kindgerecht sein; immer, ständig und überall geht es um das Wohl des Kindes. Nie aber ist die Rede vom Wohl der Eltern."

Ein Baby zur Welt zu bringen bedeute hierzulande, "vor einer sakralen Aufgabe zu stehen, die man einerseits nur selbst erledigen kann und an der man andrerseits scheitern muss. Man schuldet seinem Kind all seine Zeit, all seinen Schlaf, all seine Liebe, all seine Mühe, und es ist doch nie genug. Eine gute deutsche Mutter ist eine Frau am Rande des Nervenzusammenbruchs, die sich trotzdem schuldig fühlt".

Das Kind ist der edle Wilde

Alles, was das Zusammenleben mit einem kleinen Kind noch komplizierter macht, wird in Deutschland begieriger als anderswo aufgenommen - keine Pampers, sondern Stoffwindeln, keine Antibiotika bei Mittelohrentzündungen, sondern von Hand ausgepresster Zwiebelsaft, keine Fläschchen, sondern Stillen bis zur Einschulung. Manche Eltern gehen so weit, selbst große Errungenschaften des 20. Jahrhunderts von ihren Kindern fernzuhalten, wie etwa Impfstoffe gegen Masern, Windpocken oder Keuchhusten. In einer technologisch hochgerüsteten und globalisierten Welt ist das Kind der edle Wilde, dem man nicht einmal mehr den Gang aufs Klo zumuten will. Während man früher einfach sagte: "Du gehst jetzt ins Bett, und damit basta!", wird endlos mit dreikäsehohen Analphabeten verhandelt, die dadurch hoffnungslos überfordert sind.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 22/2008

 
 
KOMMENTARE (10 von 24)
 
Jellybean (03.06.2008, 18:00 Uhr)
@giangastone
Die Autorin verwendet die von Ihnen zitierten Ausdrücke im Zusammenhang mit den Eltern, die einfach nicht erziehen können/wollen. Und da sind sie berechtigt.
Ich bin der Meinung, dass es mehr Erziehung gebenmuss - ich habe ncihts gegen Kinder - aber gegen unfähige Eltern, die es "total süss" finden wenn ihr Spross im Café durch meinen Kaffe plantscht.
giangastone (03.06.2008, 17:57 Uhr)
Was du nicht willst...
Kinder sind unsere Zukunft, ob wir wollen oder nicht. Als Synonym für „Kinder“ verwendet die Autorin: Brut (3x), Monster (3x), Alien (2x), Terrorist (2x), Tyrann (4x), Ekelpakete (2x) dreikäsehoher Analphabet... Sie sagt damit mehr über ihre kinderfeindliche Wahrnehmung und ihr degeneriertes Menschenbild aus als über unsere Kinder selbst. Einseitig kolportierte Zitate komplettieren ihr Zerrbild. Rosenkranz predigt Respekt und enttäuscht durch Respektlosigkeit. Pestalozzi sagt: Erziehung ist Vorbild und Liebe. Diese drei Aspekte lässt Rosenkranz leider vermissen. Übrig bleiben journalistische Schaumschlägerei in geiferndem, verkrampft-provozierendem Stil. Ein typischer Stern-Artikel?
Take5 (03.06.2008, 15:47 Uhr)
Besonders Jungs brauchen Druck
Der Artikel "Los, erzieht mich!" hat mich als Mutter von drei Kindern (8, 5 und 2) natürlich interessiert. Er stimmt weitestgehend mit meinen Erfahrungen überein. Erziehung ist echt harte Arbeit, die einem selbst oft unbequem ist. Doch die eigene Bequemlichkeit rächt sich leider. Zum Beispiel, wenn man etwas durchgehen lässt, weil man keine Lust hat, schon wieder zu schimpfen, nervt es einen irgendwann garantiert fürchterlich!Man muss den Kindern tatsächlich alles "einbimsen": Ordnung, Konfliktfähigkeit, Eigenverantwortlichkeit, Teilen,etc. etc.
