Jeder weiß: Die Chancen, den Lotto-Jackpot zu knacken, stehen nicht besonders gut. Trotzdem sind die Deutschen im Lottofieber. Zu Recht, sagt der Mathematiker Ehrhard Behrends im Interview mit stern.de. Denn irgendeinen wird es schon treffen.

"Spielen Sie ruhig Lotto - Träumen ist auch etwas Schönes", sagt Mathematiker Behrends© Martin Rose/Getty Images
Das Attraktive daran ist ja, dass die Gewinne nicht in den Taschen irgendwelcher Casinobesitzer landen, sondern ein großer Teil der Einsätze wohltätigen Zwecken zugute kommt.
Die Wahrscheinlichkeit, einen Sechser zu bekommen, liegt bekanntlich bei 1:14.000.000. Stellen Sie sich vor, sie fahren in Hamburg mit dem Bus nach Hause und finden dort einen Regenschirm. Wenn Sie zu Hause sind, wählen Sie irgendeine beliebige siebenstellige Nummer am Telefon. Die Chance, auf diese Weise den Eigentümer des Schirms an die Strippe zu kriegen, ist deutlich höher als einen Sechser zu knacken.
Das ist richtig, aus Sicht des Einzelnen sind die Chancen äußerst gering. Aber da es ja Millionen machen, wird es vermutlich einen treffen.
Die Gewinnwahrscheinlichkeiten beeinflusst das in keinster Weise. Den Kugeln ist es ziemlich egal, ob Sie eine 1 tippen oder eine 7. Deshalb halte ich das für ziemlichen Humbug. Aber, was stimmt, ist: Der mögliche Gewinn würde eventuell geringer ausfallen. Doch dafür müssen Sie natürlich erst einmal gewinnen.
Einige führen Listen mit den Zahlen der zurückliegenden Ziehungen und tippen dann die, die in der Vergangenheit seltener gezogen wurden. Also wenn die 7 lange nicht dran war, dann nehmen alle die 7. Doch das ist ihr natürlich egal, die 7 hat kein schlechtes Gewissen.
Das ist tatsächlich so. Rein rechnerisch kann es bei jeder zweiten Ziehung so ein Zahlenpärchen geben. Wenn man nur wüsste welches.
Die Chance, die richtigen Zahlen zu tippen, bleibt natürlich gleich gering. Eventuell müsste der Jackpot geteilt werden, aber das ist bislang noch nicht vorgekommen. Interessanter ist: Wie lange hält der Jackpot? Durchschnittlich braucht es fünf Ziehungen, bis so ein ungewöhnlich hoher Jackpot geknackt wird. Er müsste also bald dran sein.
Die Spielbanken werben ja gern damit, dass hier die Chancen besser sind. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Wenn ich einmal Roulette spiele, also nur eine Runde setze, stimmt das auch. Da liegt die Gewinnwahrscheinlichkeit bei 36:37. Aber wer spielt nur eine einzige Runde? Mit jedem Spiel nimmt die Chance zu gewinnen ab, und schon nach wenigen Spielen ist die Quote schlechter als beim Lotto.
Ich weiß es nicht, aber ich gehe davon aus, dass man sich da schon etwas auskennen sollte.
Ja, wobei ich schon ein, zwei Euro in Lotto investieren würde. Träumen ist ja auch etwas Schönes.
Zur Person Ehrhard Behrends ist Mathematiker an der FU Berlin mit dem Schwerpunkt Funktionalanalysis und Wahrscheinlichkeitstheorie. Er betreibt auch die Seite Mathematik.de, die für jeden verständlich in die Welt der Mathematik einführt