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24. November 2008, 12:22 Uhr

"Du bist Opfer, du musst dich wehren"

Ende Februar, München, im Gasteig, einem Kulturzentrum an der Isar. Früh am Abend. Susanne Klatten eilt die Stufen hinauf. Kopf, Schultern, Rücken so gerade, man könnte einen Strich danach ziehen. Noch dünner ist sie als im Herbst.

Klatten packt ihre Mappen unter die linke Achsel, die rechte Hand muss frei sein, zum Begrüßen. Sie rennt vorbei an Ziegenkäsehäppchen und Saxofongesäusel, rennt mitten rein in die Menge, stellt die Handtasche auf den Boden, mischt sich in die Plaudereien und redet und wedelt mit ihren Händen, bis ihre Stimme bricht und der Kopf glüht. "Und was halten Sie von unseren Gründern? Könnten Sie sich nicht vorstellen, eine Idee mit Ihrem Geld zu fördern?"

Und viele Gäste bekommen dann einen seltsamen Blick, halb geschmeichelt, halb erstaunt. Hat die Klatten denn nicht genug Geld?

Es ist das alte Leid. Die Leute sehen in ihr nicht den Menschen, sehen nicht die Susanne mit den großen Füßen, den freundlichen Augen und dem Muttermal an der rechten Wange. Und sie sehen in ihr auch nicht die Unternehmerin, die versucht, mit diesem Empfang ihre kleinste Firma weiterzubringen, die UnternehmerTUM, die Gründern dabei hilft, Kunden, Lieferanten und Kapital zu finden.

Nein, die Leute sehen zuerst einmal die Milliardärin in ihr. Das Geld.

Unternehmen groß ziehen

Susanne Klatten geht es nicht um Geld, wenn sie um Geld bittet.

Sie will in ihrem Freiheitskampf siegen. Mit BMW ist sie erwachsen geworden, mit Altana löst sie sich vom Vater, und mit der UnternehmerTUM findet sie ihr eigenes Leben. "Das ist mein Startup", sagt sie und schaut wie ein Mädchen, das sein erstes selbst gemaltes Bild bringt. Sie führt ein Unternehmen nicht weiter, sie zieht es groß. "Das ist für mich Rückwärtslernen."

Es war ein langer, schwerer Weg dahin. Fast 40 Jahre alt musste sie werden. Dann kam ihr "Erwachen", wie sie sagt: "Ich habe mich gefragt: So, und was gibt's denn sonst noch bei Susanne Klatten? Was möchte die denn sonst noch so machen, was ganz ihr Eigenes ist?" 46 Leutchen und ein paar Milliönchen Kapital - das ist alles. Und doch nimmt sich Klatten für Sitzungen bei der UnternehmerTUM so viel Zeit wie für eine bei BMW. "Ich hab am Anfang gedacht: Mensch, das kann doch nicht sein! Sie kommt tatsächlich. Und ist von Anfang bis Ende dabei", sagt ein Mitarbeiter.

Alles will Susanne Klatten genau wissen, Zahlen und Ziele, sie hockt sich mit rein, wenn Gründer Ideen vorstellen, Schlafkojen für Flughäfen oder Lkw-Bediensimulator, sie hört sich alles an, mit der Teetasse in beiden Händen. Und sie lässt erst mal die Kollegen ihre Fragen stellen, spät hebt auch sie die Hand, ganz sachte, sie wird sogar übersehen, dann wartet sie halt, ihre Fragen wird sie schon noch stellen, mit einem Blick aus Strenge und Wohlwollen: "Wie sieht es mit den Finanzen aus?" - "Das Konzept kann doch jeder kopieren, oder?"

 
 
KOMMENTARE (10 von 18)
 