Was in dem Artikel meiner Meinung nach etwas kurz kommt, ist die Unterscheidung zwischen Jungs und Mädels. Während es bei meinem Mädchen reicht, wenn ich konsequent und leicht sauer bin, brauchen die Jungs wahre Drohgebärden und Druck, bevor sie spuren. Ich bin nun wirklich kein Feldwebel, aber ich musste feststellen, dass ein "Ach, könntest Du bitte die dreckigen Schuhe ausziehen" gerne überhört wird, während ein gebrülltes "Schuhe aus!" sofort sitzt.
Auch was Sozialverhalten anbelangt, muss ich meinem Mädchen nicht viel beibringen: Es teilt gerne von sich aus und fühlt sich in andere Menschen ein. Bei den Jungs muss ich sehr oft eingreifen und sie z.B.darauf hinweisen, dass man jemanden, der sich wehgetan hat, trösten sollte.
Dafür helfen die Jungs mir gerne mit praktischen (vor allem technischen) Dingen!
SabineRebecca (02.06.2008, 16:19 Uhr)
@MarthaMuse
Absolut fantastisch und besser geschrieben als mancher Stern Artikel.
Du hast Recht mit allem und ich habe sehr gelacht. Nur - wo bleibt Dein Durchsetzungsvermoegen, dessen Fehlen Du bei Eltern ruegst???:
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Ich bin damals nicht aus dem Kino raus sondern habe die Eltern samt ihrem etwa 1 Jahr alten bruellenden Kind aus der Spaetvorstellung des "Gladiator" entfernen lassen (ganz im Ernst!!).
Das war muehselig weil das Personal sich eben auch zunaechst nicht traute, und resultierte schlussendlich in einem Leserbrief der rausgeschmissenen Eltern an die Tageszeitung
"Ist mein Leben jetzt etwa vorbei, nur weil ich ein Kind habe?"
MarthaMuse (02.06.2008, 09:46 Uhr)
Infantilisierung
Was wir in Deutschland erleben, ist die komplette Infantilisierung des Alltaglebens; es gibt keinen Bereich mehr, der Erwachsenen vorbehalten wäre… na ja, die Fabrikarbeit vielleicht noch und für Männer der Besuch im Bordell, aber sonst? Alles, aber auch wirklich alles wird kindgerecht, weil es für Kinder keine Einschränkungen geben darf. Sie dürfen einfach alles. Und sie müssen überall mit hingenommen werden.
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Beispiel: Eine Kabarettveranstaltung wird auf dem Plakat als explizit für Erwachsene beschrieben, für Kinder und Jugendliche gibt es am frühen Abend eine gesonderte Veranstaltung. Am Abend dann schon beim Reingehen nörgelnde Kinder mit hochroten, verschwitzten Köpfen ( die wollen lieber ins Bett), das jüngste vielleicht drei Jahre alt. Hinter uns sitzt ein radikaler Vater, der seinen Torben-Sören ganz pazifistisch auch mit den Fäusten gegen genervte Blicke der anderen verteidigen wird. Und richtig, Torben-Sören versteht nicht, wovon die Rede ist auf der Bühne, muss er auch nicht mit drei Jahren. ”Papa, was ist Vertreibung?” “Was ist denn ein KZ, Papa?” Laut gemurmelte Erklärungen des Vaters folgen, ich spüre seinen aufgeregten Atem im Nacken. Er ist ja so stolz, dass sein Torben-Sören die politisch korrekten Fragen stellt! So geht das eine ganze Weile. Rundrum kann kaum noch jemand dem Programm folgen, nur Torben-Sören kriegt alles mit. Torben-Sörens Vater nimmt nicht wahr, dass sich Mordlust in den Augen der zahlenden Besucher breitmacht; er gibt seinem Sohn das Gefühl, allein wichtig zu sein in diesem Theater, alle anderen sind nur bräsiges Volk, das stumpf einfach nicht erkennt, dass es einen hochbegabten Hosenscheißer vor sich hat. Nach 35 Minuten sind wir gegangen, haben in der Lobby beim Theaterpersonal ein bisschen Ärger gemacht und unser Geld wiederbekommen. Man gab uns lieber unser Geld zurück als zu wagen, den Vater aufzufordern, die Erwachsenen-Veranstaltung mit dem Kind zu verlassen.
