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5. Juni 2009, 11:54 Uhr

Kampfplatz Hauptschule

Hauptschule, Schlägerei, Lehrer, Schüler

Zerstörung als Pausenspaß. Genüsslich wird ein Karton mit Saft über der Schultasche eines Mitschülers ausgekippt© Julian Röder

14. Januar 09

Lehrer, die zu hart benoten, müssen sich erklären. Teilweise zu Recht. So im Fall des türkischen Kollegen Ozan Yaman, einem Maschinenbauingenieur, der ein Jahr arbeitslos war und wegen Lehrermangels auf Schüler losgelassen wurde. Ich versuche ihm zu erklären, dass eine Technik-Fünf im Halbjahreszeugnis meinen Schülern Dennis und Ramin wohl jegliche Chance nehmen wird, im Jahr drauf den Realschulabschluss zu machen. Denn die Fünf zum Halbjahr erscheint auch auf dem Versetzungszeugnis, da Technik "Wechselfach" ist, also nur im ersten Halbjahr unterrichtet wird. Mit einer Fünf im Versetzungszeugnis ist für Neuntklässler jedoch der Zugang zum Realschulabschluss nach der zehnten Klasse versperrt. Ramin ist vom Gymnasium abgestiegen, Dennis von der Realschule. Beide sind faul, aber talentiert. Kollege Yaman versteht mich nicht und beklagt sich, dass er sich in seiner "pädagogischen Freiheit beeinträchtigt" fühle. Am Ende führen wir ein Gespräch am "runden Tisch". Der Lehrer Yaman schlägt dem Schüler Dennis einen Deal vor: "Du versprichst mir, am Ende des zweiten Halbjahres eine Zwei in Physik zu machen. Sonst bekommst du eine Fünf in Physik und eine in Chemie, egal, was du geleistet hast." Ich verstehe den Kollegen nicht. Wie sollen Schüler mit solcher Ungerechtigkeit und Unfairness klarkommen? PS: Zwei Monate später schreibt Ramin sowohl in Chemie und als auch in Physik eine Eins.

27. Januar 09

Donnerstag, noch zwei Tage bis zum zweiten Praktikum. Christian hat keine Stelle gefunden, obwohl er drei Monate Zeit hatte. Ich rufe Herrn M., Ausbildungsleiter einer Maschinenbaufirma, an. Christian soll eine Bewerbung schreiben, die Unterlagen am Nachmittag abgeben. Parallel zum Unterricht verfassen wir Anschreiben und Lebenslauf. Am nächsten Tag kommt die Zusage.

30. Januar 09

Meine "Kinder" laden mich zu einem "perfekten Diner" ein. Tomatencremesuppe, Tortellini mit Sahnesoße, dazu ein Salat und zum Nachtisch Waffeln mit Kirschen und Vanilleeis. Wir sitzen alle zusammen an einem langen Tisch im Hauswirtschaftsraum.

30. Januar 09

Mustafa aus der 6c steht mit blutender, schiefer Nase im Klassenzimmer. Heino hat ihm im Sportunterricht mit der Faust ins Gesicht geschlagen, weil Mustafa ihn "geschubst" hatte. Das Nasenbein ist gebrochen, der Junge muss ins Krankenhaus.

2. Februar 09

Die Schüler sind ab heute im zweiten Praktikum. Ausbildungsleiter M. ruft an und erzählt, dass Christian in der Elektrotechnik-Abteilung einen guten Job mache. Er kann sich jetzt schon vorstellen, ihn als Auszubildenden einzustellen.

3. Februar 09

Um 10.30 Uhr ruft Herr M. wieder an. Christian sei nach der Frühstückspause nicht an den Arbeitsplatz zurückgekommen. Ich rufe Christian an, er ist zu Hause: "Ich habe mich am Sonntag beim Fußball am Zeh verletzt. Daher bin ich zum Arzt." Ohne sich abzumelden, klar. Ich befehle ihm, in genau 30 Minuten bei der Firma zu sein. Doch er erscheint nicht. Herr M. möchte Christian sofort rausschmeißen, der Abteilungsleiter bittet um Gnadenfrist.

