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24. November 2008, 12:22 Uhr

"Du bist Opfer, du musst dich wehren"

Und gefällt ihr eine Idee, sucht etwa die soziale Organisation Ashoka Sponsoren für Unternehmer, die etwas für die Armen tun, so läuft Klatten in Kairo durch die Slums und schaut sich an, wie sich dort aus Lehm und Müll Hütten bauen lassen. Erst dann gibt sie Geld, ein wenig Geld. Sie sollen es allein schaffen, die Firmen, denen sie hilft, und erst recht die UnternehmerTUM.

Ich darf Fehler machen, genauso wie andere Menschen

Das Jahr geht dahin, Hauptversammlungen, Gründertreffen, die geplante Übernahme von Altana - Susanne Klatten hat viel zu tun. Wenig Zeit, um an Sgarbi zu denken. "Ich habe mich innerlich davon distanziert. Schon um gesund zu bleiben, um sich nicht runterziehen zu lassen. Man ist ja das Ziel krimineller Energie."

Von Tag zu Tag geht es ihr besser. Sie schließt Frieden mit sich.

"Man muss Fehler machen. Ich habe gelernt, dass ich ein bisschen weicher werde, im positiven Sinne, wenn ich sage: Ich darf Fehler machen, genauso wie andere Menschen. Und ich bin nicht verantwortlich dafür, was der Rest der Welt von mir erwartet."

Im Sommer wird in Italien Sgarbis Mittäter verhaftet, erste Gerüchte dringen durch. Susanne Klatten weiß: Es wird nicht mehr lange dauern, bis alle Welt von ihrer Affäre erfährt. Sie fühlt sich gewappnet. Sie hatte ja Zeit, sich darauf einzustellen.

Und so wirkt sie, als sie im Oktober mal wieder in Hamburg ist und Unternehmer trifft, frei und glücklich wie lange nicht. Sie trägt goldene Sterne in den Ohren, einen nachtblauen Samtblazer und einen Batikrock, und sie strahlt und scherzt: "Du schon wieder", wirft sie Walter Gunz, dem Gründer von Media Markt, entgegen, der bei einem Mittagessen zu ihr tritt. Einige Bekannte wundern sich tuschelnd: "Ich kann das gar nicht glauben."

Einige Tage später "platzt die Bombe", wie Susanne Klatten sagt. "BMW-Erbin erpresst!" Klatten muss erfahren, wie groß die Illusion war, sie könne sich vorbereiten. Die Überschriften schreien sie nur so an. Ihr Gesicht prangt überall, im Fernsehen, in den Zeitungen, in Deutschland, England, China. All diese Einzelheiten: das Hotelzimmer, die Geldübergabe, ihre Aussagen bei der Polizei.

Kerner redet mit Erika Berger

Harald Schmidt kündigt eine Sondersendung an: "Geld oder Liebe, das Milliardärinnen-Spezial", und Johannes B. Kerner redet mit Sexberaterin Erika Berger darüber. Alle reden drüber. Nur eine schweigt.

Mitte November, Susanne Klatten am Telefon. Sie ist zu Hause in München. Ihre Stimme klingt fest und weich zugleich. Sie kann nicht frei sprechen, sagt sie, es ist ein laufendes Verfahren. Heute war ihre Geschichte wieder in den Lokalblättern. Und im Internet stehen die Protokolle der Vernehmung. "Das tut mir weh." Pause. "Man muss sich distanzieren, einen Schutz aufbauen. Sonst droht es mir schlecht zu gehen."

Also zurück in die alte Rolle? Disziplin, Schweigen? Nein, sagt sie. "Ich habe in den zwölf Monaten gelernt, mit dem Leben anders umzugehen, meinen Perfektionismus weiter abzulegen." Sie will den Weg weitergehen, den sie so spät gefunden hat. "Ich will gelassener werden, Ich habe mir die Aufgabe gestellt, fröhlich zu bleiben." Ein neues Leben wartet auf sie. Die Menschen kennen nun ihr Gesicht, ihre Geschichte. Wie das wohl ist für die Quandt-Erbin, die Milliardärin, die Frau, die ihr Leben lang in Geld gemessen wird?

"Ich habe viele Briefe bekommen", sagt Susanne Klatten. "Von Freunden, von Kollegen, von alten Klassenkameraden, die ich seit 35 Jahren nicht gesehen habe."

Pause.

"Das berührt mich. Ich werde sehr wohl als Mensch wahrgenommen."

von Lorenz Wagner
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KOMMENTARE (10 von 18)
 