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Anderes Beispiel: Supermarkt, Sonnabend Mittag, Dutzende Eltern mit Kindern schwirren durch die Gänge. An jedem Einkaufswagen ist ein Kindersitz, aber da die Kinder beschließen, nicht auf dem Kindersitz sitzen zu wollen, sondern allenfalls im Wagen, sitzen sie, mit zugemanschten Schuhen mitten zwischen den Lebensmitteln. Dass die Mutter von Lisa-Marie zu Hause gern Hundescheißebakterien im Kühlschrank haben möchte, die den Weg über die Schuhsohlen von Lisa-Marie, über das Metallgitter des Wagens an die Lebensmittel gefunden haben, ist deren Problem, aber jeder andere, der den Wagen anschließend benutzt, hat das gleiche Problem: Hundescheißebakterien und wahrscheinlich schlimmeres an Lebensmitteln. Kein Mitarbeiter des Supermarktes wagt es, einer Mutter zu sagen, sie möge ihr Kind aus dem Wagen heben, weil jeder das folgende Gezeter wahrscheinlich schon kennt.
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Mütter und Väter von Lisa-Maries und Torben-Sörens sind gern gewaltbereite Furien, wenn es darum geht, die vermeintlichen Rechte ihres Nachwuchses zu verteidigen. Und nachts weinen sie sich in den Schlaf, weil ihr Kind trotzdem noch nicht wirklich glücklich ist.
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Um sich selbst zu adeln beschließen neuerdings die Eltern, jedes Kind, das auffällig ist, hochbegabt zu nennen. Das Kind kann mit nur acht Jahren mit der Gabel essen: hochbegabt! Es kann mit sieben endlich ganze Sätze unfallfrei bilden: hochbegabt! Es ist mit knapp fünf trocken ( meistens jedenfalls) : hochbegabt! Es stört dermaßen hartnäckig den Unterricht, dass die Lehrerin die Eltern zum Gespräch bittet: hochbegabt! Welche Begabung eins dieser Kinder vorzuweisen hat, ist nie wirklich ersichtlich, denn es wird munter vermeintliche Intelligenz als Begabung umschrieben. Als ich noch jung war, also damals, hatte man eine Begabung zum Beispiel fürs Malen oder Musizieren, heute ist man einfach nur begabt, ohne irgendetwas besonders gut zu können.
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Diesen Eltern muss endlich bewusst werden, dass ihr Kind nicht die Funktion hat, ihr Leben aufzurüschen, sondern ein Wesen ist, das irgendwann mal mit anderen Menschen als mit den Eltern zurecht kommen muss . Und sie müssen ihr Kind darauf vorbereiten, dass es nicht von allen Menschen gleichermaßen geliebt wird, also nicht alle Menschen gleichermaßen bereit sind, sich von ihnen tyrannisieren zu lassen. Das Wichtigste ist aber, dass sie ihre Kinder darauf vorbereiten, in der Kindertagesstätte und in der Schule auf viele Torben-Sörens und Lisa-Maries zu treffen, die auch bisher geglaubt haben, sie seien die Sonne des Universums, um die sich alles zu drehen hat.
