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29. Oktober 2003, 15:39 Uhr

Unter Kinderschändern

Die "AG Pädo" in der AHS trifft sich zweimal im Jahr, in der Regel in Jugendherbergen. Zum Beispiel, im April dieses Jahres, in der Jugendherberge Mainz. Dort habe ich auch Lukas kennen gelernt. Der wohnt, wie die anderen Teilnehmer auch, übers Wochenende in der Jugendherberge. Ich begleite ihn auf einem Spaziergang über den Spielplatz neben der Herberge, im Volkspark Mainz. Lukas ist Österreicher, Mitte 30. Oberhalb des halblangen und viel zu weiten blauen Parkas wuchert ein schwarzer Bart über Kinn und Hals. Lukas scheint ständig zu grinsen, wenn er kleine Mädchen beobachtet oder ihnen quer über den Spielplatz nachläuft. Er ist ein "Girllover". Vor den Schaukeln versucht er, kleinen Mädchen zwischen die Beine zu schauen. Er fixiert ein etwa sieben oder acht Jahre altes Kind. Wieder grinst er. "Die sieht aus wie meine Perserin, die hab ich kennen gelernt, als sie acht war." Und bedauert: "Jetzt ist sie aber schon elf." Zu alt.

Wir stehen vor dem bunten Bummelzug, der eine Runde durch den Volkspark gezuckelt ist und jetzt angehalten hat. Lukas glotzt ein kleines schwarzhaariges Mädchen fasziniert an. Ihren türkischen Eltern scheint das nicht aufzufallen. Ein Glück, dass sie nicht wissen, was Lukas laut vor sich hinträumt: "So ein drei- oder vierjähriges Mäderl mal nicht nur auf den Mund zu küssen, sondern mal ein bisschen zu stimulieren, die Klitoris berühren, in so einen kleinen Schlitz hinein ? Wenn's dich dann so anschaut, von oben - so süß, so schön."

Er hat sich, wie schon zweimal zuvor an diesem Nachmittag, in Erregung geredet. "Bei mir wächst da schon wieder was, jetzt spannt mir wieder die Hose, ich muss das erst mal abarbeiten", sagt er, grinst dabei wieder und läuft schnurstracks zur Toilette im Cafe am Volkspark.

In der Jugendherberge tagt die "AG Pädo" in zwei Gruppen. Berät, wie man in einer spießigen Gesellschaft seine Ansprüche durchsetzen kann. Denn, so heißt es in der Szene-Zeitschrift "Der Knüpfer" frei nach Rosa von Praunheim: "Nicht der Pädo ist pervers, sondern die Gesellschaft, in der er lebt." "Wir Pädos", meint ein Tagungsteilnehmer ernsthaft, "werden inzwischen verfolgt wie damals die Hexen oder die Juden."

Abends dann ein gemütliches Beisammensein in der Bar der Jugendherberge. Die Gespräche werden privater. Thomas, ein schüchterner Mann um die 40, kommt aus Berlin. Er stellt in geselliger Runde die Frage, ob der achteinhalbjährige Junge, den er daheim betreut, wohl tatsächlich den Sex mit ihm will oder ihm vielleicht nur einen Gefallen damit tut. "Aber", so sein Fazit, "ist ja auch letzten Endes egal." Die Runde lacht mal kurz und laut auf. Dass Thomas das Alter des Jungen mit "achteinhalb" angibt, ist kein Zufall: Unter Pädos ist ein Kind nicht einfach fünf, acht oder elf. Hier zählt jedes halbe Jahr. Ich verabrede mich mit Thomas in Berlin.

Redaktionelle Betreuung: Werner Mathes

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