
Ludwig Z.© Frank Bauer
"Ich war Schüler im Internat des Maristen-Ordens in Mindelheim im Allgäu. 1962 oder 1963, ich war 13 oder 14 Jahre alt, war ich Schlagzeuger in der Big Band von Frater Gutfried (Name geändert). Er förderte mich sehr, auch beim Orgel- und Theaterspielen. Eines Tages lud er mich ein, ein Wochenende bei sich zu Hause zu verbringen. Ich habe mich sehr geehrt gefühlt. Es gab ein gemeinsames Abendessen (Kalbsbraten) mit den Eltern von Frater Gutfried, wobei Operettenmusik spielte. Es war ein sehr warmer Abend und Frater Gutfried machte den Vorschlag, mit ihm zusammen noch in einem nahen See zu baden. Ich glaube, es war schon dunkel, als wir ankamen.
Im Wasser versuchte Frater Gutfried immer, sich möglichst nahe bei mir aufzuhalten. Er bespritzte mich mit Wasser, hielt mich fest, tunkte mich unter, hatte seine Hände überall. Nach dem Abtrocknen forderte er mich auf, mich zu ihm auf sein Badetuch zu legen. Dann hielt er mich fest und versuchte, teilweise mit Erfolg, sich auf mich zuwälzen. Er betatschte mich am ganzen Körper, auch an intimen Stellen, und hielt mich fest. Wenn es mir gelang, mich aus seiner Umarmung zu befreien, erwischte er wieder an einen anderen Teil von mir. Ich habe mich wirklich nach Kräften gewehrt, aber meine Proteste und mein Widerstand waren vergeblich.
Ich finde es bedrückend, dass ich nicht die geringste Erinnerung habe, was dann passierte. Ich weiß weder, ob ich mich doch noch befreien konnte, noch wie wir zurück zum Haus seiner Eltern kamen und wie ich die Nacht dort verbracht habe. Nach diesem Wochenende erlosch die Gnadensonne von Frater Gutfried über mir. Er war in den weiteren Jahren eher abweisend bis zynisch.
Ich war seinerzeit nicht in der Lage, mich meinen Eltern anzuvertrauen. Ich konnte viele Jahre nicht darüber reden. Was die Taten von Frater Gutfried bei mir anrichteten, ist schwer einzuschätzen. Ich könnte eine mehrjährige Psychotherapie anführen und einen Selbstmordversuch im Jahre 1979. Ob die Gründe auf Frater Gutfried zurückzuführen sind, ist Spekulation. Die wahre Verletzung einer Kinderseele besteht darin, dass man mit einer so schmutzigen Sache ganz allein gelassen wird.
Heute möchte ich, dass Frater Gutfried - auch posthum, er starb 1987 - als das bekannt wird, was er eben auch war: als ein Päderast. Ich möchte wissen, was im Maristen-Orden über seine Veranlagung bekannt war. Zur Zeit gilt er nach wie vor ausschließlich als musikalischer Wohltäter und die von ihm gegründete Fanfarengruppe als musikalisches Aushängeschild der Stadt Mindelheim. Es ist geradezu unerträglich, dass Bilder von ihm als Mittelpunkt im Kreise von Jugendlichen die Homepage der Fanfarengruppe Mindelheim zieren."
Der Maristen-Orden räumt heute für andere Fälle bis in jüngste Zeit Missbrauch in dem Mindelheimer Internat ein.
Er hatte seine Hände überall.