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11. März 2009, 13:07 Uhr

Papst gibt Fehler zu

In der Affäre um den Pius-Bruder und Holocaust-Leugner Richard Williamson hat der Papst erstmals Fehler zugegeben. Benedikt kündigte Konsequenzen an - unter anderem eine stärkere Nutzung des Internets.

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In der Affäre um die umstrittene Pius-Bruderschaft hat der Papst Fehler eingeräumt© DPA

Papst Benedikt XVI. räumt in einem persönlichen Brief zur umstrittenen Rücknahme der Exkommunikation von vier Piusbrüdern Fehler ein und kündigt Konsequenzen an. In dem Schreiben betont Benedikt nachdrücklich seinen Willen zur Versöhnung, beklagt aber auch die "Feindseligkeit", die ihm von Katholiken entgegengeschlagen sei. Nach Angaben des Vatikans wird der Brief am Donnerstag veröffentlicht.

Laut Vorabbericht heißt es darin, eine erste "Panne" des Heiligen Stuhls sei es gewesen, die Bedeutung des Internets unterschätzt zu haben. Man hätte die Ansichten des Holocaust-Leugners Richard Williamsons rechtzeitig erfahren können, ohne dass die Veröffentlichung in "unvorhergesehener" Weise mit der Teilrehabilitierung zusammengefallen wäre. Der Vatikan müsse daher in Zukunft dem globalen Web mehr Aufmerksamkeit schenken. Zweitens habe man "nur ungenügend erläutert", warum die Exkommunikation der vier Bischöfe zurückgenommen worden sei und was dies bedeute.

Dank an die "jüdischen Freunde"

Benedikt bedauert den Dokumentationen zufolge zutiefst, dass all dies "den Frieden zwischen Christen und Juden wie auch den Frieden in der Kirche für einen Augenblick gestört hat". Es betrübe ihn dabei, "dass auch Katholiken, die es eigentlich besser wissen konnten, mit sprungbereiter Feindseligkeit auf mich einschlagen zu müssen glaubten". Er dankte deshalb den "jüdischen Freunden", die geholfen hätten, das Missverständnis schnell aus der Welt zu schaffen und die Atmosphäre der Freundschaft und des Vertrauens wiederherzustellen.

"In unserer Zeit, in der der Glaube in weiten Teilen der Welt zu verlöschen droht wie eine Flamme, die keine Nahrung mehr findet, ist es allererste Priorität, Gott gegenwärtig zu machen und den Menschen den Zugang zu Gott zu öffnen", so schließt das Schreiben in einer pessimistischen Note über die "Orientierungslosigkeit" der Menschheit. Die zerstörerischen Wirkungen würden immer sichtbarer.

