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1. Juli 2009, 09:26 Uhr

Der Holzkreuz-Hasser

Es klingt schräg, was Peter Kummer da beharrlich vorträgt. Vor einem Jahr wurde er psychiatrisch begutachtet. Das Ergebnis möchte der Richter gern in den Prozess einfließen lassen. "Ist das relevant", begehrt der Angeklagte auf. "Sie wissen doch, zwei Ärzte, drei Meinungen." Seine Verteidigerin überzeugt ihn, der Verlesung zuzustimmen. Es sei zu seinen Gunsten, denn es mildere die zu erwartende Strafe. So erfährt man von Kummers pathologischer Persönlichkeitsstörung: Er sei querulatorisch-fanatisch-paranoid veranlagt, bescheinigt ihm der Psychiater.

Unklar, ob Sachbeschädigung vorliegt

Ist das Zerstören der Mahnmäler nun eine Sachbeschädigung? Für die Staatsanwältin ist das keine Frage. Es ginge schließlich um fremde Gegenstände mit einem gewissen Wert, die durch das Entfernen beschädigt wurden. Besonders kreidet sie dem Angeklagten an, dass dieser, während er auf den Antritt seiner Haftstrafe wegen Nötigung wartete, "munter weiter den Aufpasser und Ordnungshüter der Stadt spielte". 400 Euro Geldstrafe (80 Tagessätze) soll der Häftling zahlen.

Der Verteidigerin ist es sichtlich unangenehm, mit den Trauernden im Rücken darüber zu diskutieren, ob hier überhaupt eine Straftat begangen wurde. "Aber es muss rechtlich korrekt sein", entschuldigt sie sich bei den beiden Frauen. Sie zweifelt, ob tatsächlich eine Sachbeschädigung begangen, also Gegenstände in ihrer Substanz zerstört wurden. Im Fall des getöteten Motorradfahrers in der Argentinischen Allee konnte das Gericht nicht einmal klären, ob die entfernten Dinge überhaupt beschädigt wurden.

Geringer Trost für die Geschädigten

Auch habe Kummer irrtümlicherweise geglaubt, die Mahnmäler seien illegal. Er habe nichts von einer Genehmigung gewusst und die Trauer-Arrangements für Müll gehalten. Selbst der herbeigerufene Polizist habe keine Straftat erkennen können und lediglich einen Platzverweis ausgesprochen. Der Angeklagte müsse deshalb freigesprochen werden.

Peter Kummer habe die Gegenstände möglicherweise nicht absichtlich zerstört, urteilt der Richter, aber er habe in Kauf genommen, dass dies spätestens in der Müllpresse geschieht. Er sei auch nicht dem Irrtum aufgesessen, die Geschädigten hätten die Herrschaft an den Gegenständen aufgegeben. "Es waren wichtige Sachen, mit denen die Geschädigten ihre Trauer und den Verlust zu bewältigen suchten", so der Richter.

Moralisch könne man das so sehen, unterbricht ihn der Angeklagte. "Aber rechtlich ist es Müll!" "Da habe ich eine andere Rechtsauffassung", sagt der Richter und verhängt für eine versuchte und eine vollendete Sachbeschädigung die von der Staatsanwältin geforderte Geldstrafe.

Der Verurteilte wird in Berufung gehen. Beim Gedanken an ein mögliches Wiedersehen vor dem Landgericht muss Camilla Kirsch schon wieder weinen. Das Mahnmal für den verstorbenen Freund ihrer Schwester hat sie nicht wieder aufgebaut: "Das hat jedes Mal so viel Kraft gekostet", sagt die junge Frau mit tränenfeuchten Augen. * Namen von der Redaktion geändert

Von Uta Eisenhardt
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KOMMENTARE (10 von 52)
 
