Ende Februar, München, im Gasteig, einem Kulturzentrum an der Isar. Früh am Abend. Susanne Klatten eilt die Stufen hinauf. Kopf, Schultern, Rücken so gerade, man könnte einen Strich danach ziehen. Noch dünner ist sie als im Herbst.
Klatten packt ihre Mappen unter die linke Achsel, die rechte Hand muss frei sein, zum Begrüßen. Sie rennt vorbei an Ziegenkäsehäppchen und Saxofongesäusel, rennt mitten rein in die Menge, stellt die Handtasche auf den Boden, mischt sich in die Plaudereien und redet und wedelt mit ihren Händen, bis ihre Stimme bricht und der Kopf glüht. "Und was halten Sie von unseren Gründern? Könnten Sie sich nicht vorstellen, eine Idee mit Ihrem Geld zu fördern?"
Und viele Gäste bekommen dann einen seltsamen Blick, halb geschmeichelt, halb erstaunt. Hat die Klatten denn nicht genug Geld?
Es ist das alte Leid. Die Leute sehen in ihr nicht den Menschen, sehen nicht die Susanne mit den großen Füßen, den freundlichen Augen und dem Muttermal an der rechten Wange. Und sie sehen in ihr auch nicht die Unternehmerin, die versucht, mit diesem Empfang ihre kleinste Firma weiterzubringen, die UnternehmerTUM, die Gründern dabei hilft, Kunden, Lieferanten und Kapital zu finden.
Nein, die Leute sehen zuerst einmal die Milliardärin in ihr. Das Geld.
Susanne Klatten geht es nicht um Geld, wenn sie um Geld bittet.
Sie will in ihrem Freiheitskampf siegen. Mit BMW ist sie erwachsen geworden, mit Altana löst sie sich vom Vater, und mit der UnternehmerTUM findet sie ihr eigenes Leben. "Das ist mein Startup", sagt sie und schaut wie ein Mädchen, das sein erstes selbst gemaltes Bild bringt. Sie führt ein Unternehmen nicht weiter, sie zieht es groß. "Das ist für mich Rückwärtslernen."
Es war ein langer, schwerer Weg dahin. Fast 40 Jahre alt musste sie werden. Dann kam ihr "Erwachen", wie sie sagt: "Ich habe mich gefragt: So, und was gibt's denn sonst noch bei Susanne Klatten? Was möchte die denn sonst noch so machen, was ganz ihr Eigenes ist?" 46 Leutchen und ein paar Milliönchen Kapital - das ist alles. Und doch nimmt sich Klatten für Sitzungen bei der UnternehmerTUM so viel Zeit wie für eine bei BMW. "Ich hab am Anfang gedacht: Mensch, das kann doch nicht sein! Sie kommt tatsächlich. Und ist von Anfang bis Ende dabei", sagt ein Mitarbeiter.
Alles will Susanne Klatten genau wissen, Zahlen und Ziele, sie hockt sich mit rein, wenn Gründer Ideen vorstellen, Schlafkojen für Flughäfen oder Lkw-Bediensimulator, sie hört sich alles an, mit der Teetasse in beiden Händen. Und sie lässt erst mal die Kollegen ihre Fragen stellen, spät hebt auch sie die Hand, ganz sachte, sie wird sogar übersehen, dann wartet sie halt, ihre Fragen wird sie schon noch stellen, mit einem Blick aus Strenge und Wohlwollen: "Wie sieht es mit den Finanzen aus?" - "Das Konzept kann doch jeder kopieren, oder?"