4. Februar 09

Christian hat sich an seiner Praktikumsstelle nicht zurückgemeldet und wird rausgeschmissen. Es soll mir niemand erzählen, Hauptschüler bekämen keine Chance.

10. Februar 09

Ich bekomme einen neuen Schüler: Babür. Er soll ab heute ins Praktikum einsteigen. Ich rufe ihn an und erfahre, dass er morgen in einem Supermarkt anfängt.

11. Februar 09

Ich besuche Babür um 10 Uhr. Er spricht nicht viel, macht einen stark verunsicherten Eindruck. Um 16 Uhr ruft mich der Geschäftsführer an: Babür ist entlassen. Er hat den Kassierer des Getränkelagers als "Arschloch" bezeichnet und ihn bedroht. Babür schildert den Fall anders: Der Kassierer habe ihm gesagt, dass er nicht "so blöd" gucken solle. Ich bestelle Babür für morgen früh zum Supermarkt.

12. Februar 09

Er ist pünktlich. Der Geschäftsführer, Babür und ich führen ein Gespräch. Der Vorfall bleibt unklar. Babür gibt zu, den Mann als "Arschloch" bezeichnet zu haben, aber nur, weil er von ihm beleidigt wurde. Und - schließlich habe er nur seine Meinung gesagt.

Übernommen aus ... Stern Stern
Ausgabe 23/2009

 
 
KOMMENTARE (10 von 46)
 
ullae (15.06.2009, 16:33 Uhr)
Lehrer
Ach ja: Eine Gesellschaft braucht sich nicht zu wundern, dass Kinder mit Lehrern und Pädagogen so umspringen, schließlich wird ja an jedem Eck ein Witz über diese "faulen Säcke" gemacht.
ullae (15.06.2009, 16:25 Uhr)
Hauptschule hat versagt
Mit der Zusammenlegung von Haupt- und Realschule legt man nun einen Kranken zu einem Gesunden ins Bett, in der Hoffnung, dass der Kranke gesund wird, sehr clever und versucht ganz nebenbei noch einen Fehler durch einen neuen zu egalisiseren! Anstatt die Hauptschulen zu stärken und auch dort Qualität und Leistung - was meiner Meinung nach über Jahre hinweg total versäumt wurde, nämlich durch Kuschelpädagogik und mangelndem Anspruch - abzuverlangen, macht man nun eine gut funktionierende Schulart kaputt! Schulschwänzer und solche, die sich nicht zu benehmen wissen, sollten viel stärker sozialisiert werden und wenn es sein muss durch drakonische Strafmaßnahmen!
ganzbaf (15.06.2009, 09:02 Uhr)
Das "finnische-DDR-System" ist natürlich klar besser