manndernichtdaist (02.06.2008, 07:51 Uhr)
@deinemama
schon mal daran gedacht, dass manche mütter zu wenig milch geben (biologisch bedingt) oder zu kleine brustwarzen haben, dass das kind nicht richtig saugen kann? sowas gibts alles und das nicht selten, nur hängen das die frauen selten an die große glocke, weils keinen was angeht. abgesehen davon ist das ja überhaupt nicht das eigentliche thema.
auch ich habe ein kind und ist jetzt in einem alter in dem es versucht seine grenzen auszuloten.
die frage lautet immer: was ist autoritär, was nicht? autoritär wird von vielen mit gewalt gleichgesetzt. das ist aber nicht korrekt. autoritäre erziehung erreicht man grundsätzlich gewaltfrei.
das kind braucht grenzen, muss geschimpft werden, wenn es etwas getan hat, womit die eltern nicht einverstanden sind. schimpfen will aber auch gelernt sein. sofort losschreien bringt nichts. man muss sich selbst unter kontrolle halten und selbst ausloten, bei welchem tadel das kind reagiert. dazu ist eine laute bestimmende stimme das a und o. man braucht nichtmal etwas androhen ("wenn du das nicht weglegst dann krachts") sondern einfach laut sagen "leg das weg - SOFORT" sollte das nicht funktionieren wird das ganze auch sofort weggenommen. das kind schaut verdutzt, aber erkennt dass die eltern es ernst meinen und das kein spiel ist.
man muss mit erziehung früh anfangen, denn ohne wertevermittlung kommt genau das heraus was wir z.z. an den jugendlichen sehen. verwöhnte kinder, die keine ahnung vom wirklichen leben haben, aber selber glauben die herrscher der welt zu sein.
Asteriskina (02.06.2008, 07:43 Uhr)
Jetzt die Kinder
nachdem alle Gesellachftsgruppen abgearbeitet wurden, nun die Kinder. Der Artikel spiegelt glücklicherweise nicht die Realitiät wieder. Die meisten Eltern machen nach wie vor einen fabelhaften Job in einer vollends konsumgesteuerten Gesellschaft, die in sich krank ist und Menschen nur nach nach der wirtschaftlichen Ausbeute bemisst. Nach diesme Aspekt wird auch Familienpolitik gestaltet. Insofern haben Eltern heutzutage eine gigantische Aufgabe, diesem ganzen Unfug entgegen zu wirken. Dass der Autor mit seinem Buch Geld verdienen möchte, ist klar und sei ihm vergönnt. Einen ganzen Gesellschaftsstand anhand relativ weniger Einzelbeispiele, die es tatsächlich gibt, zu verunglimpfen - das ist ihm jedoch nicht gestattet.Der Autor dieses Artikels mag amüsant geschrieben haben, allerdings auf Kosten unterschwelliger Beleidigungen wie "Brut" und "Monster". Das ist inakzeptabel. Wäre spannend zu erfahren, wieviele Kinder er selbst denn hat. Meistens gibt es ja solchen unausgegorenen Senf von leuten, die Erziehungsarbeit nicht kennen.
SabineRebecca (02.06.2008, 03:37 Uhr)
Kinder sind gut
paulali: Auch in meinem Umfeld sind auch die meisten Kinder 'normal' und die Eltern setzen Grenzen, meistens erfolgreich. Nur eine Familie kenne ich wo alles genauso aus dem Ruder laeuft, wie im Artikel beschrieben. Da stimmt aber leider bereits das Verhaeltnis der Eltern zueinander gar nicht.
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Garnet: Dito. Auch ich habe das grosse Glueck meine Kinder auf internationalen Schulen in China zu haben wo sie interkulturelle Akzeptanz und gegenseitige Ruecksichtnahme lernen. Sie sind, genau wie der groesste Teil ihrer Klassenkameraden, cool, lernfreudig und weltoffen. Es ist mir klar, dass sie sehr privilegiert sind, ich bin dankbar dafuer und ich hoffe, dass sie was draus machen, das heisst gluecklich werden, ob nun als Gaertner oder Finanzjongleur.
