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8. März 2009, 10:06 Uhr

Zum Schießen

Wildschwein, Klimawandel, Jäger, Forstamt, Wildsauen, Förster, jagen, schießen

In Michelberg bei Hirschhorn (Baden-Württemberg) hat ein Jäger ein Wildschwein zur Strecke gebracht und bricht es auf© Caroline Wadenka/DDP

Wie viele Wildschweine es in Deutschland gibt, weiß niemand. Schätzungen gehen von mehr als einer Million Tiere aus. Die Bundesrepublik, so schrieb die "Deutsche Jagd-Zeitung", sei das schwarzwildreichste Land Europas. Fasst man die Erklärungen von Wissenschaft, Politik und Jagd zusammen, dann ist der Klimawandel schuld daran. In den milden Wintern sterben weniger Frischlinge. Und Eichen und Buchen produzieren vermehrt Samen - fast jedes Jahr schon, und nicht wie früher, alle zehn. Ihre Samen sind die Lieblingsnahrung der Sauen.

Leckereien direkt vor dem Rüssel

Wenn es keine Eicheln gibt, geht die Sau aus dem Wald und frisst Maiskolben. Jenen Rohstoff für Biogasanlagen, mit dem Deutschland zugepflanzt wird. Fünf Prozent der gesamten Republik sind mit Mais besät. Seit 1960 ist die Anbaufläche um das 33-Fache gestiegen. In elf Tagen kann eine Saufamilie vier Hektar plattmachen, dass kein Halm mehr steht. Und sind sie einmal drin, gehen sie nicht mehr raus.

Michael Ballmann-Zenz kann von seinem Wohnzimmer die Maisfelder sehen, in denen die Sorten Agro Gas 280 und Kabans K 260 angebaut werden. Schwere Lkws bringen die Ernte in die Nachbardörfer, zu den ein Dutzend Biogasanlagen. Dort gärt gehäckselter Mais in hausgroßen Silos, setzt Gas frei, das dann in Turbinen in Strom umgewandelt wird. Ballmann-Zenz sieht aber auch die brachliegenden Weinberge, die zuwuchern. Jahrelang haben die Winzer an der Mosel für das schnelle Geld auf Billigwein gesetzt und auf sauren Wiesen Reben gepflanzt. Der Fusel verkauft sich seit Jahren schlecht, die Winzer setzen wieder auf Qualität, und die Weingärten liegen brach. Sie wachsen zu mit allem, was im Biologiebuch steht, besonders mit Brombeeren und Holundergehölzen; das mögen die Schweine.

Doch je enger die Tiere zusammenleben, desto eher kommt es zum Ausbruch von Seuchen. Besonders gefährlich ist die Schweinepest. Theoretisch reicht eine infizierte Scheibe Salami: in Rumänien gekauft, an der A 7 weggeworfen und von der Sau gefressen. Das Virus bleibt lange am Leben, kann die Tiere töten und überträgt sich rasend schnell auf Hausschweine. Für den Ernstfall hat die EU bereits "paramilitärische Pläne in der Schublade", wie ein Wildbiologe weiß: "Dann wird getötet, flächendeckend." Bislang blieb der Ernstfall zum Glück aus.

Die "Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands" fordert schon seit Längerem die Antibabypille für Wildschweine. Die Wissenschaftler am Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung arbeiten an einem Mittel, das die Tiere chemisch sterilisiert. Jäger, Wildbiologen und Politiker lehnen dies aber ab. Das sei ein "unkalkulierbares Risiko", sagt Andreas Leppmann vom Jagdschutzverband.

Antibabypille für die Sau

Inzwischen hat die Diskussion um die Pille auch Osann-Monzel erreicht. Die Leute, die im Dorf was zu sagen haben, sind sich einig, dass die Jäger allein dem Wildschwein nicht Herr werden. Auch Gerd Fritzen, 57, ist für die Pille. In der Gemeinde ist er für die Jagd verantwortlich, Tag und Nacht sei er mit seinen Kameraden draußen gewesen. An einem Tag holten sie mal 68 Sauen aus dem Wald, "das ist kein Hobby mehr". Neulich trieben seine Hunde ein Wildschwein auf einen Felsvorsprung. Das Tier habe kurz durchgeatmet und sei plötzlich in die Mosel gesprungen, "wie vom Zehnmeterbrett".

Früher hatte das Wildschwein noch den Bären, den Luchs und den Wolf als Feind. Heute sind seine einzigen natürlichen Feinde der Jäger und das Auto. Jedes 20. Wildschwein wird von einem Autofahrer erlegt, im vergangenen Jahr waren es 23.500 Stück. Prallt ein Wagen mit 50 Stundenkilometern gegen eine 80 Kilogramm schwere Sau, wird aus der Sau ein zwei Tonnen schweres Hindernis und aus dem Wagen ein Totalschaden. Deshalb stehen an Autobahnen Wildzäune, und auch Bauern und Kleingärtner spannen ihre Gemarkung ein. Doch ob das bisschen Draht eine Wildsau aufhalten kann, bezweifelt Wolfgang Keck, Jäger im Pfälzer Wald. In der Zeit des Kalten Kriegs arbeitete er in der Nähe von Fischbach bei Dahn, an der Grenze zum Elsass. Dort hatte die US-Armee eine Kaserne. "Es gab immer mal wieder Vermutungen, dass es dort Giftgas gab oder so was", sagt Keck. Das 600 Hektar große Areal war mit Stacheldraht, Maschendraht, Stahl und Beton gesichert. "Ich weiß, dass die Army ein Problem mit Sauen hatte", sagt der Jäger. Die Tiere hätten immer die schwächste Stelle im Zaun gefunden. "Wenn eine Sau irgendwo reinwill, dann kommt sie rein."

