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27. Oktober 2006, 12:00 Uhr

"Madonnas Hilfe richtet Schaden an"

Davids Vater, Yohane Banda: Erst hatte er der Adoption zugestimmt, dann ruderte er zurück© Eldson Chagara/Reuters

Was heißt das genau?

Bevor ein Kind ins Ausland adoptiert wird, sollte immer zuerst geprüft werden, ob das Kind nicht doch in seiner Familie bleiben kann. Auf Madonna bezogen: In Zusammenarbeit mit den Behörden und entsprechenden Fachstellen hätte sie überlegen können, ob es nicht möglich gewesen wäre, Vater und Großmutter so zu unterstützen, dass sie das Kind aus dem Waisenhaus wieder zu sich genommen hätten. Wenn solche Reintegration nicht möglich ist, gilt es zunächst, eine Familie im Herkunftsland zu finden. Nicht ein Heim, eine Familie!

Was kostet eine Auslandsadoption über eine der staatlich anerkannten Fachvermittlungsstellen?

Das variiert: Bei den kirchlich gestützten Organisationen ist das sehr viel günstiger als bei den freien Trägern. Wir bewegen uns da etwa zwischen 10.000 und 15.000 Euro. Worauf es dabei vor allem ankommt: Alle Kosten müssen für die Bewerber nachvollziehbar und ausgewiesen sein. Wenn sie ihr Kind früher mitnehmen dürfen, weil sie dem Heim ohne Quittung einen kleinen Obolus zusätzlich zahlen, sollten sie die Organisation wechseln und die Angelegenheit den deutschen Behörden melden. Natürlich ist es sehr schwer, nach jahrelangem Warten in so einer Situation noch die moralische Kraft aufzubringen und zu sagen: Moment, jetzt überschreiten wir die Grenze zum Kinderhandel.

Die Alternative zu Vermittlungsagenturen ist eine Privatadoption. Was halten Sie davon?

Privat- oder besser: Selbstbeschaffungsadoptionen sind für Kinder wie für Eltern schädlich. Wir kritisieren sie aus drei Gründen: Als Nichtfachmann haben sie im Normalfall keinerlei Überblick, ob das Kind, das Ihnen zur Adoption angeboten wird, tatsächlich verlassen ist, oder seinen Eltern entführt, abgeschwatzt oder auf andere Weise entzogen wurde. Außerdem bereiten seriöse Vermittlungsagenturen potenzielle Adoptiveltern gründlich auf das vor, was auf sie zukommt. Diese Überprüfung soll kein bürokratisches Hindernis sein, sondern Menschen dazu befähigen und anregen, über sich selbst nachzudenken im Hinblick auf die Aufgabe, die da auf sie zukommt. Außerdem begünstigen Privatadoptionen die Begüterten und "Beziehungsreichen". Sie sind grob ungerecht denjenigen gegenüber, die den staatlich empfohlenen und fachlich gebotenen - übrigens unter der Regierung Schröder durchgesetzten - Weg der Konventionsadoption gehen und dann feststellen, dass sie wegen ihres zu hohes Alters keine Chance mehr haben. Diese Richtlinien sind in der Haager Adoptionskonvention festgeschrieben.

Kann man davon ausgehen, dass viele Prominente - wie jetzt Madonna - am Haager Adoptionsabkommen vorbei adoptiert haben?

Davon gehe ich aus. Wenn man Beziehungen hat, ist das kein Problem. Und erst recht nicht für Politiker. Was mich bei Prominentenadoptionen immer wieder erstaunt: Sie hätten aufgrund ihres Vermögens, ihrer Beziehungen und ihres Einflusses so viele Chancen, Gutes zu tun. Gerade für die große Zahl verlassener Kinder, die aufgrund ihres Alters, ihres Gesundheitszustandes oder ihres Aussehens nicht das Glück haben, adoptiert zu werden, und darum schon jahrelang in einem Waisenhaus leben. Da könnte man mit so viel Geld vieles verbessern. Und dann kommt Madonna und lässt jede Umsicht vermissen. Diese Kurzsichtigkeit, dieser Mangel an Empathie und Reflexion richtet großen Schaden an. Adoption ist ein Mittel der Kinderhilfe und nicht der Komplettierung von unvollständigen Familien oder der Mehrung des sozialen Rufs von Weltstars.

Davids neuer Vater, Regisseur Guy Richie© Shavawn Rissman/AP

Welche Probleme haben Kinder, die in ein fremdes Land adoptiert werden?

