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18. Juli 2008, 11:34 Uhr

"Ihr Haus ist mir scheißegal"

Dennis Peters mit seinen Töchtern Jil und Cindy© Peter Meyer

Für Dennis Peters eigentlich ein Erfolg auf ganzer Linie. Trotzdem will er nicht warten, bis die Verfügung rechtskräftig ist. Denn P. - so behauptet Dennis Peters - habe ihm gedroht, "das Haus unter Wasser zu setzen". Deshalb sei "Gefahr im Verzug" und er dürfe als Eigentümer das Haus betreten, um Schlimmeres zu verhindern. Einer seiner Anwälte habe ihm zu diesem Schritt geraten. Dass er Dennis Peters tatsächlich den Ratschlag gegeben hat, sein eigenes Haus zu besetzen, bestätigt der Anwalt gegenüber stern.de. Er habe gehofft, dass die Polizei das Haus nach dem Niedersächsischen Gesetz für die öffentliche Sicherheit und Ordnung versiegeln würde, sagt der Jurist.

Ein abgekartertes Spiel?

Peters lädt die Presse ein. Später sind im Fernsehen schockierende Bilder zu sehen. Sie zeigen Dennis Peters mit Brechstange. Er zertrümmert eine Scheibe, steigt ins Haus ein. Mietnomade P. ist nicht zuhause. Nur seine Tochter im Teenageralter, die mit ihrem Hund fluchtartig das Haus verlässt. Wenig später kommt P. nach Hause. Vor laufenden Kameras geht ein Mann demonstrativ auf den Mietnomanden los, holt aus, schlägt aber daneben. Später stellt sich heraus, dass es sich bei dem Mann um den Schwager von P. handelt. Ein abgekartetes Spiel?

Die Polizei schlichtet den Streit stundenlang, versiegelt das Haus aber nicht. Wenig später hebt das Gericht die einstweilige Verfügung, die P. und seiner Familie verboten hatte, sich weiter im Haus aufzuhalten, wieder auf. Grund: Die "Glaubwürdigkeit" von Dennis Peters "unterliege gewissen Zweifeln", weil er sich nun "selbst grob rechtswidrig verhalten" habe.

Ein Insider, der selbst beim "Deutschen Reich" aktiv war und inzwischen ausgestiegen ist, lacht über die Aktion von Dennis Peters: "Einen besseren Gefallen hätte er P. gar nicht tun können", sagt er. "Das ist die Masche von P. Er zeigt seine Gegner an, so dass immer Aussage gegen Aussage steht. Er provoziert die anderen so lange, bis sie die Nerven verlieren und einen Fehler begehen." Tatsächlich zeigt P. Dennis Peter an. Diesmal wegen Einbruchs und Hausfriedensbruchs. Es sei auch nicht das erste Mal gewesen, dass Peters bei ihm eingestiegen sei, gibt der Mietnomade zu Protokoll. Er behauptet, Peters habe ihm wichtige Aktenordner geklaut, um diese im Verfahren gegen ihn zu verwenden. Das Amtsgericht Lüneburg erlässt einen Durchsuchungsbeschluss gegen Peters. Penibel listet das Gericht auf, welche Ordner Dennis Peters geklaut haben soll und wonach die Beamten suchen sollen: "Akte mit rotem Plastikstreifen Verfahren ... Akte mit blauem Plastikstreifen Verfahren ... Handakte Peters ./. P. Prozessakte der Steuerfahndung gegen Herrn P."

Übertreibt Dennis Peters?

Dennis Peters, der bestreitet, P. Aktenordner geklaut zu haben, fühlt sich nun vogelfrei. "P. und seine Leute können mit uns machen, was sie wollen. Sie haben uns mit Baseballschlägern bedroht und uns als Warnung tote Tiere vor die Haustür gelegt. Aber nachdem ich mein eigenes Haus besetzt habe, glaubt mir natürlich niemand mehr." Übertreibt Dennis Peters? Ist er selbst nicht ganz sauber? Schließlich gibt es auch gegen ihn ein paar, wenn auch eingestellte Anzeigen wegen Körperverletzung - Peters hatte mal eine Schule für Kampfsport. Dann aber bedrohen P.'s mutmaßliche Staatsdiener Journalisten, die nur auf der Landstraße vor dem umkämpften Haus Halt machen. Ein Mann stürzt aus dem Haus, kaum, dass er ein fremdes Auto sieht. Er springt in den Wagen, rast los, fährt so dicht auf, dass ein Missverständnis ausgeschlossen ist. Mit quietschenden Reifen nimmt er die Kurve, jagt das Journalistenauto, streift beim Überholen fast die Wagentür, so sich dass ein ängstlicher Fahrer vielleicht von der Straße drängen lassen würde. Ein Erlebnis, dass die Zweifel an Peters Darstellung zerstreut. Und auch sein Anwalt Klaus Frey aus Lüneburg sagt: "Nach den Informationen, die mir mein Mandant gegeben hat und nach Kenntnis der Akten kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier ein Mietnomade mit Hilfe rechter Schlägertrupps und unter Ausnutzung aller formaljuristischer Finten versucht, sein eigenes Recht durchzusetzen."