Das heisst aber natuerlich auch, dass wir uns ihre positive Entwicklung nicht allein auf unser Faehnchen schreiben duerfen. Im Gegenteil. Ganz genau richtig, der voangegangene Kommentar von Xennia: Es braucht ein ganzes Dorf ein Kind zu erziehen.
Ich habe mehr als einmal erlebt, wie Eltern ihren eigenen Bildungs- oder Sozialstatus ("ich bin schliesslich Akademiker") als Berechtigung nehmen, zu glauben, ihre Kinder der Kritik anderer Leute nicht aussetzen zu muessen: "Was bildet die sich eigentlich ein, mein Kind zu kritisieren, ich weiss selber was ich zu tun habe"
Wenn mein Kind absichtlich einen anderen Menschen aergert oder diesem irgendwie Unrecht tut, dann darf dieser Mensch selbstverstaendlich mein Kind direkt kritisieren.
Als ein ueberstolzer Bekannter auf einer Party ueber seine neugeborene Tochter redete und der großspurig Satz kam "Kommt ja ueberhaupt nicht in Frage, dass meine Eltern hier irgendwas mitzureden haben" hab ich ihn gefragt fuer wie missglueckt er seine Erziehung denn haelt.
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Nicht soviele Erziehungsratgeber zur Meinungsbildung lesen, sondern die Realitaet wirken lassen!
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Szenen im Supermarkt werden immer gerne hergenommen um den 'Teufel Kind' zu beschreiben: Das ist aber doch nichts Neues und - in einem gewissen Alter - auch nichts Schlimmes. Kleinkinder koennen gar nicht anders als unkontrollierte Wutausbrueche zu haben.
Ich habe verschieden reagiert, aber das Effektivste war am Ende, mich einfach hinzusetzen und zuzuschauen bis es (relativ schnell) vorbei war. Auch diese Phase zwischen 2 und 3 Jahren geht vorbei und sollte vielleicht einfach nicht zu sehr an die grosse Glocke gehaengt oder den Eltern als Versagen angelastet werden.
Grenzen setzen: Unbedingt. Und das ist auch nicht schwer. Das Kind darf entscheiden, muss dann aber dazu stehen. Das ist bei der Auswahl der Kleidung am Morgen so und beim Essen auf den Teller tun. Was sich das Kind aus dem Schrank holt, wird angezogen.
Was sich das Kind selber auf den Teller tut wird aufgegessen, gar keine Diskussion.
Sagt das Kind, es kann nicht aufessen was ich ihm gegeben habe ist das auch mal ok. Aber dann gibt es garantiert bis zur naechsten Mahlzeit nichts anderes.
Die Kommentare von ausserhalb "Du darfst nicht so streng sein" - nerven vielleicht aber im Prinzip sind die auch ok.
Wenn Oma und Opa das mit dem Essen oder zu Bett gehen oder den Suessigkeiten anders handhaben wollen (wenn ich nicht dabei bin), ist ihr gutes Verwoehn-Recht. Wenn sie meine Anweisungen in meiner Anwesenheit untergraben wuerden, dann waere das untragbar.
Dass Grosseltern anders zu unseren Kindern sind ist gut und schadet niemandem.
Kalox: Bist Du als Erwachsener auf die Welt gekommen oder hast Du als Kind nie gelacht? Bei Dir haben sie echt versagt.
