Die fraglichen Bilder will sie von Kujau-Kunden angekauft haben, "und zwar ziemlich teuer", wie die Angeklagte sagt. Zwischen 300 und 1000 Euro habe sie bezahlt, am teuersten seien Gustav-Klimt-Kopien gewesen. Verkauft habe sie sie dann über ihren Ebay-Account "Galery". Ihren Kunden schickte sie neben dem Bild auch ein Echtheitszertifikat mit ihrer Unterschrift und der aufgedruckten Signatur von Konrad Kujau. "Ich hätte das nicht machen müssen, die Leute hätten das auch so gekauft. Aber der Konrad hat es auch gemacht, es gehörte halt dazu und ich bin ziemlich ordentlich", sagt die Reproduktionsfotografin und Sängerin. "Ich hätte es nicht gedurft, das ist mir jetzt auch klar."
Mit dem Fälscher selbst verbindet die schlanke, quirlige Dresdnerin eine zwar "weitläufige, aber ernsthafte Verwandtschaft": Ihr Urgroßvater und sein Großvater seien Cousins gewesen. Nach der Wende hätte sie Konrad Kujau kennen gelernt und Ausstellungen im Osten für ihn organisiert. So habe sie immer weniger als Sängerin und immer mehr als Galeristin gearbeitet, seit 1998 lebte sie von den Fälschungen ihres Großonkels.
"Er hat unglaublich viel verkauft", sagt die Angeklagte. Sie schätzt sein Gesamtwerk auf etwa 1000 Bilder. Angeblich schuf er fünf Stück am Tag. "Er hat vor laufender Kamera gemalt, in einer halben Stunde war das Bild fertig. Aber das war ein Picasso, das ging schnell."
Und was hat Dieter G. mit dem Ganzen zu tun, will der Richter wissen. "Eigentlich nichts", sagt der stämmige, zurückhaltende 54-Jährige. "Ich habe auf das vertraut, was ich erzählt bekommen habe. Ich habe mitgemacht." "Er hat bei der Logistik geholfen", erklärt sein Verteidiger.
Sie müssen mit dem Kunsthandel ziemlich viel Geld verdient haben, meint der Vorsitzende. Ja, sagen die Angeklagten. Aber das meiste hätten sie in Kujau-Projekte gesteckt. Allein die Unterhaltung des Museums in Pfullendorf habe 10.000 Euro Unterhalt im Monat gekostet. Diese Erklärung ist nicht zu widerlegen: Selbst bei der Hausdurchsuchung fanden sich keine Hinweise auf Reichtum und Luxus.
Dafür hatte man bei dem Paar verdächtig viele Kopien berühmter Maler gefunden. Ein Pinsel lag direkt neben einem Bild von Konrad Kujau. Auch das kann seine Großnichte erklären: Sie habe gewusst, die Werke ihres Onkels würden irgendwann zur Neige gehen. Darum habe sie ein neues Geschäft aufbauen wollen, eine Bilder- und Rahmen-Großhandlung. Das bei ihr gefundene Material seien Proben gewesen, die sie auf Messen erworben hatte. Die Pinsel dagegen stammten aus dem Pfullendorfer Museum, das im Winter wegen seiner fehlenden Heizung geräumt werden musste.
Aber warum speicherte sie den Namenszug des Malers Gustav Klimt auf ihrem Rechner, fragt der Richter. Ganz einfach: Sie habe eine Fälscherwerkstatt für Kinder betrieben, antwortet die Angeklagte. Die Kinder hätten die Namenszüge nachgemalt. "Die haben auch Kujau gefälscht, da gibt es sogar einen Fernsehbeitrag darüber."
Die angeblich geprellten Kunden jedenfalls, so berichtet der Polizeibeamte, der die Ermittlungen leitete dem Gericht, hätten ihre "schönen Bilder" trotz des Betrugsverdachts "im Großen und Ganzen" nicht hergeben wollen. Mit dem Kujau-Geschäft aber ist mittlerweile Schluss - nicht nur für Petra Kujau und ihren Lebensgefährten, auch Kujau-Experte Philipp Schnauthiel bekommt seit Frühjahr 2006 keine Aufträge mehr.