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25. Februar 2010, 18:31 Uhr

"Wir haben ihn doch gut behandelt"

Drei-Gänge-Menüs bayerischer Hausmannskost

Wenn man Willi D. Glauben schenkt, wurde James A. auch während seiner vier Tage in ihrer Gewalt vorzüglich behandelt. Der Kettenraucher habe stets auf der Terrasse rauchen dürfen. Sieglinde K., eine "hervorragende Köchin", habe ihm Drei-Gänge-Menüs bayerischer Hausmannskost inklusive Suppe und Nachtisch vorgesetzt, sagt Willi D.

Doch letztlich ging es den Entführern ums Geld. In der Garage setzten sich die fünf am Mittwoch, 17. Juni, in einem Halbkreis um James A. herum. Die Staatsanwaltschaft spricht von einem "Femegericht". Nein, so schlimm war es nicht, meint Willi D. Es sei ein "Meeting" gewesen. "Ich habe die Stühle so hingestellt, wie man es von der Schule und aus dem Kindergarten kennt. Das machen meine Kinder auch so." Man habe James A. weder mit Gewalt oder gar dem Tode bedroht, wenn er ihre Forderungen nicht erfüllen sollte. James A. wurde aufgefordert, seine Bank anweisen, Aktien zu verkaufen. Dann sollte der Deutsch-Amerikaner vier Überweisungen mit einem Gesamtwert von rund 3,5 Millionen Dollar anordnen. Das Geld sollte auf den Konten von K. und D. sowie des mittlerweile ebenfalls anwesenden Ehepaares F. landen. Immer wieder betont Willi D. "Ich dachte, dass wir nach wenigen Tagen, am Donnerstag oder Freitag, fertig sind."

"Call. Pol. ICE"

Ein entscheidender Punkt in dieser Verhandlung. Denn bei einer bloßen Entführung liegt die Höchststrafe bei fünf Jahren. Um die Angeklagten aber für eine Geiselnahme zu verurteilen, muss das Opfer mit dem Tode bedroht worden sein. Oder aber die Täter müssen geplant haben, es mindestens eine Woche lang festzuhalten. Folglich bohren Richter und Staatsanwälte immer wieder nach, wie lange James A. wirklich in dem Verlies im Keller bleiben sollte. Obwohl er sich in Widersprüche verstrickt und sichtlich nervöser wird, bleibt Willi D. bei "wenigen Tagen". Mit Nachdruck sagt er: "Ich als ordentlicher und normaler Mensch habe nie gedacht, dass wir A. nicht nach Hause fahren."

Das war nicht mehr nötig. Denn in seiner Bankanweisung hatte James A. den versteckten Hilferuf "Call. Pol. ICE" versteckt. Am Samstag, 20. Juni, wurde er befreit und seine Peiniger festgenommen.

Demnächst wird auch James A. seine Version der Vorfälle vor Gericht darlegen dürfen und mit den vier Herren und Damen auf der Anklagebank abrechnen können. Doch möglicherweise wird sich James A. bald selber auf einer solchen Bank wiederfinden. Denn die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern ermittelt wegen Untreue gegen ihn. Ein weiteres Kapitel in der kuriosen Geschichte der fünf älteren Herrschaften und ihres Geschäftspartners.

Von Malte Arnsperger, Traunstein
Seite 1: "Wir haben ihn doch gut behandelt"
Seite 2: Drei-Gänge-Menüs bayerischer Hausmannskost
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
Onzapintada (26.02.2010, 18:44 Uhr)
Die Richter sind nicht korrupt
im Sinne einer Justiz einer Bananerepublik - das waere viel zu harmlos. Es handelt sich in Deutschland um eine der ausgekluegeltesten und radikalsten Varianten von Klassenjustiz, die nur vorstellbar sind. Immer im Sinne der besitzenden Klasse, aber den Schein wahren mit verwinkelten rechtsstaatlichen Urteilsbegruendungen. Und im neoliberalen Deutschland zaehlen Anlagebetrueger selbstverstaendlich zu den Leistungstraegern. Wehe dem kleinen Mann und der kleinen Frau, die das nicht respektieren. Trotzdem ist der Fall ermutigend: Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt.
NewWorld (26.02.2010, 14:16 Uhr)
@Mastergirl
Na, na, wenn das Rechtssystem so korrupt ist, dann sollten die Rentner doch gute Chancen haben. Schließlich sind sie nicht arm und können da bestimmt noch was drehen....

