Am vergangenen Wochenende geht Eva Schöller ins Fitnessstudio, das hilft ihr gegen den inneren Druck. Zuhause diskutiert sie mit ihrem älteren Sohn. Der studiert Betriebswirtschaft und sagt: "Mama, das mit Quelle wird nichts mehr. Schau lieber mal in die Stellenanzeigen."
Eva Schöller will es aber nicht glauben. Auch nicht, als am Montag im Intranet erste Gerüchte über die bevorstehende Pleite auftauchen. Am Dienstag um 8.30 Uhr geht Eva Schöller zur Arbeit. Sie ahnt nichts. Ein Journalist wartet vor dem Quelle-Gebäude und fragt: "Wie fühlen Sie sich jetzt, da Quelle pleite ist?"
Eva Schöller fühlt sich - leer. Nach 32 Jahren steht sie vor dem Nichts. Sie ist mit 51 Jahren wohl zu alt, um auf dem Arbeitsmarkt eine Chance zu haben. Zudem hat sie keine Ausbildung und kennt nur einen einzigen Betrieb: Quelle. Sie blickt schweigend in den Himmel über dem Quelle-Komplex. Dann sprudelt es aus ihr heraus. "Ich weiß wirklich nicht, was aus mir werden soll. Ich habe Zukunftsangst, ich bin so unsicher. Ich habe mir doch so viel aufgebaut, und jetzt ist alles kaputt."
Wann genau sie arbeitslos sein wird, weiß Eva Schöller noch nicht. Doch wahrscheinlich wird sie zu den Ersten gehören. Einkäufer braucht jetzt bei Quelle keiner mehr. In eineinhalb Wochen dürfte Schluss sein, fürchtet sie. In den Betrieb will sie trotzdem jeden Tag gehen. Schließlich komme das Arbeitsamt ja sogar in den Betrieb, hat sie auf der Betriebsversammlung erfahren. "Der Gang zum Arbeitsamt bleibt mir also erspart. Welch ein Privileg!"
Eva Schöller will auf jeden Fall wieder einen Job. "Ich bin zu stolz, um von Hartz IV zu leben", sagt sie. "Wenn es sein muss, dann gehe ich auch putzen, um meine Söhne weiter zu unterstützen. Wenigstens die sollen eine gute Ausbildung bekommen." Ihr ältester Sohn will mit der Mutter Bewerbungen schreiben. So etwas hat Eva Schöller noch nie gemacht. Warum auch? Sie war doch bei Quelle.
*Name von der Redaktion geändert