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22. April 2009, 17:51 Uhr

"Terroristen sind von Neid zerfressen"

Reicht diese Faszination aus, um sich am Ende selbst zu töten?

Die Unsicherheit dieser jungen Mäner bleibt ja weiterhin bestehen. Auch wenn sie immer radikaler werden, erfahren sie nie Entspannung oder ein Gefühl von Glück, nach dem sie sich so sehnen. Das Selbstmordattentat bietet die Möglichkeit, leicht und bequem ein vom Scheitern ehrgeiziger Wünsche, von mangelnder Anerkennung behelligtes Leben in einer einzigen Tat zu beenden. Der Augenblick vor einem Selbstmordattentat ist ein Moment der Selbstidealisierung: Ich bin endlich angekommen. Ich bin gut. Ich bin stabil. Und bevor dieses Gefühl gleich wieder zusammenbricht, gibt es die Alternative, sich zu sprengen. Dann ist man für immer oben.

Ist auch die Verheißung, im Paradies zu landen, ein Motiv?

Es mag verführerisch klingen, die eigene klägliche Wohnung und Ehefrau gegen einen Palast und 99 Jungfrauen zu tauschen. Ich denke aber nicht, dass das im Erleben der Täter eine Rolle spielt. In ihren Fantasien ist es viel mehr dieses narzisstiche Suizidmotiv: Keine Schmerzen mehr empfinden, keine Qualen, keine Unsicherheiten. Das ist ein zentraler Trost.

Warum sind diese jungen Männer plötzlich auch bereit, andere zu töten?

Der Terror hängt zeithistorisch mit der Entwicklung der Massenmedien und des Dynamits zusammen. Es ist etwas völlig anderes, ob Sie sich und andere in die Luft sprengen oder ob Sie mit einem Schwert Amok laufen. Da sehen Sie die Menschen und ihre Verletzungen und müssen sich damit auseinandersetzen. Dagegen ist das Sprengen wie Zapping am Bildschirm. Man schaltet einfach aus. Und das vermittelt dem Täter: Ich schalte ja nur. Ich sorge ja nur dafür, dass etwas Unvollkommenes beendet wird und bin dann vollkommen.

Wie muss die Gesellschaft auf diese Art von Terrorismus reagieren?

Wichtig ist, dass man diese Terroristen als ganz gewöhnliche Verbrecher behandelt. Es ist unglaublich schwer für den Rechtsstaat, angesichts der enormen Provokation souverän zu bleiben. Zu dieser Souveranität gehört auch, dass der Staat offenlegt, wie er ermittelt hat. Wen er in diese Gruppe eingeschleust hat, wer echter Täter und wer V-Mann war.

Kann ein zu großer Verfolgungsdruck die Täter noch mehr anspornen?

Wenn jemand, um den sich bislang nie jemand gekümmert hat und den keiner ernst genommen hat, plötzlich beobachtet, was für ein Aufwand ihm zuliebe betrieben wird, der auch noch Hunderttausende von Euro kostet, dann fühlt sich dieser junge Mann natürlich aufgewertet. Und das beflügelt ihn. Da kommen auch die Medien ins Spiel: Was den Terrorismus am meisten fördert, ist die öffentliche Berichterstattung. Wobei sich andererseits die Öffentlichkeit mit diesem Thema auseinandersetzen muss. Ein Dilemma, ganz klar.

Kann man verhindern, dass solche Biografien überhaupt entstehen?

Man kann sich schon mehr als bisher fragen: Wie kann man eine Prophylaxe gegen Terroristenkarrieren aufbauen? Wie kann man verhindern, dass Jugendliche verführbar werden?

Und wie kann man das?

Man müsste mehr in die Verhinderung von Frühschäden bei Kinder investieren. Mehr in Angebote an Jugendliche. Es gab eine Zeit lang viele gute Angebote, vor allem aus dem Bereich der Erlebnispädagogik. Die wurden zu einem großen Teil eingespart. Aber man muss sich schon fragen: Was kostet es, selbst Erlebnispädagogik anzubieten? Und was kostet es, die andere Art von Erlebnispädagogik zu überwachen, nämlich die Reise ins pakistanische Ausbildungscamp?