Michael Ballmann-Zenz, der Winzer aus Osann-Monzel, hat sich nun für 1000 Euro einen Elektrozaun gekauft. Er ist dreifach gespannt, im Kabel fließt eine Spannung von 8000 Volt, den Strom dafür liefert eine Lkw-Batterie. Er sehe darin die letzte Chance, die Sauen loszuwerden. Ein Jäger im Dorf erzählte ihm, dass er im vergangenen Sommer gesehen habe, wie eine Sau, geschätzte 90 Kilogramm schwer, an einen Elektrozaun ging, schnüffelte und zuckte. Dann sei das Tier 20 Meter zurückgegangen, habe Anlauf genommen und sei mit Geheul losgerannt. "Das ging mit Zunder", sagte der Jäger. "Die ging da rein in den Zaun mit einem Tonnenschub. Das war wie eine Explosion." Die Sau kam durch.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 10/2009

Von Gerald Drissner
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KOMMENTARE (10 von 16)
 
arniston (09.03.2009, 05:40 Uhr)
berlin,
man tut nix,
die w-schweine gehen nicht in den park, sondern geniessen es den bürgersteig neu zu ordnen
siehe 14055 berlin sensburgerallee, kolbe-hain.
,,bild ,,war noch nicht vor ort. die kraft mit der diese hier ,,arbeiten,, ist beängstigend,,....
Monika08 (09.03.2009, 00:14 Uhr)
Nur mal so am Rande angemerkt.....
Es heißt, Leser-Kommentare zum Artikel und nicht Leser-Kommentare zu Leser-Kommentare.
FloM1 (08.03.2009, 23:08 Uhr)
Nur Bla Bla
@monika08 toll der schöne Webspace... nur allg. Bla bla gegen Jäger. Wo ist den jetzt ihr Lösungsvorschlag?Da sie ja zum einen den Jagdscheinkurs besucht sowie Biologie an der Uni studiert haben - klären Sie uns auf!!
@stwBerlin: So einfach ist es...
Monika08 (08.03.2009, 21:58 Uhr)
Wildschweinpest und Luderplätze
Für die Wildschweinpest sind ebenfalls auch Jäger mitverantwortlich. Diese legen sogenannte "Luderplätze" an.
Dies ist ein vom Jäger absichtlich angelegter Futterplatz für Haarraubwild. Es werden Innereien wie Nieren, Herz oder Leber als Köder verwendet aber leider oftmals auch verdorbene Lebensmittel, sprich Küchenabfälle oder Essensreste, die die Schweinepest auslösen.
Monika08 (08.03.2009, 20:56 Uhr)
Ursache bekämpfen
Intelligente Menschen bekämpfen nicht wieder und wieder Synthome wie z.b. Überpopulation von Wildschweinen, sie gehen der Ursache auf den Grund! Jäger bezeichnen sich doch gerne als Tier- Naturschützer und sollten sich auch dementsprechend verhalten!! Tiere abzuknallen ist zweifelsfrei für Jäger/ Hobbyjäger interessanter und lukrativer . Schließlich wollen sie ihr blutiges Hobby auch weiterhin ausüben. Für die Rechtfertigung ihres blutigen Hobbys erfinden sie wieder und wieder neue „angebliche“ Gründe. Ich kann an einer Hand nicht mehr abzählen, wie viele dieser „angeblichen“ Gründe bislang herhalten mußten, um beispielsweise Füchse das ganze Jahr über gnadenlos verfolgen, toten zu können. Hauptsache sie können Tiere erschießen, in Fallen fangen, erschlagen, mit Hunden angeschossenes, schwer verletztes Wild zu Tode hetzen. Oftmals werden schwer verletzte Tiere nicht sofort gesucht, oftmals werden sie nicht einmal gefunden, verenden elendig! Die Jagdausbildung behandelt zum größten Teil die Thematik Waffenkunde und wie man das Wild fachgerecht zerlegt. Über die Biologie, das Verhalten der Tiere werden nur Grundkenntnisse vermittelt. Mit diesem „Wissen“ würden sie nicht einmal das erste halbe Semster Biologie an der Uni überstehen! Das die Jägerschaft selbst für diese Überpopulation mitverantworlich ist, wird gerne unter den Tisch gekehrt, der Öffentlichkeit wissentich verschwiegen. In vielen Orten werden Wildschweine das ganze Jahr über angefüttert (Kirrung). Dadurch kommen auch schwache Tiere über den Winter, die natürliche Auslese kann dank der freundlichen Unterstützung der Jäger nicht erfolgen! Während der Jagd wird oftmal die Leitbache erschossen, was wiederrum verheerende Folgen für die Rotte hat! Durch das Fehlen der Leitbache kommt es dazu, dass die übrigen Bachen mehrmals im Jahr frischen. Die Leitbache kontrolliert wer sich fortpflanzen darf und wann dies geschieht (Rauschsyncronität). Durch den Verlust der Leitbache fehlt nun genau dieser Kontrollmechanismus innerhalb der Rotte. Nicht zu vergessen die sogenannte „Herodes-Prämien“ auf erlegte Frischlinge. Aus Angst um ihre Art frischen die Bachen mehrmals im Jahr.
