
Um sich seine Kokainsucht zu finanzieren, stahl der religiöse Angeklagte auch in Kirchen© Colourbox
"Die Geschädigten sind sehr nette Leute", sagt der Angeklagte. Mit einem von ihnen, sei er "goanz lieb ins Gespräch gekommen, der kommt auch oaus Graz." Bei diesen Worten fängt er so sehr an zu weinen, dass ihm sein Verteidiger ein Taschentuch herüber reicht. Schon bald sind seine Augen verquollen, sein schmales Gesicht wirkt verheult. Er sei im Reinen mit Gott, obwohl es gerade "die kirchlichen Soachen sind, die ich noch mehr bereue oals die oanderen Toaten", sagt der Mann, der eigentlich das Priesterseminar besuchen wollte, wenn er nicht seiner schwerkranken Mutter hätte helfen müssen. Die kirchlichen Sachen, das sind eine unbemalte Holzfigur des Heiligen St. Josef aus der St. Norbert Gemeinde und der Messkelch aus der Gemeinde St. Ludwig. Dessen Pfarrer erinnert sich gut an jenen November-Sonntag, an dem ein junger Kaplan aus Graz darum bat, an der Messe teilnehmen zu dürfen. Peter Arlberger habe auch überzeugend mitgetan. "Plötzlich bemerkten wir, wie er zu einer anderen Tür heraus ging, obwohl wir ihn zum Kaffee eingeladen hatten", sagt der Geistliche im Zeugenstand. Als dann der Messkelch und eine Geldbörse vermisst wurden, war schnell klar, wer sie gestohlen haben musste.
Über die Rückgabe des Kelches habe sich die Gemeinde sehr gefreut.
Der Pfarrer ließ dem Häftling seine Visitenkarte zukommen: "Ich wollte wissen, was das für ein Mensch ist, der so handelt." Der Messkelch-Dieb freute sich sehr darüber, dass jemand mit ihm Kontakt habe wollte. Er habe dem Geistlichen viele Briefe geschrieben, zwei Mal wurde er von ihm besucht. Auch das schwarze Hemd, das Peter Arlberger zur Verhandlung trägt, verdankt er ihm. Ob der Pfarrer verzeihen könne, will der Richter wissen. "Das habe ich schon aufgrund der sehr persönlichen und ehrlichen Briefe, die ich bekommen habe", antwortet der Befragte. Er empfinde die Reue als echt. Peter Arlberger hofft fest auf eine Vergebung seiner Taten. Er habe in der Haft seinen Glauben vertieft und Abstand zu seinem früheren, "schlechten Leben" gewonnen. Dennoch drohe ihm die Exkommunion durch die Kirche: "Ich werde das hinnehmen, obwohl es mir sehr schwer fallen wird", sagt sein Verteidiger für ihn.
Drogen nehme er schon seit einigen Monaten nicht mehr, obwohl er diese auch im Knast beziehen könnte. "Ich bin nicht gewillt, wieder so einen Tagesablauf zu hoaben", sagt der Angeklagte über die Zeit seiner Beschaffungskriminalität. Eine Therapie habe er wegen der ungeklärten Zukunft noch nicht begonnen, möchte aber gern eine machen. "Ich mecht schau´n, doass ich oalles wieder ins Lot krieg", sagt der Angeklagte. Und wenn´s nur a kleine Wohnung is mit einer Motraotzen. Etwoas, wo ich soagen koann, doas is mein Reich." Er wünsche sich das normale Leben zurück, das er einmal geführt habe und die Versöhnung mit seinem in Krakau lebenden Bruder: "Wenn der mir wieder die Hoand reicht. Mir is kloar, dass er Zeit braucht. Ich koann ihn nicht zwingen", sagt Peter Arlberger und fügt hinzu: "Doass ausgerechnet ich derjenige in der Foamilie sein muss, der stroaffällig wird - doas poasst nicht."
Er weiß, dass er nach der Verhandlung an sein Heimatland ausgeliefert wird: Vor dem Salzburger Landgericht müssen ebenfalls noch einige Vermögensdelikte gesühnt werden. Doch er fürchtet sich vor dem Unbekannten, das ihn in seinem Heimatland erwartet. Am liebsten würde er weiterhin in Haft bleiben - hier in Deutschland, wo er Arbeit in der Küche der Beamten- Kantine gefunden hat, die ihm sehr gut gefällt. Diesen Wunsch kann ihm der Richter nicht erfüllen: Wegen gewerbsmäßigen Diebstahls verurteilt er Peter Arlberger zu zwei Jahren Haft, die zur Bewährung ausgesetzt werden. So hatte es auch die Staatsanwältin gefordert. Großen Einfluss auf das milde Urteil hätte das Geständnis gehabt, sagt der Richter, der dem Angeklagten seine Reue glaubt. "Sie haben alles getan, was man tun kann", sagt er zu ihm. Obendrein habe sich Peter Arlberger in der Haft sehr gut geführt. Dann aber mahnt der Richter: "Auch wenn es Ihnen dort gut geht, dürfen Sie sich dort nicht zu sehr einnisten. Sie müssen auf Dauer draußen zurecht kommen." * Name von der Redaktion geändert