Vor ein paar Tagen hat Mietnomade P. das umkämpfte Häuschen im Grünen geräumt. Er hat sich durch zwei Instanzen gekämpft und verloren. Ein paar seiner Gefolgsleute allerdings, darunter eine schwangere Frau, haben ihre Habseligkeiten nur von der rechten Haushälfte in die linke geräumt. Der Gerichtsvollzieher hat sie gewähren lassen, weil sie behaupteten, einen Untermietsvertrag von P. für das Haus zu besitzen. Alles rechtens, entschied kurz darauf das Amtsgericht Lüneburg in einem Beschluss. Es käme nicht darauf an, ob die Besetzer "einen wirksamen Mietvertrag oder Untermietvertrag mit wem auch immer abgeschlossen haben", schrieb der Richter. "Eine Prüfung der Vertragsverhältnisse ... ist im Vollstreckungsverfahren nicht zu leisten ... Selbst wenn die Schuldner den jetzigen Besitz aufgrund verbotener Eigenmacht ausüben sollten, würde dies einen Titel nicht entbehrlich machen." Mit anderen Worten: Dennis Peters soll die Leute nun auch noch aus der linken Doppelhaushälfte herausklagen.

"Ich bin kein Mietnomade"

"Diese Rechtsfrage ist umstritten", sagt Rechtsanwalt Wolf-Bodo Friers, Geschäftsführer der Eigentümer-Schutzgemeinschaft Haus & Grund Deutschland. "Ein Teil der Gerichte beurteilt die Frage formalistisch und verlangt, dass der Eigentümer für jeden neuen 'Untermieter' einen neuen Räumungstitel benötigt. Andere Gerichte machen aus Billigkeitsgründen Ausnahmen." Friers will den Fall von Dennis Peters jetzt zum Anlass nehmen, um eine Gesetzesänderung voranzutreiben. "Der Gesetzgeber muss hier Klarheit schaffen. Es kann nicht gewollt sein, dass Mieter mit Hilfe dieses Tricks den Eigentümer de facto enteignen, weil er irgendwann kein Geld mehr hat, um ungebetene Gäste herauszuklagen." Sollte das Gericht in Sachen Peters seine Entscheidung nicht revidieren, will Haus & Grund die Kosten für den neuen Rechtsstreit übernehmen.

Denn Peters ist finanziell am Ende. 45.000 Euro Mietausfall, Sachschäden am Haus, Gerichts- und Anwaltskosten, habe er durch P. erlitten, rechnet Dennis Peters vor. Er ist mit seiner Familie inzwischen in "sein" Haus gezogen, wohnt nun Tür an Tür mit den Gefolgsleuten von P. "In der ersten Zeit haben die uns jede Nacht terrorisiert", erzählt er. Der Familienvater hat einen Sicherheitsdienst engagiert, der ihn und seine Familie beschützen soll. "Die brauchen drei Minuten, bis sie hier sind - selbst nachts. Die Polizei kommt nach zwei Stunden - wenn überhaupt."

"Ich bin kein Mietnomade", beteuert P. am Telefon. Auf die Frage, warum er denn immer wieder Ärger mit seinen Vermietern habe, antwortet er: "Ich habe halt immer nur Pech gehabt." "Innenminister" einer "Kommissarischen Regierung des Deutschen Reiches" sei er nie gewesen, behauptet P. Er habe auch keine eigene "Reichsregierung" gegründet. "Das sind alles Hirngespinste von Herrn Peters." Als P. damit konfrontiert wird, dass es Zeitungsartikel gebe, in dem er als "Innenminister" zitiert werde, schnauft P. ins Telefon: "Ach, machen Sie doch, was Sie wollen" und legt auf. Eine Berichterstattung kommt ihm denkbar ungelegen. P. ist auf Wohnungssuche.

Von Kerstin Schneider
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