10 gemeinsame Jahre. Dann, je nach Abschlussnote, noch 2 Jahre Schulberechtigung hin zur zur Hochschulreife.
.
Nur dass man vielleicht wirklich spezielle "Interventionsklasen" einrichten sollte, in denen echte Problemschlüler gesondert trainiert und päd. betreut werden.
silberregen (15.06.2009, 08:02 Uhr)
@aeternitas
Ihr Beitrag lässt mich schmunzeln. Also wirklich, bei uns wurden diese von Ihnen genannten handwerklichen Berufe auch gelernt, nicht jeder ist Ingenieur geworden. Es geht um eine gute Allgemeinbildung. Und das ist bei einer Hauptschule und den Zuständen dort wie im Artikel geschildert nicht gegeben.
Bei uns hat jeder egal ob er Bäcker, Krankenpfleger, Lehrer oder Büromensch geworden ist das gleiche gelernt, also die Naturwiss., Techn. Zeichnen, Astronomie, Geschichte, Mathe, Fremdsprachen usw... auch Musik, Kunst usw.
Das ist Allgemeinbildung, nicht die Spassfächer von der Hauptschule. Auch in handwerklichen Berufen sollte schon aus Neugier eine grosse Allgemeinbildung vorhanden sein. Es muss ja nicht Latein sein, das brauchen wirklich nur einzelne Berufszweige.
Und noch zum nachdenken: nennt mir einen Politiker oder Manager, der seine Kinder an eine Hauptschule schickt!
Wenn die nämlich soooooooo zukunftsbildend ist wie Ihr glaubt, wären dort auch deren Kinder .
aeternitas (15.06.2009, 07:57 Uhr)
Die Hauptschüler
können auch ohne die studierten leben, wir aber nicht ohne die, da sollte man nicht vergessen. Oder welcher Abiturient meldet sich freiwillig zu einem der unten genannten Berufe? Ich kenne einige, die ins Handwerk oder in Pflegeberufe gegangen sind, aber das ist eine Minderheit!
Es wird vielleicht noch zu unseren Lebzeiten soweit kommen, dass wir keine Informatiker mehr brauchen, keine Mathematiker, keine Philosophen, keine Ingenieure sondern Leute, die wissen wie man Gemüse anbaut, Lebensmittel und Textilien herstellt, ein Haus baut und nicht nur, wie man seine Statik berechnet....
aeternitas (15.06.2009, 07:49 Uhr)
Ist die Hauptschule ausreichend?
"Wo haben Sie den Ihren Ehrgeiz gelassen etwas mehr aus Ihren Leben zu machen?"
Ähm nicht jeder möchte sein Leben lang einen Schreibtischjob haben! Es soll auch Leute geben, die einen der folgenden Berufe ergreifen wollen:
- Bäcker
- Metzger
- Zimmermann
- Dachdecker
- Maurer
- ALTENPFLEGER!
etc.
Würden uns diese Leute fehlen, wir würden ganz schön dumm aus der Wäsche schauen. Mehr als wenn viele studierten fehlen würden, die würde nämlich erstmal keiner vermissen. Sie sollten es mal so sehen: die einen haben eine Gabe, die sie nutzen wollen (geschickte Hände, keinerlei Berührungsängste mit Alten, die Liebe zum Bauen mit Holz, das Verlangen körperlich tätig zu sein) und die anderen haben entweder die Gabe nicht oder wollen schlicht nicht körperlich tätig sein, und damit die nicht ganz leer ausgeben, wurden Bürojobs für sie geschaffen... das Handwerk war da BEVOR es das Bürowerk gab. Oder die Unis. Und wenn es hart auf hart kommt, ist es wichtiger zu wissen, wie man ein Tier schlachtet und sein Fleisch verarbeitet ohne dass es verdirbt, als wenn man gewaltige mathematische Operationen versteht oder das Spätwerk von Seneca mit den Ansichten moderner Philosophen vergleichen kann.
silberregen (15.06.2009, 07:15 Uhr)
@Dorf_NKB
Ihre Ansichten finden nicht meine Zustimmung, das was ich an den Kölner Hauptschulen beobachten kann entspricht genau den Schilderungen des Autors.
Ich bedauere jeden Pädagogen, der es mit solchen Assis zu tun hat. An Ihren Äusserungen kann ich auch den Hauptschüler "rauslesen" und sind Sie stolz darauf Hauptschüler zu sein? Wo haben Sie den Ihren Ehrgeiz gelassen etwas mehr aus Ihren Leben zu machen?
Hauptschule das ist ausreichend?! Also ich kann jeden Personalleiter voll verstehen, wer Hauptschüler ablehnt.
Und ich muss Ihnen sagen - ja es war früher besser an den Schulen, ich spreche da von meiner Schulzeit 1959-69 - na wahrscheinlich zähle ich für Sie als alte Schachtel, naja juckt mich nicht wirklich ;-)