snort (25.11.2008, 17:26 Uhr)
konsequente hofberichterstattung
mehr nicht.
als hätten wir es mit lady di der 2. zu tun.
dass sich sich betagte money-ladys jungpurschis kommen lassen ist kein geheimnis, genausowenig wie sich prominente schwuchteln am hauptbahnhof vergnügen.
das geseiere der ach so integren frau klatten in diesem blatt zeugt von höchster geldabhängigkeit des verlages gruner.
bild no.2
diese schachtel ist dermassen blöd sich erpressen zu lassen na und.
ich hoffe ihr angetrauter zieht konsequenzen oder erliegt dem mammon.
beides ist möglich letzteres zu befürchten.
geld macht geil.
wie wärs mal mit artikeln, die menschen interessieren, wie die grosse enteignung zurzeeit ???
feiges blatt.
Sanjoaquin (25.11.2008, 12:30 Uhr)
häh? @ Rummenigge
Wenn ich Ihre Argumentation richtig verstehe, dann meinen Sie also die Dame hätte sich nicht wehren dürfen, weil ihre Altvorderen Nazis waren?
rummeniggejunior (25.11.2008, 09:03 Uhr)
@ sanjoquin
häh? was ist das denn für ein argument? das hat nichts mit sippenhaft zu tun, eher mit moral. muss jeder selbst wissen, ob er mit milliarden glücklich werden kann, die opa und papa aus zwangsarbeitern rausgepresst haben. frau klatten kann offenbar. "du bist opfer, du musst dich wehren" - diese möglichkeit hatten die zwangsarbeiter nicht. vielleicht einfach mal ein bisschen recherchieren?
Sanjoaquin (25.11.2008, 08:32 Uhr)
Rummenigge oder Dummenigge?
Ich möcht bloss festhalten, dass die Sippenhaftung ein klassisches Kennzeichen der Nazizeit war. Ihr Argument war daher keine Nazikeule sondern eher ein Nazibumerang.
columbia10 (24.11.2008, 23:22 Uhr)
Liebe Susanne Klatten
Ihr Luxusproblem möchte ich auch haben...! Mein tief empfundenes Beileid zu 7-9 Mrd. Euro! Das ist wirklich eine schwere Last. Ich meinerseits hoffe, demnächst wieder eine sinnvolle Tätigkeit in der Immobilienberatung zu finden, nachdem mein Arbeitgeber in Konkurs gegangen ist. Das ist mein Problem. Haben Sie eine Idee, senden Sie mir eine Mail auf peter.braun1@gmx.ch
Für mich ein Rätsel: Wie konnte sich eine sooo disziplinierte und "defensive" Frau sooo hinreissen lassen? Gab es bei Ihrem Mann ein intimes Defizit, oder war Hypnose im Spiel? Wie haben Ihre Kinder auf die sonst so vorbildliche Mama reagiert? - Sie sprechen von, dass Sie Ehrlichkeit schätzen. Und weshalb haben Sie Ihren Mann betrogen und die Kinder geschockt? Weshalb, um alles in der Welt, flog Ihre Sicherung durch? Wäe Ihr Mann auch noch da, wenn Sie mittellos wären? Mal drüber kurz nachdenken.
Sternchen2020 (24.11.2008, 18:09 Uhr)
Ohne Zweifel
ist das Verbrechen, das hier begangen wurde, das Allerletzte und mein Mitgefühl gilt in jedem Fall Frau Klatten. Allerdings ist die Presse diesmal einhellig sehr gnädig mit dem Thema umgegangen, insofern kann ich die Klagen über die Presseartikel nicht ganz nachvollziehen. Bei vielen anderen Personen hätte es eine gnadenlose Schlacht um die perfideste Story aller zeiten gegeben. es mag an den hohen Anzeigenaufträgen liegen, dass dies hier unterblieb, sogar bei er Zeitung mit den vier großen Buchstaben. es wäre zu wünschen, dass auch andere Prominente in schwierigen Situationen mit gleicher Achtung von den Medien behandelt werden, auch wenn sie keine großen Werbeaufträge vergeben. Denn der Sensationsjournalismus ist zutiefst primitiv udn hat sich überlebt.
H.P. (24.11.2008, 17:53 Uhr)
@djchrisi (24.11.2008, 17:40 Uhr) betrogene Betrügerin
Sie hat zu viel von sich selbst und von anderen verlangt, nun wurde sie eines besseren belehrt, keiner ist perfekt, selbst der Papst nicht. Wie gesagt, wir alle sollten uns an die eigene Nase fassen und nicht den Richter spielen.
ruebesamen (24.11.2008, 17:46 Uhr)
Toller Artikel!
Ich habe selten einen so langen und trotzdem guten Artikel im Stern gelesen.Frau von Klatten ist schon bemerkenswert und hat sich von der "bloßen" Erbin hin zu einem großartigen Menschen entwickelt. Ich gönne ihr das vollkommen neidlos!
djchrisi (24.11.2008, 17:40 Uhr)
betrogene Betrügerin
Mein Mitleid hält sich in Grenzen. Wer, wie im Artikel beschrieben:"Ist jemand wahrhaftig, der vor mir sitzt? Ich möchte jemanden ehrlich spüren und nicht betrogen werden."/Seite 2/ als Lebensmotiv wählt, dem darf ein solcher Fehler nicht passieren. Nicht dieser Fehler. Das darf einfach nicht passieren.
Und dann das Geschwafel von Disziplin, Ehrlichkeit und Vertrauen.
Große Worte, nichts dahinter!
H.P. (24.11.2008, 17:34 Uhr)
Geld ist nicht alles!
Bestimmt ist das Leben einfacher wenn man reich ist, doch Freiheit, Liebe und Glück ist nicht käuflich. Reiche Menschen sind nicht glücklicher und wenn man so viel Geld hat wie Frau Klatten, kann es zum Fluch werden, nicht umsonst sagte Jesus einem Reichen, gib alles weg und folge mir nach, erst dann wirst Du dich selbst finden, dann erst wirst Du frei sein, frei in allem. Wer innerlich nicht frei ist, dem kann der Reichtum zum Fluch werden. Die meisten Menschen können sich nicht vorstellen so reich zu sein, deshalb schauen sie mit Neid und Missgunst auf Menschen wie Frau Klatten, anstatt selbst etwas aus ihrem Leben zu machen und die eigenen Fehler zu sehen. Wir alle machen Fehler, wer ohne Schuld ist werfe den ersten Stein. Jeder lernt aus seinen Fehler, ich persönlich wünsche Frau Klatten alles Gute und viel Kraft das alles durchzustehen. Geld ist nicht alles!!
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