Diese Kinder kommen häufig aus völlig anderen Lebensumständen und unterscheiden sich oft auch allein durch ihre Hautfarbe. Gerade Kinder aus Asien, Lateinamerika oder Afrika werden von Anfang an auf ihr Aussehen angesprochen - freundlich, neugierig, nichts ahnend oder auch aggressiv. Sie fangen früh an zu fragen: Warum wurde ich weggegeben, gerade ich? Wie sehen wohl meine Eltern aus? Habe ich Geschwister, Großeltern? Wohl auch deswegen ist Osteuropa bei manchen Adoptionsbewerbern so beliebt, da fällt das Aussehen nicht so sehr ins Auge.

Madonna versichert ja, dass sie mit David jedes Jahr nach Malawi fliegen möchte.

Großartig - vor allem wenn man sich überlegt, auf welchem materiellen Niveau Menschen in Malawi existieren müssen. Wie lange wohl müsste Davids Vater in Malawi arbeiten, um das zu verdienen, was allein eine solche Reise kostet? Und was wird David - vorausgesetzt, es kommt endgültig zur Adoption - eines Tages sagen, wenn er sich über die Umstände seiner Adoption ernsthaft Gedanken zu machen beginnt? Grenzt solche Hilfe nicht an Wahnsinn?

Haager Konvention Etwa 70 Länder sind der 1993 geschlossenen Haager Adoptionskonvention beigetreten. Die Bundesrepublik hat sie 2002 zur Grundlage des neuen Adoptionsrechts gemacht. Auslandsadoptionen sind demnach nur legal, wenn sie über eine anerkannte Auslandsvermittlungsstelle vermittelt werden. Zurzeit gibt es zwölf solcher Stellen in freier Trägerschaft. Ihre Anerkennung erfolgt nach gründlicher Prüfung durch die "Zentralen Adaptionsstellen" der Landesjugendämter. Auch diese dürfen vermitteln. Die Fachstellen in freier Trägerschaft vermitteln jeweils aus bestimmten Ländern. Das können auch Länder sein, die (noch) nicht der Konvention beigetreten sind, vermittelt wird aber in jedem Fall nur nach Konventionskriterien. Das heißt: Die Bewerber werden auf ihre Eignung überprüft, Akten der Bewerber und Kinder verglichen, um herauszufinden, welches Kind zu welchen Eltern passt. Im Widerspruch dazu gibt es immer noch die Möglichkeit der Privat- beziehungsweise Selbstbeschaffungsadoption, normalerweise nur aus Ländern, die der Haager Konvention nicht beigetreten sind. Die überwiegende Zahl der Fachleute fordert seit langem, diese Praxis abzuschaffen.

