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Aktivist kapert Astro-TV-Sendung und fordert Lizenzentzug

Das hat keiner der angestellten "Wahrsager" bei Astro TV kommen sehen: Ein Aktivist fordert in der Live-Sendung den Entzug der Sendelizenz. Dabei hatte der Sender ihn selbst eingeladen.

Von Finn Rütten

  Nachdem er dem Moderator ein Ei über dem Kopf zerdrückte, wandte sich der Aktivist an die Zuschauer und forderte ein Verbot von Astro TV

Nachdem er dem Moderator ein Ei über dem Kopf zerdrückte, wandte sich der Aktivist an die Zuschauer und forderte ein Verbot von Astro TV

Astro TV hat sich auf des Geschäft mit der Not verzweifelter Menschen spezialisiert. Unter dem Oberbegriff "Lebensberatung" bieten fragwürdige Esoteriker den Anrufern ein breites Spektrum an seltsamen Methoden. Tarot-Karten werden gelegt, Pendel geschwungen und notfalls wird auch zu Engeln Kontakt aufgenommen. Bis zu fünf Euro die Minute lässt sich der Abzocksender seine "Dienste" kosten. Dem Zuschauer wird vorgegaukelt, er bekomme einen Einblick in seine Zukunft. Was sich am Donnerstagnachmittag in der Live-Sendung "Besser leben - Zeit für mich" abspielte, hatte allerdings keiner der beschäftigten "Wahrsager" vorhergesehen.

Die Berliner Protestgruppe "Peng Collective" wollte auf die dunklen Machenschaften des Senders hinweisen und ist dafür einen besonders kreativen Weg gegangen. Sie schleusten einen ihrer Aktivisten als Esoterik-Clown Pjotr Wasabi in die Show. Dieser schwadronierte zuerst etwas von dunklen Ecken hier und hellen Orten dort, während er albern herumgestikulierte. Der Moderator Jens Garling nickte zustimmend.

Anschließend gab er vor, ein Expermiment mit dem Moderator starten zu wollen. Wasabi wollte ein Ei über dessen Kopf zerschlagen, um so für eine "bessere Verknüpfung der beiden Gehirnhälften" zu sorgen. Der Moderator willigte ein, doch als der Aktivist das Ei zerdrückte, suchte er die Kamera und sprach die Zuschauer direkt an: "Wir finden, Astro TV sollte die Sendelizenz entzogen werden, denn das, was hier stattfindet, ist Betrug." Dann verkündete er noch den Namen der Webseite für weitere Informationen zu ihrer Position. Auch eine Petition gegen Astro TV gibt es dort.

Dass die ganze Aktion gelang, war allerdings auch ein bisschen Glück. Die TV-Verantwortlichen bei Astro TV hatten einen Esoterik-Clown für ihre Sendung gesucht und bei einem Mitglied des Kollektivs angefragt, der auch als Clown arbeit. Dieser reagierte schnell, ließ eine Fake-Website für den fiktiven Herrn Wasabi erstellen und verwies auf den spirituellen Kollegen, der dann von Astro TV tatsächlich eingeladen wurde.

Die hinter Astro TV stehende Adviqo AG reagierte wenig gelassen auf den Auftritt und schickte den Aktivisten prompt eine Unterlassungserklärung ins Haus. Die Verbreitung des Sendematerials auf Twitter, Youtube und Facebook erfolge gegen den Willen von Astro TV und möge daher sofort unterlassen werden. Darüber hinaus erfülle der ganze Vorgang den Tatbestand des Hausfriedensbruchs und der Sachbeschädigung. Die Aktivisten unterzeichneten nicht und verbreiten das Material fröhlich weiter im Netz.

Derzeit haben die TV-Scharlatane von Astro TV eine Lizenz der Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg, die bis 2018 gilt. Zum dahinter stehenden Unternehmen Adviqo gehören auch die "Lebensberatungs"-Hotlines von Questico und Viversum. Der Konzern verteibt auch zahlreiche esoterische Produkte, wie "Raumenergieobjekte" und "Glückskristalle" zu horenden Preisen. Der Jahresumsatz liegt nach Angaben der Aktivisten bei rund 90 Millionen Euro. Das könnte unter anderem auch an Fällen wie jenem aus dem Jahr 2007 liegen. Damals vertelefonierte eine Frau rund 38.000 Euro durch Gespräche mit Questico-Leuten.

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