Aber glauben Sie mir, es war wirklich besser. Wir haben damals mehr gelernt als heutzutage selbst an Gymnasien geboten wird. Und solche Spassdinge Fach abwählen , und dafür ein Spassfach wählen, gabs bei uns nicht. Wir haben keine Spassfächer gehabt, bei uns zählte die Allgemeinbildung und die Naturwissensch. Fächer wurden von der 5.-10. bzw bis zum Abi ohne Pausen jedes Jahr gelehrt. Hier ist doch so ein Irrsinn mal gibts ein halbes Jahr Biologie , dann kommt ein halbes Jahr Chemie, dann mal ein bischen Physik, ...dann kann mans abwählen wenns kein Spass macht und dafür Kochlöffel schwingen lernen. Natürlich hat so eine Hauptschulbildung nur Spasswert.
Das kann man ja am Verhalten der Schüler genau beobachten.
Sie brauchen sich also nicht als Elite sehen.
Und noch was...
bei uns damals wurde wirklich nicht geprügelt, es waren Lehrer als Aufsicht immer da, auch in den Pausen, und die hätten eingegriffen.
Wir sind in den Pausen noch im Schulhof im grossen Kreis langsam spaziert, sowas wie heute wie enorm lauter Lärm und mobben und andere Kinder erpressen gabs nicht.
Also stellt Euch nicht als Elite hin.
Und aus uns ist jedenfalls etwas geworden. Ich habe nach Schule und Berufsausbildung in den 70igern sogar noch ein Fernstudium an einer Ingenierschule erfolgreich durchgezogen. Uns hat unsere Schulzeit etwas gebracht.
Bei den Schülern heute sehe ich es so...na bringen wir den tag mal vorbei in der Schule... Kumpels, Handy, Alk, usw zählen mehr, sind wichtiger als der Lehrer der da vorn steht. Das ist traurig.
Mich selbst würde noch interessieren, ob die heutigen Schüler überhaupt noch aufstehen wenn der Lehrer ins Klassenzimmer kommt ...ich glaube eher nicht. Die Kapuzen und Mützen lasst Ihr ja auch auf... da sieht man Eurern Respekt.
Null Respekt. Schämt Euch Ihr Hauptschüler.
Dorf_NKB (15.06.2009, 00:48 Uhr)
Realität???
Hallo erstmal
Ich frage mich beim lesen der Kommentare ob der Nationalsozialismus zurückkommt!
Was ich aus den Beiträgen herauslesen konnte ist ganz einfach.
1. Früher war alles besser!
(Da haben sich die Kiddis nicht auf dem Schuhhof geprügelt. Dafür haben aber einige Studenten Bombenanschläge verübt.)
2.Die 68 und die Politk ist schuld!
(Sorry Leute aber IHR habt die Leute gewählt)
3. Es sind die Ausländerkinder und Muslime!
(Is das nicht etwas zu einfach????)
Nun mal Tacheles:
Was ich bemerkenswert finde sind 3 Sachen in diesem Artikel.
1 Der Artikel fängt damit an das ein Vertretungslehrer nicht auftaucht. Also nicht nur das der eigentliche Lehrer wahrscheinlich krank ist sondern auch das es nicht geschafft wird einen anderen zu schicken.(Das sollte sich mal jemand in der Wirtschaft erlauben)
2. 1/4 der Lehrer ist krank. Ja ich weiß der ganze Stress 6 h zu unterrichten. Aber jetzt mal ehrlich wieso sollten die Kinder zum Unterricht erscheinen wenn es nur 3/4 der Kollegiums schaffen?
3. Ich habe in diesem Artikel so häufig von Körperverletzungen gelesen das ich es etwas unglaubwürdig fand. Schlimmer war aber für mich die Feststellung das (falls der Author das nicht weggelassen hat) in keinem dieser Fälle Anzeige erstattet wurde! Ich glaube nicht das alle Kinder unter 14 waren .
Ich hoffe das die Lehrer sich mal zusammenreißen und sich wenn nötig Hilfe von außen holen.
Wenn Muslimische Kinder immer wieder aufsässig sind sollte man mal mit den Eltern reden oder villeicht mal den Iman der Moschee fragen.
Es gibt so viele Möglichkeiten. Aber das immer nur auf die Kinder , nur auf den Staat oder nur auf die Lehrer zu schieben finde ich ziemlich assi.
Gruß
NKB
PS.: Ich bin auch ein Hauptschüler :-)
ekaaat (14.06.2009, 22:19 Uhr)
führerschein nur mit hauptschulabschluss
das motiviert
ganzbaf (14.06.2009, 20:57 Uhr)
Keine SCHULPFLICHT...

sondern Schule als Angebot.
Und wer sich weigert oder groben Unfug anstellt, dessen Eltern wird das Kindergeld gestrichen.
-
Nicht schlecht ;-?
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