Interview: Martin Knobbe
Seite 1: "Terroristen sind von Neid zerfressen"
Seite 2: Reicht diese Faszination aus, um sich am Ende selbst zu töten?
 
 
KOMMENTARE (10 von 35)
 
Frank44 (25.04.2009, 20:12 Uhr)
So,n Stuß
hab ich auch noch nicht gehört!
Dann sind also Menschen,die zu Terroristen wurden,weil deren Familien von Bombern der Nato getötet wurden,neidisch!?
Und Sympatisanten der geschundenen Völker sind auch ur neidisch?
Anders wird ein Schuh draus;der Westen und die Nato,haben,mit ihren Angriffskriegen seit 1999,gege. Jugoslawien, viel Schuld auf sich geladen und Hass erzeugt,da kann man doch nicht von Neid sprechen!
Was manche "Schmidbauers"so von sich geben,ist nichts als grober Unfug!
Möchte mal wissen,was Peter Scholl Latour zu diesem Blödsinn gesagt hätte!?
dutchinmex (25.04.2009, 04:27 Uhr)
@floyd77
Wenn man mit Leuten reden kann und sich ein Verständnis entwickelt, gebe ich Ihnen Recht in Ihrer Ansicht. Die Schwierigkeit ist aber, daß gegen dogmatischer Gewalt kaum was anderes zu tun ist als eine gezwungene Verteidigung. Vorbild eines Dogmatikers im eigenen Haus: Cristian Klar. Der denkt jetzt immer noch, daß seine Morde gerechtfertigt waren. Warum er das denkt, ist nur für ihn nachzuvollziehen, kaum für andere. Es ist letztendlich dann auch nicht wichtig, weshalb er das denkt, sondern nur, daß man die Umsetzung dieser Ansicht in die Realität zuvorkommt. Erst wenn letzteres ganz sicher ist, kann man sich über das Weshalb Gedanken machen; die RAF hat gezeigt, daß die Gesellschaft derartiges Denken nicht pragmatisch angehen darf. Flosken so wie sie dieser Psychoanalytiker sie von sich gibt, sind dabei aber total unerheblich.
ekaaat (24.04.2009, 21:15 Uhr)
islamisten
gebt diesen verrückten kein forum mehr!! warum muss jeder mist den sie von sich geben hier veröffentlicht werden? spornt sie doch noch mehr an...
floyd77 (24.04.2009, 09:53 Uhr)
@dutchinmex
"...oder derjenige, der als alles-erklären-wollender Apologet die Sicht auf der Wirklichkeit verloren hat...". Also ich lasse mich gerne belehren und korrigieren, aber solange Niemand mir eine überzeugendere Version und Erklärung der Geschehnisse liefert, bleibe ich bei meinen Überzeugungen und altem Weltverständnis. Ich weiß, dass ich mich von einem Teil der Menschen unterscheide, denn bei fast allen Menschen fragt sich keiner, warum der Nachbar mich denn "hasst" oder stört, wenn es zu Probleme mit dem Nachbarn kommt, sondern immer ist das erste und letzte Gedanke "Wie bescheuert ist der Nachbar!". Das Problem ist bloß, der Nachbar denkt genau dasselbe über die Person ;-) . Die meisten Menschen denken immer nur ans Bestrafen, was zwar richtig ist; aber gleichzeitig müssen die Motive des Täters analysiert werden, und wenn er in gewisser Weise ein bisschen oder viel recht haben, dann gebe ich ihm auch diesbez. recht, unabhängig davon ob ich ihn gleichzeitg bestrafe! Sowas ist unabhängig von Rasse, Nation und Religion. Das nennt man Gerechtigkeit und Moral, und wie ich sehe, hat der Mensch seit Ewigkeit Probleme sich mit solchen Sachen zu befreunden. Der Westen hat tatsächlich in den letzten Jahrhunderten einige gute Fortschritte in dieser Richtung gemacht (Siehe Demokratie, Verfassungstreue, Menschenrechte etc.), doch er muss diese Linie halten (und verbessern), am Sonsten wird er überholt und verliert seine Glaubwürdigkeit und die Führungsrolle.
dutchinmex (24.04.2009, 03:09 Uhr)
@floyd77
Ich frage mich wirklich, wer naiv ist: derjenige, der zwischen Gut und Schlecht unterscheiden kann, oder derjenige, der als alles-erklären-wollender Apologet die Sicht auf de rWirklichkeit verloren hat. Mörder sind Mörder, und weshalb sie geistig abartig sind, ist dabei absoluut irrelevant. Es hilft bei der Prevention genausowenig wie bei der Reaktion.
ganzbaf (23.04.2009, 19:17 Uhr)
Die klassische Psychoanalyse...

