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11. Mai 2009, 16:40 Uhr

Tatverdächtige Schülerin bleibt unauffindbar

Die Schülerin, die am Morgen an einem Gymnasium in St. Augustin einen Amokalarm ausgelöst hat, befindet sich weiter auf der Flucht. Inzwischen hat die Polizei ein Fahndungsfoto der 16-jährigen Tanja O. veröffentlicht. Doch von dem Mädchen, das unter Verdacht steht, eine Mitschülerin mit einem Messer verletzt zu haben, fehlt jede Spur.

Amok, Amoklauf, Schule, Gymnasium, Sankt Augustin, Messer

Mit diesem Foto (nachträglich unkenntlich gemacht) fahndete die Polizei nach der 16-jährigen Tanja O. aus St. Augustin© Henning Kaiser/DDP

Nach dem Amokalarm am Montag an einem Gymnasium in Sankt Augustin bei Bonn hat die Polizei am Abend ein Fahndungsfoto von der geflüchteten Schülerin veröffentlicht. Bei ihr handele es sich um die 16 Jahre alte Tanja O. aus Sankt Augustin. Das Mädchen stehe im Verdacht, eine Mitschülerin mit einem Messer verletzt zu haben, teilten Staatsanwaltschaft Bonn und Kölner Polizei mit. Die 16-Jährige hatte zudem möglicherweise einen Brandanschlag auf ihre Schule geplant. Zur Tatzeit sei Tanja O. mit einer dunklen Jeans und einem dunkelbraunen T-Shirt bekleidet gewesen.

Offenbar hat die Flüchtige ihre Schule schon in der vergangenen Woche bedroht. Das teilte die nordrhein-westfälische Schulministerin Barbara Sommer (CDU) in Düsseldorf mit. Das Mädchen sei deshalb eigentlich für diesen Montag zu einer "Gefährdungsansprache" mit dem Schulpsychologen einbestellt gewesen.

Womit die 16-Jährige der Schule konkret gedroht hatte, konnte die Ministerin nicht sagen. Es verdichteten sich aber die Hinweise, dass sie die Täterin ist. Sommer äußerte sich "sehr bestürzt" über den Fall, der sich nur zwei Monate nach dem Amoklauf von Winnenden ereignete. Anders als in Winnenden soll sich die Tat in Sankt Augustin außerhalb des Klassenraums ereignet haben.

Das Albert-Einstein-Gymnasium bei Bonn hatte am Morgen Amokalarm ausgelöst, nachdem eine 17 Jahre alte Schülerin durch einen Messerangriff verletzt worden war. Dabei sei ihr ein Daumen abgetrennt worden, sagte Sommer. Sie werde in der Kölner Uniklinik behandelt. Die Ärzte bemühten sich, den Daumen zu retten.

Messer-Attacke auf der Schultoilette

Das Opfer hatte die maskierte 16-Jährige laut Polizei mit einem Rucksack bepackt um kurz nach 9 Uhr in der Schultoilette angetroffen und wurde dort von ihr mit einem langen Messer attackiert. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte, es gebe zurzeit keine Hinweise darauf, dass die 17-Jährige versucht habe, die Täterin "durch beherztes Eingreifen" am Anzünden der Schule zu hindern. Lehrer hörten die Schreie des Opfers, als die Tatverdächtige auf sie losging, und brachten die Verletzte daraufhin ins Schulsekretariat.

Zeugenaussagen zufolge war die 16-Jährige maskiert und mit mehreren Messern bewaffnet in das Gymnasium eingedrungen. Nach dem Amokalarm brachten Spezialeinsatzkräfte die rund 800 Schüler in einer Turnhalle in Sicherheit. Bei der groß angelegten Durchsuchung des Gebäudes entdeckte die Polizei auf einer Toilette einen Rucksack mit einem Molotow-Cocktail, einer Gaspistole und einer Maske. "Ob tatsächlich geplant war, Brandsätze in die Schulräume zu werfen, wissen wir nicht", sagte ein Sprecher der Bonner Staatsanwaltschaft. Die mutmaßliche Täterin sei auf der Flucht, und die Verletzte habe noch nicht vernommen werden können. Es bestehe aber ein "vager Anfangsverdacht" für einen Amoklauf.

Die Fahndung nach der 16-jährigen Tanja O. aus St. Augustin laufe, sagte ein Polizeisprecher. Bis zum Abend blieb das Mädchen allerdings unauffindbar. In der Wohnung der flüchtigen Schülerin sei ein Feuerlöscher sichergestellt worden, der mit einer noch unbekannten Substanz gefüllt gewesen sei.

