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29. März 2007, 15:00 Uhr

"Keine Prothese kann mein Bein ersetzen"

Landstuhl, Militärkrankenhaus, US-Armee, Irak

Patriotismus und Stolz sind im Krankenhaus in Landstuhl überall sichtbar© Dirk Claus/stern.de

Dienen, Stolz, Ehre. Worte, die im Krankenhaus von Landstuhl oft fallen. Das Militär ist der wohl patriotischste Teil des wahrscheinlich patriotischsten Volks der Welt. Und in Landstuhl kann sich der Vaterlandsliebe niemand entziehen. An der Wand vor der Cafeteria hängen Bilder von mit der "Medal of Honor" ausgezeichneten Soldaten, der höchsten Ehrenmedaille der amerikanischen Streitkräfte. Sie dienten in den Indianerkriegen, dem Bürgerkrieg oder den beiden Weltkriegen - den großen Schlachten der US-Armee. Auch zwei Irak-Veteranen wurde sie schon verliehen. Posthum. Damit hier niemand vergisst, wer der Chef ist, sind überall im Haus verteilt Tafeln mit der "Chain of Command", der Befehlskette, angebracht. Neben den Fotos einiger Generäle, dem Chef des Krankenhauses und dem Verteidigungsminister hängt dort auch ein etwas älteres Bild des Oberbefehlshabers, Präsident George W. Bush. Er grinst.

Corporal Parker weiß nicht, ob er grinsen oder weinen soll. Er tut beides. Ja, sagt er, er freue sich auf Zuhause. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht. Seit August 2006 war er im Irak. Nun wartet ein kleiner fünfjähriger Junge in der Hauptstadt Washington D.C. auf seinen Papa. "Meine Familie war einfach nur froh, dass ich lebe. Sie haben gesagt, dass sie für mich sorgen, egal, in wie vielen Stücken ich heimkomme."

Der schlaksige Soldat mit den kurzen, schwarzen Haaren erzählt all dies mit fester Stimme. Parker ist stolz, in der ruhmreichen 82nd Airborne Division zu dienen. "Das ist mein Beruf. Das ist wie eine Ehe." Deshalb hat er kein Verständnis für jene Leute in der Heimat, die die Soldaten, aber nicht den Krieg unterstützen. Er erlaubt sich nicht, die Sinnhaftigkeit des Krieges zu hinterfragen. Dies sei die Aufgabe der Politik. Nicht seine. Er denkt vielmehr an den toten Mitfahrer vom Schreckenstag in Tikrit. Zum ersten Mal bricht seine Stimme: "Ich habe einen Kameraden verloren." Tränen steigen ihm in die Augen. Und fast ebenso schlimm sei es, dass er seine Einheit nun nicht mehr im Kampf gegen die Aufständischen unterstützen kann. "Ich habe das Gefühl, dass ich meinen Job nicht zu Ende gebracht habe und nun meine Jungs zurücklasse."

Verletzte Soldaten wollen zurück in den Kampf

Dieses Corpsdenken ist den meisten verwundeten Soldaten gemein. Kaum wachen sie aus der Narkose auf, kaum haben sie realisiert, dass sie noch am Leben sind, gilt der erste Gedanke den Kameraden auf dem Schlachtfeld. "Selbst die schlimmsten Verletzungen sehen die Soldaten als Herausforderung an, die sie meistern müssen. Größere Probleme bereitet ihnen oft, dass sie ihrer Einheit nicht mehr helfen können." Der Mann, der dies sagt, muss es wissen. Gary Southwell ist ein schlachtfelderprobter Psychiater, kommt gerade aus dem Irak zurück. Er hat sich schon nach dem Golfkrieg 1991 um die geschundenen Seelen der Soldaten gekümmert. Doch damals war der Einsatz im Irak kurz, heute dagegen besteht der langwierige Krieg aus unzähligen aufreibenden brutalen Schlachten. Das hat auch seine Arbeit verändert, sagt der 57-Jährige Southwell. Es gab 1991 nicht annähernd so viele Soldaten mit psychischen Problemen. "Jetzt haben wir sehr viele Patienten, die unter Gefechtsstress leiden. Zudem entwickeln rund 20 Prozent posttraumatische Symptome. Die Soldaten leiden unter Albträumen, nur das kleinste Geräusch schreckt sie auf und erinnert sie an die Bomben und Schießereien des Krieges."