ist eigentlich ziemlich tiefschürfend und sieht sich nicht als Gutachterinstanz.
Schmidtbauer ist sicher kein herausragender Vertreter seiner Zunft.
Einem Freud wäre solche flachen Statements jedenfalls im Leben nicht untergekommen.
.
Die Gebrauchsseelenklempnerei Marke "Psychologie" verachte ich allerdings auch ein bisschen...;-P
Malt (23.04.2009, 14:57 Uhr)
@ganzbaf
Da hast du Recht, mein Fehler! Knapp daneben ;-)
@floyd77: nein, bisher nicht... ich glaube, dazu fehlt mir die Stromlinienform, die in Parteien so hoch geschätzt wird... aber ich liebäugel mit der Partei der Nichtwähler! ;-) http://www.parteidernichtwaehler.de/
babylon (23.04.2009, 14:21 Uhr)
Psychoanalytiker Schmidbauer ist genau so
eine Niete , wie die gesamte Psychosippschaft. Und solche Spinner geben Gutachten über Gewaltverbrecher ab um diese hinterher kräftig weiter morden zu lassen. Nur die Verantwortung für ihre schwachsinnigen Analysen übernehmen diese Psychowendehälse nie.
Dieser Berufsstand ist zum kotzen!!
floyd77 (23.04.2009, 11:46 Uhr)
@chaos123
Typisch die Schwarz-Weiße-Sichtweise. Für mich nicht zu kommentieren, da naiv und oberflächlich.
H.P. (23.04.2009, 11:35 Uhr)
Seelenklempner
@Stern: Sie haben sich mit verschiedenen Biografien von Selbstmordattentätern und radikalen Islamisten beschäftigt. Welche Gemeinsamkeiten gibt es?
Es sind allesamt Menschen, die tief gekränkt sind. Die immer das Gefühl haben, dass sie schlechter dran sind als andere. Es ist eine Störung des Selbstwertgefühls. Normale Menschen fühlen sich mit sich und ihrem Körper wohl, sie haben Beziehungen, können sich entspannen und ihr Leben genießen. Das können diese Menschen nicht. Die sehen nur die anderen, die das können, und fragen sich: Warum kann ich das nicht? Dann setzt eine rastlose Suche ein. Der Neid auf die anderen ist dabei ein wichtiger Antrieb. Was muss ich nur machen, dass es mir auch so gut geht wie den anderen? Das normale Leben erscheint ihnen dafür zu sinnlos und banal. Sie denken: Ich muss irgendwas Großes machen. Und wo findet man das Große? In der Sekte, in der Religion, in einem neuen Glauben.
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Lieber Herr Wolfgang Schmidbauer , bestimmt liegen sie nicht immer falsch, doch manchmal brauchen Sie selbst schon mal einen Seelenklempner bei all dem was Sie hier erzählen.
Erst einmal kennen Sie nicht alle die Zusammenhänge um sich ein Urteil zu bilden, Sie sind nicht GOTT!
@Und wo findet man das Große? Ich kann mich am Ende nur selbst finden, da sollten Sie einmal ansetzen. Der Mensch selbst das Große das die heutige Menschheit immer noch nicht versteht.
Wenn du vor dem Angst hast, was deine innere Wahrheit ist, wird es dir schwer fallen, die innere Wahrheit eines anderen Menschen oder Wesen anzunehmen.
Wenn du aber dein eigenes Wesen kennst, dann wird dir das Wesen des anderen zugänglich. Im Innersten bist du wesensgleich mit aller Schöpfung. Wenn du mit dir und deinem Leben gut umgehst, gehst du mit der Schöpfung gut um.
Quellentext: Lebe dein Bestes, Individuation und Lebenskunst
Walter- Verlag, Düsseldorf *2001* ISBN: 3530421588. Von Lutz Müller
http://www.lebedeinbestes.de/12.html
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