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21. Oktober 2009, 12:16 Uhr

Die große Leere nach der Pleite

Nachricht von der Pleite durch einen Journalisten erfahren

Am vergangenen Wochenende geht Eva Schöller ins Fitnessstudio, das hilft ihr gegen den inneren Druck. Zuhause diskutiert sie mit ihrem älteren Sohn. Der studiert Betriebswirtschaft und sagt: "Mama, das mit Quelle wird nichts mehr. Schau lieber mal in die Stellenanzeigen."

Eva Schöller will es aber nicht glauben. Auch nicht, als am Montag im Intranet erste Gerüchte über die bevorstehende Pleite auftauchen. Am Dienstag um 8.30 Uhr geht Eva Schöller zur Arbeit. Sie ahnt nichts. Ein Journalist wartet vor dem Quelle-Gebäude und fragt: "Wie fühlen Sie sich jetzt, da Quelle pleite ist?"

Eva Schöller fühlt sich - leer. Nach 32 Jahren steht sie vor dem Nichts. Sie ist mit 51 Jahren wohl zu alt, um auf dem Arbeitsmarkt eine Chance zu haben. Zudem hat sie keine Ausbildung und kennt nur einen einzigen Betrieb: Quelle. Sie blickt schweigend in den Himmel über dem Quelle-Komplex. Dann sprudelt es aus ihr heraus. "Ich weiß wirklich nicht, was aus mir werden soll. Ich habe Zukunftsangst, ich bin so unsicher. Ich habe mir doch so viel aufgebaut, und jetzt ist alles kaputt."

Wann genau sie arbeitslos sein wird, weiß Eva Schöller noch nicht. Doch wahrscheinlich wird sie zu den Ersten gehören. Einkäufer braucht jetzt bei Quelle keiner mehr. In eineinhalb Wochen dürfte Schluss sein, fürchtet sie. In den Betrieb will sie trotzdem jeden Tag gehen. Schließlich komme das Arbeitsamt ja sogar in den Betrieb, hat sie auf der Betriebsversammlung erfahren. "Der Gang zum Arbeitsamt bleibt mir also erspart. Welch ein Privileg!"

Eva Schöller will auf jeden Fall wieder einen Job. "Ich bin zu stolz, um von Hartz IV zu leben", sagt sie. "Wenn es sein muss, dann gehe ich auch putzen, um meine Söhne weiter zu unterstützen. Wenigstens die sollen eine gute Ausbildung bekommen." Ihr ältester Sohn will mit der Mutter Bewerbungen schreiben. So etwas hat Eva Schöller noch nie gemacht. Warum auch? Sie war doch bei Quelle.

*Name von der Redaktion geändert

Von Malte Arnsperger
Seite 1: Die große Leere nach der Pleite
Seite 2: Nachricht von der Pleite durch einen Journalisten erfahren
 
 
KOMMENTARE (10 von 26)
 
Corazito3333 (22.10.2009, 23:36 Uhr)
dem kann ich nur zustimmen
East (21.10.2009, 18:19 Uhr)
@Tempelhofer
Ich habe keinen Hass ich weise nur daraufhin, dass es mittlerweile ein erhebliches Ungleichgewicht in diesem Land gibt. Arbeitnehmer sind völlig schutzlos dem Kapital ausgeliefert, die "Elite" kann sich leisten was sie will. Baut ein Manager Mist kriegt er einen neuen Job und eine fette Abfindung. Risiken werden der Allgemeinheit aufgebürdet und Gewinne privatisiert. Schade nur das es genügend dumme Leute wie Sie gibt die das nicht vertstehen. Aber vieleicht sind sie gar nicht dumm sondern einer der Schmarotzer die von diesem System profitieren.
starmax (22.10.2009, 16:05 Uhr)
Rührend
Management versagt - Quelle versiegt.
Ein ganz normaler Vorgang, Unternehmen werden gegründet, großgemacht - und in der 3. Generation mangels Anpassungsfähigkeit in die Grütze gefahren. Da kommen noch mehr, das Zinseszins-Schneeballsystem frißt jetzt mangels Nachschuldner von der Substanz.
Wehe den Schuldnern!
Nursery (21.10.2009, 20:26 Uhr)
Wieder ein Handelsgigant weniger
Die Insolvenzrolle katapultiert immer größere Unternehmen aus dem Markt.Ich frage mich was mit den Mitarbeitern wird ?Hart IV läßt grüssen.Für den Insolvenzverwalter sicher ein Millionen Geschäft.Mir wird schlecht dabei wie Tausende Menschen für die Unfähigkeit ganzer Managerhorden den Laden gegen die Wand fahren.Nur eines muß einem jetzt Klar werden solche Jobs gut abgesichert und vernünftig bezahlt ,wird man lange suchen müssen. Eher ein Fall für ein Prekäres Arbeitsverhältnisse.Aber jetzt wird sicher alles Gut, wir haben ja eine Neue Regierung und die wird sicher ihren Beitrag zum Abschwung leisten.
herrfreitag (21.10.2009, 20:02 Uhr)
fazit
wenn quelle dichmacht ist es gut für die umwelt.
Sternchen2020 (21.10.2009, 19:46 Uhr)
E sist noch nicht lange her,
da war es normal, das sich Menschen von unten nach oben arbeiten konnten. Deutschland hat einem solchen (gesunden) Prozedere unermesslichen Reichtum zu verdanken. Service und Waren waren zudem erstklassig und die Preise legitim und im Rahmen.

