Zwölf Kinder bei Nato-Luftangriff getötet

29. Mai 2011, 14:58 Uhr

Schwerer Zwischenfall: Bei einem Natoangriff in der afghanischen Provinz Helmand sollen 14 Zivilisten getötet worden sein – darunter auch zwölf Kinder.

Afghanistan, Helmand, Luftangriff, Kinder

Bei einem Natoluftangriff sind afghanischen Behörden zufolgen auch Kinder getötet worden©

Wieder werfen afghanische Behörden der Nato vor, Zivilisten bei einem Bombardement getötet zu haben. Besonders tragisch: Diesmal soll es sich um zwölf Kinder und zwei Frauen handeln. Zwischen der Nato und der afghanischen Regierung drohen neue Spannungen.

Bei einem Nato-Luftangriff in der südafghanischen Provinz Helmand sind nach Angaben der Provinzregierung 14 Zivilisten getötet worden, darunter zwölf Kinder. Der Sprecher des Provinzgouverneurs, Daud Ahmadi, sagte, bei dem Bombardement in der Nacht zu Sonntag seien fünf Mädchen, sieben Jungen und zwei Frauen ums Leben gekommen. Drei Kinder, eine Frau und zwei Männer seien verletzt worden. Bei einem weiteren Nato-Luftangriff wurden in der ostafghanischen Provinz Nuristan nach Angaben des Gouverneurs "versehentlich" 18 Zivilisten und 20 Polizisten getötet.

Ahmadi sagte, US-Truppen seien im Distrikt Nawzad zunächst von Taliban-Kämpfern beschossen worden und hätten um Luftunterstützung gebeten. Daraufhin seien zwei Wohnhäuser mit Zivilisten bombardiert worden. Der Gouverneur von Nuristan, Dschamaluddin Badr, sagte am Sonntag, zu den Opfern in der Zivilbevölkerung und unter der Polizei sei es bereits am Donnerstag gekommen. Taliban hätten Dorfbewohner als menschliche Schutzschilde missbraucht und von Wohnhäusern aus auf afghanische und ausländische Truppen geschossen.

Isaf untersucht Vorfälle

Badr sagte weiter, Polizisten seien im Nahkampf mit Aufständischen versehentlich bombardiert und getötet worden. Die Kämpfe seien am Sonntag vor einer Woche entflammt, als Hunderte Aufständische vorübergehend den Distrikt Du Aab überrannten. Afghanische und ausländische Truppen hätten die Taliban in einwöchigen Kämpfen wieder zurückgedrängt. Bei den Gefechten und den Luftangriffen seien mindestens 85 Taliban-Kämpfer getötet und Dutzende verletzt worden.

Ein Sprecher der Nato-geführten Internationalen Schutztruppe Isaf sagte, man kenne die Vorwürfe über angebliche zivile Opfer in Helmand und Nuristan. Die Isaf untersuche beide Vorfälle. Zivile Opfer bei Nato-Angriffen sorgen für zunehmenden Unmut in der afghanischen Regierung und Bevölkerung.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai hatte das Verteidigungsministerium erst am Samstag angewiesen, Angriffe ausländischer Truppen zu verhindern, die nicht mit den Afghanen koordiniert sind. Das Ministerium soll nach der Direktive außerdem die gezielten nächtlichen Operationen von US-Spezialeinheiten - sogenannte Night Raids - unter seine Kontrolle bringen. Die Anordnung Karsais dürfte zu Spannungen mit der Nato führen.

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