Herkömmliche Methoden, die in kritischen Umgebungen wie zum Beispiel in einer Ölraffinerie verwendet werden, basieren auf GSM-Scannern. (Anm.d. Red.: Global System for Mobile Communication wurde in Europa entwickelt und ist weitweit das am meisten genutzte Mobilfunksystem) Dabei wird Alarm geschlagen, sobald ein Mobiltelefon in der Umgebung einer Anlage entdeckt wird. Im Fall der GPS-Bombe kann die GSM-Einheit deaktiviert werden und ist somit für die GSM-Scanner nicht detektierbar. Die Herausforderung ist nicht so trivial wie es manchem scheint, da insbesondere der Aufbau von Störsendern direkten Einfluss auf die reguläre Zivilnutzung hat und somit ein Einsatz zum Beispiel an Flughäfen sehr gefährlich ist.
Radikal-islamistische Zeichnungen ohne Sprechblasen, auf denen fertige Sprengstoffgürtel von kindlichen Körpern getragen werden und die mit Links zu Bombenbauanleitungen verknüpft wurden, zeigen auf, welche unverantwortbaren Folgen durch frei zugängliche Sprengstoff- und Bombenbauanleitungen im Internet entstehen. Im Fall der GPS-Bombe bestehen bereits Foreneinträge, von denen abzuleiten ist, dass die Technologie bereits per Internet in Krisengebiete gelangt ist. Somit kann auch ein unmittelbarer Terroranschlag mit einer oder mehreren GPS-Bomben nicht ausgeschossen werden.
Vor meinem Vortrag auf dem diesjährigen Europäischen Polizeikongress hat sich Gilles der Kerchove, oberster Terrorismus-Koordinator bei der Europäischen Union, ausführlich über unsere Erkenntnisse und Einschätzung informiert. In meinem Vortrag habe ich die Gefahr anschließend kurz vorgestellt, da bereits eine ausreichende Anzahl von abstrakten Terrorwarnungen existieren. Ich halte es für dringend erforderlich, dass die breite Öffentlichkeit über neue Terrorgefahren informiert wird, da ansonsten die Maßnahmen zur Verbesserung der Inneren Sicherheit nicht nachvollzogen werden können. In der anschließenden Diskussionsrunde unter anderem mit August Hanning, Staatssekretär des Inneren, einem Repräsentanten von Interpol bei der Europäischen Union und dem Executive Director bei Europol, informierte Gilles der Kerchove, dass der elektronische Nachrichtenaustausch und die gemeinsame Nutzung von Daten im Argen liegt und es häufig so abläuft, dass man von einem Attentat oder Anschlagsversuch erst durch die Medien erfährt und dann einen Kollegen in dem betreffenden Land anrufen muss, um sich zu informieren.
Was müsste getan werden? Als erstes müssen die bisherigen Verbreitungen der GPS-Bomben-Technologie und der beteiligten Personen im In- und Ausland vollständig aufgeklärt werden. Zeitgleich müssen bestehende Foren und diesbezügliche Download-Quellen aus dem Internet genommen werden. Die rechtliche Grundlage hierzu wird derzeit geprüft, da in Deutschland das Einstellen von Sprengstoff- und Bombenbauanleitungen noch immer nicht explizit verboten ist. Das Bundesjustizministerium ist seit nunmehr fünf Jahren nicht im Stande, eine eindeutige Gesetzeslage zur Strafbarkeit von Veröffentlichungen und zum Bezug von Sprengstoff- und Bombenbauanleitungen einzubringen. Insbesondere dem Bundeskriminalamt ist durch diese Fehlentwicklung die Handlungsfähigkeit in der Verfolgung der Sprengstoff- und Bombenbauanleitungen im Internet genommen. Wird Ihre Warnung unmittelbar Logistikabläufe verändern? Die Warnung sicherlich nicht, der erste Anschlag mit einer GPS-Bombe in Europa wird jedoch ganz sicher zu Veränderungen in der Logistik führen. Ich gehe davon aus, dass im Anschluss eine Paketannahme ohne die Vorlage eines Personalausweises nicht mehr möglich sein wird. Weiter werden neuartige Schutzmechanismen besonders gefährdete Objekte und den Paketverkehr im Inland überwachen.