Heute zählen nur noch Masterabschlüssse mit summa cum laude, maßgefertigte Nadelstrweifanzüge, Handy am Ohr, klugscheißerische Sprüche und Renditen von 25 Prozent und möglichst noch mehr.

So gemanagt, wurden inzwischen alle Traditionsbetriebe abgewickelt und es konnte sich eine Finanz- und Wirtschaftskrise etablieren, bei der "normalen" Menschen die Luft weg bleibt. Und jene, die die meiste kriminelle Energie entwickeln, erhalten als Belohung die höchsten Subventionen.

All dies wird mit dem Wort "Globalisierung" gerechtfertigt, auch wenn es gar nicht stimmt. Hört sich halt gut und modern an.

Schauen wir mal, wie lange so eine Scheinwelt gutgehen wird. Irgendwann ist nicht mehr nur bei Quelle & Co Ausverkauf. Dann steht das ganze Land zur Disposition.

Crossbow (21.10.2009, 19:33 Uhr)
Es ist schon erstaunlich...
...wenn Quelle oder demnächst Opel zumacht erbebt die Republik, aber als vor 3 Jahren ein großer Versicherer hier die Filiale mit 600 Leuten trotz schwarzer Zahlen! dichtgemacht hat, da hat kein Hahn danach gekräht. Wir standen auf der Straße und mussten sehen wo wir blieben.
Halodri73 (21.10.2009, 18:54 Uhr)
Tja, schlimmer Fall von Dummen Chefs!
Frau Schickedanz selbst hat ja leider stets die Führung Ihre sUnternehmens Männern überlassen, deren (einziger?) Qualifikationsnachweis eine Heirat mit ihr war.
Selbst Schuld! Da hätte sie sich vielleicht mal ein bißchen mit Wirtschaft befassen sollen.

Leidtragende sind vor allem die Mitarbeiter.

Aber das ist nun einmal der Wettbewerb, andere Händler von Konsumgütern haben die Anpassung geschafft und überleben. Quelle nicht. Damit muss man leben.

Es kräht ja auch niemand mehr nach Deutschen Werften, oder??
Asiat (21.10.2009, 18:41 Uhr)
@screne
Ich habe Sie nicht kritisiert, sondern nur versucht zu erklaeren, dass ein Disponentenjob und Weiterbildung zusammengehoeren.
Den "BWL-Sesselpupser" nehmen Sie aber bitte zurueck....
East (21.10.2009, 18:19 Uhr)
@Tempelhofer
Ich habe keinen Hass ich weise nur daraufhin, dass es mittlerweile ein erhebliches Ungleichgewicht in diesem Land gibt. Arbeitnehmer sind völlig schutzlos dem Kapital ausgeliefert, die "Elite" kann sich leisten was sie will. Baut ein Manager Mist kriegt er einen neuen Job und eine fette Abfindung. Risiken werden der Allgemeinheit aufgebürdet und Gewinne privatisiert. Schade nur das es genügend dumme Leute wie Sie gibt die das nicht vertstehen. Aber vieleicht sind sie gar nicht dumm sondern einer der Schmarotzer die von diesem System profitieren.
screne (21.10.2009, 18:17 Uhr)
@an alle, die mich kritisieren
MIr kann NIEMAND erzählen, die Frau hätte in 32 Jahren nicht einmal Zeit gehabt, sich weiterzubilden. Gerade wenn man nur einen Hauptschulabschluss hat und einen Job macht, der normalerweise BWL-Sesselpupsern vorbehalten ist, muss man von selbst doch darauf kommen, dass das irgendwann mal nützlich sein könnte.

Und wenn Quelle so ein toller Arbeitgeber war, hätte das erst recht kein Problem sein dürfen.

Wie oft... WIE OFT habe ich schon von Leuten gehört, die 20-30 Jahre lang einen Job gemacht haben, sich NIE weitergebildet haben und dann vor die Tür gesetzt wurden, weil sie zu alt sind und das Pech hatten, in einem schlechten Unternehmen zu arbeiten oder einen Juppie-Vorgesetzten bekommen zu haben. Das allein ist ja schon schlimm genug. Sie haben sich Jahrzehnte lang von jüngeren, nicht unbedingt erfahreneren, aber besser qualifizierten Arbeitnehmern überholen lassen und irgendwann bleiben sie dann auf der Strecke und wundern sich. Weiterbilden muss man sich. Damit es, wenn man entlassen wird, mehr Möglichkeiten gibt, einen neuen Job zu finden oder selbst etwas zu starten.
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