SirExekutive (02.06.2008, 00:36 Uhr)
@jockel
"Moralischer Relativismus bei der Erziehung ersetzt eben keine Kinderstube, welcher Art auch immer..."
naja, so problematisch ist moralischer relativismus an sich sicher nicht..
problematisch wirds nur dann, wenn es keine bzw. nur noch falsche moral gibt.. weil dann ist eh völlig gleich ob man ein kind nach festen regeln erzieht oder es eher dynamisch und selbstfinderisch lässt...
wie desorientierent ist es doch, kinder knüppeldick regeln und moralitäten in den kopf zu rammen, wo sich letztendlich hinterrücks kaum noch jemand dran hält...
da kommt es unausweichlich zum bruch bzw. zu problemen.. erst psychisch und dann bei vielen physisch
was meiner meinung nach die aller beste erziehung ist -ist liebe und zuwendung
traurig ist es zu wissen, das kaum kinder noch wirkliche liebe kennen.. ihre umgebung ist meistens kalt, herzlos und leistungsorientiert
ps "onkel" adolf? verzeihung da haben sie etwas falsch interpretiert.. ich beziehe mich auf ein geistiges deutschland und damit leute wie humbold, kepler, goehte, schiller, hölderlin usw. das sind meine ideale und keine systemknechte wie hitler,stalin, bush, merkel, saddam, kohl usw.
freundliche grüße
deinemama (01.06.2008, 23:54 Uhr)
Meingott...
ist mein Sohn eine coole Socke im Vergleich zu den geschilderten Monstern...!
Wobei mir ein Punkt schleierhaft ist, und man gestatte mir, mich betroffenheitsfanatisch und am wunden Punkt verletzt daran aufzugeilen:
Was zum Henker ist am Stillen denn sooo "kompliziert"?
Also, gehen wir ein paar Jahre zurück - bei mir ging das so:
Akt 1: Kind hat Hunger. Mama muss: Pulli hoch- und BH runterklappen.
Akt 2: Andocken. Bis auf leise, unvermeidliche Schluckgeräusche: himmlische RUHE!
Akt 3: Abdocken, BH zurechtzupfen, Pulli geraderücken, f-e-r-t-i-g, und mit etwas Glück schnarcht der Nachwuchs satt und zufrieden vor sich hin.
Jaaa-haa, ich war so eine unsägliche Stillnazi-Mama, also weniger der Prada-Fernseher als die pädagogisch wertvolle Reiswaffel, die nur knapp verhindern konnte, bei den Abiprüfungen vom Söhnchen Stillpausen zu beantragen.
Im Vergleich dazu kommt nun meine einstige Kollegin. Flaschenmama. Bekam ca. 1/2 Jahr nach meinem Kleinen auch ihren Sohn - Vorhang auf!
Akt 1: Kind hat Hunger. Mama muss: einen geschätzten Kubikmeter Fütterkrempel aus der Wickeltasche hervorwühlen, wenn sie keine Thermosflasche dabei hat, Wasser abkochen, Milchpulver exakt abmessen, Milchpulver passgenau in die Flasche bugsieren, trotzdem entstandene Sauerei wegfegen, Wasser passgenau draufschütten, schütteln, aber nicht zu schaumig, damit's nicht bläht, den trotzdem entstandenen Schaum setzen lassen und abkühlen, damit man dem Kleinen nicht den Mund versengt... die ganze Zeit kreischt das hungrige Baby, das sich trotz seiner 4 Wochen auch noch ganz dreist als erziehungsresistent erweist...
Akt 2: Kind darf nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig trinken. Damit's nicht zu fett wird, aber auch keine Mangelerscheinungen kriegt...
Akt 3: Mama muss die Flasche auseinanderbauen, ausspülen, abwaschen, sterilisieren und wieder sorgfältig im Wickelrucksack vergraben.
Zur HÜLF! Ich bin vielleicht naiv, aber jetzt sag mir doch nochmal einer, das sei nicht kompliziert? Mir ist klar, dass auch Flaschenmamas ihre Kinder lieb haben, und dass es viele gibt, die können nunmal nicht anders. Aber der Traum in Tüten geht doch anders, oder? (Kalox, unser Freund aus dem Fjord, grunzt jetzt vermutlich: "Verhüten !!!111einself!")
So. Damit hatte ich mein Coming Out und bitte um den Gnadenschuss. Danke für's Zuhören. ;)
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