Verstörte Schüler, besorgte Eltern

Verstörte Schüler konnten das Geschehen auch Stunden später noch nicht fassen: Der 14-jährige Stanislaw, der die gegenüber dem Gymnasium liegende Realschule besucht, glaubte zunächst an eine Notfallübung, als den Kindern verboten wurde, in der Pause auf den Schulhof zu gehen. "Als ich dann aber die Polizisten mit den Waffen gesehen habe, dachte ich sofort an einen Amoklauf. Da hatte ich schon Angst", sagte er.

Viele besorgte Eltern hatten während des Einsatzes bei strömendem Regen vor dem Schulgebäude des Albert-Einstein-Gymnasiums ausgeharrt. Erst am Mittag konnten sie ihre Kinder wieder in die Arme schließen. Auch eine seelsorgerische Betreuung sei eingerichtet worden, erklärte die Polizei.

Der Landrat des Rhein-Sieg-Kreises, Frithjof Kuhn, zeigte sich über den glimpflichen Ausgang erleichtert: Schule und Einsatzkräfte hätten sehr besonnen reagiert und es habe keine Risiken gegeben. Eine zunächst angekündigte Elternversammlung am Montagabend zur Aufarbeitung der Geschehnisse wurde wieder abgesagt, die Eltern sollen in Kürze mit einem Brief informiert werden.

Am Dienstag sind in den zehnten Klassen in Nordrhein-Westfalen die zentralen Abschlussprüfungen angesetzt. Schulministerin Sommer sagte, Schüler des Albert-Einstein-Gymnasiums könnten über die Teilnahme selbst entscheiden. Wer nicht kommen wolle, erhalte einen Nachschreibetermin. Die Ministerin kündigte an, das Gymnasium am Dienstag zu besuchen, um mit Lehrern, Eltern und Schülern zu sprechen.