Übrigens, wenn sie meinen unser Rechtssystem ist korrupt, dann gehen sie doch mal nach Südeuropa.

Schönes Wochende....
Mastergirl (26.02.2010, 12:39 Uhr)
habe Verständnis für die Rentnergang
bei unserem korrupten Rechtssystem muss man sich irgendwie selbst helfen! Diese Richter bei den Gerichten sind eine einzige Katastrophe..
SoistdasLeben (26.02.2010, 12:03 Uhr)
Im Namen des Volkes
Wer schon einmal versucht hat auf dem Gerichtswege sein Geld zu bekommen, der weiß wie aussichtslos das Ganze ist. Es dauert Jahre und wenn man dan den Titel hat, dann ist derjenige nicht mehr auffindbar. Das Einwohnermeldeamt kann einem auch selten helfen und auch nur gegen Gebühr, der Gerichtsvollzieher arbeitet dann wieder gegen vorschüssige Gebühr und kann dann sofern er denjenigen überhaupt antrifft auch selten Dinge finden, die er pfänden darf, wenn er überhaupt den Ehrgeiz hat dort hart ranzugehen. Und am Ende des Tages meldet der Schuldner Insolvenz an, lebt im Hause der Ehefrau, fährt das Auto der Ehefrau, wird von der Ehefrau zum Essen eingeladen und lacht einen noch aus. Und die Anwalts- und Gerichtskosten hat man dann auch noch an der Backe. Wenn der Staat versagt und daß leider in solchen Fällen auf ganzer Linie, dann müssen die Mittel vielleicht auch mal verhältnismäßig werden dürfen.
Das ist dann vermutlich vielmehr im Namen des Volkes, als alles andere.
Alexander0815 (26.02.2010, 09:00 Uhr)
Zwei Herzen ....
Naja, in dem Fall schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Auf der einen Seite ist mir klar, dass das was diese "Gang" getan hat, absolut gegen unser geltendes Recht verstösst und auch bestraft werden muss.

Auf der anderen Seite kann das "Opfer" froh sein, dass er nicht mich reingelegt hat. Denn bei mir wäre er nicht so "gnädig" davongekommen!!!!
sportartmakler (26.02.2010, 08:43 Uhr)
die rentner
sind trotz der hohen geprellten summen beileibe keine kirchenmäuse. es ging den herren also nicht um ihre bloße existenz ( dann könnte ich gegen diese art der selbstjustiz nichts einwänden )sondern nur um den schnöden mammon, wie immer halt.

@attatroll: dürfte ne gelungene krimikomödie werden;)
Tempelhofer (26.02.2010, 06:58 Uhr)
@ AttaTroll
Diese "Rentnergang" ist eine Gruppe von Kriminellen, die hoffentlich konsequent bestraft wird.
Laramie (26.02.2010, 00:06 Uhr)
Tolle Selbsthilfegruppe
Wenn einem das Gesetz nicht hilft muss man sich halt selbst helfen.
BiffBoffo (25.02.2010, 22:38 Uhr)
So endets ...
Sagen wir hier im Badischen wenns halt endet mit dem Inne halten.

Wenn man sein Leben lang Arbeitet und dann wird einem das genommen dann werden sachen getan die man sonst im ganzen Leben nicht getan hätte.

Genau ist das was hier von einem Richter verlangt wird. Abzuwegen in wie weit die Rentern gegangen sind und wieviel Geld im Spiel war.

Eine verschlappt von A nach B verkraftet eigentlich jeder auch wenns nicht schön ist.
AttaTroll (25.02.2010, 21:36 Uhr)
Diese Rentnergang...
... hat meine volle Sympathie - und wahrscheinlich nicht nur meine. Ich hoffe, dass der Richter ein Einsehen hat und Milde walten lässt.
Abgesehen von den ernsten Schicksalen dieser Rentner ist das Ganze eine herrlich skurille Story und gehört verfilmt.
Mario Adorf wäre eine Idealbesetzung.
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