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7. Juli 2011, 09:30 Uhr

Boulevardblatt soll Familien toter Soldaten abgehört haben

Die britische Zeitung "News of the World" steht zunehmend unter Druck. Journalisten des Blattes sollen sich Zugang zu vertraulichen Daten verschafft haben. Neben den Telefonen von Promis wie Sienna Miller sollen auch die Mailboxen von Familien getöteter Soldaten angezapft worden sein.

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Das "News International"- Hauptquartier in London© Olivia Harris/Reuters

Ein Abhörskandal um die britische Boulevardzeitung "News of the World" hält Großbritanninen in Atem. Möglicherweise seien auch die Angehörigen von im Einsatz getöteten britischen Soldaten abgehört worden, berichtet die Zeitung "The Telegraph". Dem Bericht zufolge verfügte der Privatdetektiv, der im Mittelpunkt des Skandals steht, über die persönlichen Daten der Hinterbliebenen von Soldaten, die im Irak oder in Afghanistan getötet wurden. Der Verlag News International des Medienunternehmers Rupert Murdoch zeigte sich "absolut entsetzt", sollten sich die Berichte bewahrheiten, wonach "News of the World" Nachrichten angezapft habe, die für die Hinterbliebenen toter Soldaten bestimmt waren.

Immer mehr Details veröffentlicht

"News of the World" soll unter anderem die Telefone von Prominenten wie beispielsweise Sienna Miller und Mitgliedern des Königshauses angezapft haben, um so an Storys über ihr Privatleben zu kommen. Die Affäre beschäftigt Großbritannien seit Jahren, wegen der illegalen Aktionen wurden 2007 bereits ein Journalist und ein Privatermittler verurteilt.

In den vergangenen Tagen kamen neue Einzelheiten ans Tageslicht. Journalisten der Zeitung könnten demnach auch Telefongespräche von Angehörigen der Opfer der Terroranschläge auf die Londoner U-Bahn 2005 abgehört haben. Graham Foulkes, dessen Sohn David bei den Anschlägen ums Leben kam, sagte der BBC, die Vorstellung, dass seine Anrufe mitgehört worden seien, sei "einfach entsetzlich". Nach Polizeiangaben könnten auch die Handys der Eltern von zwei im Jahr 2002 in Ostengland ermordeten zehnjährigen Mädchen geknackt worden sein.

"Bedauerlich und nicht akzeptabel"

Zuvor war bereits bekannt geworden, dass im Auftrag der Zeitung 2002 auch das Handy eines verschwundenen und später ermordeten Mädchens geknackt wurde. Journalisten des Blattes hörten die Mailbox der 13-jährigen Milly ab, auf der Eltern und Verwandte immer verzweifeltere Nachrichten hinterließen. Als die Mailbox voll war, sollen die Journalisten sogar einige Nachrichten gelöscht haben, um Platz für neue zu schaffen. Die Eltern und die Polizei hatten dies damals als Zeichen gewertet, dass das verschwundene Mädchen noch am Leben sei. Die Leiche der 13-Jährigen wurde sechs Monate später in einem Wald gefunden.

Premierminister David Cameron hatte am Mittwoch Untersuchungen der Vorwürfe gefordert. Murdoch hatte die Vorwürfe als "bedauerlich und nicht akzeptabel" bezeichnet und beteuert, sein Unternehmen werde bei den Ermittlungen "vollständig und proaktiv" mit der Polizei zusammenarbeiten. Die oppositionelle Labour-Partei forderte inzwischen den Rücktritt der Chefin von News International, Rebekah Brooks. Sie war zur Zeit der Abhöraktionen Chefredakteurin bei "News of the World". Der Zeitung "The Times" vom Donnerstag zufolge steht die Festnahme von fünf Mitarbeitern von "News of the World" wegen des Abhörskandals kurz bevor.

ins/AFP
 
 
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