Zur Ayurveda nach Kerala, zum Sonnen nach Goa, für 1001 Nacht nach Rajasthan - der Großteil der Indien-Touristen reist auf ausgetretenen Pfaden. Zehn Gründe, warum Sie einmal Indiens zweitgrößten Bundesstaat Maharastra besuchen sollten. Von Claudia Pientka

One night in Bombay - die Einwohner Mumbais sind mächtig stolz auf ihr Nachtleben© James Davis; Eye Ubiquitous/Corbis
1. Shop and Party in Bombay Ganz egal wie sehr sich der Erstreisende innerlich auf Indien vorbereitet hat, der erste Schritt aus Bombays Flughafen ist wie der Sprung in einen lauwarmen Tümpel voller Kaulquappen. Die klimatisierte Gänsehaut überzieht sich mit einem feuchten Film, hunderte Arme reißen sich um den Rollkoffer, Rikschas überfahren die Füße auf dem Zebrastreifen. Bombay, das 1995 offiziell in Mumbai umgetauft wurde, ist Indiens Schmelztiegel. Die Hauptstadt des Bundesstaats Maharastra wird von 18 Millionen Menschen bevölkert - doch wie viele tatsächlich in den etlichen Slums leben, kann nur geschätzt werden. Das Tor nach Indien wurde Mumbai einst genannt und auch heute noch ist die Stadt für die meisten Touristen der Ankunftshafen, von wo sie in den Subkontinent ausschwärmen. Dabei lohnt es sich, einige Tage in das Gewirr von Indiens größter Metropole einzutauchen.
Mumbai ist Indiens Wirtschafts-, Finanz- und Filmzentrum, doch für die Bewohner ist die Stadt vor allen Dingen ein riesiger Bazar. Vormittags feilschen sie auf dem Crawford Markt um die duftendsten Mangos oder decken sich an einer Bude namens "Deo-World" mit Seife ein.
Am Nachmittag füllen sich die Rolltreppen der klimatisierten Shopping-Arkaden. Mumbais Teenager verbummeln ihre Zeit genauso gern in den glitzernden Malls wie ihre Altersgenossen in den USA; der einzige Unterschied zu den US-Zentren sind die Fressecken: Statt dem Bratgeruch von Burgern und Hotdogs wabert dort der Duft von Samosas und Chicken Tikka durch die Luft.
Doch die wahre Leidenschaft indischer Käufer entdeckt man nicht in funkelnden Glasgebäuden, sondern in weit verzweigten Tante-Emma-Läden. Abgeschieden vom Tageslicht verkaufen hier 90 von hundert Buden elektronische Kleingeräte: Ipods, Digitalkameras und vor allem Handys. Kein deutscher Elektrohandel könnte mit der farbenprächtigen Auswahl mithalten - und die Inder lieben es, sich gegenseitig mit den neuesten Modellen zu übertrumpfen.
Wer nach dem Einkaufsmarathon noch Kraft hat, sollte einen Ausflug in Mumbais Nachtleben wagen. Zum Sonnenuntergang trifft man sich zum Sehen und Gesehen-Werden auf der Dachterrasse des Intercontinental Hotel. In den weißen Sesseln des "Dome" kann man zuckersüße Mango-Daiquiris schlürfen und auf Mumbais beleuchtete Strandpromenade zu blicken. Weil sich die Straßenlaternen um die geschwungene Bucht schmiegen, bekam der Marine Drive den Beinamen "Queen's Necklace" - das Kollier der Königin.
Nach dem Aperitif geht's weiter ins "Wink", der Bar des Taj President Hotels. Hier haben die weiblichen Besucher ihre Saris längst gegen tief dekolletierte Seidentopps und hautenge Jeans getauscht und die Barkeeper flirten so professionell wie auf Ibiza. Zum Abtanzen zieht die partywütige Meute schließlich in einen der vielen Nachtclubs, derzeit besonders beliebt ist das Enigma. Dort unterscheiden sich die Preise dann nicht mehr von denen New Yorker Nachtclubs - aber wenn man Glück hat, sitzt am Nebentisch ein waschechter Promi wie Angelina Jolie.