Die Rücknahme der Exkommunikation der vier Bischöfe der erzkonservativen Priesterbruderschaft Pius X., darunter der Holocaust-Leugner Richard Williamson, hatte im Februar weltweit Empörung ausgelöst. Im Kreuzfeuer der Kritik stand vor allem die von Kardinal Dario Castrillón Hoyos geleitete Päpstliche Kommission "Ecclesia Dei", die für die Bruderschaft zuständig ist. Dem Schreiben zufolge will Benedikt die Kommission künftig der Glaubenskongregation angliedern. Das könnte eine stärkere Kontrolle ihrer Arbeit bedeuten.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
cebo21 (12.03.2009, 10:58 Uhr)
Fehler zu geben aber die Entscheidung
nicht zurück nehmen. Wie passt das denn zusammen? Der Eindruck, dass es nicht aufrichtig gemeint ist liegt sehr nahe. Man könnte auch von einer Lüge sprechen. Ärgerlich für den Vatikan, dass das wahre Gesicht ans Tageslicht gekommen ist. Der alte Mann kann nicht einmal gekündigt werden.
Ja, so ist es mit den Religionen.
Anstatt die Grundbotschaften der Religionen an die gesamte Menschheit weiter zu geben, werden Andersgläubige ausgegrenzt. Es wird wie in der Politik daran gearbeitet den Kreis der Anhänger auszuweiten. Dabei werden immer wieder leider auch Entscheidungen getroffen, die nicht "sauber" sind. Die Ehrlichkeit zur Erfüllung der eigentlichen Aufgaben werden hierbei von Fall zu Fall verfehlt.
Wenn einer Mist macht, dann hat einer eben Mist gemacht.
Ach-nee (12.03.2009, 10:38 Uhr)
Kaum zu glauben..
Offenbar hat er erkannt, das die Kirche vor die Hunde geht.
Was er aber wohl nicht sieht ,oder es zumindest nicht äußert, ist der mögliche wahre Grund.
Stillstand bedeutet Tod. Und die Kirche steht (aus meiner Sicht) mit ihren immer gleichen Dogmen still. Wieder verfällt die Kirche (der Papst) in alte Deutungen. So sagt der Papst, “Orientierungslosigkeit“, meint damit die Menschheit und befindet sich doch selbst in dieser Phase. Verdrehte Welt, nicht wahr? Er schreibt : Die zerstörerischen Wirkungen werden immer sichtbarer. Eine seltsame Sicht ist das. Die Religion hatte ( jetzt nicht mehr)doch Macht, somit die Kraft gerade dieses zu verhindern. Sie hat es nicht bewirkt. Von den Fundamentalisten (auch die in anderen Religionen) ganz zu schweigen. Wer bitte verdreht in alter Manier da die Tatsachen? Wie immer sind es die „Anderen“ die Schuld sind. Was für ein Dreck, was für ein Kampf um den Machterhalt.
Die nötige Evolution in der Kirche hat nicht stattgefunden, sie zerfällt an ihren eigenen Regeln. Soll das etwa Vorbild für die Menschen sein?
binausgold (12.03.2009, 09:38 Uhr)
@schroettel
beweise, daß es keinen gibt. es gibt weder beweise für noch gegen gott. das ist schon mal punkt 1. punkt 2 ist, daß jeder normal denkende gläubige, egal welchen glaubens er anhängt, gott nicht für seine fehler verantwortlich macht, denn das ist kindisch und dumm. jemand mit menschenverstand weiß das und tut das nicht, egal ob gläubig oder nicht. so nun schauen sie sich in der welt um und machen sie sich ein bild um den gesunden menschenverstand der meisten erdenbürger.
gruß
Watschdog39 (12.03.2009, 09:08 Uhr)
Was hier so
abgeht ist eigentlich ebenso Volksverhetzung wie alle Angriffe gegen den jüdischen Glauben und den Holocaust!!!
Es steht JEDEM frei ein gläubiger Christ, Moslem oder was immer zu sein!!
Es steht auch jedem frei dies NICHT zu sein!!!
Aber es steht niemand frei den Glauben eines Anderen zu schmähen,zu beleidigen und seine innersten Gefühle auf das Gröbste zu verletzen.
Bezeichnend für den Stern ist aber, das diese Schmähungen hier offen toleriert werden.
Goldfire (11.03.2009, 21:42 Uhr)
Mal ganz ruhig...
Die Republik ist tolerant und sollte aus den Fehlern des Dritten Reiches gelernt haben. Das haben wir. Aber ich frage mich, ob ihr das auch getan habt. Was ich hier lesen muss, reicht von Verleumdung bis hin zu unverschämten Beleidigunden. Seid wohl alle links/rechts(-radikale), jedenfalls bewegt ihr euch auf dem gleichen Niveau.
manesse (11.03.2009, 19:53 Uhr)
An den meisten
hier zu lesenden Kommentaren ist ersichtlich, dass wir in einem thersiteischen Zeitalter leben. Hirnloses Schafsgeblöck allenthalben, ohne geringste Kenntnis der zugrundeliegenden Sachverhalte. Da bin ich doch lieber Katholik und freue mich an den klugen Worten des Papstes.
Ernst1 (11.03.2009, 16:51 Uhr)
Sensationell
Der Vatikan hat keine 300 Jahre gebraucht um einen Fehler zu bemerken. Das ist glaube ich Weltrekord für den Vatikan
wastl-one (11.03.2009, 15:56 Uhr)
Was für ein armseliger Gott!
Wenn Gott es wirklich nötig hat von Herrn Ratzinger in der Welt präsent gemacht zu werden und ihn den Menschen zu erschließen - er offensichtlich nicht selbst dazu in der Lage ist - dann können wir auf ihn wirklich verzichten
Rüdiger Sebastian
97084 Würzburg
schroettel (11.03.2009, 15:26 Uhr)
Unfehlbarkeit II
Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gibt es keinen Gott, also gibt es auch keinen Willen Gottes und erst Recht keinen Menschen, der das Wissen um Gottes Willen beanspruchen könnte.
Für alles was man sagt oder tut ist man selbst verantwortlich, ob der Papst im Vatikan oder Horst Schlemmer aus Grevenbroich und nicht "Gott".
hq79 (11.03.2009, 15:01 Uhr)
Unfehlbarkeit
Ich schreibe es mal ganz simpel, genaueres läßt sich im Netz nachlesen.
Der Papst ist nur dann unfehlbar, wenn er ein Dogma als von Gott gewollt deklariert (das passiert übrigens nicht sehr häufig). Auch in der katholischen Kirche stellt der Papst einen Menschen mit all den menschlichen Unzulänglichkeiten und Schwächen dar.
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