Wenn man Willi D. Glauben schenkt, wurde James A. auch während seiner vier Tage in ihrer Gewalt vorzüglich behandelt. Der Kettenraucher habe stets auf der Terrasse rauchen dürfen. Sieglinde K., eine "hervorragende Köchin", habe ihm Drei-Gänge-Menüs bayerischer Hausmannskost inklusive Suppe und Nachtisch vorgesetzt, sagt Willi D.
Doch letztlich ging es den Entführern ums Geld. In der Garage setzten sich die fünf am Mittwoch, 17. Juni, in einem Halbkreis um James A. herum. Die Staatsanwaltschaft spricht von einem "Femegericht". Nein, so schlimm war es nicht, meint Willi D. Es sei ein "Meeting" gewesen. "Ich habe die Stühle so hingestellt, wie man es von der Schule und aus dem Kindergarten kennt. Das machen meine Kinder auch so." Man habe James A. weder mit Gewalt oder gar dem Tode bedroht, wenn er ihre Forderungen nicht erfüllen sollte. James A. wurde aufgefordert, seine Bank anweisen, Aktien zu verkaufen. Dann sollte der Deutsch-Amerikaner vier Überweisungen mit einem Gesamtwert von rund 3,5 Millionen Dollar anordnen. Das Geld sollte auf den Konten von K. und D. sowie des mittlerweile ebenfalls anwesenden Ehepaares F. landen. Immer wieder betont Willi D. "Ich dachte, dass wir nach wenigen Tagen, am Donnerstag oder Freitag, fertig sind."
Ein entscheidender Punkt in dieser Verhandlung. Denn bei einer bloßen Entführung liegt die Höchststrafe bei fünf Jahren. Um die Angeklagten aber für eine Geiselnahme zu verurteilen, muss das Opfer mit dem Tode bedroht worden sein. Oder aber die Täter müssen geplant haben, es mindestens eine Woche lang festzuhalten. Folglich bohren Richter und Staatsanwälte immer wieder nach, wie lange James A. wirklich in dem Verlies im Keller bleiben sollte. Obwohl er sich in Widersprüche verstrickt und sichtlich nervöser wird, bleibt Willi D. bei "wenigen Tagen". Mit Nachdruck sagt er: "Ich als ordentlicher und normaler Mensch habe nie gedacht, dass wir A. nicht nach Hause fahren."
Das war nicht mehr nötig. Denn in seiner Bankanweisung hatte James A. den versteckten Hilferuf "Call. Pol. ICE" versteckt. Am Samstag, 20. Juni, wurde er befreit und seine Peiniger festgenommen.
Demnächst wird auch James A. seine Version der Vorfälle vor Gericht darlegen dürfen und mit den vier Herren und Damen auf der Anklagebank abrechnen können. Doch möglicherweise wird sich James A. bald selber auf einer solchen Bank wiederfinden. Denn die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern ermittelt wegen Untreue gegen ihn. Ein weiteres Kapitel in der kuriosen Geschichte der fünf älteren Herrschaften und ihres Geschäftspartners.