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Schwangere tot, Katholizismus gerettet

Einer jungen Inderin ist in Irland eine Abtreibung verweigert worden. "Dies ist ein katholisches Land", sollen die Ärzte gesagt haben. Sie starb kurz darauf an einer Blutvergiftung.

Von Alina Bube und Thomas Schmoll

  Nach dem Tod von Savita Halappanavar fordern Demonstranten vor dem irischen Parlament in Dublin eine Reform des Abtreibungsgesetzes.

Nach dem Tod von Savita Halappanavar fordern Demonstranten vor dem irischen Parlament in Dublin eine Reform des Abtreibungsgesetzes.

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Alina Bube und Thomas Schmoll

Ein Mann bringt seine schwangere Frau in eine Klinik. Sie leidet unter heftigen Rückenchmerzen. Eine Untersuchung ergibt, dass das Kind eine Fehlgeburt sein würde. Da das Baby nicht zu retten ist, verlangt die Frau eine Abtreibung. Doch die wird ihr versagt. Eine Woche später ist die Frau tot.

Das Paar aus Indien - er Ingenieur, sie Zahnärztin - hatte geglaubt, Irland sei "ein guter Ort, ein Baby zu bekommen". Ihr Inseltraum wird zum Alptraum. Savita Halappanavar ist in der 17. Schwangerschaftswoche, als sie am 21. Oktober in der Universitätsklinik im irischen Galway aufgenommen wurde. Drei Tage lang verlangt die 31-Jährige nach Schilderungen ihres Mannes Praveen Halappanavar nach Entfernung des Fötus. Die Ärzte weigern sich, den Eingriff vorzunehmen, weil das Herz des Babys noch schlage. Einer sagt nach der Erinnerung Halappanavars: "Sorry, wir können Ihnen nicht helfen, dies ist ein katholisches Land." Mit anderen Worten: Abtreibung streng verboten. "Savita sagte, dass sie nicht katholisch, sondern Hindu ist. Also warum wenden sie das Gesetz ihres Landes an?" Die Mediziner lassen sich den Aussagen Halappanavars zufolge nicht überzeugen. Die Frau kollabiert und stirbt auf der Intensivstation an den Folgen einer Blutvergiftung.

Praveen Halappanavar berichtet später in diversen irischen und britischen Zeitungen über die letzten Stunden seiner Gattin, wie sie mit dem Tod rang, wie er erst sein Kind und dann seine Frau für immer verlor. Erst als keine Herztöne mehr zu hören gewesen seien, hätten die Ärzte den Fötus entfernt, sagt der 34-Jährige im "Guardian". Da war es wahrscheinlich bereits zu spät. In der "Daily Mail" erzählt er über den traurigen Abschied von seiner Frau, als eine Schwester eine Stunde nach Mitternacht zu ihm geeilt kommt und sagt: "Sie müssen jetzt sehr tapfer sein." Die Klinikangestellte fragt, ob er dabei sein wolle, wenn Savita Halappanavar die letzten Minuten ihres jungen Lebens verbringe. "Ja, ich will", sagt er der Daily Mail. "Ich hielt ihre Hand. Sie (die Ärzte - die Red.) versuchten, sie wiederzubeleben." Schließlich teilte ein Doktor mit, dass er und sein Team den Kampf verloren haben.

Minimale Korrekturen

Halappanavars Tod sorgt in Irland für heftige Proteste und entfachte die Diskussion über die strikten Abtreibungsgesetze des Landes auf ein Neues. Premierminister Enda Kenny nannte den Fall eine "Tragödie", lehnte es aber ab, den Tod der 31-jährigen weiter zu kommentieren, da noch zwei Untersuchungen dazu liefen. Die Labour-Partei, die Kennys große Koalition als Juniorpartner trägt, fordert eine Lockerung der Vorgaben, zumal Jahr für Jahr eine nicht bekannte Zahl von Frauen im Ausland, vor allem in Großbritannien, abtreiben lässt. Kennys konservative Fine Gael, die größte Volkspartei auf der Insel, hält dagegen.

1992 war einem 14-jährigen Vergewaltigungsopfer nicht nur die Abtreibung in Irland versagt worden. Man hielt sie auch davon ab, außer Landes Hilfe zu suchen. Das Oberste Gericht des Landes bewilligte dem Mädchen schließlich die Ausreise nach England, wo es das ungewollte Kind abtreiben ließ. Der Fall hatte weltweit für Aufsehen gesorgt.

2009 urteilte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte über das irische Abtreibungsverbot. Drei klagende Frauen erhielten Recht. Die Regierung in Dublin musste handeln und das Gesetz überarbeiten. Die Änderungen vielen aber nur marginal aus, weshalb die Regeln nach wie vor heftig umstritten sind. In dem streng katholischen Inselstaat sind Schwangerschaftsabbrüche nur dann erlaubt, wenn das Leben der Mutter unmittelbar gefährdet ist. Ein Arzt ist verpflichtet, diese Risiken abzuwägen, gleichzeitig aber auch das Leben des Babys zu schützen. Die Entscheidung liegt im persönlichen Ermessen der Mediziner.

Die Gegner einer Liberalisierung der Vorgaben verweisen genau darauf und stellen den Fall Halappanavar deshalb als individuellen Fehler der Ärzte dar. Also: Reform unnötig. Patrick Nulty von der Labour-Partei hält dagegen und fordert, das Parlament müsse nun endlich Verantwortung übernehmen und das Gesetz modernisieren.

Rechtliche Schritte gegen das Krankenhaus

Zwei Untersuchungen des aktuellen Falls laufen gerade. Eine führt die Klinik selbst durch, die andere eine unabhängige Kommission. Geklärt werden soll, ob die Ärzte das Leben der Mutter nicht ausreichend geschützt, also versagt haben. Halappanavars Familie will rechtlich gegen das Krankenhaus vorgehen.

Gesundheitsminister James Reilly ließ sich mit den Worten zitieren: "Wenn herauskommt , dass hier aus moralischen oder religiösen Gründen gezögert wurde, ist das eine sehr ernste Angelegenheit." In einem Zwischenbericht der einen Untersuchung heißt es, dass Schlussfolgerungen gezogen und Empfehlungen verkündet werden sollten, "um einen ähnlichen Vorfall in Zukunft zu vermeiden". Für das Paar aus Indien kommt das zu spät.

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