Groteskerweise wird diese Tatsache nicht einmal abgestritten, sondern in der einschlägigen Literatur ausführlich beschrieben !
Sebi89 (08.03.2009, 20:55 Uhr)
Munition
@ Nostradamus
Polizisten verwenden, im Gegensatz zu Jägern, Vollmantelgeschosse. Mit diesen kann man einem Verbrecher zum Beispiel in die Schulter schießen, ohne ihn zu töten.
Jäger hingegen verwenden Teilmantelgeschosse, die im Körper zersplittern und praktisch immer Tödlich sind.
Wildschweine halten deutlich mehr aus als ein Mensch, sodass sie mit Vollmantelgeschossen nur schwer zu toten sind. Daher die vielen Schüsse.
Eisenbaer (08.03.2009, 20:35 Uhr)
@Nostradamus - Selbstverteidigung -
Kramen Sie mal Ihren männlichen Stolz wieder beiseite und vergessen Sie aufplustern und dicken Knüppel. Greifen Sie lieber zum Pfefferspray und vernebeln Sie dem Tierchen Augen und Nase mit dem Zeugs. Erstens müssen Sie dabei das Ungeheuer nicht so nahe an sich herankommen lassen, zweitens kann es nichts mehr sehen und, mindestens genau so wichtig, auch nichts mehr riechen. Das Zeug hat sich im Übrigen auch schon in den USA bei Angriffen von Bären bewährt.
Karinka (08.03.2009, 18:19 Uhr)
Zum Schießen?
Wildschweine erkennen Jäger! Das ist kein Jägerlatein. Mit ihrer hervorragend guten Nase riechen sie vermutlich auf eine Entfernung von Kilometern, Blut und Schweiß und Angst und Gier. Alles Gerüche, die wohl immer in eines Waidmanns Lodenjoppe hängen bleiben.
Dass Wildschweine zunehmend die Städte „heimsuchen“, wo sie nicht mit allen Mitteln bekämpft werden, wo das Nahrungsangebot vielseitig ist und wo es noch Zweibeiner gibt, die ihnen mit Respekt und Toleranz begegnet - wer will ihnen das verdenken? Wilde Schweine sind Menschen sehr ähnlich. Sie haben es gerne bequem und sicher. Und vielleicht lernen die schlauen Vierbeiner auch noch, was manche Zweibeiner nie lernen: gutes Benehmen.
stwberlin (08.03.2009, 17:55 Uhr)
Lecker
Ich esse sehr gerne Wildschwein.
Also geht mal ordentlich auf die Jagd ! Wenn die Natur solch leckere Nahrung in so grossen Mengen bietet, sollte man sich derer auch bedienen.
Nostradamus (08.03.2009, 17:12 Uhr)
@Maria1000: ???
Da sich die Zahl der Menschen vergrößert und auch Du das nicht verhindern kannst und falsche Umweltschutz eher dazu führt, dass die Menschen ihre Ortschaften ganz verlieren um im Wald im Zelt zu leben ist die bisherige Situation für die Tiere eher gut.
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Wenn die Ökos als sie an der Macht waren alternative Lebensmodelle entwickelt und unterstützt hätten und z.B. moderne Stadtentwicklung interessant gemacht hätten, dann wäre es nicht dazu gekommen, dass die Menschen aus den Städten auf's Land zogen. Dazu gehört auch eine sinnvolle Familien und Einwanderungspolitik. Welche Eltern wollen denn wirklich, dass ihre Kinder auf eine Schule mit 90% Ausländeranteil gehen mit sämtlichen damit verbundenen Problemen?
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Du hast Recht aber leider interessiert es Dich nicht wie es dazu kommt.
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Prinzipiell haben die Ökos auch das "Zurück zur Natur" und den "Gesundheitswahn" voran getrieben. Deswegen hat man euch ja gewähren lassen, weil das Spielraum für das Entstehen neuer Wirtschaftsbereiche gegeben hat.
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Zurück zur Natur: Kauft Mountainbikes
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Zurück zur Natur: Schaut euch die schönen Wälder an
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Lebt gesund: Kein Alkohol
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Lebt gesund: Raucht nicht
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Lebt gesund: Treibt Sport
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Ja was nun liebe Maria1000? Sport treiben oder nicht Sport treiben? Gesund leben oder nicht gesund leben? Sich an der Schönheit der Natur freuen oder nicht daran freuen?
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Konzeptloser Meckerhaufen!
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