Interview: Claudia Pientka
Seite 1: "Madonnas Hilfe richtet Schaden an"
Seite 2: Was heißt das genau?
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
ThoughGuy (28.10.2006, 11:16 Uhr)
Well Done Madonna! Get Another One!
diese ganze diskussion ist eigentlich nur noch als peinlich zu bezeichnen. was ist eigentlich schlecht daran wenn ein kind aus malawi oder irgendeiner anderen bananen republik von madonna adoptiert wird, auch wenn sie 48 ist? als alternative kann es ja den rest seines lebens in einer malawischen blechhuette vor sich hinvegitiern umgeben von ein paar mitarbeitern anfang 20. uebrigens hat madonna bereits ein paar millionen in malawi liegen lassen. leider hat die mehrzahl der leser inclusive herrn wacker nur wenig ahnung wie es in solchen laender tatsaechlich zugeht.....und da stehen waienkinder aber ganz weit unten auf der liste. ich selbst habe ein maedchen aus asien adoptiert und kann nur sagen das war das beste was ich in meinem leben gemacht habe. herr wackers gerede ueber auslandsadoptionen verdient eigentlich nur noch die bezeichnung 'dumm'. Congratulations Madonna!
abtl (28.10.2006, 06:53 Uhr)
Vielleicht gibt es bald bei Aldi oder Ikea, kleine schwarze Kinder im Angebot!
Wenn man soviel Geld hat wie diese Frau, dann kann man eine Familie in Afrika ein ganzes Leben lang unterstützen. Sie könnte das ganze Dorf mit ihrem Geld unterstützen. Es ist mehr als PERVERS ein Kind aus seiner Umgebung zu reissen, seinen Eltern zu entziehen, um es in die so genannten "Zivilisation" zubringen.
Das man das zulässt und die Weltkinderorganisation nichts unternimmt, öffnet fuer die Spekulanten des Kindergeschäftes, ganz legal den Markt. Vielleicht gibt es bald bei Aldi oder Ikea, kleine schwarze Kinder im Angebot.
misshelga (28.10.2006, 02:01 Uhr)
Madonna's Hilfe....
Moechte mich den letzten beiden Kommentaren anschliessen. Ich finde auch dass Leute die sich nicht in anstaendigem Deutsch mitteilen koennen, geloescht und geblockt werden sollten.
Und zum Thema: Wenn Terre des Hommes und weiss Gott wer noch alles im Nachhinein nicht so einen Pressewirbel veranstaltet haetten, haette sich der Vater des Jungen auch weiterhin nicht um seinen Sohn besorgt. Was soll das Gelaber eigentlich, Herr Wacker?! Was Sie da von sich gegeben haben, ist im hoechsten Masse diskriminierend gegenueber jeder Frau ueber 35.
Miss Helga
http://misshelga.com
e.mazurek (27.10.2006, 21:43 Uhr)
peinlich
ich finde die art und weise, wie sich der autor vom kommentar: "ätzend" ausdrückt, einfach peinlich und gemein.ich bin
auch für meinungsfreiheit, aber wenn ich stern.de wäre, dann würde ich solche artikel per sofort löschen, da sie schlichtweg ohne irgend ein bisschen niveau und intelligenz sind.
so kommen wir ja auch nicht weiter im leben, oder?
madonna ist eine person, welche sich immer wieder für die schwächeren eingesetzt hat, und auch im land malavi; so denke ich, trägt sie noch einen beitrag dazu, wenn sie dieses kind adoptiert; es kann später viel bewegen für sein eigenes heimatland.
es ist noch nie einfach gewesen ein kind zu adoptieren, aber gerade madonna wird das als sehr starke persönlichkeit sicher so meistern, dass dieses kind eine positive zukunft hat. - abgesehen davon muss gesagt werden, dass wir alle grundsätzlich in einer nicht einfachen welt leben und lernen müssen allgemein toleranter zu sein.
grüsse e.mazurek
lukeserious (27.10.2006, 18:58 Uhr)
Unnötig
Kommentare wie das obrige sind einfach nur unnötig. Natürlich ist es nicht in Ordnung was Madonna da macht aber trotzdem zeugt eine solche Ausdrucksweiße von deutlich geringer Intelligenz. Besonders Sätze wie 'Die hat musikalisch eh noch nie was gebracht...' sind völlig unangebracht, da dies erstens nichts mit dem eigentlichen Thema zu tun hat und zweitens kompletter Unsinn ist. Madonna war eine der größten Pop-Sängerinnen überhaupt und ich denke keine Künstlerin kann es immoment mit der Madonna von damals aufnehmen. Genauso überflüssig ist es Michael Jackson mit einzubeziehen. Auch Michael Jackson war ein genialer Musiker und niemand weiss genau was an den Kindesmissbrauchs-Abschuldigungen gegen ihn dran ist. Vieleicht sollte man mal überlegen bevor man schreibt und nicht einfach solch asoziale Kommentare abgeben.
heiner5362 (27.10.2006, 17:45 Uhr)
Ätzend
Es werden Bedürftige zum Image-Polieren missbraucht.
Wer kümmert sich jetzt um die Kleinen, die genau daneben standen ?
Achso wer kauft eigentlich noch das was als Musik angeboten wird von der Schnalle ???
Alternder Porno- und Popstar gibt sich die Blöße sag ich nur.
Kann ja mit Michael Jackson einen Club aufmachen.
UND DAS IST MISSBRAUCH IN REINSTER FORM.
Hätte ich nichts zu essen und könnte mit meiner Familie gemeinsam verhungern würde ich meine Kinder immer noch verteidigen.
Für solch eine Millionenschlampe wäre nur ein gezielter Tritt in die Fresse das richtige.
Man kann die kleinen nämlich auch aufnehmen ohne das an die grosse Göcke zu hängen.
Alles Marketing Ami-like und dafür gehört den Verantwortlichen der Arsch gebraten.
Vor allem der Porno-Schlampe, die musikalisch noch nie was gebracht hat.
Die Hits haben andere geschrieben.
Geschäftemacherei auf Kosten Schutzbefohlener ist Kindesmissbrauch.
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