
Eine Pinnwand auf der Pressekonferenz der SOKO Dennis zeigt Stefan J., Dennis R. und Dennis K. (v.l.n.r.), die Martin N. einräumt, getötet zu haben© Carmen Jaspersen/DPA
Fast zehn Jahre nach dem Mord an Dennis K. wendet sich die "Soko" im Februar 2011 noch einmal mit ihren Erkenntnissen an die Öffentlichkeit. Als der 26-jährige Martin W. die Fernsehberichte sieht, fällt ihm etwas ein: In einem Ferienlager hatte ein Betreuer namens Martin ihn 1995 nach seinem Zuhause ausgefragt und ihn Skizzen zeichnen lassen. Monate später ist er nachts in seinem Kinderbett überfallen und missbraucht worden. Schnell findet die Kripo den Namen des Betreuers heraus: Martin N.
N. erzählt den Beamten, wie er sich im Sommer 1995 in seinem Ferienhaus in Dänemark gelangweilt habe. Er sei zum Ferienlager gefahren und habe sich einfach in eines der Zelte geschlichen. Der geständige Serienmörder ist genauso dreist vorgegangen, wie die Ermittler es jahrelang nicht für möglich gehalten haben. Dennis R. sei sogar freiwillig mit ihm mitgegangen, behauptet Martin N. "Der wollte ein Abenteuer." Er habe das Kind mit in sein Ferienhaus genommen und in den nächsten Tagen viele Ausflüge mit ihm unternommen. "Klingt wahnsinnig, aber ich hatte so ein Gefühl wie sein Papa zu sein."
Nach einer Woche sei ihm klar geworden, dass er das Kind nicht mehr zurückbringen könne. "Da habe ich ihn noch erwürgt." Die Leiche habe er auf dem Hügel vergaben. Mit einer "ollen Schaufel. Irgend so eine Spielzeugschaufel." An die Farbe könne er sich nicht mehr erinnern.
Ob die roten Lackpartikel am Leichenfundort von der Schaufel stammten, mit der Martin N. Dennis R. vergraben hat, wird wohl nicht mehr geklärt werden. Eine rote Kinderschaufel aus Metall, die die Kripo bei der Durchsuchung der Wohnung von Martin N. übersehen hatte, soll nicht mehr untersucht werden. Schließlich, so die Staatsanwaltschaft, habe Martin N. gestanden.
Peter Baum sitzt vorm Fernseher, als plötzlich die Bilder von der Pressekonferenz über die Verhaftung von Martin N. gezeigt werden. "Sie haben ihn. Endlich", schreit er und fällt seiner Frau um den Hals. Das Ehepaar öffnet eine Flasche Sekt.
Ein paar Tage später hat Peter Baum in seiner Praxis eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter. Kommissar P. – der damals besonders eifrig gegen Baum ermittelt hat - hat ihm aufs Band gesprochen: "Ich wollte Ihnen sagen, dass ich damals falsch gelegen habe und Ihnen alles Gute wünschen." Die "halbherzige Entschuldigung" des Kommissars will Baum nicht annehmen. "Ich bin durch die Hölle gegangen."
*Name und Beruf geändert
Martin N. muss sich derzeit vor dem Landgericht in Stade wegen dreifachen Mordes und sexuellen Missbrauchs verantworten. Das Urteil wird für Mitte Dezember erwartet.