Landstuhl, Militärkrankenhaus, US-Armee, Irak

Chrirug George Smith arbeitet seit einigen Monaten in der Intensivstation© Dirk Claus/stern.de

In dem weitverzweigten Labyrinth des Krankenhauses in Landstuhl herrscht dagegen eine fast unwirkliche Ruhe. Keine schreienden Kinder, keine hektisch durch die Gänge eilenden Ärzte, keine lautstark diskutierenden Angehörige. Etwas Leben herrscht im Krankenhaus-Burger-King - bitte nur mit Dollars bezahlen. Hier scheint die Heimat zum Greifen nah. Es riecht nicht mehr nach Hospital, sondern nach Grillparty. "Die Soldaten sind froh, endlich wieder Burger zu genießen. Sie bestellen oft vier große auf einmal", sagt Verkäuferin Catherine. Und tatsächlich. An einem Tisch sitzt ein Soldat in grauem Trainingsanzug, "Army" steht auf seinem Rücken. Herzhaft beißt er in seinen Fleischberg mit Brot, an den Tisch hat er seine Krücken gelehnt.

Jeder hat ein Lächeln auf den Lippen

Trotz der schrecklichen Verletzungen herrscht keine Grabesstimmung in Landstuhl. Jeder hat ein Lächeln auf den Lippen. Man begegnet sich mit viel Respekt. Hier ist jeder wichtig: ob Schwester, Verwaltungsangestellter - oder der Arzt auf der Intensivstation. Einer von ihnen ist George Smith. Die buschigen Augenbrauen stellen einen starken Kontrast zu seiner spiegelglatten Glatze dar. Selbstbewusst spricht er, mit fester, lauter Stimme.

Smith ist Traumachirurg auf der Intensivstation, dem Herzstück des Krankenhauses. In Friedenszeiten werden hier drei Patienten pro Tag eingeliefert, nun neun. Doch wo sonst vor allem Herzinfarkte behandelt werden, liegen jetzt Soldaten mit Mehrfachamputationen oder mit bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Körpern auf den Operationstischen. Deshalb muss auch ein Reservist wie der 43-jährige Smith aus Texas Dienst tun.

So wie bei allen, mit denen man hier in Landstuhl spricht, sprudelt aus dem Arzt der Stolz über seinen Job. Mit Recht. Schließlich sind er und seine Kollegen mitverantwortlich dafür, dass nur noch jeder 16. Verletzte stirbt. In Vietnam überlebte nur jeder vierte. Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass täglich schwer verletzte Soldaten eingeliefert werden, die oft so jung sind, dass sie in der Heimat noch nicht mal Alkohol trinken dürfen. Chirurg Smith arbeitet zwar erst seit August 2006 im LMRC, doch "ich werde es überdrüssig, ständig diese schrecklich verwundeten jungen Leute zu sehen. Das geht nicht spurlos an mir vorbei". Der erfahrene Arzt spricht nun langsam und nachdenklich. "Aber ich muss mich darauf konzentrieren, meinen Job zu machen. Denn unsere Arbeit ist sehr einfach im Gegensatz zu dem der Soldaten."

Für Corporal Parker geht es bald nach Hause. Wie die meisten Patienten bleibt er nur wenige Tage in Landstuhl. Nun wartet monatelange Reha auf ihn. Der Soldat spricht sich selbst Mut zu. Sein bester Freund sei Physiotherapeut, der werde ihm schon helfen. Zudem gebe es im Walter-Reed-Krankenhaus bei Washington ein sehr gutes Amputationsprogramm. Angst vor den angeblich so katastrophalen sanitären Verhältnissen dort hat er nicht. Wie sollte er auch, schließlich ist er gerade der Hölle Irak entkommen. Doch langsam scheint auch dem mutigen Soldaten zu dämmern, dass der Einsatz in Tikrit sein Leben verändern wird. "Dass mein Bein amputiert wurde, verwirrt mich sehr. Keine Prothese kann es je ersetzen." Wie um den Makel zu verdecken, legt er eine überdimensionale, von seinen Kameraden unterschriebene Flagge seiner Einheit über die schneeweiße Krankenhausdecke.

Von Malte Arnsperger, Landstuhl
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KOMMENTARE (3 von 3)
 
042020 (01.04.2007, 16:35 Uhr)
heiner5362
heiner, glaube es ist zeit das du
zu einem idioten krankenhaus gehst ?
heiner5362 (31.03.2007, 19:41 Uhr)
deumerikanisch
das war keine übersetzung, sondern ein statement der besseren art, wie für den "präses" Bush geschrieben.
die armen schweine, denen jetzt diverse körperteile fehlen, abgesehen vom trauma des schreckens, können sich bei der ami-oberpfeife und seinen erfüllungsgehilfen (halliburton+co)bedanken.
wäre ich an deren stelle wüsste ich was zu tun ist solang ich lebe und von einem zum anderen ort komme auch wenns im rollstuhl ist.
dank an die NRA im vorfeld und möge mal ein beherzter abdrücken.
so schwer kann das doch nicht sein.
yudanaz (30.03.2007, 23:09 Uhr)
Kanonenfutter
Es ist ungaublich traurig wie diese Menschen für einen unsinnigen und ummenschlichen Krieg geopfert wurden, der ein Land zerstört und in komplettes Chaos gestürzt hat.
Herrlich fiese Ironie Mr Mitläufer. Wieso auf derart seltsamen Translator-Deutsch?
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