snort (25.11.2008, 17:26 Uhr)
konsequente hofberichterstattung
mehr nicht.
als hätten wir es mit lady di der 2. zu tun.
dass sich sich betagte money-ladys jungpurschis kommen lassen ist kein geheimnis, genausowenig wie sich prominente schwuchteln am hauptbahnhof vergnügen.
das geseiere der ach so integren frau klatten in diesem blatt zeugt von höchster geldabhängigkeit des verlages gruner.
bild no.2
diese schachtel ist dermassen blöd sich erpressen zu lassen na und.
ich hoffe ihr angetrauter zieht konsequenzen oder erliegt dem mammon.
beides ist möglich letzteres zu befürchten.
geld macht geil.
wie wärs mal mit artikeln, die menschen interessieren, wie die grosse enteignung zurzeeit ???
feiges blatt.
Sanjoaquin (25.11.2008, 12:30 Uhr)
häh? @ Rummenigge
Wenn ich Ihre Argumentation richtig verstehe, dann meinen Sie also die Dame hätte sich nicht wehren dürfen, weil ihre Altvorderen Nazis waren?
rummeniggejunior (25.11.2008, 09:03 Uhr)
@ sanjoquin
häh? was ist das denn für ein argument? das hat nichts mit sippenhaft zu tun, eher mit moral. muss jeder selbst wissen, ob er mit milliarden glücklich werden kann, die opa und papa aus zwangsarbeitern rausgepresst haben. frau klatten kann offenbar. "du bist opfer, du musst dich wehren" - diese möglichkeit hatten die zwangsarbeiter nicht. vielleicht einfach mal ein bisschen recherchieren?
Sanjoaquin (25.11.2008, 08:32 Uhr)
Rummenigge oder Dummenigge?
Ich möcht bloss festhalten, dass die Sippenhaftung ein klassisches Kennzeichen der Nazizeit war. Ihr Argument war daher keine Nazikeule sondern eher ein Nazibumerang.
columbia10 (24.11.2008, 23:22 Uhr)
Liebe Susanne Klatten
Ihr Luxusproblem möchte ich auch haben...! Mein tief empfundenes Beileid zu 7-9 Mrd. Euro! Das ist wirklich eine schwere Last. Ich meinerseits hoffe, demnächst wieder eine sinnvolle Tätigkeit in der Immobilienberatung zu finden, nachdem mein Arbeitgeber in Konkurs gegangen ist. Das ist mein Problem. Haben Sie eine Idee, senden Sie mir eine Mail auf peter.braun1@gmx.ch
Für mich ein Rätsel: Wie konnte sich eine sooo disziplinierte und "defensive" Frau sooo hinreissen lassen? Gab es bei Ihrem Mann ein intimes Defizit, oder war Hypnose im Spiel? Wie haben Ihre Kinder auf die sonst so vorbildliche Mama reagiert? - Sie sprechen von, dass Sie Ehrlichkeit schätzen. Und weshalb haben Sie Ihren Mann betrogen und die Kinder geschockt? Weshalb, um alles in der Welt, flog Ihre Sicherung durch? Wäe Ihr Mann auch noch da, wenn Sie mittellos wären? Mal drüber kurz nachdenken.
Sternchen2020 (24.11.2008, 18:09 Uhr)
Ohne Zweifel
ist das Verbrechen, das hier begangen wurde, das Allerletzte und mein Mitgefühl gilt in jedem Fall Frau Klatten. Allerdings ist die Presse diesmal einhellig sehr gnädig mit dem Thema umgegangen, insofern kann ich die Klagen über die Presseartikel nicht ganz nachvollziehen. Bei vielen anderen Personen hätte es eine gnadenlose Schlacht um die perfideste Story aller zeiten gegeben. es mag an den hohen Anzeigenaufträgen liegen, dass dies hier unterblieb, sogar bei er Zeitung mit den vier großen Buchstaben. es wäre zu wünschen, dass auch andere Prominente in schwierigen Situationen mit gleicher Achtung von den Medien behandelt werden, auch wenn sie keine großen Werbeaufträge vergeben. Denn der Sensationsjournalismus ist zutiefst primitiv udn hat sich überlebt.
H.P. (24.11.2008, 17:53 Uhr)
@djchrisi (24.11.2008, 17:40 Uhr) betrogene Betrügerin
Sie hat zu viel von sich selbst und von anderen verlangt, nun wurde sie eines besseren belehrt, keiner ist perfekt, selbst der Papst nicht. Wie gesagt, wir alle sollten uns an die eigene Nase fassen und nicht den Richter spielen.
ruebesamen (24.11.2008, 17:46 Uhr)
Toller Artikel!
Ich habe selten einen so langen und trotzdem guten Artikel im Stern gelesen.Frau von Klatten ist schon bemerkenswert und hat sich von der "bloßen" Erbin hin zu einem großartigen Menschen entwickelt. Ich gönne ihr das vollkommen neidlos!
djchrisi (24.11.2008, 17:40 Uhr)
betrogene Betrügerin
Mein Mitleid hält sich in Grenzen. Wer, wie im Artikel beschrieben:"Ist jemand wahrhaftig, der vor mir sitzt? Ich möchte jemanden ehrlich spüren und nicht betrogen werden."/Seite 2/ als Lebensmotiv wählt, dem darf ein solcher Fehler nicht passieren. Nicht dieser Fehler. Das darf einfach nicht passieren.
Und dann das Geschwafel von Disziplin, Ehrlichkeit und Vertrauen.
Große Worte, nichts dahinter!
H.P. (24.11.2008, 17:34 Uhr)
Geld ist nicht alles!
Bestimmt ist das Leben einfacher wenn man reich ist, doch Freiheit, Liebe und Glück ist nicht käuflich. Reiche Menschen sind nicht glücklicher und wenn man so viel Geld hat wie Frau Klatten, kann es zum Fluch werden, nicht umsonst sagte Jesus einem Reichen, gib alles weg und folge mir nach, erst dann wirst Du dich selbst finden, dann erst wirst Du frei sein, frei in allem. Wer innerlich nicht frei ist, dem kann der Reichtum zum Fluch werden. Die meisten Menschen können sich nicht vorstellen so reich zu sein, deshalb schauen sie mit Neid und Missgunst auf Menschen wie Frau Klatten, anstatt selbst etwas aus ihrem Leben zu machen und die eigenen Fehler zu sehen. Wir alle machen Fehler, wer ohne Schuld ist werfe den ersten Stein. Jeder lernt aus seinen Fehler, ich persönlich wünsche Frau Klatten alles Gute und viel Kraft das alles durchzustehen. Geld ist nicht alles!!
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