Im Februar dieses Jahres nämlich war, wieder einmal, eine neue DNA-Spur der UWP aufgetaucht. Der 39. Fund. Diesmal in Mannheim, wo einige Monate zuvor ein 29-Jähriger in einem Mehrfamilienhaus einen 36-jährigen Russlanddeutschen niedergestochen hatte. Die Spur fand sich an der Wohnungstür des Täters, am äußeren Türspion.
Als der Chef des baden-württembergischen LKAs, Klaus Hiller, bei einer Pressekonferenz am 11. Februar von stern.de befragt wird, ob es neben dem Mannheimer Fund weitere neue DNA-Spuren des "Phantoms" gebe, schüttelt er energisch den Kopf: "Im Moment nicht - wir betreiben doch keine Salamitaktik." Die Leiter der federführenden Staatsanwaltschaft und Kripo Heilbronn sowie der Landespolizeipräsident saßen schweigend daneben.
Aber zu diesem Zeitpunkt waren baden-württembergische "Phantom"-Ermittler von ihren saarländischen Kollegen längst über die weitere DNA-Spur der Frau informiert worden. Und ahnten da vermutlich schon, dass der Fund nicht länger verschwiegen werden durfte. Am 18. März wurde dann die Öffentlichkeit informiert. Und offenbar auch eine interne Untersuchung veranlasst, ob an der "minimalen Möglichkeit" der Kontamination von Utensilien zur Spurensicherung womöglich doch was dran sein könnte. Vor einigen Tagen sagte ein Sprecher des Landeskriminalamts in Stuttgart zu stern.de, dass die Herkunft und Beschaffenheit der Gerätschaften, die Kriminaltechniker bei der Spurensicherung verwenden, nun genauer untersucht würden: "Wir müssen alles in Betracht ziehen."
Die Soko "Parkplatz" wurde Mitte Februar umstrukturiert; zur Entlastung der Beamten, die insgesamt 16.000 Überstunden gemacht haben, so heißt es offiziell. Nun leitete das Landeskriminalamt in Stuttgart die Ermittlungen. Auch weitere neue Spuren hielten sie geheim. Wie die, die Kriminaltechniker vor einigen Monaten in der Nähe von Mannheim gefunden hatten, als sie ein Fahrzeug untersuchten. An Verbindungskabeln von Navigationsgeräten konnten sie die DNA des "Phantoms" sichern, wie stern.de aus Ermittlerkreisen erfuhr.
Mit jeder neuen Spur wuchs die Verwirrung, und mit der Verwirrung der Druck auf die Ermittler. Seit Monaten wurden Kriminaltechniker zu jedem Gartenhäuschen gerufen, in das eingebrochen worden war. Mehrere Millionen Euro haben die Untersuchungen schon gekostet. In den Sonderkommissionen rätselten Beamte über mögliche Fehler, über Fakten, die übersehen oder womöglich falsch eingeschätzt wurden.
Im Fall des Polizistenmords von Heilbronn mehrten sich zum Beispiel die Hinweise, dass er im Auftrag einer osteuropäischen Bande verübt worden sein könnte. Die zwei Mörder schossen zeitgleich und nahmen nicht nur die Dienstwaffe und Handschellen mit, sondern auch den Einsatzgurt von Martin A., wie stern.de erfuhr. Martin A. war damals zusammen mit der ermordeten Polizistin auf Streife. Er überlebte den Überfall, kann sich aber nicht daran erinnern.
Kriminalisten rätseln nun, ob dieser Gurt ein Symbol sein könnte, eine Trophäe. Der Mord als Mutprobe, um in eine Gruppe aufgenommen zu werden? Eine so genannte Initiationstat, wie Experten sagen? Osteuropäische und russische Mafia-Organisationen kennen diese Rituale. Und für die ist Heilbronn schon lange kein weißer Fleck mehr, das weiß die Polizei.
In diese Richtung ermittelt wurde jedoch nie - bis jetzt.
Malte Arnsperger, Gerald Drissner, Werner Mathes, Rainer Nübel, Kerstin Schneider, Hans Peter Schütz