Auch sonst bietet das Internet Kleinganoven zahlreiche Möglichkeiten. Es gibt Programme, sogenannte Bots, die alle Startkarten aufgeben, bis auf die sehr guten. User, die diesen illegalen Dienst nutzen, melden sich an zahlreichen Tischen gleichzeitig an und werden nur alarmiert, wenn sie exzellente Karten bekommen. "So wird verhindert, dass man nach einer langen Durststrecke auch mal eine mittelgute Hand spielt. Der Langeweile-Faktor wird abgeschafft", erklärt Haas.
Natürlich gibt es auch deutlich ausgefeiltere Bots - bis hin zum völlig automatisierten Spiel. In diversen Chaträumen brüstet sich der eine oder andere Programmierer, mit einem eigens entwickelten Programm reich geworden zu sein. Darüber hinaus hält sich hartnäckig das Gerücht, dass vor allem Kleinstanbieter selbst Bots einsetzen, um ein geschäftiges Treiben auf ihren Seiten zu simulieren.
In der Szene am berühmtesten ist jedoch der "Ultimate-Bet-Skandal". Der ehemalige Pokerweltmeister Russ Hamilton soll auf seiner eigenen Pokerseite sogenannte "Super-Accounts" geschaffen haben. Wer sich mit dem passenden Kennwort einloggte, sah alle Karten am Tisch, auch die gegnerischen. Hamilton und seine Komplizen sollen sich so Millionen Dollar ergaunert haben - bis einige Spieler misstrauisch wurden und Anzeige erstatteten. Der Prozess gegen die Bande läuft noch.
Wer von technischen Hilfen nichts hält, der kann auch zum Telefon greifen. Wer sich gemeinsam mit vier Freunden an einen Online-Pokertisch setzt und sich illegal über die jeweiligen Startkarten austauscht, dürfte auf mittlere Sicht gewinnen. Poker-Kenner Haas bezeichnet das als "verbreitete Variante". Er kenne "genug Leute, die damit ein paar Hundert Euro verdient haben".
Anbieter wie PartyPoker versprechen zwar, alle Betrüger durch spezielle Filter- und Warnprogramme zu identifizieren und zu sperren. "Diese Gegenmaßnahmen werden laufend aktualisiert und verbessert", versichert Christoph Nübel von Partypoker. Man sei bereit, Betrüger "zu sperren und das ganze Geld in dem Account ohne vorherige, weitere Warnung einzuziehen". Hobbyspieler sollten trotzdem äußerst misstrauisch sein. Haas beispielsweise kennt in seinem großen Freundeskreis noch "keinen, der erwischt wurde".