Kleiner-Meister (02.07.2009, 15:01 Uhr)
Dagegen
Das der Typ ne Klatsche hat steht ausser Frage. Aber so einen Trottel hat jedes Dorf. Trotzdem bin ich der Meinung die Kreuze haben an den Straßenrändern nichst zu suchen. Ein Großteil der Verunglückten sterben irgendwo zwischen Baum und Krankenhaus. Ich halte diese Kreuze einfach für einen Trend der Überhand nimmt. Die Hinterbliebenen wollen dem Rest der Welt und damit allen völlig Unbeteiligten mitteilen das sie ganz besonders trauern. Als Gegenbeispiel denke ich an die diversen "Lukas im Opel" oder "Lena-Sophie im Auto" Aufkleber an diversen Heckscheiben. Wen ausser den verständlicher Weise stolzen Eltern interessiert das?
Übrigens vor Jahren starb meine Großmutter nach einem Schlaganfall den sie beim Einkaufen im Supermarkt erlitt. Ich hätte gern ein Kreuz in der Obst-und Gemüseabteilung aufgestellt. Ging nicht, jetzt fahr ich ab und zu auf den städtischen Friedhof. So ist es immer gewesen und so soll es bleiben.
giantroXx (02.07.2009, 14:28 Uhr)
@gormiti
Ein Bäumchen Pflanzen ist eine gute Idee, ein paar Jahre später klebt bestimmt ein Motorradfahrer dran ;)
gman537 (02.07.2009, 13:08 Uhr)
Vollschatten
Ist momentan Welt-Vollschatten-Woche oder was ?
Nicht nur dass ein entlassener Häftling
keine anderen Sorgen hat als an 2 Holzkreuzen seine vermeintliche Bürgerpflicht auszuüben; nein hier wird das auch noch munter, teils wohlwollend diskutiert:
- Ist ein Mahnmal am Strassenrand Müll ?
- Deprimiert es die Vorbeifahrenden ?
- Darf es überhaupt ein Kreuz sein oder besser nur Blumen ?
- Wenn es dort stehen darf, dann wie lange ?
- Wenn es entfernt wird, wer darf,soll das dann und wer bezahlt die Kosten ?
Das klingt doch alles schon im Ansatz bescheuert.
Wohl dem, der solche Sorgen hat.
Heavenscream (02.07.2009, 12:59 Uhr)
Aufschlußreiche Kommentare.
Daß hier ein fachärztlich beglaubigterweise emotionell Schwerbeschädigter derartige Unterstützung findet, sagt über diese Gesellschaft alles, was man wissen muß.
mebxl (02.07.2009, 12:51 Uhr)
Alles roger oder was ??
Sagt' mal, was ist denn hier los ???
Ich lebe ja nun seit einigen Jahren nicht mehr in Deutschland, aber wenn ich so etwas lese, bin ich darueber auch echt froh.
Warum es ausgerechnet Kreuze sein muessen (ich denke mal, diese Familien habe eine Kirche seit langem nicht mehr von innen gesehen) kann man diskutieren.
Ein Strauss Blumen reicht. Der ist neutral, kein Mensch stoert sich daran und fuer die Hinterbliebenen ist es Teil der Aufarbeitung.
Das aber so ein Fall vor Gericht kommt, ist schlicht und einfach fuer'n 'A....' .
gormiti (02.07.2009, 12:15 Uhr)
Ich bin kein Christ
und auch sonst habe ich kein Religion. Aber so zu trauern sollte doch möglich sein? Ich würde da vielelicht wennes ging irgendwie ein Bäumchen pflanzen..ich will gar nicht dran denken. Ich meine die Leute die da trauern sind doch auch Bewohner desLandes, das gehört ihnen ja auch irgendwie. Denn jede Bewohner eines Landes, Gebietes machen das Gebiet ja aus. Das sollte man dürfen! Darf man ja auch
So ein Typ wie der ..kann man den nicht einfach in die Klapse stecken. Da kan ner dann Mülls sammeln und falsch parkende Ärzte aufschreiben. Man könnte ihm zur Warnweste noch einen Sheriffstern anheften?
Leider gibt es so Typen überall. Krank..total krank.
rofl70 (02.07.2009, 12:12 Uhr)
Stilblüten
Lasst die Mahnmale stehen, sie müssen ja nicht nur deprimierend sein!
Jedesmal muss ich schmunzeln über eine grimmig - stolze Plakette an der Ausfallstraße, welche verkündet, dass hier ein Hell's Angel verunglückt sei. Diese Inschrift prangt nämlich auf einem kunstvoll geschmiedeten, äußerst christlichen KREUZ! Nicht sehr konsequent von den toughen Jungs, oder?
Rubicon (02.07.2009, 12:01 Uhr)
Herrlich! :)
Im Prinzip habe ich alles bestätigt bekommen, was ich geschrieben hab. Mitleid wird erst gezeigt, wenn es schon längst zu spät ist. Dadurch kann man ja prima die Illusion schaffen, ein guter Mensch zu sein.
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Zu Lebzeiten sind Menschen allerdings nur Ballast. Komplexe sind etwas verabscheuungswürdiges. Probleme der Menschen ebenso. Hauptsache man lässt die Leute damit in Ruhe.
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Dass es auch andere Gründe geben kann, nachts um vier noch zu wachen, ist total albern. Muss ein arbeitsloser Sozialschmarotzer sein, den man eigentlich aus der Gesellschaft entfernen sollte. Jaja.. Aber diejenigen, die hier so vehement die angreifen, die sich noch trauen, ihre Meinung zu sagen, wissen es ja: Es liegt an der unserer Erbschuld. Wir >müssen< so tun, als wären wir bessere Menschen geworden! Und Ihr seid es! =) Ich wäre gern so wie Ihr. Das ist in der Tat weniger anstrengend. Und ich geh jetzt meine imaginäre Sozialkohle versaufen! Herrlich!
Crossbow (02.07.2009, 11:51 Uhr)
Das stille Gedenken sollte...
...an dem Ort stattfinden wo der Verstorbene begraben liegt. Ich verstehe die Motivation, halte aber auch nichts von diesen Mahnmalen am Straßenrand. Das Recht zum Entfernen sollten aber nur die zuständigen Behörden haben, nicht solche durchgeknallten Querulanten.
ambio (02.07.2009, 11:31 Uhr)
Man...
was haben wird Deutschen doch für einen exorbitanten Dachschaden !!!!
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