mad/DPA/AP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
confused (12.05.2009, 00:13 Uhr)
Lustig anzusehen
das wieder alles auf PC Spiele, schlechte Erziehung, schlechtes Elternhaus etc. versucht wird zu schieben... und wenn sie jetzt mit Barbie Puppen gespielt hat ? und als liebste Beschäftigung die Nachrichten im TV hatte ? dort den Terror in der Welt gesehen? mhmm na was verbieten wir denn jetzt ??
WER ist dieses mal der Sündenbock?
Schuld ist nur eines - die Fehlschaltung die es im Kopf des Mädels gegeben hat, warum wieso weshalb... sprich die wirkliche Wahrheit wird womöglich nie ans Tageslicht kommen. Kann alles mögliche gewesen sein, jedoch HALT ! irgendein Schuldiger MUSS ja heutzutage gefunden werden...
gute nacht alle mit einander ...
Klaus_P (11.05.2009, 23:11 Uhr)
Braucht Schäuble
wieder mal nen Grund für seine "Terrorgesetze"? Wundern würde mich das nicht wenn sowas noch richtig gehyped wird damit andere daraus Profit schlagen können...
horst.pachulke (11.05.2009, 22:27 Uhr)
Schulen machen aggressiv! Verbieten!!!
Immer wieder kommt es an einer Institution, zu der jeder Bürger mit staatlichen Repressionsmaßnahmen getrieben wird, zu Ausbrüchen von Aggressionen, teils dramatischen Ausmaßes.
.
Offensichtlich scheint diese Form des Umgangs derlei Reaktionen hervorzurufen. Es wäre sinnvoll, über ein Verbot der sogenannten "Schule" nachzudenken. Die nachteiligen Auswirkungen auf Seele, Körper und Verhalten der dort, z.T. gegen ihren Willen festgehaltenen jungen Menschen lassen sich nicht länger rechtfertigen.
butcher99 (11.05.2009, 21:44 Uhr)
unglaublich
@asb1602:
Ich könnte es sehr gut verstehen, wenn Sie sich noch ärgerlicher geäussert hätten. Ich wünsche Ihrem Kind, dass es das Trauma schnell verarbeiten kann.
Zur Berichterstattung: so so die 16 jährige hat also eine eigene Wohnung.
An die Sicherheitskräfte:
und läuft noch frei rum; so so, muss ein7e Gewaltverbrecher/in eines ganz besonderen Kalibers sein. Dann zieht Euch mal warm an.
Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte. Bin trotzdem mal dafür weg.
asb1602 (11.05.2009, 21:19 Uhr)
Amoklauf in Sankt Augustin
Ich bin Mutter eines Mitschülers dieses Mädchens - nach Winnenden wurde einen Tag später ein Trittbrettfahrer, der einen Amoklauf telefonisch angekündigt hatte, mit allen Mitteln verfolgt und am gleichen Tag noch verurteilt - dieses Mädchen hat letzte Woche Drohungen ihren Mitschülern gegenüber massiv geäußert und anstatt sofort darauf zu reagieren, wurde sie Tage später zu einem "Gespräch geladen" ... sie hatte ihren Mitschülern angekündigt, dass sie alle die Abschlußarbeiten, die morgen stattfinden sollten, nicht schreiben werden - auf den Elternabend der Schule bin ich gespannt, vor allem auf die Antworten der Verantwortlichen...
Die Schule hat zu erklären, warum ausgerechnet in einer unüberschaubaren Ausnahmesituation Feueralarm ausgelöst wurde - die Kinder befanden sich anfangs außerhalb ihrer Klassenräume und wurden von aufgeregten Lehrern wieder in ihre Räume "getrieben" - wäre die mutmaßliche Täterin vom Kaliber des Winnenden-Amokläufers gewesen, wären ihr die Kinder direkt vor die Füsse gelaufen!
Ach-nee (11.05.2009, 20:48 Uhr)
Ich denke...
Schlimm was in manchen Köpfen so passiert. Die Ursachen sind wohl vielfältiger Natur, wie bekloppte Eltern,eigenatige unsoziale Umfelder, Unterschichten-Fernsehen,religiöse Verblendung, Erziehungsdefizite, Ungebildetheit und noch viele andere Aspekte.
Will man hier nun wirklich Lösungen finden?
OhneSinnUndVerstand (11.05.2009, 20:24 Uhr)
Wo bleibt der Aufschrei gegen die neuen Medien?
Internet, Videospiele, Paintball, dass ganze Teufelszeug. Warum schreit jetzt kein Politiker nach verboten?
Jepp, Mädchen interessieren sich für sowas nicht und Politiker nur für Schlagzeilen.
Medien und Politiker - Ihr seid scheiße
Blacky007 (11.05.2009, 20:11 Uhr)
@Olga1805
Einfach mal googlen nach: counterstrike frauenclan - soviel dann zu "Mädchen spielen das nicht"...wobei ich die Kernaussage "peinliche Verlogenheit" durchaus genauso sehe.
Tucek (11.05.2009, 20:09 Uhr)
Deutschland braucht
mehr Psychologen. Es dürfen keine Kunstfehler passieren.
bR4iNST0RM (11.05.2009, 18:46 Uhr)
Oha...
Die Politiker sind auch nur Menschen, ergo laufen auch sie den Weg des geringsten Widerstandes, und machen Dinge zu Sündenböcken, wovon sie einerseits überhaupt keine Ahnung haben, und andererseits darauf hoffen, dass deren Sündenbock die Schelte ohne Murren einsteckt.
Ignorieren und Verdrängen ist die Taktik „unserer“ Vertreter. Frei nach dem Motto: aus den Augen, aus dem Sinn. Wobei das keine Schuldzuweisung für diesen Fall sein soll!!! Nur eine Fehlerquelle im Umgang mit diesen Themen Seitens der Politik.
Jetzt kommt mal eine Weisheit aus dem Fundus meiner Oma: „Sag mir mit wem Du gehst, und ich sage Dir, wer Du bist.“ Und Sie hat Recht.
Denn bei einem Amoklauf haben ganz andere Dinge versagt, z.B. die Erziehung bzw. das soziale Umfeld. Hier wird auch gerne auf den Lehrern rumgehackt…die sind aber durch Unterbesetzung und mangelhafter Ausbildung oft bis zu erbrechen Überfordert. (hier trägt der Staat, bzw. die Bildungspolitik ein Gros der Schuld!)
Alles in allem kann aber niemand mit Gewissheit sagen, ab wann der Zenit überschritten ist, ab dem der „normale“ Verstand aussetzt und der Amoklauf beginnt…bzw. der Gedankengang dazu.
Was allerdings Helfen könnte, ist ein größeres Engagement in Bezug auf unsere Nachkömmlinge und deren Möglichkeiten, sich in ihrer Freizeit auch abseits der „Strasse“ Sinnvoll einer Beschäftigung hingeben können, die mal nicht mit „Happy Slapping“ oder wahlloses „Passantenprügelnplusausrauben“ zu tun hat. Aber dazu ist es auch wiederum notwendig, sich von der konservativen Einstellung zu lösen, dass Klavierunterricht oder Töpfern nicht zu den favorisierten Freizeitaktivitäten unserer Zöglinge gehören.
Um den „Buhmann“ als Alternative zu nennen: Paintball gehört zu den Spielen, die Aggressionen abbauen und nicht aufbauen. Allerdings ist es heutzutage vielen Eltern nicht mehr möglich, diese Freizeitgestaltung der Kids zu finanzieren. Ergo drehen wir uns in Sachen gesamtsoziale Entwicklung im Kreis und dadurch bleibt alles beim Alten, bis wieder etwas passiert und alle nach Regulierungen schreien.
Sind wir wirklich so schlecht beraten, das wir durch unser eigenes Handeln ständig selbst auf den Füssen stehen?
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