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10. Juli 2003, 16:18 Uhr

Glückwünsche und Gegenmaßnahmen

Während zwei Drittel der Deutschen die Absage des Kanzlers für richtig halten, kritisierte die Opposition die Reaktion als "unsouverän". Inzwischen folgte ein weiterer SPD-Politiker Schröders Beispiel: Generalsekretär Olaf Scholz wird nun nach Frankreich reisen.

Zieht einen Italien-Trip als Gegenmaßnahme zum Boykott in Erwägung: FDP-Chef Guido Westerwelle© ddp

Nach Bundeskanzler Gerhard Schröder hat auch SPD-Generalsekretär Olaf Scholz auf seinen Italien-Urlaub verzichtet. Scholz werde stattdessen nach Frankreich reisen, erklärte eine SPD-Sprecherin. Ob die Bundesminister Otto Schily und Joschka Fischer die Ferien wie in früheren Jahren in der Toskana verbringen werden, blieb weiter offen.

Zwei Drittel der Deutschen unterstützen Entscheidung

Nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag von N24 unterstützen zwei Drittel der Deutschen die Entscheidung Schröders, seine Italien-Reise zu stornieren und stattdessen mit seiner Familie im heimischen Hannover zu bleiben. Aus der Opposition kam dagegen Kritik. FDP-Chef Guido Westerwelle zog einen Italien-Trip als Gegenmaßnahme zu dem Boykott in Erwägung.

Der SPD-Vorsitzende Schröder hatte seinen Adria-Urlaub südlich von Rimini nach den antideutschen Ausfällen des italienischen Tourismus-Staatssekretärs Stefano Stefani abgesagt. Scholz schloss sich nun dieser Entscheidung an. Italien habe für Scholz zu den "Kandidaten" bei der Suche nach einem Reiseziel gezählt, sagte eine SPD-Sprecherin. Jetzt habe er sich für Frankreich entschieden. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung hatte der SPD-Generalsekretär bereits eine Reise in die Abruzzen gebucht.

Schily und Fischer bekennende Toskana-Fans

Ob nach Schröder auch weitere Mitglieder des Bundeskabinetts ihre Reisepläne ändern wollen, wurde zunächst nicht bekannt. Innenminister Schily hatte bereits am Mittwoch erklärt, er werde die Entscheidung für sich selbst treffen. Der SPD-Politiker besitzt ein Haus in der Toskana. Das Auswärtige Amt erklärte, zu privaten Reiseplänen Fischers äußere man sich grundsätzlich nicht. Der Außenminister ist wie Schily bekennender Toskana-Fan.

Fischer sagte im Fernsehsender n-tv zu der Affäre um die Ausfälle Stefanis, die deutsch-italienischen Beziehungen dürften keinen Schaden durch "unverantwortliche Äußerungen" nehmen. "Das muss überwunden werden."

Derzeit nur eine Italien-Reise sicher

Derzeit ist nur eine Italien-Reise eines hochrangigen deutschen Koalitionspolitikers in den nächsten Wochen sicher. Dabei handelt es sich allerdings um eine Dienstreise: SPD-Vorstandsmitglied Christoph Zöpel wird seine Partei am 18. und 19. Juli bei einem Kongress der Sozialistischen Internationalen in Rom vertreten.

An der FDP-Spitze hat die Affäre dagegen offenbar die Lust auf Italien geweckt. Parteichef Westerwelle, der seinen Urlaub eigentlich in Deutschland verbringen wollte, sehnt sich nun nach südlicher Sonne. "Meine Solidarität gehört den wackeren Italien-Reisenden Joschka Fischer und Otto Schily." Seine Aussichten, eine Reise nach Italien als "qualifizierter Tourist aus Deutschland" bewältigen zu können, beurteilte Westerwelle optimistisch: "Schließlich bin ich blond." Stefani hatte die Deutschen als "einförmige, supernationalistische Blonde" bezeichnet.

Glos sieht Ablenkungsmanöver des Kanzlers

CSU-Landesgruppenchef Michael Glos mutmaßte, Schröder wolle mit der Absage von den wirklichen Problemen des Landes ablenken. Er sprach dem Kanzler Gelassenheit ab. "Schröder fehlt in solchen Dingen manchmal die Lockerheit, die er sonst immer betont, und in dieser Hinsicht ist er durchaus verbesserungsbedürftig."

Der CDU-Abgeordnete im Europäischen Parlament, Elmar Brok, bezeichnete die Absage Schröders als Ausdruck eines "unverantwortlichen Populismus". "Wenn einzelne Politiker Unsinn reden, dürfen dafür nicht die Völker verantwortlich gemacht werden."

Michael Fischer
 
 
 
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